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AUFSTIEGSTRAINER DER RBL-FRAUEN SEBASTIAN POPP IM INTERVIEW

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Leipzig - (03.06.2017) Von der Hobbyliga bis zur Regionalliga-Meisterschaft: Sebastian Popp führte die Frauen von Eintracht Süd zu unerwarteten Erfolgen. Mittlerweile ist er Trainer der RBL-Frauen und schaffte mit diesen den Durchmarsch durch die Landesliga. Im Gespräch mit uns sprach er über die Herausforderungen der abgelaufenen Spielzeit, die Entwicklung der Mannschaft und die neuen Ziele in der Regionalliga.

RB-Fans.de: Herr Popp, zunächst einmal Glückwunsch zum Gewinn der Landesligameisterschaft und dem Aufstieg in die 3. Liga. War der Durchmarsch tatsächlich so leicht, wie es die Ergebnisse in der Liga darstellen?

Sebastian Popp: Insgesamt war es eine nicht so leichte Saison wie man meinen könnte, weil sie aufgrund der vielen Spiele sehr lang war und es auch einige Gegner gab, die uns ordentlich gefordert haben. Das Spiel in Bischofswerda haben wir beispielsweise erst mit dem Schlusspfiff gewonnen oder gegen Görlitz gab es nur ein Remis. Die Mannschaft hat in dieser Saison gelernt, mit ganz verschiedenen Situationen umzugehen. Es war eine große Herausforderung gegen tiefstehende Mannschaften zu spielen, die sich hinten reinstellen und mit zehn Spielerinnen am eigenen Strafraum verteidigen. Im Laufe der Saison kam unsere Mannschaft damit aber immer besser zurecht und hat auch passende Lösungen gefunden.


Es gab ja durchaus zu Saisonbeginn einige Aufregung über den Einstieg von RB Leipzig. Können sie kurz aus ihrer Sicht schildern, was da passiert ist?

Es war eine unglückliche Kommunikation zwischen Vereinen und Verband, der zu Irritationen bei den jeweiligen Clubs geführt hat. Aber das hat sich mit der Zeit auch wieder gelegt – auch aufgrund des runden Tischs mit dem Verband und den zahlreichen Gesprächen. Im Laufe der Saison wurden wir immer freundlicher und respektvoller empfangen. Wir hatten mit der Mannschaft wenig schlechte Erlebnisse in der Liga.

Es war natürlich nicht einfach, dass die Spiele zu Saisonbeginn annulliert wurden und wir die Saison neu starten mussten. Auch die neue Regelung, sieben U17-Spielerinnen in der Startaufstellung zu haben, war für uns eine Umstellung. Aber es hat letztlich dazu geführt, dass die Mannschaft durch die Situation enger zusammengewachsen ist.


Wie war das für sie als Trainer? Solch eine Regelung wirft doch die Kaderplanung über den Haufen?

Es war von Beginn an einer unserer Schwerpunkte, junge Talente zu fördern. So wird das auch in der kommenden Saison sein. Schwierig war es nur dahingehend, dass das Konkurrenzprinzip im Kader ausgehebelt wurde. Ich hatte neun U17-Spielerinnen im Team, sieben davon mussten immer von Beginn an spielen. Aber wir haben das sehr gut gelöst. Es hat sich niemand darauf ausgeruht, dass sie einen Startplatz sicher hat. Das war extrem positiv.


Gibt es eine Spielerin, die eine besonders positive Entwicklung über die Saison hinweg genommen hat?

Es haben einige Spielerinnen eine gute Entwicklung genommen. Aber ich möchte niemanden hervorheben, sondern nur beispielhaft nennen. Chiara Graf und Aline Wegerdt sind sehr junge Spielerinnen, die sich im Laufe der Saison mit Hinblick auf Handlungsschnelligkeit, Verantwortung und Selbstbewusstsein sehr gesteigert haben. Sie haben vielleicht nicht viele Tore geschossen, ganz im Gegenteil, jeder hat glaube ich nur ein Tor erzielt, aber sie haben von der Entwicklung und ihrem Auftreten einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das hat mir sehr gut gefallen.


Wo bestand für das Team in der Saison die größte Schwierigkeit? Dass sie neu zusammengestellt wurde oder einen Spielstil umsetzen sollte, den sie vorher noch nicht kannten?

Sie haben sich schnell an die Gegebenheiten gewöhnt. Es war eine Saison fast ohne zwischenmenschliche Probleme, das habe ich so auch sehr selten bislang erlebt. Die Mannschaft war sehr harmonisch und das ist wirklich nicht übertrieben. Es war ein gutes Miteinander, bei der jede der anderen etwas gegönnt hat. Auch die Lernbereitschaft neuen Trainingsinhalten und neuen Spielstilen gegenüber war sehr hoch. Das hängt natürlich auch mit den jungen Spielerinnen zusammen, denn je länger man einen komplett anderen Spielstil spielt, desto schwieriger wird es natürlich das Neue umzusetzen. Letztlich war es aber eine schöne Lernkurve in der Saison.


Worauf legen sie Wert bei der Spielphilosophie? Ist sie analog zu den Männermannschaften?

Es ist tatsächlich komplett analog zu den Herren. Aber dadurch, dass wir viele tiefstehende Gegner hatten, mussten wir im Laufe der Saison in der Praxis variieren, um uns auch auf die Gegner einzustellen. Wir haben mehr über die Außen gespielt und öfter mit Hereingaben gearbeitet. Dazu hatten wir deutlich mehr Ballbesitz als gedacht.


Aus dem Mannschaftsumfeld ist zu hören, dass sie ein sehr akribischer Arbeiter und selbst bei deutlichen Siegen nur schwer zufriedenzustellen sind. Trotzdem sind sie immer für einen Spaß zu haben - beim letzten Saisonspiel haben sie die Kabinenansprache mit einer Affenmaske gehalten. Was hatte es damit auf sich und wie würden sie sich selbst als Trainertyp bezeichnen?

Mir ist es ganz wichtig, den richtigen Mix zu finden. Es muss akribisch ablaufen und auch eine Ernsthaftigkeit geben, was das fußballerische betrifft. Aber mir sind auch die Lockerheit und der Spaß wichtig. Im Endeffekt ist es ja für die Mädels trotzdem nur ein Hobby. Sie sollen gerne zum Training gehen und der Spaß darf auch nicht zu kurz kommen. Zum Thema mit der Affenmaske: Die Mädels haben mich da am letzten Spieltag ein bisschen auf die Schippe genommen. Das war eine nette Idee und ich habe das auch gerne gemacht. Ich konnte da für einige Lacher sorgen. Zum Glück musste ich die Maske nicht während des Spiels tragen (lacht).


Eifern sie diesbezüglich einem anderen Trainer nach bzw. haben sie ein direktes Vorbild?

So direkt nicht. Es gibt natürlich ganz unterschiedliche Trainertypen. Da sind die emotionalen Trainer wie bspw. Jürgen Klopp. Dann die Ancelottis, die eher das zwischenmenschliche und harmonische pflegen. Und dann noch die akribischen Trainer wie Pep Guardiola, die aber vielleicht eher ein bisschen kühler rüberkommen. Ich versuche mir eine Mischung herauszusuchen. In der Arbeit sehr genau und detailversessen, aber auch das Menschliche darf nicht zu kurz kommen. Das ist gerade im Frauenbereich sehr wichtig. Da ist die soziale Komponente mit Kommunikation und Problemlösung noch viel wichtiger als im Herrenbereich, denke ich.


Sie sind kein hauptberuflicher Trainer, sondern gehen nebenbei noch einer andere Tätigkeit nach. Wie lange sind die beiden Karrieren miteinander vereinbar?

Momentan ist es noch sehr gut miteinander vereinbar, es ist sogar ein sehr schöner Ausgleich. Ich sitze beruflich größtenteils im Büro und freue mich, wenn ich auf den Fußballplatz kann, um im Freien auf andere Gedanken zu kommen und in einer komplett anderen Arbeitswelt zu sein.


Circa 200 Fans im Schnitt bei Heimspielen am Gontardweg, das ist für diese Liga ein überdurchschnittliches Interesse. Sind sie überrascht von der Begeisterung?

Ich habe mich sehr darüber gefreut, auch wenn ich glaube, dass da noch viel mehr Potenzial in der Regionalliga möglich ist, wenn die Gegner attraktiver werden. Ich bin aber auch sehr erfreut über die Fangruppen, die mittlerweile zu vielen Spielen kommen. Das ist für die Mädels immer ein tolles Erlebnis.


Nächstes Jahr spielen sie in der 3. Liga. Was glauben sie, was ihre Mannschaft dort erwartet und mit welchen Zielen gehen sie in die Saison?

Die ganze Mannschaft freut sich auf die Regionalliga. Die spielerische Klasse ist noch einmal deutlich höher als in der Landesliga. Wir bekommen acht Spielerinnen aus der U17, die wir natürlich erst einmal integrieren wollen. Ziel ist es, eine gute Mannschaft zu formen, uns in der Liga zu etablieren und unter die ersten drei zu kommen. Dieses Ziel halte ich für realistisch. Das wird eine schöne Herausforderung.


Es gab ja das berüchtigte Spiel in Spitzkunnersdorf, wo sie sich von den anwesenden Zuschauern einiges anhören mussten. Glauben sie, dass wird kommende Saison bei Spielen gegen Aue, Fortuna Dresden oder Union Berlin nochmal schlimmer?

Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Wir haben auch in dieser Saison gesehen, dass es mit der Zeit immer entspannter wurde und viele Vereine uns sogar sehr positiv aufgenommen haben. Ich weiß, dass sich Mannschaften wie Union Berlin und USV Jena sehr auf uns freuen. Auch im Hinblick auf eine sportliche Herausforderung. RB Leipzig hat sich mittlerweile einen Namen gemacht und das zieht auf fremden Plätzen Zuschauer an. Das freut auch die anderen Vereine.


Oliver Mintzlaff meinte neulich, dass das Ziel sei, mit den Frauen in die Bundesliga aufzusteigen. Also ist die 3. Liga auch nur eine Durchgangsstation?

Perspektivisch gesehen, ist es natürlich eine Durchgangsstation. Aber ich und die Mannschaft konzentrieren uns nur auf die neue Saison und die wird schon schwer genug. Wir wollen uns erst einmal in der Regionalliga-Spitze etablieren und dann kann man die nächsten Schritte in Angriff nehmen.


Was muss im Umfeld passiert, damit noch mehr Struktur und Professionalität in den Frauenfußball Einzug hält?

Der Frauenfußball ist komplett im Verein angekommen, das spürt man auch. Es geht jetzt schon in vielen Schritten voran und eine Professionalisierung ist auch schon festzustellen. Am Gontardweg muss perspektivisch natürlich einiges für die Zuschauer gemacht werden. Aber der Verein gibt uns große Rückendeckung und wenn er bekanntlich etwas anpackt, dann auch richtig.


Mit Eintracht Süd verloren sie drei Jahre lang kein einziges der 57 Punktspiele. Mit den RBL-Frauen sind es mittlerweile auch schon 23 Spiele ohne Niederlage. Peilen sie den nächsten Rekord an?

Schöne Statistik (schmunzelt). Die Siegesserie bei Eintracht Süd lag aber auch daran, dass wir mit der Mannschaft noch tiefer in den Ligen angefangen hatten. Wir haben erst Kleinfeld gespielt und danach Landesklasse sowie Landesliga. Ich hätte natürlich nichts dagegen, wenn der Rekord mit den RBL-Frauen gebrochen wird, aber das wird sehr, sehr schwer werden.


Das Interview führte Rojiblanco


Artikel: Einstieg der RBL-Frauen in der Landesliga
Artikel: Saisonrückblick der RBL-Frauen


Permalink:
http://www.rb-fans.de/artikel/20170603-special-interview-popp.html



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