Hallo, Tabellenplatz Eins, lang' nicht mehr geseh'n!
Nach einer Abstinenz von exakt 470 Tagen, damals übrigens noch als Meister der Oberliga, nimmt unser Klub wieder einmal die Spitzenposition der Liga ein und steht nun endlich dort, wo er (naturgemäß) auch hingehört. Durch einen „auch in der Höhe verdienten“ (Pacult) 5:0-Kantersieg, zu dem Stefan Kutschke gleich drei Treffer beisteuerte, demütigte unsere Mannschaft den VfB Lübeck vor eigenem Publikum in der Lohmühle und konnte damit, jedoch nur aufgrund des nun besseren Torverhältnisses, die Amateure des HSV überflügeln. Auch wenn es sich nur um eine „Momentaufnahme“ (Pacult) handeln mag, macht doch der äußerst souveräne Auftritt Mut für das anvisierte Ziel, wobei das Wort mit „A“ bei aller Euphorie vielleicht (noch) nicht in den Mund genommen werden sollte. Soviel sei jedoch erlaubt: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!“
Einige erinnern sich sicherlich noch an die typische Auswärtsfahrt der Vorsaison: Aufstehen zur Unzeit, stundenlange Hinfahrt durch „Regional“liga-Territorium, 90 Minuten fußballerisches „Verwöhnprogramm“, abgerundet durch eine Rückfahrt, auf der man mehr oder weniger resignierend über die momentane sportliche Situation von RB sinnierte. Aus rein rationalen Gründen sollte man seinen Sonntag eigentlich sinnvoller verbringen. Nicht so am 11. September 2011. Die immer noch „unverwüstlichen“ Auswärtsfahrer erlebten eine Partie, wie sie kaum lohnender sein konnte: Ansehnlicher Fußball, ein Sack voll Tore und der letztlich verdiente Lohn (Tabellenführung!).
Nach Eintritt in die Lohmühle wurden sofort Erinnerungen an die letztjährige Begegnung vom 9. Spieltag wach. Nach fünf Siegen in Folge wähnte man RB bereits im Aufwind, doch das trostlose 0:0 gegen streckenweise überlegene Lübecker brachte Mannschaft und Fans auf den Boden der Tatsachen zurück. Schon am folgenden Spieltag setzte es dann auch gleich die erste Saisonniederlage gegen die „kleinen Wölfe“. Man spürte, dass Leipzig gegen die Spitzenteams der Liga bestenfalls mithalten konnte, die erhoffte Dominanz jedoch vermissen lies. Sollte sich die Geschichte also wiederholen? Die erste Bewährungsprobe (gegen die Hamburger U23) konnte man trotz ordentlicher Leistung immerhin noch nicht meistern.
Ein paar Unterschiede zum Vorjahr gab es dann aber doch: So waren Gäste- und Heimblock vertauscht, was zunächst für einige Verwirrung sorgte, man fröstelte nicht auf der Tribüne, wurde stattdessen über 90 Minuten regelrecht gebraten, gewaltsame Übergriffe auf Mannschaft(sbus) und Fans blieben (meines Wissens) aus und der Heimweg glich einer Fahrt durch die Apokalypse: Über 400 Kilometer schüttete es aus Kübeln, Astwerk säumte den Asphalt und die Blitze zuckten links und rechts der Fahrbahn. Es sollte ein „Freudenfeuerwerk“ sein ...
Die Gästefans trafen schließlich ungefähr zeitgleich mit dem Mannschaftsbus ein, der sich nur unter Mühen durch die enge Passage bis zum Eingang der Umkleidekabinen unter der „Sparkassen-Tribüne“ quälen konnte. Sogar Co-Trainer Stohn musste beim Beiseiteräumen einiger Stehtische zupacken, um die letzten 20 Meter endlich freizugeben. Erst dann konnte der Ausstieg (Frahn stilecht mit Superman-Basecap) vollzogen werden. Einen zu weiten Fußmarsch wollte man trotz einiger Sicherheitsvorkehrungen wohl auf alle Fälle vermeiden.
Wie bereits dem offiziellen Spielbericht zu entnehmen ist, entwickelte sich nach Anpfiff eine sehr ansprechende, wenn auch, von den ersten zehn Minuten abgesehen, sehr einseitige Partie, bei der die Angriffe, wie gefordert, konsequent über die Flügel vorgetragen wurden, die Standards stets für Gefahr sorgten und in der im Grunde alle RB-Spieler überzeugen konnten. Und gerade die geschlossene Mannschaftsleistung war es, die selbst so manchem Lübecker Anhänger zu einer respektvollen Anerkennung bewegte. Überhaupt möchte ich an dieser Stelle die größtenteils fairen und sympathischen Marzipanstädter auf der Haupttribüne loben, was schließlich keinesfalls selbstverständlich ist (siehe Meuselwitz) und auch mit Hinblick auf die Übergriffe im letzten Jahr relativierend erwähnt werden muss. Ein VfB-Fan analysierte schließlich treffend, dass von RB im Grunde kein Einzelspieler besonders herausrage, sondern vor allem das Kollektiv bestens funktioniere. Peter Pacult sei Dank!
Man darf jedoch nicht unterschlagen, dass Lübeck spätestens nach dem 2:0 nicht mehr zu der notwendigen Gegenwehr fähig war, was jedoch nicht unwesentlich der bisher gezeigten Dominanz von RB geschuldet war. Die Spieler des VfB spürten rasch, dass sie hier keinen Blumentopf gewinnen würden, was wohl auch das Patentrezept für kommende Aufgaben sein sollte.
Trotz der exzellenten Gesamtleistung unseres Teams sollen neben dem Dreifachtorschützen Kutschke noch drei weitere Spieler Erwähnung finden, auch wenn es sich hier nur um eine persönliche Auswahl handeln mag:
1. Tom Geißler agierte wie ein junger Gott, war im Vergleich zum Tom Geißler unter Tomas Oral kaum wiederzuerkennen, dirigierte das RB-Spiel und konnte sowohl defensiv als auch offensiv überzeugen, indem er vor allem die Angriffe über die Außen einleitete, aber bei Bedarf auch die Lücken, die ihm die Lübecker nebenbei häufig gewährten, für einen intelligenten Pass in die Tiefe fand.
2. Umut Kocin zeigte ebenfalls seine vielleicht beste Partie im Bullentrikot. Womöglich wurde er sogar durch die erstmalige Anwesenheit des eigenen Fanklubs (leider nicht im Gästeblock) beflügelt. (Ja, er existiert tatsächlich!) Er beeindruckte vor allem durch seine hervorragende Ballbehandlung und konnte sich mit seinen Flanken diesmal auch effektiv im Angriff einbringen.
3. Viel Licht, ein wenig Schatten: Die so furiose Vorstellung unserer Elf ging an Last-Minute-Neuzugang Bastian Schulz weitestgehend vorbei. Was zwar auch daran liegen mag, dass er als defensiv eingestellter 6er nicht wirklich gefordert wurde, jedoch beschlich nicht nur mich das Gefühl, dass ihn seine Kollegen bewusst nicht „mitspielen lassen“ haben. Möglicherweise fürchtete der ein oder andere Spieler einen Fehlpass aufgrund fehlender Abstimmung und wählte deshalb lieber einen Kollegen, mit dem er bereits die Vorbereitung absolvierte. Die mangelhafte Integration kann aber natürlich im Laufe der Saison behoben werden.
Dennoch: Die (fast) rundum gelungene Vorstellung muss nun Spieltag für Spieltag aufs Neue bestätigt werden, um keine Zweifel an der eigenen Stärke aufkommen zu lassen. Nächsten Sonntag kann auch sofort an Lübeck angeknüpft werden: Mit dem 1. FC Magdeburg haben wir noch eine Rechnung offen. Erscheint also zahlreich!
Video:
Die Zusammenfassung bei Sport im Osten
Bilder 1:
Das Spielgeschehen in unserer Galerie
Audio 1:
Das ganze Spiel im Fanradio
Audio 2:
Interviews nach dem Spiel
Du warst im Stadion und hast alles genau gesehen? Bewerte die Spieler im Notenthread
Statistik:
VfB Lübeck: Melzer – Gebers (C), Kluk, Schaffrath, Marheineke – Cornelius, Okada, Steinwarth, Vallianos (38. Hartmann) – Kadah (60. Heidel), Duspara (73. Winkelmann)
RB Leipzig: Bellot – Müller, Ernst, Franke, Kocin – Röttger (72. Schinke), Geißler (76. Ernst), Schulz, Rockenbach (69. Heidinger) – Kutschke, Frahn (C)
Tore: 0:1 Kutschke (29.), 0:2 Frahn (34.), 0:3 Röttger (42.), 0:4 Kutschke (53.), 0:5 Kutschke (55.)
Zuschauer: 2.701
Bes. Vorkommnisse: Gelb-Rote Karte (Kluk, 44.)
Cicerico