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Die Spieler in der Einzelkritik – Fortuna Düsseldorf

Die Spieler in der Einzelkritik – Fortuna Düsseldorf

Wie schlug sich die jüngste Elf des Spieltags gegen Düsseldorf und wie ist der verdiente 3:1 Sieg einzuordnen? Wer konnte überzeugen und wo besteht noch Verbesserungspotenzial? Die Spieler in der Einzelkritik.

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Jeck – we can! Mit einem 3:1 Sieg über das drittbeste Auswärtsteam der Liga meldet sich RB Leipzig zurück. Vielleicht nicht zurück im Aufstiegsrennen, aber zumindest gibt der Sieg im Verfolgerduell neuen Mut für die anstehenden schweren Aufgaben und lässt die Resthoffnungen glimmen. Dass die wichtig sind, um auch die Zuschauer zu aktivieren, konnte man gestern sehr gut sehen. Lediglich 17.000 Zuschauer fanden den Weg in die Arena – Negativrekord!

Dabei ist ein Team wie Düsseldorf eigentlich ein attraktiver Gegner, war das Hinspiel einer der letzten wirklich überzeugenden Auftritte der Rasenballer und mitreißend bis zum Schluss. Auch gestern wusste die Begegnung zu begeistern. Eine frühe Führung und die baldige Erhöhung auf 2:0 brachten Sicherheit, die jedoch im zweiten Durchgang zeitweise wieder verloren ging. RB Leipzig gelang es, bei der Rückkehr zum 4-4-2 längst vergangener Tage, das Spiel insgesamt zu dominieren, dem Mittelfeld eine höhere Kompaktheit zu geben und offensiv eine der zwingendsten Saisonleistungen zu bieten. Neun Mal schossen die Roten Bullen direkt auf das Gehäuse von Rensing – Saisonbestwert, zuvor waren acht Schüsse aufs Tor (1860 (A) und Union (H)) unsere Topleistung. Hier setzte sich der bisher zu beobachtende Trend fort, dass unter Beierlorzer – nicht zuletzt sicher durch die größeren individuelle Klasse von Forsberg und Damari im Vergleich zu bspw. Morys und Frahn – selbst aus weniger Torschüssen (11,6 vs. 13,75) mehr direkte Torgefahr (aufs Tor zuletzt unter Alexander Zorniger (3,5, aktuell 5,4) erzeugt werden kann.

Defensiv konnte RB Leipzig die starken Düsseldorfer größtenteils kontrollieren, jedoch gab es gerade in Eins-gegen-Eins Situationen zeitweise Probleme und leichte Fehler, was besonders an den Zweikampfwerten der Defensivreihe deutlich wurde. Hier besteht weiterhin Verbesserungspotenzial, auch wenn Düsseldorf offensiv bei Leibe nicht so zum Tragen kam wie Braunschweig oder Karlsruhe.

Coltorti: Fabio mit zwei starken Paraden und einer soliden Strafraumkontrolle bei gegnerischen Standards. Beim Gegentor sicher unglücklich, da zu weit vor dem Kasten, aber auch von seinen Vorderleuten allein gelassen. Im Zusammenspiel mit der Defensive noch immer mit Verbesserungspotenzial, erlief sich Coltorti aber gut zu kurz geratene Rückpässe (wie den von Klostermann). Im Spielaufbau mit 60% Passquote – ausbaufähig. Insgesamt aber ein starker Rückhalt und mit einer Bestätigung der Leistungen des Auswärtsspieles beim KSC.

Klostermann: Der Jungspund ist Gewinner des Trainerwechsels und zeigt weiterhin seine guten Anlagen. Trotzdem tendiert er noch zu leichten Fehlern (zu kurze Rückpässe, Verhalten vor dem Gegentor, Zweikampfbilanz), der zuletzt stark umgestellte Abwehrverbund erleichtert einen Einbau von neuen Spielern jedoch auch nicht. Dazu waren die Außenverteidiger durchaus fehleranfällig. Mit 50% Zweikampfquote etwas besser als Rodnei (auch was die Laufbereitschaft anbelangt), dafür mit der schlechtesten Passquote in der Abwehr (69,2%), übernahm aber auch mehr als Rodnei die Rolle des Spieleröffners. Gemessen am aktuellen Kader gehört Klostermann trotzdem die Zukunft, sein Leistungstrend zeigt weiter nach oben.

Rodnei: Nach langer Verletzungspause jetzt quasi über Nacht als Neuzugang Abwehrchef der RBL-Defensive. Große Fußstapfen, in die Rodnei gerade treten muss. Seine Tendenz zu Grätschen ist m.E. immer noch zu hoch, auch vor dem Gegentor nimmt er sich so selbst aus dem Spiel. Auch wenn er äußerst präzise Grätschen kann (und nur selten Foul spielt (1)), so bleibt dies insgesamt ein zu riskantes Unterfangen. Herausragend natürlich sein wichtiger Treffer zum 1:0, defensiv bleibt Rodnei jedoch eher eine Gefahrenquelle. Lediglich 45,5% Zweikampfquote, geringstes Laufpensum und Anzahl von Ballkontakten pro Spielminute in der Abwehrreihe sowie nur wenige offensive Zuspiele.

Jung: Zuletzt ja öffentlich etwas gescholten, steht Jung aktuell unter verstärkter Beobachtung. Gegen Düsseldorf war die Außenbahndefensive erneut verbesserungswürdig, wobei Jung mit Forsberg auch den offensiver ausgerichteten Spieler vor sich hatte. Mit 33,3% Zweikampfquote war die Problematik jedoch offensichtlich, wobei Jung allerdings im Defensivdrittel nur zwei von sechs Zweikämpfen verlor. Offensiv mit lediglich einem Torschuss deutlich weniger sichtbar als Teigl, bleibt Jung in einer kleinen Formkrise, dafür läuferisch der stärkste Abwehrspieler (11 km,wie auch in den Sprints (23)).

Teigl: Leicht angeschlagen ins Spiel und später durch Demme ersetzt, war Teigl offensiv an einigen Aktionen beteiligt (2 Flanken / 4 Torschussbeteiligungen). Dazu bester Zweikämpfer in der Abwehrreihe (52%, 50% in der eigenen Hälfte), wobei Demme später defensiv stabiler war (66,7% in der eigenen Hälfte), meiste Ballkontakte (73) und Passquote (75,6%) der Abwehrspieler. Teigl bleibt durch seine offensivere Ausrichtung ein wichtiger Faktor, der gerade durch einen defensiveren Außenbahnspieler wie Hierländer besser abgesichert werden kann, als zuletzt im 4-3-3 oder im 4-3-1-2.

Kimmich: Konnte man am Ende der Rückrunde und auch zu Beginn des Jahres noch Zweifel daran hegen, ob Kimmich in die großen "Bazi"-Schuhe hineinwachsen kann, so wird der junge Rottweiler immer mehr zu dem bestimmenden Element des Leipziger Spiels und kratzt diesbezüglich an der Führungsrolle des Kaisers. Mit 79 Ballberührungen nur knapp hinter Kaiser, dafür mit der besten Passquote (75,5%) der Mittelfeldspieler und dem unbändigen Willen sowie der dazugehörigen Kontrolle des Spielgeräts beim vorentscheidenden Treffer zum 2:0. Mit 60% dazu bester Zweikämpfer und Läufer (12,8 km) im Team und entscheidend (Pass auf Damari) an der Einleitung des 3:1 beteiligt. Schade, dass Kimmich uns in nicht mal zehn Spielen verlässt, seine Lücke wird schwer zu schließen sein.

Kaiser: Der Mittelfeldchef hatte bei der Ecke zum 1:0 etwas Glück, dass der Ball bis zu Rodnei durchsegelte und nicht geklärt wurde, so ein Tor sieht man auch nicht alle Tage. Danach war es aber viel Stückwerk, wobei es bei Kaiser auch immer eine Kritik auf gehobenem Niveau ist. Denn fünf Torschussbeteiligungen und 50% Zweikampfquote lesen sich nicht so schlecht. Allerdings führte Kaiser die wenigsten Zweikämpfe der Mittelfeldreihe, lief die wenigsten Kilometer sowie Sprints und hatte dazu die niedrigste Endgeschwindigkeit und den kleinsten Aktionsradius. Seine Passquote von 64,4% war zwar solide, aber deutlich schlechter als die seines Nebenmannes (absolut die meisten Fehlpässe aller Feldspieler). Insgesamt geht es für den Mittelfeldregenten aber wieder aufwärts, hatte das umgestellte Mittelfeld deutlich mehr Zugriff auf das Spielgeschehen und funktionierte die Tiefenstaffelung besser als noch in der ersten Halbzeit in Karlsruhe.

Hierländer: Ein echter Gewinn für das Team. Hatten einige „Hierle“ im Winter noch abgeschrieben und unkten, dass seine Einwechslung in Aue der Sargnagel des Spiels und Zornigers war, machte er am Montag im neuformierten 4-4-2 eine sehr gute Figur als rechter Mittelfeldspieler und stabilisierte das Mittelfeld wie schon in Karlsruhe. Zweitmeiste gelaufene Kilometer (12,7), zweitmeiste absolvierte Zweikämpfe (42 – 40,5%). Defensiv hielt er Teigl den Rücken frei, auch wenn noch nicht alles Gold war (deutlich schlechtere Zweikampfquote als Kimmich oder Kaiser, schlechteste Passbilanz im Mittelfeld und wenig offensive Pässe), so zeigt auch hier die Formkurve nach oben, gerade wenn man dazu noch bedenkt, dass Hierländer als gelernter zentraler Mittelfeldspieler positionsfremd spielte. Offensiv mit vier Torschussbeteiligungen ebenfalls eine Belebung, wenngleich er etwas glücklich für Kimmich auflegt.

Forsberg: Wie Damari wartet der Schwede auf das Platzen des Knotens, was den Torerfolg anbelangt. Gegen Düsseldorf war er ganz nah dran, hätte die Pille bei seiner Hundertprozentigen (79.) eigentlich versenken müssen. So blieb es bei drei Torschussbeteiligungen und einigen guten Szenen. So holte er die Ecke zum 1:0 raus und leitete das 2:0 mittels Flanke ein. Zwar ließ er ab und an seine Klasse aufblitzen, insgesamt aber nicht mit dem ganz großen Spiel, denn mit 35,3% Zweikampfquote blieb er hinter den Erwartungen zurück und war zweitschlechtester Startspieler im RBL Dress (trotz guter 34 Duelle) und mit 38 Ballkontakten auch mit weniger Einfluss aufs Spiel als seine Mittelfeldkollegen. Dies könnte zumindest teilweise auch an dem gerade überstandenen Magen-Darm-Infekt liegen. Andererseits bleibt wie bei Damari auch zu beobachten, dass die Neuzugänge sich noch dem Defensivkonzept des Teams anpassen müssen (wenig Defensivsprints, kaum Zweikämpfe in der eigenen Hälfte).

Poulsen: Endlich mit dem erlösenden Tor, welch eine Last da von Poulsen abgefallen ist, konnten die Fans im weiten Rund fast schon körperlich spüren. Auch sonst war der junge Däne im Glück, zwei Fouls an sich gepfiffen bekommen und dabei sogar Gelbe Karten rausgeholt, ein absolutes Unikum. Mit 43 Zweikämpfen (48,8% Zweikampfquote) und 36 Sprints wieder der umtriebigste RBL-Akteur. Dazu bis auf ein paar Ausnahmen mit wenig Meckerei Richtung Schiedsrichterteam. Lieferte sich einige hitzige Duelle mit Tah und kam letztlich auf fünf Torschussbeteiligungen.

Damari: Seine abgezockte Ablage auf Poulsen beim 3:1, war wahrscheinlich die fußballerisch schönste Szene des Spiels. Erstaunlicherweise der zweitbeste Zweikämpfer des Teams (57,1% und immerhin 28 Duelle) und wiederum mit einer sehr guten Passquote (83,3% ebenfalls Teambestwert). Trotzdem können auch Kritikpunkte angebracht werden: Keine Defensivsprints, kaum Defensivzweikämpfe, nur drei Torschussbeteiligungen und die wenigsten Ballkontakte der Startspieler. Abgesehen von den Defensivwerten ist Damari trotzdem eine Verbesserung zu jedem Stürmer, der sich im Laufe der Hinrunde daran versucht hat, neben Poulsen in der Sturmspitze zu glänzen.

Demme: Kam erneut als Rechtsverteidiger aufs Feld und war defensiv sehr abgeklärt, wenn auch nicht so dynamisch wie Teigl. Hat wahrscheinlich gute Chancen, in Heidenheim die Vertretung des gelbgesperrten Österreichers zu übernehmen. Mit nur zwei Offensivsprints, null gewonnenen Duellen im Offensivdrittel (von 5, Quote insgesamt nur 38,5%) und lediglich 55,6% Passquote noch mit einigem Verbesserungspotenzial. Eine Umschulung (Demme hat ja schon früher als RV gespielt) scheint zwar möglich, dürfte aber nach einer Entspannung der Verletzungssituation eher unnötig sein. Demme hat einiges Potenzial, aktuell stagniert seine Entwicklung jedoch ein wenig. Seine defensiven Fähigkeiten machen ihn aber auch als Wechselspieler wertvoll.

Kalmár&Reyna: Kurzauftritte ohne große Wertigkeit. Beide benötigen für eine weitere Entwicklung unbedingt mehr Spielzeit. Durchaus möglich, dass man im Sommer andere Lösungen finden muss. Kimmichs Abgang könnte diesbezüglich Räume eröffnen, dürfte aber extern kompensiert werden.

Fazit: Absolut verdienter Sieg gegen erstaunlich schwach aufspielende Düsseldorfer, die nur selten zeigten, warum sie zu den besten Auswärtsteams der Liga gehören und sich somit langsam aus dem Aufstiegsrennen abmelden. RB Leipzig wahrt zumindest die Minimalchance, jedoch sollte der Sieg nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für Beierlorzer noch einiges zu tun gibt. Defensive Abstimmung der Neuzugänge, Auswärtsschwäche, Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, Spieleröffnung und Passbilanz. Mit Heidenheim wartet nun auswärts ein Gegner, der uns recht gut kennt und in den letzten zwei Spielen einige Probleme bereitet hat, aber aktuell auch etwas in der Formkrise steckt. Es wird Zeit, dem einzigen wirklich überzeugenden Auswärtsauftritt (1860) mal einen zweiten folgen zu lassen und mit Beierlorzer den berüchtigten nächsten Schritt zu gehen.

Rumpelstilzchen

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