Die Salzburger Meister kommen!
Gulácsi
Mit Péter Gulácsi kommt der Stammtorhüter der letzten beiden Jahre vom österreichischen Doublegewinner Red Bull Salzburg zu uns. Der in der ungarischen Hauptstadt Budapest geborene ungarische Nationalspieler wechselte bereits mit 17 Jahren nach England zu Liverpool, wo er Einsätze in der 2. Mannschaft erhielt. Der Durchbruch beim englischen Spitzenklub blieb ihm in jungen Jahren jedoch verwehrt, so dass er zu Hereford United und Tranmere Rovers verliehen wurde. Dort konnte er sich immerhin für den damaligen englischen Zweitligisten Hull City empfehlen. 15 Spiele absolvierte er für Hull mit denen er offenbar Ralf Rangnicks Aufmerksamkeit erzeugte. Mit seinem Wechsel nach Salzburg wurde er zum absoluten Stammspieler und auch in der Saison 2013/2014 zum besten Torhüter in Österreich ausgezeichnet. In dieser Saison konnte er nicht ganz an seine Topleistungen anknüpfen und patzte u.a. beim Spiel in der Champions-League-Qualifikation gegen Malmö bei einem Abstimmungsfehler mit einem Abwehrspieler und auch im österreichischen Pokalfinale am Mittwoch als er beim Herauslaufen die rote Karte erhielt.
Es wird spannend zu sehen sein, ob der aktuell mit einem Marktwert von 1,75 Mio. Euro bezifferte Spieler am notenbesten Keeper der 2. Bundesliga Fabio Coltorti vorbeikommt. In jedem Fall dürfte der Kampf um die Nr. 1 im Tor deutlich härter sein als in den letzten Jahren. Vor dem Hintergrund der Verletzungsanfälligkeit Coltortis in den letzten Spielzeiten (hat in ca. 30 Spielen gefehlt) ist der Transfer in jedem Fall nachvollziehbar. Mit 25 Jahren ist er neun Jahre jünger als Coltorti und seine Vertragslaufzeit bis 2019 verdeutlicht, dass man langfristig mit ihm plant. Ob als Nr. 1 oder 2 bei einem Bundesligaaufstieg, bleibt abzuwarten.
Ilsanker
Mit dem 26-jährigen Stefan Ilsanker wechselt die "Pressingmaschine" der Salzburger nach Leipzig. Seit Ralf Rangnick den sportlichen Kurs vorgab, entwickelte sich Stefan Ilsanker zu einem Idealspieler für Pressing und Gegenpressing. Unter Roger Schmidt war der österreichische Nationalspieler häufig der erste Spieler, der den Gegenspieler anlief und den Ball eroberte. Nach Balleroberung kann "Ilse" den Ball schnell wieder vertikal spielen. Unter Adi Hütter wurde Ilsanker aus Innenverteidigermangel in der Viererkette eingesetzt, wobei er da seine Stärken nicht so ausspielen konnte. Seine defensive Flexibilität brachte Stefan bis in die österreichische Nationalmannschaft, wo er am 14. Juni in Moskau gegen Russland wohl zu seinem achten Einsatz kommt. Die Konkurrenz auf seiner Position in der ÖFB Auswahl geben vor, wo der Kurs für den Salzburger Doublesieger hingehen soll. Baumgartlinger (Mainz) und Alaba (Bayern) gilt es unter Druck zu setzen. An dem 1,89 m großen Defensivspezialisten werden häufig mangelnde Pressingressistenz und Schnelligkeit kritisiert. Eigenschaften an denen er bei der Leipziger Konkurrenz im Mittelfeld arbeiten muss. Rani Khedira und Stefan Ilsanker sind auf jeden Fall für ein defensives Mittelfeld hochklassige Optionen.
Quaschner und Prevljak
Eigentlich sollte Nils Quaschner schon seit Winter am Cottaweg auf- und ablaufen. Jedoch verhinderten die Statuten der Fifa einen Wechsel des deutschen Stürmers. Diesen Sommer steht niemand mehr im Weg. Schon einmal dachten viele, dass Quaschner künftig im Leipziger Trikot auflaufen würde. 2013, nachdem Nils mit dem FC Hansa Rostock im U19-Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen Wolfsburg unterlag, kam der Kontakt mit Ralf Rangnick zustande. Allerdings wechselte der gebürtige Stralsunder nicht nach Leipzig, sondern zum Ausbildungsteam nach Liefering. Bei dem von Peter Zeidler trainierten österreichischen Zweitligisten reifte Quaschner zum Torgarant (27 Spiele / 14 Tore / 6 Vorlagen). Da sich die Philosophie auch hier durch alle Red Bull Teams zieht, wurde er vertraut mit den Eigenheiten des Pressingsystems im von Zeidler favorisierten 4-3-3. Grund genug für den neuen Salzburger Trainer Adi Hütter, ihn in das Salzburger Team hochzuziehen. Trotz harter Konkurrenz wie Soriano, Alan oder Sabitzer kam Quaschner auf einige Kurzeinsätze in der ÖFB Bundesliga, der CL-Qualifikation und EuroLeague. Das Highlight dürfte dabei das Spiel gegen Rapid Wien gewesen sein, als Quaschner 15 Minuten vor Schluss bei einem 0:1 Rückstand eingewechselt wurde und mittels einer Vorlage und einer Vorvorlage am 2:1 Sieg entscheidend mitwirkte. Dazu konnte er auch noch selber aufs Tor schießen. Salzburg gewann das prestigeträchtige Duell und Quaschner bekam im nächsten Spiel den Startelfeinsatz gegen Wiener Neustadt. Auch hier konnte er noch eine Vorlage zum 4:1 Sieg beisteuern. Gerade wo sich alles perfekt entwickelte, schlug das Verletzungspech zu. Muskelbündelriss: 10 Wochen Pause. Nach langer Verletzung und einem kurzen Zwischenspiel in Leipzig versuchte Quaschner sich in der Rückrunde wieder an den Salzburger Kader ranzukämpfen. Durch den im Winter zusätzlich verpflichteten Djuricin wurde die Konkurrenz nicht kleiner. Wegen einer Sprunggelenksverletzung wurde Quaschner noch ein weiteres mal eingebremst. Fünf Kurzeinsätze und ein Spiel über volle Zeit absolvierte er und gab dabei zwei Vorlagen. Der 1,84 m große Stürmer dürfte eine Reaktion auf den weiteren Ausfall Boyds sein. Trotz der Veranlagung zum Mittelstürmer kann Nils auch durch Tempo auf den Außen bestehen und zeigte vor seinem Verletzungspech auch in engen Räumen Kombinations- und Vorlagentalent.
Auf Quaschners Spuren wandert Smail Prevljak. Im Sommer 2014 stieg der Bosnier unter Jens Härtel mit der U19 in die Bundesliga auf. Zur Probe behielt Alexander Zorniger den jungen Stürmer in Leipzig und gab ihm eine Sommervorbereitung samt einem Kurzeinsatz in der 2.Bundesliga. Ein Experiment, was in Augen der sportlichen Leitung nicht funktionierte. Smail wechselte darauf, wie Quaschner zuvor, zum FC Liefering zusammen mit seinen U19-Kollegen Pires, Venuto und Bredlow. In Liefering durfte er ab September jedes Spiel spielen. 17 Einsätze, 14 Tore und 3 Vorlagen untermauern die Torjägerqualitäten. Sogar zu einem Spiel bei Red Bull Salzburg reichte es. Das es nun ausgerechnet eine 1:4-Heimpleite gegen Altach war, hatte nichts mit Prevljak zu tun. Unbeirrt machte Smail weiter und wurde als Lohn zum Spieler des Jahres in der zweiten Liga in Österreich gekürt. Seit Anfang Mai laboriert der Goalgetter an einem Bänderriss. Trotzdem wird er kommende Saison zum Kader von Red Bull Salzburg gehören und sich gegen Jonanthan Soriano, Marco Djuricin und dem 19-jährige japanischen Stürmer Masaya Okugawa behaupten müssen. Ob Smail Prevljak nach der Saison 2015/2016 wie Quaschner eine Option für Leipzig ist, wird sich zeigen. Borussia Dortmund hatte schon seine Fühler ausgestreckt. Wenn auch wohl erst einmal für die zweite Mannschaft.
Ausblick: Sabitzer, Bruno und Damari
Auf der einen Seite wurde also schon mächtig große "Reise nach Jerusalem" gespielt, indes, es ist noch nicht alles entschieden. Zwar mag die Vertragslage recht klar sein und auch Rangnick wird nicht müde zu betonen, dass er Sabitzer unbedingt nach Leipzig holen will, jedoch müssen auch Spielerwille und Perspektive stimmen. Mit allen drei Offensivkräften sollen nach dem Urlaub bei Trainingsbeginn noch Gespräche erfolgen. Die Schlüsselfigur ist dabei ganz klar Marcel Sabitzer. Der Österreicher hat im Dress der Salzburger eine überragende Saison gespielt und wurde zurecht zum besten Spieler der Liga gekürt, ein Titel, der auch zu gesteigerten Ansprüchen führt und Begehrlichkeiten weckt. Noch steht zwar kein Interessent bereit und wedelt mit den Scheinen und Rangnick ist wie bei Yussuf Poulsen in Leipzig auch wenig gesprächsbereit, aber Sabitzer sieht sich nächste Saison entweder im europäischen Wettbewerb mit Salzburg oder zu Größerem berufen in einer stärkeren Liga als der zweiten Deutschlands. Unter einer Ablöse vergleichbar mit der Manés (ca. 15 Mio. Euro) im letzten Sommer lässt Rangnick jedoch maximal die Mailbox rangehen.
Gelingt es unserem neuen Trainer trotzdem das Salzburger Zugpferd an die Pleiße zu locken, so ist ein Platz in der Offensive so gut wie vergeben, Ansprüche die auch für Forsberg, Selke und Poulsen gelten dürften, die somit die vier zu erwartenden Offensivpositionen (4-2-1-3 oder 4-4-2 z.B.) besetzt halten. Eine Situation, die zu verringerten Aufstellungschancen für Damari und Bruno führen würde, die jedoch nach Rangnicks Aussagen unbedingt steigende Einsatzzeiten benötigen. Diese könnten sie in Salzburg erhalten, Tendenz also: kommt Sabitzer, geht entweder Damari oder Bruno bleibt in Salzburg, ziert sich der Österreicher weiter, könnte Bruno sein Heil vielleicht in Leipzig suchen und auch Damari gegen seine Landsmänner im entscheidenden Test gegen Tel Aviv auflaufen.
Von zentraler Bedeutung ist hier auch die Frage, ob es einen Taktgeber im Offensivzentrum geben wird, der Mangel an Kreativität wird auch Rangnick nicht entgangen sein. Der angekündigte begeisternde Fußball beflügelte nur selten Team und Zuschauer. Neben Kaiser, dessen Einfluss aus dem Spiel heraus überschaubar blieb, kann diese Position sicher auch Forsberg oder Sabitzer zugetraut werden, maßgeschneidert wäre sie theoretisch für Bruno, möglich sicher auch für Damari, der bereits einige Vorlagen lieferte. Eine abschließende Antwort auf diese Fragen dürfte nach den Informationen auf der heutigen Pressekonferenz jedenfalls erst zu Trainingsstart bzw. nach dem verlängerten Urlaub von Sabitzer (nächstes Wochenende noch im Länderspieleinsatz gegen Russland) zu erwarten sein. Bis dahin kündigte Rangnick in seiner Funktion als Doppelspitze noch spannende Wochen in Leipzig an, in denen sicher weiter geklotzt statt gekleckert wird, ein weiterer externer Neuzugang in der Offensive ist sicher nicht ausgeschlossen.
Allen Neuzugängen wünschen wir viel Erfolg in der schönsten Stadt der Welt, gemeinsam zum Aufstieg 2016!
Jupp, crank & Rumpelstilzchen