Überzeugender Auftritt in Grimma gegen Liberec
Bereits beim Abschlusstraining am Freitagabend vor dem Spiel gegen Liberec konnten erste Erkenntnisse über die Aufstellung gewonnen werden. So wurde in zwei Gruppen trainiert. Gruppe 1 wurde von Chef-Trainer Ralf Rangnick und Co-Trainer Achim Beierlorzer betreut. Dort trainierte die vermeintliche aktuelle Startelf: Jung, Nukan, Orban, Teigl - Kaiser, Ilsanker - Bruno, Forsberg - Quaschner, Sabitzer Hauptsächlich wurden Standardsituationen geübt, dessen Varianten nahezu alle im Spiel sichtbar wurden. Insgesamt fiel die gute Stimmung im Training beider Trainingsgruppen auf. So wurde zwar konzentriert gearbeitet, aber gerade beim abschließenden Elfmeterschießen viel gescherzt. Vor dem Hintergrund, dass mehrere Spieler erst in dieser Woche zum Team gestoßen sind, war dies durchaus überraschend. Mit gutem Gefühl ging es also ins Muldental nach Grimma. Selbiges sollte absolut bestätigt werden.
Aufstellung und System: Bis auf den erst am Freitag vorgestellen Neuzugang Atinc Nukan, welcher durch Tim Sebastian ersetzt wurde, bot Rangnick in der 1. Halbzeit die gleiche Elf wie im Freitagstraining auf. Erstmals wurde in dieser Vorbereitung damit die vermeintlich beste Elf zusammen auf den Platz geschickt, weshalb die Aussagekraft dieses Vorbereitungsspiels im Vergleich zu den vorherigen Partien deutlich höher war. Es wurde dabei wegen Verletzungen (Selke, Boyd) und Urlaub (Poulsen) erneut mit zwei Spitzen agiert. Im Mittelfeld übernahmen Kaiser und Ilsanker den defensiveren Part. Davor agierten Forsberg und Bruno sehr flexibel. Insbesondere Bruno wich immer wieder auf den linken Flügel aus. So ergab sich ein 4-2-2-2-System.
In der 2. Halbzeit wurde hingegen zunächst mit U19-Spieler Timo Mauer, später mit Vincent Rabiega nur mit einer Spitze gespielt. Dahinter gab es ein Fünfermittelfeld bei dem Rani Khedira als Kapitän und Diego Demme als zentrale Staubsauger vor der Abwehr agierten. Strauß, Hierländer und Kalmár liefen davor auf und konnten offensiv flexibel den Gegner bespielen. Die Abwehr war mit Franke (16 Jahre), Reddemann (19 Jahre), Alexander Sorge (22 Jahre) und Ken Gipson (19 Jahre) sehr jung aufgestellt. Nachdem Fabio Coltorti in der 1. Halbzeit zwischen den Pfosten stand, übernahm in der 2. Halbzeit Peter Gulacsi.
1. Halbzeit: Nur wenige Trainingseinheiten konnten durch das späte Eintreffen der Nationalspieler gemeinsam absolviert werden. Dass man erstmals in einem Spiel gemeinsam agierte, war zumindest in dieser 1. Halbzeit nicht erkennbar. So war von der 1. Minute eine klare Spielidee mit starkem Pressing trotz der hohen Temperaturen ersichtlich, mit schnellem Spiel in die Spitze und auch Spielwitz. Insbesondere Emil Forsberg stach mit viel Kreativität und guten Schnittstellenpässen hervor. Von diesen konnte vor allem der umtriebige Nils Quaschner profitieren, der seinen wuchtigen Körper immer wieder gut einsetzte, Zweikämpfe gewann und auch mehrere Laufduelle für sich entscheiden konnte. Nicht überraschend, dass Nils Quaschner nach einem Schnittstellenpass allein vor dem Liberecer Tor auftauchte und überlegt einschob (35. Minute). Zu diesem Zeitpunkt war die Führung mehr als überfällig. Mehrfach wurde in aussichtsreicher Position vergeben. Allerdings ist auch zu erwähnen, dass auch der tschechische Gast durch Kontersituationen immer gefährlich blieb. Letztlich wurden diese aber zu ungenau ausgespielt, weshalb wir ohne Gegentor blieben. Auch nach dem 1:0 wurde das Tempo hoch gehalten, weshalb das 2:0 nur folgerichtig war. Neuzugang Stefan Ilsanker schob mit einer Grätsche quer auf den von hinten anrauschenden Emil Forsberg. Dieser konnte den Ball mit der Fußspitze rechts am tschechischen Torhüter vorbei legen (40. Minute). Nachdem Emil schon am Freitag beim Training einen Ball nach den anderen versenkte, traf er nun endlich auch im Spiel. Hoffentlich ist damit der Knoten langsam geplatzt, wenngleich er auch in der Wintervorbereitung mehrfach netzen konnte.
Einziger Wermutstropfen war in der 1. Halbzeit die Auswechslung des österreischen Nationalspieler Marcel Sabitzer. Nach einem Zweikampf prallte er hart auf dem Boden auf und musste angeschlagen ausgewechselt werden. Sah zum Glück nur nach einer Vorsichtsmaßnahme aus.
2. Halbzeit: Wer jetzt durch den kompletten Wechsel der Mannschaft einen Bruch im Spiel erwartete, sah sich getäuscht. Auch weiterhin war in veränderter Aufstellung das von Ralf Rangnick postulierte Gegenpressing klar erkennbar. Liberec wurde so weiterhin mürbe gemacht und das 3. Tor war nur eine Frage der Zeit. Nach einem Schnittstellenpass von Zsolt Kalmár ging Stefan Hierländer in die Tiefe und legte überlegt auf den frei stehenden John-Patrick Strauß, der nur noch ins leere Tor einschieben musste (59. Minute). Nach einem weiteren Pass in die Tiefe war der polnische Nachwuchsnationspieler Vincent Rabiega allein vom Tor, wurde vom Torhüter ins Straucheln gebracht, so dass es zu Recht einen Elfmeter gab. Diesen verzog Diego Demme leider über das Gehäuse. Das Toreschießen gehört wohl auch weiterhin nicht zu seinen vordergründigsten Stärken. Bis zum Abpfiff waren wir auch weiterhin näher am 4:0 als Liberec am Anschlusstreffer.
Fazit: Musste man durch die vielen Neuzugänge und wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten mit großen Anpassungsproblemen rechnen, präsentierte sich das Team von Ralf Rangnick erstaunlich weit in dieser Partie. Als Vorteilhaft scheint sich hier klar die gemeinsame Philosophie in Salzburg als auch im Nachwuchs herauszustellen. So war es beeindruckend zu sehen, wie die Spieler vor allem im Gegenpressing agierten. Zudem ist es wohl auch nicht von Nachteil, dass insgesamt 4 Spieler aus Salzburg in der 1. Halbzeit in Sturm und Mittelfeld auf dem Platz standen, was das Zusammenspiel zwischen den Spielern deutlich erleichterte. Es ist insofern nicht überraschend, dass Chef-Trainer Ralf Rangnick sich sehr positiv äußerte zum Spiel äußerte: "Sehr viel von dem, was wir uns heute vorgenommen haben, hat man
gesehen. Und so wie wir uns die Tore und einige weitere Torchancen
heraus gespielt haben, das war einfach klasse. Für die Phase der
Vorbereitung war das schon sehr ordentlich." Dieser Einschätzung kann man sich absolut anschließen. Dazu präsentierten sich alle Neuzugänge in guter Verfasstung und deuteten an, dass sie uns qualitativ deutlich nach vorn bringen sollten. Ob dies der Anfang einer stetigen Weiterentwicklung war oder ob man wie letzte Saison immer wieder hier nur einen positiven Ausreißer gesehen hat, werden die nächsten Wochen zeigen.
Ausblick: Morgen geht es mit dem Trainingslager ins österreichische Leogang in die wichtigste Phase der Vorbereitung. Hoffentlich bleiben die Jungs von weiteren Verletzungen verschont. Yussuf Poulsen wird ab Mittwoch auch wieder zur Mannschaft zurückkehren. Damit verbessert sich im Sturm die angespannte Personalsituation nach den Verletzungen von Davie Selke und Terrence Boyd. Hoffentlich kann Trainer Ralf Rangnick den angekündigten neuen Linksverteidiger bald unter Dach und Fach bringen, so dass auch dieser noch knapp 3 Wochen Zeit hat, um sich ins Team zu integrieren und sich einzuspielen, auch hier ist Mittwoch bereits angepeilt.
Die gestrige Partie macht in jedem Fall Lust auf mehr und es wird Zeit, dass die Saison bald losgeht. Wie die bereits 8.700 verkauften Dauerkarten zeigen, geht dies wohl nicht nur mir so. Vielleicht knacken wir ja noch die 10.000er-Marke.
Statistik:
RB Leipzig:
1. Halbzeit: Coltorti – Teigl, Orban, Sebastian, Jung – Forsberg, Ilsanker, Kaiser (C), Bruno – Sabitzer (38. Mauer), Quaschner
2. Halbzeit: Gulácsi – Gipson, Sorge, Reddemann, Franke – Khedira (C), Strauß – Hierländer, Kalmár, Demme – Mauer (65. Rabiega)
Slovan Liberec: Hroššo – Coufal, Švejdík, Pokorný, Fleišman – Sackey, Folprecht – Sýkora, Šural, Bartošák – Bakoš
Einwechsler: Karišik, Sus, Bong Won, Hadaščok, Mudra, Luckassen, Pimpara, Delarge, Soungole
Tore: 1:0 Quaschner (35.), 2:0 Forsberg (40.), 3:0 Strauß (59.)
Zuschauer: 648 im Stadion der Freundschaft (Grimma)
Jupp