Erst in der Arena feiern, dann auf der Wiesn!
Kaum hat man sich gedanklich vom Spitzenspiel gegen Freiburg erholt, kommt gleich das nächste Highlight der Saison: Endlich gegen die Jungs aus München kicken! Naja, zumindest die Zweitligavariante, aber immerhin mit passendem Schlauchboot als Austragungsort. Ein Stadion, mit dem der geneigte RB Leipzig-Fan noch sehr gute Erinnerungen verbinden sollte. Immerhin erspielte man sich hier vor etwas mehr als einem Jahr den bisher höchsten Auswärtssieg in der kurzen Zweitligageschichte des Vereins (3:0 hieß es damals für die Gäste aus Leipzig). Der äußere Rahmen scheint damit schon einmal angemessen, zumal es diesmal für beide Parteien um noch viel mehr als nur einen guten Saisonstart zu gehen scheint.
Auf der einen Seite spielt mit 1860 mutmaßlich eine Mannschaft, die nicht nur um drei Punkte, sondern auch um ihren Trainer fürchten muss: vier Punkte aus doppelt so vielen Spielen, vorletzter Tabellenplatz, wiedermal weht kalte Abstiegsluft an der Grünwalder Straße. Der Boden unter Trainer Torsten Fröhling bröckelt dabei zusehends, soll die Geschäftsleitung der Münchner doch schon in Gesprächen mit "Feuerwehrmann-Himself" Peter Neururer stehen und über eine eventuell neue Rettungstat verhandeln. Daher kann und wird für die Gastgebermannschaft am Sonntag wohl die Devise lauten: alles reinhauen und vor mäßig besuchtem Rund die drei Punkte einfahren.
Was des einen Leid, ist des anderen Freud: Die Leipziger dürfen sich auf einen Gastgeber freuen, der darauf angewiesen ist, zwingend Druck vor dem gegnerischen Strafraum aufzubauen und ihrerseits die Tore zu machen und damit die drei Punkte für sich zu behalten. Eine für die Roten Bullen etwas ungewohnte, jedoch nicht unangenehme, Situation verspricht diese Konstellation doch deutlich mehr Freiraum in der gegnerischen Hälfte als es z. B. noch gegen den SC Paderborn und dem FC Heidenheim der Fall war. Unwahrscheinlich aber, dass "die Münchner Löwen" nicht aktiv in der Rückwärtsbewegung sein werden. Allzu bequem sollten es sich die Gäste also nicht am Mittelkreis machen, wenn sie ihrerseits die Räume nutzen wollen. Zumal auch die Leipziger wiedermal unter nicht ganz unbekannten Druck stehen: Bleibt man wieder unter der maximalen Punkteausbeute, droht der Verlust des Anschlusses an die so heiß ersehnte Tabellenspitze. Diese stellt sich noch denkbar eng dar: Nachdem Bochum gepatzt und St. Pauli in Paderborn "nur" einen Punkt erbeuten konnte, würden die Bullen wieder bis auf zwei bzw. vier (sofern Freiburg gewinnt) Punkte an die Spitze heranrücken. Andernfalls würde man im Sumpf der Tabellenmitte mit bis zu sieben Punkten Abstand zur Tabellenspitze versinken. Ein mitttelprächtiges Desaster und daher dringendst zu vermeiden.
Schaut man auf das Lazarett, so gehen die Gastgeber bereits 1:0 in Führung: Gleich acht Spieler der Löwen müssen voraussichtlich verletzt die kommende Partie aussetzen, zwei weitere Profispieler werden wahrscheinlich in die U21 versetzt. Das gibt einen weiteren Ex-Leipziger die Chance auf ein Wiedersehen mit seinen Ex-Kollegen. Innenverteidiger Rodnei, der im Winter noch von Schwesterverein Red Bull Salzburg an die Pleiße gewechselt ist und im Sommer weiter nach München zog, wird wohl die Lücke, die der verletzte Bülow (Gehirnerschütterung) hinterlassen hat, wieder einmal schließen. Neben dem Mangel an weiteren Innenverteidigern kommt ihm natürlich die Erfahrung rund um die Exkollegen zu Gute, so Trainer Fröhling. Insgesamt wird es sicherlich interessant zu sehen, wie sich die Löwen gegenüber den Leipziger präsentieren werden. Selbst die zuletzt getestete Dreierkette sei ein Thema. Aber als am wahrscheinlichsten darf wohl diese Startformation angesehen werden:
Eicher - Kagelmacher, Schindler, Rodnei, Wittek - Degenek, Adlung - Claasen, Vollmann, Wolf - Mugosa
Auf Seiten der Leipziger entspannt sich weiterhin die personelle Lage. Yussuf Poulsen, der im Spitzenspiel gegen SC Freiburg noch erkrankt ausfallen musste, zeigt sich nunmehr wieder erholt und dürfte bereits am kommenden Sonntag zurück in den Kader rücken. Dieser wird weniger durch Verletzungen geprägt werden, vielmehr wird man sehen müssen, wer die kurze Regenerationszeit der englischen Woche am besten nutzen konnte und sich im abschließenden Training am fittesten präsentiert. Ganz sicher ausfallen werden die Langzeitverletzen Boyd und Nukan sowie Kalmár und Hierländer, die beide diesen Samstag eine Niederlage mit der U23 verkraften mussten. Gut möglich, dass der eine oder andere Spieler, der zuletzt nur in der zweiten Reihe agierte, nun in der Startelf zu finden sein wird bzw. Dauerläufern wie Diego Demme und Emil Forsberg eine Pause gegönnt wird.
So könnten sie daher spielen:
Coltorti - Klostermann (Teigl), Orban, Sebastian, Halstenberg (Jung) - Ilsanker, Kaiser - Sabitzer, Bruno, Poulsen - Selke
Geleitet wird das Spiel von Sven Jablonski aus Bremen, der in dieser Saison bisher zwei Partien in der Zweiten Liga leitete (15 Gelbe, ein Elfmeter, kein Platzverweis). Die Leipziger pfiff er insgesamt bereits vier Mal (drei Siege, eine Niederlage, ein Elfmeter für Leipzig), während die Münchner erst zwei Mal das Vergnügen hatten (ein Remis, eine Niederlage). Es wird interessant zu sehen sein, wie der doch noch junge Bremer Referee mit der Partie am Sonntag umgeht. So sind 15 Karten in nur zwei Spielen eine auffallende Häufung von Verwarnungen. Betrachtet man dann auch noch den Zeitpunkt, wann die Karten verteilt wurden (ein Großteil wurde gegen Ende der Partie bei einem Ein-Tor-Rückstand gezückt), so liegt die Vermutung nahe, dass der Referee eine angeheizte Stimmung gern mit gelben Kartons beantwortet. Vor dem Hintergrund der beiden Partien (s. o.) ein vielleicht nicht zu unterschätzender Faktor.
Insgesamt muss man aber, bei allem nötigen Respekt vor dem Gegner, nur attestieren: dies ist ein Pflichtsieg für die Leipziger. Wenn man das selbstgesteckte Ziel nicht schon vor Weihnachten in Frage stellen möchte, muss ohne Wenn und Aber wieder ein Dreier in der Allianzarena errungen werden. Gern auch wieder so kurios wie im letzten Jahr. Die Ausgangslage ist dabei wieder denkbar günstig: Der Trainer ist angezählt, hält sich aber noch im Sattel. Somit dürften die Erkenntnisse der letzten Spielbeobachtungen und der individuellen Vorbereitungen durchaus noch werthaltig sein, während ein kurzfristiger Trainerwechsel vor einer Partie immer eine gewisse Unsicherheit für die gegnerische Mannschaft darstellt. Darüber hinaus präsentiert sich ein weiterer Anreizfaktor kaum 20 Kilometer entfernt: Die Wiesn lädt zum lauschigen After-Sieg-Feiern ein. Also, die breiten Stollen und die Lederhosen eingepackt, das Ding wird klar gemacht!
Für das kommende Spiel wünscht das Team um RB-Fans.de der Mannschaft und Coach Ralf Rangnick alles Gute. Wir sind zuversichtlich, dass der Aufwärtstrend sich auch in der Ferne weiter fortsetzt und die Mannschaft sich für ihr Engagement endlich adäquat belohnen kann. Allen Fans, die die Mannschaft begleiten wollen, wünschen wir viel Spaß in München und eine angenehme Siegesfeier auf der Wiesn! Wer die Fahrt dagegen nicht antreten kann, für den ist unser Fanticker wieder LIVE vor Ort und berichtet in gewohnter Manier über alle Ereignisse auf und neben dem Feld. Alternativ bietet sich auch der Bullenfunk oder SKY an.
Thixo
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion