Header Image
Debakel im DFB-Pokal

Debakel im DFB-Pokal

Der Mannschaft unter Ralf Rangnick gelang nicht nur eine astreine Blamage in Form einer völlig verdienten Niederlage gegen einen Regionalligisten. Zwei neue Vereinsrekorde gab es obendrauf: Höchste Pokalniederlage sowie höchste Auswärtsniederlage.

Hier würde ein Spenden-Widget von GoFundMe geladen werden. Das lädt Inhalte eines externen Anbieters inklusive dessen Cookies.

Die Ausgangslage

Leipzig hatte aus sportlicher Sicht mit der Spielvereinigung Unterhaching ein an sich dankbares Los für die zweite Runde des DFB-Pokals bekommen. Ralf Rangnick war der Meinung, seine Startelf auf 9 Positionen verändern zu können und diese Hürde mit einer B-Elf zu nehmen. Wobei nicht nur bei unserem Trainer die Erwartung da war, dass die Spieler der besagten B-Elf eigentlich Zweitliganiveau haben und ergo vielleicht den Konkurrenzkampf beim internen Training verlieren, nicht jedoch ein Match gegen einen Viertligisten.
Undankbar waren aus Fanperspektive Ort und Zeit der Partie. Für die Fahrt zum Alpenbauer Sportpark hinter München und zurück bedurfte es 11 Stunden im Bus bei insgesamt 900km. Das Ganze an einem Dienstag, garniert mit einer Rückkehrzeit auf dem Stadionvorplatz weit nach Mitternacht. Nichtsdestotrotz fanden sich etwa 400 RB-Fans im Gästebereich ein, darunter auch einige Exil-Leipziger aus dem Süden der Republik.


Die 1. Halbzeit

Kurz vor dem Anpfiff überwog noch die Neugier auf den Auftritt einiger Spieler mit bisher nur wenigen Einsatzminuten. Insbesondere die Vorfreude auf Tim Sebastian war groß.
Nach 5 Minuten kam dann allerdings der Schock in Form des Rückstandes. Nach miesem Abwehrverhalten konnte Einsiedler die Spielvereinigung in Führung bringen. Wer die Ebenbürtigkeit der Randmüncher in den ersten fünf Minuten als Zufall und den Gegentreffer als Pech ansah, den sollten die folgenden Minuten eines Besseren belehren. Leipzig hatte zwar öfter den Ball, konnte damit aber rein gar nichts anfangen. Stattdessen waren es die Unterhachinger, welche die gefährlicheren Szenen für sich verbuchen konnten und folgerichtig sowie verdient ihre Führung auf 2:0 ausbauten. Nach einem weiteren groben Abwehrschnitzer traf Rosenzweig in der 23. Minute. Kurz danach musste (durfte) Jung runter und wurde durch Halstenberg auf der Linksverteidigerposition ersetzt. Es ließ sich nicht abschließend feststellen, ob die bis dato gezeigte Defensivleistung (d.h. deren Nichtvorhandensein) oder die bereits so früh vorhandene latente Gelb-Rot-Gefahr ursächlich für den Wechsel waren.
Trotz des Mehrtore-Rückstandes ließ sich der mitgereiste Leipziger Anhang nicht entmutigen und war im Sportpark weiterhin deutlich zu vernehmen. Der Rest der 1. Halbzeit gab dann auch tatsächlich Grund für hauchzarten Optimismus. RB verteidigte nun besser und sorgte mehrere Male im gegnerischen Strafraum für Gefahr, ohne dabei wirklich zwingend zu sein und sich ein Tor zu verdienen. Kurz vor dem Pausenpfiff gab es schließlich nochmal eine Erinnerung, warum auf der Anzeigetafel beim Heimteam eine 2 stand und bei den Gästen eine 0. Erst leistete sich Nukan einen bösen Fauxpas, der gottseidank folgenlos blieb. Danach ging Bruno ins 1-gegen-1-Duell gegen einen Verteidiger und kam problemlos an diesem vorbei - leider nur ohne den Ball, den er vergaß.

Die 2. Halbzeit

In der Halbzeitpause herrschte die Zuversicht vor, dass RBL zu einer deutlichen Leistungssteigerung und wenigstens noch dem Anschlusstreffer fähig wäre. Die Einwechslung vom zuletzt formstarken Sabitzer für Nukan schürte die Hoffnung auf eine Wende im Spiel. Der Beginn der zweiten Hälfte ließ jedoch diese Zuversicht zunehmends schwinden. Ein paar wenige Chancen taten sich für ein Tor auf, jedoch auf beiden Seiten. Von einem Zweiklassenunterschied war nicht das Geringste zu sehen. Selke hatte zwar eine richtig gute Gelegenheit. Die hatte Unterhaching allerdings auch, als RB bei einer Ecke statt der üblichen Raumdeckung und/oder Manndeckung einfach mal nichts dergleichen tat und ein Hachinger Spieler nach dem Eckball mutterseelenallein vor dem Tor zum Schuss kam.
Alle Messen waren schließlich gesungen, als sich Teigl als Nächster unserer Spieler für den "Bock des Abends" im eigenen Strafraum bewarb und damit Steinherr das 3:0 ermöglichte. Das Erschreckende (neben dem Gegentreffer selbst) war, dass man es danach nicht schaffte, sich eine einzige gute Chance für ein Tor herauszuspielen -  von Chancen für die nötigen mehreren Treffer ganz zu schweigen. Hachings Keeper wurde zu keiner weiteren Parade gezwungen und erlebte vergleichsweise ruhige 25 Minuten bis zum Abpfiff. Exemplarisch für das Elend war eine Szene, in der ein Leipziger Stürmer in bester Innenverteidigermanier einen Torschuss abblockte - wohlgemerkt einen Schuss aufs Tor des Gegners. Die Spielvereinigung stand mitnichten tief, sondern machte auch nach einer Mehrtoreführung etwa ab Höhe der Mittellinie Druck auf den Ballführenden und verhinderte mit diesem einfachen Mittel, dass Leipzig in Ballbesitz Gefahr ausstrahlte. Gegen Ende der Partie lief dann gar nichts mehr zusammen. Die Offensivspieler tummelten sich am Strafraum, während der Ballführende keine Anspielstation hatte und entweder den Rückpass wählen musste oder den Ball im Dribbling gegen 2 Gegner verlor. Schiedsrichter Kampka bestrafte die Spieler und Fans von RB mit zwei Minuten Nachspielzeit. Dann war Schluss und Unterhaching zog mit einem völlig verdienten Sieg gegen uns in das Achtelfinale des DFB-Pokal ein.
Danach kam das Team mit Ilsanker vorneweg immerhin noch kurz vor den Gästeblock, wo die Stimmung aber irgendwo zwischen ablehnend und apathisch war.

Das Fazit

Woran lag´s? Ins Auge fallen erst einmal die kapitalen Abwehrfehler. Kein Einziger in der Defensive spielte solide, jeder hatten seinen Anteil an den Chancen & Toren der Hachinger. Man kann Fehler machen und man kann in Rückstand geraten. Aber die Summe der Abwehrböcke und Gegentore war an diesem Abend schlichtweg viel zu viel des Guten.
Man mag Ralf Rangnick bei der Schuldfrage hinsichtlich der Defensivleistung noch freisprechen. Doch der Cheftrainer hat mit seiner Entscheidung, die Startelf auf 9 Positionen zu verändern, ohne Zweifel sein Scherflein zur blamablen Niederlage beigetragen. Aber auch die Spieler, die sonst selten zum Zug kamen und nun auf dem Platz standen, sind ja im Grunde in der Lage, in der 2. Bundesliga zu bestehen. Auch eine B-Elf von RBL hat keinen Mangel an individueller Qualität, erst Recht nicht im Vergleich zu einem Regionalligisten. Die Einzelqualität war jedoch offensichtlich nicht ausreichend, um gegen einen zwei Klassen tiefer spielenden Gegner ein Tor erzielen. Die fehlende Abstimmung im Offensivbereich war übers ganze Spiel zu sehen. Wer das Vabanquespiel "Elfmeterschießen" vermeiden will, der muss in der Lage sein, ein Pokalspiel mit Toren für sich zu entscheiden. Dass RB Leipzig dazu gegen einen Viertligisten überhaupt nicht in der Lage war, dies muss Ralf Rangnick auf seine Kappe nehmen.
Vielleicht war Rangnicks Fokus auf den Ligabetrieb auch ein wenig in den Köpfen der Spieler drin. Man muss eine derartige Aufstellung nicht gleich als überheblich bezeichnen. Es war jedoch klar, dass ganz eindeutig das Primat der Liga gilt und der DFB-Pokal (zu diesem Zeitpunkt) null Priorität hatte.
Zusammen hatten diese Faktoren ein desaströses Ergebnis zur Folge, welches die bisher höchste Niederlage in einem Auswärtsspiel darstellt und nichts weniger als ein Debakel ist.

Bei aller Enttäuschung sollten jedoch die Relationen gewahrt bleiben. Wir haben ein Pokalspiel blamabel verloren. In der Liga hat sich dadurch nichts geändert. Wir sind aktuell auf einem direkten Aufstiegsplatz. Das Team ist seit 8 Spielen ungeschlagen, unsere Stammelf gewann verdient dreimal in Folge und ließ zuletzt den direkten Konkurrenten Bochum ziemlich alt aussehen.
Doch eins ist klar: Auf diese Niederlage muss ein Statement der Mannschaft folgen. Und zwar nicht in Form einer breit angelegten Entschuldigung oder irgendeiner pathetischen Ankündigung. Sondern ein 90-minütiges Statement in Sandhausen.


dabdab