Header Image
Gesprächsrunde mit Mintzlaff und Kaiser

Gesprächsrunde mit Mintzlaff und Kaiser

Die LVZ hatte Mittwochabend zum zweiten Mal in dieser Saison zu einer Gesprächsrunde mit RB-Beteiligung eingeladen. Moderator Guido Schäfer hatte Oliver Mintzlaff und Dominik Kaiser zu Gast.

Hier würde ein Spenden-Widget von GoFundMe geladen werden. Das lädt Inhalte eines externen Anbieters inklusive dessen Cookies.

Es war wieder eine dieser Abende in der LVZ-Kuppel, bei dem man auf dem Nachhause-Weg überlegen musste, ob man sich gerade auf einer 'One-Man-Show' von Guido Schäfer befand oder einer informativen Gesprächsrunde mit RB-Kapitän Dominik Kaiser und Vorstandschef Oliver Mintzlaff, die beide kurzfristig für den erkrankten Ralf Rangnick einsprangen. Der neueste Informationsgehalt der 90-minütigen Veranstaltung: Michael Drotleff, aktuell Marketing-Chef beim Bierbrauer Krombacher, wird künftig die Position des Director Sales & Marketing im Verein übernehmen.

Das Interessanteste an diesem Abend war dabei nicht mal der minimale Erkenntnisgewinn in Bezug auf die Trainersuche oder den Stadionneubau, sondern vielmehr die Person Oliver Mintzlaff an sich. Den gebürtigen Bonner kennt man als Fan eher vom "Hören-Sagen". Viele wissen mittlerweile, dass sein Karriereweg über Puma und die Agentur von Andrea Berg zum Red Bull-Imperium führte. Anders als bislang kolportiert, wurde Mintzlaff damals aber nicht von Rangnick ins Unternehmen geholt, sondern von Mateschitz selbst. Als es 2012 darum ging, Rangnick als Sportdirektor für Salzburg und Leipzig zu gewinnen, führte Mintzlaff die Vertragsverhandlungen mit Mateschitz und hinterließ beim Österreicher bleibenden Eindruck. Damals lehnte er ein direktes Angebot noch ab, zwei Jahre später konnte aber auch er dem Lockruf nicht widerstehen und ist seither für alle Red Bull-Standorte verantwortlich.

Das direkte Duell mit Guido Schäfer gewann der RB-Chef überraschend deutlich. Jede süffisante Frage seitens des Moderators konterte der ehemalige Leichtathlet gewieft und wirkte bei seinen Antworten sehr souverän und überzeugend. Er nahm sich ausführlich Zeit, brisante Themen wie die Sparmaßnahmen beim Etat, mögliche Spielertransfers und Anfeindungen gegen den Verein in aller gebotenen Sachlichkeit zu erklären.

Mintzlaff ist derzeit übrigens auf Wohnungssuche in Leipzig, möchte allerdings nicht dauerhaft hier wohnen, sondern lieber zwischen seiner Heimatstadt Bonn und Leipzig pendeln. Vermutlich bietet der Flughafen Köln-Bonn einfach mehr Direktverbindunen in die große weite Welt an…

Mintzlaff über einen möglichen Stadionneubau: Das Thema wird uns vermutlich noch die nächsten Jahre beschäftigen, wenn man den Ausführungen des Vorstandschefs aufmerksam lauschte. Grundsätzlich fühle man sich in der Red Bull Arena wohl und tendiere aktuell auch dazu, im Stadion zu bleiben. Aber es gäbe auch einige Faktoren, die in Zukunft vielleicht dagegen sprechen könnten. Da wäre zum Einen die erhöhte Belastung für Anwohner der Waldstraße, wenn in ferner Zukunft nicht nur am Wochenende sondern auch wochentags Spiele vor über 40.000 Zuschauern stattfinden werden. Könne man dies den Leuten dauerhaft zumuten? Zum Anderen ist und wird man selbst bei RB auf Ticketeinnahmen angewiesen sein. Es sei aktuell kein Zustand, dass man bei der An- und Abfahrt zum/vom Spiel erhebliche Zeiteinschränkungen in Kauf nehmen muss. Das würde zu unzufriedenen Fans führen, die sich beim nächsten Spiel zweimal überlegen, ob sie sich diesen Ärger antun. Außerdem sei es etwas anderes, 57.000 Tickets im ehemaligen WM-Stadion zu verkaufen oder in einem eigenen Stadion, dass explizit auf die Bedürfnisse des Unternehmens und Vereins zugeschnitten sei. Fakt ist aber: Der Mietvertrag fürs Stadion läuft noch bis 2020 und mehr als Planspiele betreibt man seitens des Vereins bislang nicht. Man diskutiert derzeit alle möglichen Varianten und wird damit auch noch eine Zeit lang beschäftigt sein.

Mintzlaff über Etat und Spielertransfers: Wenn im Sommer ein neuer Geschäftsführer seinen Dienst antritt, möchte ihm Mintzlaff einen effektiven, flexiblen und schlanken Verwaltungsapparat an die Hand geben. Aufgrund des rasanten Wachstums – bedingt durch die schnellen Aufstiege - seien in einigen Bereichen die Kosten etwas aus dem Ruder gelaufen, daher seien die Abteilungsleiter angewiesen, nach Einsparpotenzial zu suchen und einzelne Prozesse zu optimieren. Beispiele wollte er nicht nennen.

Sollte der Aufstieg gelingen, wolle man natürlich den Etat der 1. Bundesliga anpassen. Mintzlaff sei kein Freund von Konsolidierung, sondern möchte sehr schnell die nächsten Ziele in Angriff nehmen. Es bringe nichts, international spielen zu wollen und einen Etat zu haben, der nicht unter den ersten zehn der Liga gehört. Dazu brauche RB Sponsoren, die nicht nur Geldleistungen liefern, sondern von denen der Verein auch im alltäglichen Betrieb profitieren könne. Porsche sei so ein starker Partner, der u.a. durch sein Engagement im Nachwuchs optimal ist.

Das Interesse von Sponsoren am jungen Verein in einer dynamischen und attraktiven Stadt wie Leipzig sei sehr hoch, allerdings habe der Verein bislang seine Hausaufgaben nicht erledigt. Das muss und wird man jetzt nachholen.

Der Schalker Leroy Sané sei zwar ein hochbegabter Spieler, jedoch würde die Ablöse von 40 Millionen jeglichen Rahmen sprengen. Der Verein möchte junge, talentierte Spieler verpflichten, sie weiterentwickeln und Marktwerte schaffen (siehe Forsberg oder Poulsen). Damit passe Sané schon prinzipiell nicht zur Vereinsphilosophie. Ein Wechsel ist daher ausgeschlossen. Übrigens: Guido Schäfer eröffnete das Thema mit einem Videoclip zu Udo Jürgens Song "Aber bitte mit Sahne"...

Mintzlaff über die Trainersuche: Sandro Schwarz (Mainz 05 II) sei eines der größten deutschen Trainertalente, Markus Weinzierl (FC Augsburg) leistet seit Jahren hervorragende Arbeit in Augsburg und mit Marcel Koller (Nationaltrainer Österreich) habe man zuletzt wegen Hinteregger gesprochen. Der RB-Chef betonte noch einmal, dass die Liste an möglichen Kandidaten sehr kurz sei ("Shortlist eben") und Rangnick sich in der neuen Saison auf die Funktion als Sportdirektor konzentrieren soll, um das "Große Ganze" im Blick zu halten. Mehr ließ sich Mintzlaff an diesem Abend widererwartend nicht entlocken. Wobei es Guido Schäfer auch gar nicht erst ernsthaft versuchte, zu souverän reagierte der gebürtige Bonner auf die Fragen.

Kaiser und Mintzlaff über Zorniger: Unser Kapitän sollte einen Vergleich zwischen Rangnick und Zorniger ziehen, betonte allerdings lediglich, dass man bei Rangnick deutlich die Erfahrung spüre und somit auch die Ruhe in vielen Situationen. Mintzlaff wurde da schon konkreter. Der Aufstiegstrainer habe sich mit der Zeit verändert, sei in der Zweitligasaison festgefahren und beratungsresistent gewesen. Dabei sei die Stärke von RB Leipzig auf Entscheidungsebene immer die offene und konstruktive Diskussion gewesen. Das war unter Zorniger nicht mehr möglich, deshalb habe man sich getrennt.

Dominik Kaiser war an diesem Abend zwar bestens gelaunt, aber eher lammfromm in seinen Antworten (kein Vorwurf und trifft wohl das Naturell des Mutlangers). Der Kapitän möchte natürlich gerne aufsteigen, aber es stehen eben auch noch 15 harte Spiele bevor. Er sei stolz darauf, immer noch Teil des Teams zu sein und glaubt, dass er auch in der 1. Bundesliga eine gute Rolle spielen würde. Ansonsten blieben von ihm nur noch ein einige amüsante Wortgefechte mit Moderator Guido Schäfer in Erinnerung, in die auch Mintzlaff ab und zu einstieg. Kurz vor Ende der Veranstaltung wurde noch ein altes Foto vom RB-Chef als Cross-Läufer mit vollerem Haar gezeigt. Auf der Brust hing nicht nur die Nummer des Läufers, sondern auch der Sponsorenname der Veranstaltung: Krombacher. Der Kreis hatte sich an diesem Abend geschlossen.

Rojiblanco