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RB Leipzig betritt die neue Welt Bundesliga

RB Leipzig betritt die neue Welt Bundesliga

Terra Incognita - unbekanntes Land. Man kennt es aus der Ferne, das Land namens Bundesliga. Einst unnerreichbarer Traum ist es nun am Horizont zu sehen. Wie wird sich RB Leipzig zurechtfinden? Was ändert sich in und um den Verein und für die Fans in der neuen, großen Fussballwelt?

Admiral Rangnick hat sich zufrieden in die Kajüte zurückgezogen. Die Ligenumseglung ist vollbracht. Die Bundesliga schimmert am Horizont. Der neue Kapitän Hasenhüttl wird bald das das Steuer übernehmen und mit der Crew um Bootsmann Kaiser die neuen Gewässer names Bundesliga befahren. Was bringt diese neue Welt, die man bisher nur aus der Ferne kannte, für den Großsegler Rasenballsport Leipzig? Stürmische Zeiten, ruhiges Fahrwasser oder gelingt gar der Sprung in die Weltmeere?

Vier Wochen sind nun schon vergangen seit dem Aufstieg in die Bundesliga. Das große Ziel ist erreicht. Der Weg ist zu Ende. Oder? Nein natürlich nicht! Eigentlich beginnt der Weg von RB Leipzig jetzt erst richtig. Für die Bundesliga wurde unser Verein aus der Taufe gehoben. Die bisherigen 7 Jahre in der Vereinshistorie waren zum einen "nur" der sportlich notwendige Weg dahin. Zum anderen aber eine sehr spannende Zeit in der die Fanszene neu entstanden, gewachsen und gereift ist, in der der neue Verein vom "Ufo" zum integralen Bestandteil der Region Leipzig wurde und in vielen Menschen die Fussballbegeisterung (neu) weckte. Es war eine Zeit, in der sich zeigte, dass auch die große Geldgießkanne allein keinen Erfolg garantiert. Die Regionalliga läßt grüßen. Doch wenn die richtigen Leute an den Stellschrauben sitzen, kann ganz großes entstehen. Ralf Rangnick erwies sich als der richtige Mann. In nur 4 Jahren führte er RBL in die Bundesliga.

Jetzt sind wir also oben angekommen und vieles wird neu sein. Ob Oberliga, Regio, 3. oder 2. Liga - immer war RB Leipzig der Ligakrösus. Gekommen, um schnellstmöglich nach oben zu entschwinden. Das war einmal. Dicke Geldkoffer haben nun auch andere, größere sogar. Millionentransfers sind Alltag. Mehr Transferausgaben als die ganze restliche Liga zusammen wird es für RB kaum noch einmal geben. Doch mithalten im Rennen um die besten Talente wird man wollen und auf Sicht hoffentlich auch können. So mancher Name, der bisher reine Fantasie war könnte bald auf dem Leipziger Rasen stehen.

Finanziell mitzuhalten, wird dank der Red-Bull-Flügel möglich sein. Zunächst zumindest im Mittelfeld. Doch sportlich muss man sich erst einmal beweisen. Geld allein schießt keine Tore. Das gilt in der Bundesliga erst recht. Man frage nach in Hamburg oder Stuttgart. Wird Ralf Rangnicks Konzept der jungen Wilden auch in der Bundesliga mit Neutrainer Hasenhüttl funktionieren? Bisher spielten wir unterklassig. Da gab es trotz allem Erfolgsdruck noch eher Spielraum für Fehler, die junge Talente eben mal machen. Kimmichs Abwehrschnitzer in Duisburg oder Poulsens verpasster Weckruf wären z.B. zu nennen. Aber das war noch in der dritten Liga. Wie unbarmherzig der Erfolgsdruck sein kann, mußten schon im ersten Zweitligajahr der doppelte Aufstiegstrainer Alexander Zorniger und Capitano Frahn erfahren. In der ersten Liga wird es kaum einfacher werden. Die Zeit für Entwicklungsschritte ist knapp. Können junge Spieler sie bekommen, wenn RBL etwa dringend Punkte braucht um dem Tabellenkeller zu entrinnen?

Ja, Abstiegskampf. Ein Wort das es im Sprachschatz der RB Fans bisher nicht gab. Das darf gern so bleiben, doch wer weiss? Die Konkurrenz in der deutschen Eliteklasse ist eine ganz andere als bisher. Hamburg, Köln, Hertha, Bremen - große Namen und doch seit Jahren nur Mittelmaß. Wenn überhaupt. Da muss man erstmal mithalten. Wie werden die Zuschauer reagieren, wenn die Roten Bullen nur im Mittelfeld grasen? Bisher spielte man immer in der Spitzengruppe und schnitt nie schlechter als mit Platz 5 ab. Die Ticketpreise könnten sich auch negativ auswirken. Bis in die 3. Liga waren sie sehr günstig. In den letzten beiden Jahren immernoch absolut ok. Doch die Bundesliga hat ihren (Eintritts)preis. Gemessen an der hiesigen Kaufkraft sind die neuen Ticketpreise die teuersten der Liga. Es wird sich zeigen, wie viele Zuschauer diese regelmäßig zahlen wollen. Klar gegen die Großen wird es voll. Aber was ist, wenn die erste Euphorie verflogen ist und im trüben Herbst eine graue Maus zu Besuch kommt?

Unser Stadion war bisher immer eines der größten, wenn nicht sogar mit Abstand das größte Stadion der Liga. Doch in der Bundesliga ist die Red Bull Arena nur ein WM-Stadion von vielen. 44600 Zuschauer finden in der kommenden Saison im Durchschnitt Platz in den Stadien und damit sogar mehr als in unser Wohnzimmer. Dennoch ist die Spannbreite enorm: von nicht einmal 20.000 Plätzen in Darmstadt und Ingolstadt bis zu über 70.000 in Berlin, München und Dortmund erwartet unsere Auswärtsfahrer ein großes Kontrastprogramm. Dort gibt es natürlich das meiste Neuland. Bei nur 3 Vereinen waren die Rasenballer schon zu Gast.

Vieles wird neu sein für Verein, Mannschaft und Fans. Die Gegner natürlich. Aus Liga und Pokal kennen wir mit Freiburg, Ingolstadt, Darmstadt, Wolfsburg und Augsburg nur 5 der 17 gegnerischen Teams schon. Das ist an sich nicht neu. Doch dieses Mal soll es auf Dauer sein. Gelingt die Etablierung in der Eliteklasse, werden bald Jahr für Jahr die gleichen Teams bei uns vorstellig. Bisher war spätestens nach 3 Jahren Schluss für die Wegbegleiter von Meuselwitz bis Heidenheim. Rivalitäten konnten sich so kaum entwickeln. Darmstadt, auf die wir ja nun wieder treffen werden, ist da vielleicht die Ausnahme. Bilanzen der früheren Begegnungen fielen entsprechend knapp aus.

Auch die Halbwertszeit der Spieler war eher kurz. Der Erfolg "fraß" seine Kinder. Die dritte Liga liegt gerade etwas über 2 Jahre zurück, doch im Kader verbleiben in Kaiser, Coltorti, Poulsen, Jung, Demme und Bellot noch ganze 6 letzte Mohikaner dieser Saison. Die Bundesliga könnte es Spielern ermöglichen in Leipzig über viele Jahre vom Talent zum Führungsspieler zu reifen. Wenn es die sportliche Lage denn zuläßt. Und dann sind da ja noch die Mechanismen des Marktes. Nur zwei mal verließ uns ein Spieler, den man gern gehalten hätte. Stefan Kutschke und Neu-Nationalspieler Joshua Kimmich. Verständlich, damals in Liga 3 und 2 - und zu verschmerzen. Doch geht es künftig um höchste Ziele, werden weggekaufte Spieler fehlen. Machen wir uns nichts vor. Das wird früher oder später passieren. Das ein oder andere unmoralische Angebot lag ja schon vor...

Viele weitere Fragen schimmern am Horizont. Wird endlich die Integration eines Nachwuchstalents gelingen? Leichter ist es sicher nicht geworden. Wie entwickeln sich die Fanproteste? Boykotte sind für die halbe Liga kaum machbar. Es wird wohl wieder öfter Gesangsduelle geben. Wird unser Stadion sogar in Bayernhand sein? Auf das und noch viel mehr dürfen wir neugierig und gespannt sein! Und vor allem voller Vorfreude!


roger