Raus mit Applaus – Dresden siegt im Elfmeterkrimi
Heute Vormittag machten sich die RBL Fans – vornehmlich in (rot-)weiß gewandet (ein Kommerzgespenst geht um in Europa!) – auf den Weg Richtung Landeshauptstadt. Ohne große Zwischenfälle (mit Ausnahme der ausbaufähigen Security durch die loknahe "Black Rainbow") ging es für die meisten mit dem Zug nach Dresden und unter Polizeischutz direkt ins Stadion. Auch die Rasenballer kamen nach einigem Hin und Her an der Hintertür zur DDV Arena an.
Überraschung schon vor dem Spiel: Uwe Neuhaus verzichtete auf Topstürmer Testroet sowie die Stammspieler Lambertz und Teixeira, dafür durfte Dampframme Kutschke von Beginn an ran – ein Glücksgriff, wie sich zeigen sollte. Hasenhüttl indes mit der zu erwartenden Startelf, die auch im letzten Testspiel gegen Betis Sevilla zum Einsatz kam.
Die Rasenballer traten von Beginn an giftig auf und ließen den Gastgebern im Mittelfeld nur wenige Räume. Dresden hatte sich durch die Herausnahme von Lambertz und Testroet offensiv geschwächt und konnte im gesamten ersten Durchgang kaum Chancen herausspielen. Auch Leipzig kam nur selten gefährlich vor den Kasten von Schwäbe, nutzte jedoch die erste echte Chance durch Sabitzer. Demme brachte am Strafraumrand eine Flanke in die Mitte, wo der Österreicher Schwäbe mit einem Kopfball überwand.
Bis kurz vor dem Pausentee spielte sich dann das Geschehen vornehmlich im Mittelfeld ab. Keine Mannschaft konnte nennenswerte Großchancen herausspielen, so dass ein Standard helfen musste. Nach einem Freistoß monierten die Leipziger zurecht Handspiel, den fälligen Elfmeter verwandelte Kaiser zur 2:0 Pausenführung. Bis dahin war es auf den Dresdner Rängen eher ruhig, die mitgereisten Leipziger oft und gut zu hören. Die zweite Hälfte sollte es dann eher in sich haben...
Wie es in die Pause ging, so startete auch der zweite Durchgang: Elfmeter, auf der gleichen Stadionseite diesmal jedoch für Dresden. Schmitz hatte Stefaniak unsanft weggecheckt, Kutschke verwandelte und feierte ausgelassen vor der Leipziger Kurve. Nach drei erfolgreichen Jahren in Leipzig vielleicht etwas unnötig. In der Folge erhöhte Dresden auf den Rängen und auf dem Feld die Schlagzahl, drängte Leipzig in die Defensive. Die Hasenhüttl-Elf fing sich erst einige Minuten später und versuchte erneut, das Spiel zu kontrollieren, allein, wie im ersten Durchgang, konnte man sich kaum Großchancen herausspielen und so kam es wie es kommen musste, denn RBL hatte zu sehr versucht das Spiel zu verwalten (auch schon im ersten Durchgang nach dem frühen 1:0).
Bei einem SGD-Angriff ließ die Abwehr um den eingewechselten Compper Kutschke zu viel Raum, der Ex-RBLer stand vorher im Abseits, lief jedoch rechtzeitig heraus und kam nach einem schönen Zuspiel so frei von der Strafraumkante zum Abschluss. Kutschke lies Gulácsi im Kasten keine Abwehrchance und konnte seinen zweiten Treffer erneut ausgiebig vor der Gästekurve feiern. In der regulären Spielzeit wurde Leipzig einzig durch einen Kopfball von Poulsen nochmals gefährlich, es blieb jedoch beim 2:2, auch weil Kutschke die große Chance zum 3:2 kläglich vergab. Die Leipziger Defensive hatte sich im Prinzip selbst um die Früchte der ersten Halbzeit gebracht.
Verlängerung in der Pokalschlacht, das hätte man nach der 2:0 Führung sicher vermeiden wollen. Hier gab RBL erneut den Ton an und kam durch Werner auch zu aussichtsreichen Möglichkeiten. Die größte Chance zur Führung hatte jedoch wieder Dresden. Gogias Schuss fälschte Halstenberg gerade so zu einer Ecke ab. Leipzig zwar mit mehr, aber Dynamo bis dahin mit den dickeren Chancen. Es musste also ein Elfmeterschießen die Entscheidung herbeiführen. In den Penalties blieben die Dynamos cooler. Kaiser verschoss und Gulácsi hielt keinen der teilweise sehr mittig geschossenen Elfer. Damit erneut das Erstrundenaus für Hasenhüttl und ein Spiel das einige Fragen aufwerfen dürfte.
Fazit: Nach 2:0 Führung doch noch Ausscheiden? Können wir. Erneut eine schwache Pokalvorstellung, in der Leipzig trotz statistischer Überlegenheit in allen Bereichen vor dem Tor eher harmlos agierte. In der zweiten Halbzeit öffnete die Abwehr alle Schleusen und lud die Gastgeber zu Toren ein, die letztlich dankend annahmen. Hier konnte sich RBL nicht beschweren, nicht schon vor dem Elfmeterschießen die Segel streichen zu dürfen. Dass dann ausgerechnet der sicherste Schütze vergeben sollte, ist sowas wie die Sahnekirsche auf diesem Pokalaus.
Und sonst so? Viele Ungenauigkeiten im Mittelfeld (Keita!), ein unsichtbarer Forsberg, Poulsen der weiterhin mit den Schiedsrichtern hadert und dann eben diese Abwehr. Was bleibt ist der feiernde Kutschke vor dem Leipziger Block, vor drei Jahren in Lotte noch unter anderen Vorzeichen. Nach diesem Spiel sollten wir vor dem Hoffenheimer Angriff sehr großen Respekt haben, erstligareif sieht dann doch anders aus.
Statistik zum Spiel:
SG Dynamo Dresden: Schwäbe – F. Müller, Starostzik (46. Teixeira), Ballas, Kreuzer – Konrad (74. Testroet), Hartmann (C), J. Müller – Aosman, Kutschke (88, Gogia), Stefaniak
RB Leipzig: Gulácsi – Schmitz, Ilsanker, Orban, Halstenberg – Kaiser (C), Keita (89. Werner), Demme – Sabitzer (117. Kalmár), Poulsen, Forsberg (77. Compper)
Tore: 0:1 Sabitzer (15.), 0:2 Kaiser HE (45.+1), 1:2 Kutschke FE (47.), 2:2 Kutschke (78.)
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Schüsse: 10 / 17
Ballbesitz: 41% / 59%
Zweikämpfe: 48% / 52%
Angekommene Pässe: 68% (295) / 79% (487)
Fehlpässe: 32% (141) / 21% (134)
Ecken: 5 / 10
Abseits: 4 / 4
Fouls: 20 / 25
Gelbe Karten: Hartmann, Aosman / Kaiser, Poulsen
Zuschauer: 30.000
Rumpelstilzchen