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Saisonstart im Kraichgau – Leipziger feiern Bundesligapremiere

Saisonstart im Kraichgau – Leipziger feiern Bundesligapremiere

Am kommenden Sonntag ist es endlich soweit, die Roten Bullen aus Leipzig starten hoch offiziell in die erste Bundesligasaison ihrer jungen Vereinsgeschichte. Der Gastgeber ist die TSG Hoffenheim, die nicht nur auf Grund ihres mäzenatischen Hintergrundes einige Gemeinsamkeiten mit den Leipzigern aufweisen kann.

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Endlich ist es soweit. Nicht nur, dass die gefühlt längste Sommerpause aller Zeiten zu Ende geht, es ist der Moment gekommen, den tausende Leipziger bereits seit 2009 (oder vielleicht sogar darüber hinaus) fieberhaft entgegen sehnen. Mit dem Anpfiff des Primetimespiels am Sonntag spielt nach über 22 Jahren endlich wieder eine Mannschaft aus Leipzig im Oberhaus des deutschen Fußballs! Wo? Natürlich am liebsten zu Hause! Welcher Gegner? Naja, jemand, der der Bedeutung dieses Ereignis sicherlich angemessen erscheint, z. B. die Dortmunder oder gar die Bayern selbst! 
Okay, es ist weder ein Heimspiel noch ist es der Rekordmeister, dem man seine Aufwartungen macht. Und doch scheint der Gegner auf seine eigene Art dem Anlass entsprechend zu sein. Kein Philosophie- oder gar Klassenkampf, keine Polarisierung und kein Konfliktpotential. Traditionsfans bundesweit sind sich bei diesem Spiel ganz sicher, wem ihre Sympathie gehört: niemandem! Zur besten Sendezeit treffen die beiden wohl kontroversesten Clubs der Liga direkt zum Saisonbeginn aufeinander. Hoffenheim trifft auf Leipzig - oder wie es bei eben jenen Fans heißt: Softwareclub trifft auf Brauseverein. 

Leipzig zu Gast bei Freunden?

Was bleibt neben der Erkenntnis, dass der Spieltagsplaner sich bei dieser Paarung ob seiner Kreativität selbst lobend auf die Schulter geklopft haben muss? Sicherlich die Feststellung, dass sich in den laufenden Jahren auch über das Mäzenatentum und die Ligazugehörigkeit hinweg beide Vereine deutlich angenähert haben. Der Ursprung – oder sozusagen der Ausgangspunkt – stellt hierbei sicherlich die Verpflichtung Ralf Rangnicks als Sportdirektor dar. Damals noch für das Fußballgeschäft in beiden großen Zweigstellen der RB-Familie verantwortlich, lotste er vor allem allerlei Weggefährten und Spielertalente aus seiner alten Wirkungsstätte an die Pleiße. Neben Kaiser (10 Bundesligaspiele bei der TSG), Ex-Jugendspieler Selke (durchlief die Jugend bis zur U19) und natürlich Aufstiegsheld Compper (171 Spiele für Hoffenheim, davon 77 unter Rangnick in der 1. Bundesliga) waren es vor allem auch Personen, die heute neben dem Platz oder in der Geschäftsstelle von RB Leipzig wirken. Sei es nun der Co-Trainer-Posten (Zsolt Löw, 43 Spiele unter Rangnick als Verteidiger), Krafttrainer Dietrich und Kraft oder Physiotherapeur Schmid, alle folgten den Ruf ihres alten Meisters und zogen in die Messestadt. Reichlich vier Jahre sind nun ins Land gegangen, mittlerweile steht hier ein Leistungszentrum in Anlehnung an jenes im Kraichgau, die Jugendarbeit wird ähnlich stark gefördert wie im westliche Pendant und selbst der hauseigene Fußballstil ähnelt dem damals so umjubelten Hurra-Angriffs-Fußball der Hoffenheimer, mit denen sie 2008 als Aufsteiger überraschend die Herbstmeisterschaft holten. Wer nun glaubt, dass zwischen beiden Fanlagern eine vorsichtige Sympathie herrschen müsste (frei nach dem Motto: wenn uns alle schon nicht mögen, finden wir uns wenigstens gegenseitig gut), der mag wohl irren. Auch die Kraichgauer Fans ließen es sich in der Vergangenheit nicht nehmen und taten ihre Ablehnung gegenüber RB Leipzig in Form eines Boykottaufrufes schon kund.

Hoffenheim als erneute Wundertüte der Liga

Aber genug Geschichte, ein Sprichwort sagt nicht zu Unrecht: Was zählt ist auf dem Platz. Und ohne Zweifel zählt für die Hoffenheimer und auch für die Leipziger nur ein Sieg. Beide werden direkt in den ersten fünf Spielen mit zwei heißen Anwärtern auf die Champions League Plätze konfrontiert (Schalke und Wolfsburg für Hoffenheim, Dortmund und Gladbach für die Roten Bullen) und beide Trainer stehen aus ganz unterschiedlichen Gründen unter direkter Beobachtung ihres Umfeldes. Drei Punkte wären folglich ein erster Schritt, um beide Mannschaften in ruhigeres Fahrwasser zu bringen und einen Fehlstart direkt zu unterbinden.

Betrachtet man den Bundesligakader der Hoffenheimer einmal genauer, fällt zuerst die Trainerposition auf. Mit Julian Nagelsmann sitzt dort seit Februar mit gerade einmal 29 Jahren der jüngste Cheftrainer einer Bundesligamannschaft aller Zeiten! Nachdem in der vorherigen Saison Huub Stevens die Hoffenheimer Mannschaft statt von Sieg zu Sieg direkt in den Abstiegskampf geführt hatte, wechselte Nagelsmann notgedrungen von der U19 Nachwuchsmannschaft direkt in den Cheftrainer-Sessel und konsolidierte – ohne dass man ihm seine freilich fehlende Erfahrung im Bundesligazirkus anmerkte - das bis dahin so desaströs anmutende Hoffenheimer Spiel. Er stärkte das Abwehrverhalten der Mannschaft und erhöhte gleichzeitig die Flexibilität im Angriff in dem er wahlweise zwischen einem offensiven 3-5-2 und einem defensiven 5-3-2 wechselte und in den letzten 14 Spielen die Hoffenheimer noch aus der Abstiegszone führte (21:23 Toren; 23 Punkte). Kadertechnisch hat sich seit diesen wechselhaften Monaten für die Kraichgauer auch einiges getan. Lässt man die internen Wechsel und diverse Leihgeschäfte außen vor, stehen acht Neuzugängen (Ablösesumme rund 22 Millionen) auch acht Abgängen gegenüber (23 Millionen). Sicherlich medial am auffälligsten war der Abgang des für die jüngere Hoffenheimer Fußballgeschichte so wichtigen Kevin Volland, der zwischenzeitlich auch bei RB Leipzig wohl im Gespräch war und am Ende für 20 Millionen nach Leverkusen wechselte. Oder auch der für Nagelsmann und sein Offensivspiel so wichtig gewordene Kramaric (9 Scorer in 13 Bundesligaspielen), der nach einer halbjährlichen Leihe von Premiere League Meister Leicester fest verpflichtet werden konnte. 

Insgesamt gestaltet sich der Kader der Hoffenheimer außerordentlich breit und ausgewogen. Mit bis zu 31 Spielen könnte man auch sagen, dass der Kader aktuell sogar etwas überfüllt scheint und es wird interessant zu beobachten sein, ob Nagelsmann und Sportdirektor Rosen wechselwillige Kandidaten wie Jiloan Hamad noch vor dem Ende der Transferfenster gewinnbringend veräußern können. Grundsätzlich zeigt sich die gesamte Mannschaft über ihre Vorbereitungszeit in einer guten Verfassung (u. a. 1:1 gegen Athletic Bilbao [Primera Division] und 2:0 gegen Chievo Verona [Serie A]). Auch der Einstieg im DFB-Pokal glückte mit einem standesgemäßen 6:0 gegen Regionalligist Germania Egestorf/ Langreder, weswegen man wohl von Seiten der Leipziger Gäste mit einem Gastgeber rechnen darf, der mit breiter Brust und Selbstvertrauen die kommenden 90 Minuten angehen wird.
Aus taktischer Sicht hat Coach Nagelsmann bereits in der Pressekonferenz angedeutet, dass man sich der Spielweise der Leipziger und deren neuen Coaches sehr wohl bewusst ist und man sich entsprechend auch darauf einstellen werde. Dies spricht dafür, dass unter Umständen das von Nagelsmann favorisierte 5-3-2 (defensiv) bzw. 3-5-2 (offensiv) System abermals zum Einsatz kommt. In diesem könnten dann Innenverteidiger Schär, Süle und Bicakcic durch die recht variablen Mittelfeldspieler Rudy, Vogt und Rupp zentral unterstützt werden und somit dem Pressing der Leipziger mit viel Robustheit begegnen.

So werden sie eventuell spielen:
Baumann – Schär, Süle, Bicakcic – Kaderábek, Rudy, Vogt, Rupp, Zuber – Wagner, Kramaric

Fallen aus:
Jin-Su Kim (Erkältung), Eugen Polasnki

Sind damit die Hoffenheimer direkt Favorit im Premierenspiel der Leipziger? Nicht zwangsläufig, wenn es nach den Usern im Forum geht. Dort wurde fleißig prognostiziert und die Abschlusstabelle der kommenden Bundesligasaison getippt. Ergebnis: Bei keiner anderen Mannschaft waren sich die User so uneins über das Abschneiden in der kommenden Saison wie bei Hoffenheim. Von direkter Europa-League-Qualifikation über den 5. Tabellenplatz bis hin zum direkten Abstieg über Platz 17, den Hoffenheimern wird diese Saison wieder alles zugetraut, was sicher auch maßgeblich mit den wechselhaften Auftritten der letzten Spielzeiten zu tun hat. Grundsätzlich kann man sicher sagen, dass auch diese Saison wieder breites Potential in allen Kaderteilen der Hoffenheimer zu finden ist. Es wird spannend zu sehen sein, ob die Jugend des Chefcoachs und die Kaderbreite den Hoffenheimern schlussendlich zum Vorteil oder zum Nachteil wird. Das typische Hoffenheimer Wunderpaket eben.

Leipziger mit Nervosität und Vorfreude

Auf Seiten der Leipziger war in der vergangen Woche sicherlich das Verdauen des etwas unglücklich anmutenden Pokalaus angesagt. So recht schien man sich in Fankreisen in Anbetracht der als partiell zu dünn befundenen Kaderdecke nicht auf den Ligastart freuen zu können. Die zunehmenden Ausfälle wichtiger Stammspieler sorgten darüber hinaus auch nicht dafür, die Nervosität beim geneigten Beobachter zu mindern. Schlussendlich werden die Leipziger mit ihrem nur punktuell verstärkten Zweitligakader in den Kraichgau fahren und vor allem über ihre Eingespieltheit und Automatismen versuchen müssen, die Punkte sich zu erspielen. Eine zugegeben etwas neue Situation für einen Verein, der in den vergangenen Jahren eigentlich über die Sommerpause eher mit Klotzen statt Kleckern auf sich aufmerksam machte.

So werden sie wahrscheinlich spielen:
Gulasci – Schmitz, Orban, Compper, Halstenberg – Ilsanker, Demme – Kaiser, Forsberg – Poulsen, Sabitzer

Fallen voraussichtlich aus:
Lukas Klostermann (Oberschenkel), Naby Keita (Fuß)

Fazit

Mit der ersten Bundesliga betreten die Roten Bullen ungewohntes Terrain. Verletzungssorgen und eine durchwachsene Vorbereitung legen den Schluss nahe, dass die Leipziger nicht zwangsläufig als Favorit in ihr erstes Bundesligaspiel gehen. Die Statistik spricht zumindest für einen Punktgewinn: Noch nie haben die Leipziger ein Saisoneröffnungsspiel verloren. In Anbetracht der ordentlichen Form, in der sich die Hoffenheimer aber die vergangenen Wochen präsentierten, wird jeder Punkt aber schwer zu erkämpfen sein. Das Team von rb-fans.de wünscht der Mannschaft viel Glück dabei und den rund tausend mitreisenden Fans eine angenehme Fahrt.

Wer den langen Anfahrtsweg zum späten Sonntagabend scheut, der kann wie gewohnt über den Fanticker oder den Bullenfunk das Spiel verfolgen.

Thixo