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Oliver Burke – Die schottische Antwort auf Gareth Bale?

Oliver Burke – Die schottische Antwort auf Gareth Bale?

Der Transferkracher der letzten Tage im Bezug auf RB Leipzig ist zweifelsohne Oliver Burke. Aber wer ist eigentlich dieser schottische Jungspund, den der rasende Rasenballsportmagier Ralf Rangnick so rabaukenhaft aus seinem Hut gezaubert hat? Ist es ein Hase oder doch die schottische Antwort auf Gareth Bale?

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Er hat es also doch wieder geschafft. Zum Ende der Transferperiode hat "Rumburak" Rangnick erneut einen Spieler aus dem Hut gezaubert, den vorher keiner auf dem Schirm hatte. Nach einer nicht enden wollenden Verpflichtungsorgie von Salzburger "Kooperationsspielern" (verständlich will man doch Synergieeffekte nutzen) und dem relativen no-brainer Werner (immerhin den Handelnden bestens bekannt, absolutes Toptalent und von einem Absteiger) nun also Oliver Burke. Gerade mal eine Woche hat Rangnick gebraucht, um sich im Dickicht der Interessenten auf die Pole Position zu schieben. Burke findet wie so viele vor ihm nur lobende Worte.



Während in England so mancher mit Schaum vorm Mund zur nächsten Fuchsjagd bläst (bei den interessierten Premier League Teams nun also ohne den jungen Schotten) und das mediale Echo enorm ist, fragt man sich in Deutschland größtenteils: Oliver wer? Zumindest die Bayern mit Mastermind Reschke im Hintergrund sollen auch auf den 19-jährigen Außenbahnläufer aufmerksam geworden sein. Ein klares Gütesiegel, denn in letzter Zeit konnte der Ligaprimus durchaus vielversprechende Talente an Land ziehen (nicht zuletzt einen gewissen Herrn K. aus L. bzw. S. – aber lassen wir das).

Der hochgewachsene Flügelspieler aus dem schottischen Kirkcaldy kickte elf Jahre für die Foresters aus Nottingham (also quasi Orbansche Ausmaße) und schaffte in diesem Sommer den Durchbruch. Mit der Berufung in die schottische Nationalmannschaft im Mai und einem furiosen Saisonstart (vier Treffer) ging der Hype erst richtig los. Die Rede ist von der schottischen Antwort auf das Waliser Ausnahmetalent Gareth Bale und tatsächlich ähneln sich beide in ihrer Grundausrichtung frappierend. Beide verfügen über starke physische Grundvoraussetzungen, sind hoch gewachsen sowie schnell und trickreich. Natürlich ist es noch ein weiter Weg für Oliver Burke in die metaphorischen Fußstapfen des Angreifers von Real Madrid zu treten. Warum er jedoch mit Bale verglichen wird, ist mehr als offensichtlich. In diesem Sinne passt der Schotte perfekt in das Suchraster Rangnicks: schnell, stark, formbar, auch wenn eine Anpassung an das Leipziger Pressingsystem sicher ein Punkt bleibt, an dem noch gearbeitet werden muss. Neben Bale verglich ihn der schottische Co-Trainer Mark McGhee mit der irischen Legende Robbie Keane - zumindest wenn es um den ersten Eindruck geht. Zitat: Er hat den X-Factor! Sprich also: etwas ganz besonderes und das sehen wohl auch Rangnick und Co. in ihm.



Der Geburtsort von Burke ist besonders berühmt, den Mann hervorgebracht zu haben, auf dem der ganze Mist mit dem Kapitalismus und damit in letzter Instanz auch den fußballerischen Bullismus in der heutigen Form gewachsen ist: Nationalökonom Adam Smith – insofern ein folgerichtiger Wechsel – back to the roots oder so. Dazu stammen auch pre-Brexit-Premier Gordon Brown, Krimiautor Ian Rankin und Coldplay Bassist Guy Berryman aus der Hafenstadt Kirkcaldy – also für jeden etwas dabei, erst Recht, weil Oliver Burke sich da nun einreihen kann.

In England sorgte der Wechsel für "Outrage", fiel so manchem Premier League Fan fast das Monokel in den Schampus, zum einen weil der kuwaitische Investor Fawaz Al Hasawi, dessen Familie der Klub seit vier Jahren gehört, das geliebte Tafelsilber verscherbelt (die Tücken des Investorvereins), zum anderen, weil ein Transfer nach Leipzig, gerade bei Top-Talenten aus dem Dunstkreis der gepamperten Premier League so gar nicht ins Weltbild der hiesigen Medien bzw. ins Selbstverständnis des englischen Fußballs insgesamt passte. So sprach auch Rangnik davon, dass er bisher jedesmal scheiterte, wenn er an ein Talent aus den englischen Ligen herangetreten war.

Symptomatisch für diese Eigenwahrnehmung des englischen Fußballs als Weltspitze und oberstes Glied der Nahrungskette, unterstellte der ehemalige englische Auswahlspieler Jermaine Jenas, dessen Karriere einst ebenfalls in Nottingham begann, den Beratern Burkes, dass sie vor allem das Wohl ihres Geldsäckels im Blick gehabt hätten. Geradezu lächerlich, wenn man bedenkt, welche Summen die anderen Interessenten um Manchester United, Liverpool, Bayern, Arsenal und Co. so bewegen und wie groß wohl Burkes Einsatzchancen dort gewesen wären (Miazga, Gnabry und Co. lassen schön grüßen). Immerhin darf nicht vergessen werden, dass der Schotte bisher lediglich auf 25 Zweitligaeinsätze und sechs Tore zurückblicken kann, sowie auf eine Schnupperstunde schottische Nationalmannschaft. Insofern dürften die gehandelten 13 Mio £ Ablöse wohl ein ordentliches "Pfund" sein. Gerüchtehalber soll die Summe sofort auf das Konto der Foresters fließen, andere Angebote beinhalteten wohl eher Nachzahlungsklauseln bei diversen Einsatzmodalitäten. Wie dem auch sei, die "Entführung aus dem Serail" ähh aus dem Sherwood Forest ist Robin Hood Rangnick, dem Rächer der enterbten Zonies, jedenfalls gelungen.

Vorbei sind jedenfalls die Zeiten, in denen Rangnick einen Yussuf Poulsen (mit grundsätzlich recht ähnlicher Vita) für eine gute Million nach Leipzig lotsen konnte. Die umgerechnet gut 15 Mio Euro Ablöse dürften sich jedenfalls derzeit nicht übermäßig viele Bundesligisten zutrauen, die gerne für Poulsen vorgebrachte Verteidigung ("ihn hätte jeder holen können") fällt also flach. Für Burke ist das erstmal ein ordentlicher Rucksack, von dem er sich gemäß heutiger Fußballerdiktion sicher nicht belasten lassen wird. Für die anderen Rasenballer bedeutet es den verschärften Konkurrenzkampf, nachdem zuletzt Bruno (bereits nach Anderlecht geflohen) und Kalmár die ersten Wechseloptionen waren streiten sich nun mit Forsberg/Werner, Selke/Poulsen und Sabitzer/Burke drei prominente Duos um die Stammplätze.

Was uns bleibt, ist also abwarten und ganz vornehm britisch an einem Tässchen Tea nippen (zur Not mit einem Schuss Red Bull oder auch nur mit Schuss). Burke ist nach kurzem Leibchenhochhalten erstmal zur Schottischen Nationalmannschaft gedüst, für die er nun gegen Malta (4.9.) wohl zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz kommen dürfte. Also fleißig Qualispiele schauen: all eyes on Burke - lets go Bravehearts!

Kleiner Funfact am Rande: Nachdem sich zuerst ein wenig Verwirrung über die Körpergröße Burkes "breit" gemacht hatte (die LVZ hatte ihn gleich mal um einen Kopf gekürzt – typisch englische Tradition), machte ihn die offizielle Homepage sofort noch etwas kürzer .. und, naja, breiter. Nachzuverfolgen unter dem Hashtag #Rasenwalze durfte Burke kurzzeitig als "kleinster aktiver Profifußballspieler der Welt" auch den Titel "schwerster aktiver Profifußballspieler der Welt" auf sich vereinen. Mit 74 cm und 174 kg Kampfgewicht sicher ein spektakulärer Anblick auf dem Feld. Allen Ulkereien zum Trotz, darf er berichtigt mit 188 cm bei 74 kg durchaus als Modellathlet durchgehen.

Rumpelstilzchen