Der Saisonstart – Trainer & Spielsystem
Inhalt
Die Länderspielpause bietet Zeit, durchzuschnaufen und einen Blick auf die bisherigen Spiele und die Entwicklung unseres Teams zu werfen.
Trainer
Das Herzstück, in gewissem Sinne der nächste logische Schritt – und dies für beide Seiten. Während Hasenhüttl sich mit dem Leipziger Kader den Wunsch erfüllen konnte, seine Spielweise bei höherer individueller Qualität als in Ingolstadt in Deutschlands Eliteklasse durchzuziehen und nun in der Lage ist, auch den Großen der Liga ein Bein zu stellen, gäbe es wohl in der derzeitigen Situation keinen besseren Trainer für unsere Rasenballer als ihn. Der Etablierung und Grundsteinlegung unter Zorniger und der Anpassung an Liga 2 durch Verfeinerung der spielerischen Qualität unter Rangnick, folgt nun Hasenhüttl, der in den letzten Jahren mit dem FCI brillierte und dort mit einem lauf- und zweikampfstarken Gegenpressing auch in der ersten Liga für Furore sorgte. Gut messbar war dies bereits an den wenigen Gegentoren und der geringen Anzahl gegnerischer Torschüsse (jeweils der viertbeste Wert der Liga in der abgelaufenen Saison). Mit Leipzig konnte er diese Saisonmarken – zumindest nach dem aktuellen Stand – nochmals verbessern.
Dazu kommt seine menschlich sehr sympathische Art, mit der er zu Punkten weiß und in diesem Sinne wahrscheinlich der bisher umgänglichste RBL-Trainer ist. Sicher ist dies in Zeiten des Erfolgs auch ein leichteres Unterfangen, wer sich allerdings an Zorniger, Pacult oder auch Oral erinnern kann, wird die Unterschiede leicht ausmachen können. Insgesamt passen RB Leipzig und Hasenhüttl derzeit wie Rasen auf Ball oder auch Red zu Bull – das Kopfstück in Rangnicks Stab auf der Suche nach dem perfekten Gegenpressingsystem.
Spielsystem & Statistik
Die Länderspielpause wird derzeit von einigen Seiten als perfekter Zeitpunkt für eine erste Aufarbeitung gesehen. Neben der Vereinsseite haben sich auch einige Twitterer und Rotebrauseblogger schon zu Wort gemeldet.
Grundsätzlich besteht die Idee des Spielsystems darin, den Gegner früh im Spielaufbau zu behindern, durch geschicktes und laufintensives Verschieben und Überladung der gegnerischen Angriffsseite mögliche Passwege zuzustellen und Fehler zu provozieren, sowie aussichtsreiche Schusspositionen zu blockieren. Bei Gegenzügen und auch bei eigenem Ballbesitz soll es schnell und schnörkellos nach vorne gehen, weshalb gerade im Mittelfeld einige Fehlpässe entstehen und RBL nach den Bayern das Team ist, das die wenigste Zeit im eigenen Spieldrittel verbringt (ganz im Gegensatz zum 1. FC Köln, die das Team sind, das sich dort am häufigsten aufhält).
Durch die bislang gelungene Kombination von Spielidee und hoher individuellen Klasse und ergänzt um die Tempohärte der Angreifer ist es RB Leipzig daher gelungen, im Bereich der abgegebenen Torschüsse in die europäische Spitzenklasse aufzusteigen. In Deutschland wird RB Leipzig derzeit nur von Dortmund und Bayern übertroffen. So schießt unser Team zwar nicht so häufig wie andere Topteams, kommt aber gerade im Fünfmeter- und im Strafraum sehr häufig zum Abschluss, lässt selber aber ligaweit die wenigsten Schüsse in dieser Region zu (siehe die Links oben für weitere Details). Gemessen an der Qualität der bisherigen Gegnern ist diese Statistik sogar noch beeindruckender.
Läuferisch gehört RB Leipzig, wie allerdings auch zu erwarten war, ebenfalls zur Bundesligaspitze. Nach Freiburg schrubbten die Rasenballer die meisten Kilometer und nach Hoffenheim die meisten Sprints. Kein Wunder bei dem jungen und auf diese Komponente ausgelegten Team. Die Breisgauer sind dabei in ihren Aufstellungen sogar noch etwas jugendlicher. Vergleicht man die Werte mit denen aus der letzten Saison von Hasenhüttl in Ingolstadt, fällt sofort auf, dass auch hier in allen Bereichen mehr Laufleistung aufs Feld gebracht wurde. Dem FCI fiel es im Saisonverlauf immer schwerer, diese läuferische Überlegenheit in dem Gros der Spiele aufrecht zu erhalten, somit bleibt abzuwarten, ob auch der jüngere und breitere Rasenballerkader langfristig dieser Intensität Tribut zollen wird.
Einen Fairplaypreis werden die Rasenballer zwar nicht gewinnen, aber anders als in früheren Spielzeiten darf unser Team durchaus als faire Mannschaft bezeichnet werden. Nur sechs Vereine foulten seltener, nur vier Vereine bekamen weniger Verwarnungen. Ein Blick auf die Spieler zeigt, dass hier – wie immer – besonders das zentrale Mittelfeld gefordert ist. Nach Demme (aktuell ligaweit Platz 3) haben neben Yussi auch Keita und Ilsanker die meisten Foulspiele begangen. Insgesamt funktioniert das Team jedoch hier mehr über Verschieben, Stellungsspiel und spielerische Ansätze.
Verbesserungspotenzial gibt es mithin bei der defensiven Zweikampfführung und den bereits erwähnten Passwerten. Keine Mannschaft in der Bundesliga wird derzeit häufiger mit einem Dribbling überwunden als Leipzig (bestes Beispiel mithin der Konter auf Schürrle im BVB Spiel), nur Gladbach setzt häufiger auf Tacklings, um den Gegner vom Ball zu trennen. Anders als bei den Topvereinen, die ebenfalls viel in der gegnerischen Hälfte unterwegs sind, befinden sich RB Leipzigs Zweikampfwerte eher im unteren Bereich der Liga, hier zeigt sich der Unterschied in der Kaderqualität noch am ehesten.
Durch das schnelle Umschalten kommt es zudem bei den Rasenballsportlern zu zahlreichen Fehlpässen im Spielaufbau, hier gehen die Kicker gern volles Risiko, was meist kein Problem darstellt, wenn man sich nicht selbst in der Folge einen Konter fängt (Hoffenheim!). In diesem Bereich muss sich die Balance noch etwas verbessern. Symptomatisch dafür: Kein Verein in den europäischen Topligen verbucht absolut so viele ungenaue Kurzpässe wie RB Leipzig (81 pro Spiel – eine Statistik in der auch Demme ganz weit vorne "agiert" und so sind auch ligaweit im Bereich Passquote nur Mainz und Darmstadt schlechter als RB Leipzig.
Neben den "harten" opta-Daten konnte RBL auch in den momentan gängigen Analysemethoden expected Goals (xG) und Goalimpact zulegen. Bei der xG Wertung sind die Torschussdaten entscheidend, es zeigt sich, wie oben erwähnt, dass RBL viele gute Chancen erzeugt und nur wenige zulässt. Die verbesserten Goalimpact Werte spiegeln den guten Saisonstart, die verbesserten Entwicklungsaussichten und Einzelspielerbewertungen wieder. RB Leipzig schaffte hier binnen weniger Wochen(!) den Sprung von einem prognostisch gehobenen Mittelklasseteam in die Verfolgergruppe der großen Zwei aus München und Dortmund. Hier darf also konstatiert werden, dass die Mannschaft bzw. die Einzelspieler größtenteils erfolgreich in der Liga angekommen sind, bzw. vor der Saison noch schlechter gesehen wurden, als sie sich aktuell präsentieren. Auch wenn vermeintliche nominelle Topteams wie Wolfsburg und Schalke bislang einen Fehlstart hinlegten und Hertha sowie die defensiv starken Kölnern bislang sehr überraschten, dürfte es im Kampf um die internationalen Plätze noch ein langes und enges Rennen für die halbe Liga werden, bei dem der aktuelle Tabellenstand sicher nicht mit dem des 34. Spieltages übereinstimmen wird.
Wer sich weiter in das Thema Statistik eingraben will, dem seien WhoScored und Squawka empfohlen, dort werden Teile der Opta-Daten bis ins Detail aufgeschlüsselt.
Fazit: Kritikpunkte und damit Ansätze für zukünftige Verbesserungen wird es immer geben – das ist auch gut so. Der Saisonstart und damit das Ankommen in der Liga darf dennoch als rundum gelungen gelten. Ein neuer Trainer und viele Spieler, die in den letzten 2 Jahren noch in der zweiten Liga gespielt haben, stellten einen neuen Rekord für Bundesligadebütanten auf, der wohl auch in Zukunft schwer zu knacken sein wird und den es jetzt in Wolfsburg auszubauen gilt – dort kann mit einem Punktgewinn übrigens der Rekord der Kölner aus der ersten Bundesligasaison gebrochen werden (die ersten 7 Bundesligaspiele eines Vereins ungeschlagen), als nächstes würde dann Duisburgs Aufsteigerrekord warten, aber der ist mit 10 ungeschlagenen Spielen unter Hasenhüttl-Vorbild Ewald Lienen 1993 ungleich schwerer zu verbessern… Die Wolfsburger dürfen dabei nicht unterschätzt werden, gerade gemessen an den Torabschlüssen spielten sie bisher eher unter Wert.
Im zweiten Teil unserer Saisonstartanalyse widmen wir uns demnächst den Mannschaftsteilen und Spielern.
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion