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2. Große Fanversammlung in der Messehalle 14

2. Große Fanversammlung in der Messehalle 14

Die zweite Fanversammlung war zugleich eine denkwürdige wie auch gelungene Veranstaltung der RB-Fangemeinschaft. Durch den Austausch von viel Lob und Kritik, sollte sie zu Bewegung in der RB-Fanszene führen.

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Genau zwei Jahre sind vergangen, als die erste große Fanversammlung für gleichermaßen fanclubgebundene und nicht organisierte RB-Fans stattfand. Am Samstag war es wieder soweit, der Fanverband von RB Leipzig lud zur zweiten Auflage, des für alle RB-Fans offene Treffen, in die Halle 14 auf der Alten Messe ein.


Geringere Beteiligung wegen Unstimmigkeiten in der Fangemeinschaft?

Die Beteiligung fiel geringer als vor zwei Jahren aus, obwohl seitens der Organisatoren für ausreichend Platz und ein gutes Umfeld in allen Belangen gesorgt wurde. Sucht man nach den Gründen dafür, so sind diese vermutlich in einer deutlich verbesserungswürdigen Kommunikation zwischen allen Parteien – Verein, Fanverband und Fans – zu finden.


Der Fanverband resümiert über über Erreichtes und Notwendiges.


Die Veranstaltung wurde von Moderator Peer Vorderwülbecke (gestellt vom Fanprojekt Leipzig) pünktlich um 18.00 Uhr eröffnet und souverän geleitet. Nach der Begrüßung übernahm Fanvertreterin Luise Neuhaus-Wartenberg das Mikrofon und sollte über die bisherige Arbeit des Verbandes mittels eines "Rechenschaftsberichtes" resümieren. Hierbei machte sie deutlich, dass die RB-Fangemeinschaft noch eine sehr junge sei und es noch viel Basisarbeit zu bewerkstelligen gäbe. Auch appellierte sie daran unter keinen Umständen, Ereignisse wie zuletzt in Köln, zu akzeptieren und lobte den eigenen beispiellosen humorvollen Umgang mit Anfeindungen gegenüber RB-Anhängern. Als Produkte der Arbeit im Fanverband nannte sie vorwiegend soziale Aktivitäten und Veranstaltungen sowie die Organisation vom letzten Fanmarsch und den Abschied vom einstigen Debüttrainer Tino Vogel. Die bisherigen Austritte verschiedener Fanclubs aus dem Verband nannte sie als eindeutiges Signal für notwendige Veränderungen.


Viel Lob von RB-Geschäftsführer Uli Wolter

Es folgte ein Grußwort von RB-Geschäftsführer Uli Wolter, der seitens der Organisatoren eingeladen wurde. Nach seiner Rede verließ er die Veranstaltung aus Respekt gegenüber kritischen Stimmen, die bezüglich einer Teilnahme von Vereinsvertretern aufkamen. Wolter fand vor allem lobende Worte gegenüber den RB-Fans, welche in kurzer Zeit in allen Bereichen viel aufgebaut und geleistet hätten. Er adelte die sehr gute Stadionstimmung und die Entwicklung der Fanszene. Er signalisierte Bereitschaft mit allen Fans kooperieren zu wollen, appellierte dabei aber auch an die Wichtigkeit einer gebündelten Fanarbeit über den Fanverband. Die Wahl des Veranstaltungsortes für das Fantreffen, dieses Jahr eine Messehalle mit kirchlichem Mobiliar, 2014 eine spätneunziger Diskothek, honorierte er ein wenig humorvoll-spöttisch als echte Überraschungen.


Landespolizei sieht "Tendenzen zur Sorge"

Der eingeladene Vertreter der Landespolizei Frank Gurke zeigte sich ebenfalls humorvoll: "Ich bin überrascht über den freundlichen Empfang – das geht uns als Polizei nicht immer so." Auch er hatte viel Lob für die RB-Fans übrig und machte deutlich, dass die RB-Fanszene der Polizei bislang keine größeren Probleme bereite. "Das morgige Derby bereitet uns mehr Sorgen als alle bisherigen RB-Spiele zusammen". Er sieht die Polizei sowohl als Partner des Vereins als auch der Fans. Trotzdem mahnte er die anwesenden Fans zu offenen Argusaugen für die weitere Entwicklung der Szene an. "Es gibt Tendenzen zur Sorge." Denn kleinere Delikte wie Pyrotechnik auf Bahnhöfen und Raststätten, Provokationen gegnerischer Fans und Sachbeschädigungen in Form von Graffiti monierte er als erste Warnzeichen. Die Folgen könnten dann für die RB-Fanszene nämlich eingeschränkte Freiheiten für diverse zukünftige Fanaktivitäten sein.


Die Qual der Wahl – Fanvertreterwahl findet trotz Kritik statt.

In der Pause wurden die Stimmzettel für die Wahl zweier weiterer Fanvertreter aus vier Kandidaten eingesammelt. Hier gab es schon am Vorabend der Veranstaltung Kritik seitens des Ur-Fanclubs – den L.E.Bulls –, da der Fanverband in einigen Punkten gegen die eigens mühevoll erarbeitete Satzung verstieß. Demnach hätte die Wahl eigentlich nicht stattfinden dürfen, da Terminierungen und der Annahme von Wahlbewerbungen teilweise gegen die eigene Satzung verstießen. Die Anwesenden legitimierten die Wahl jedoch kurzerhand mittels einer offenen Handzeichenabstimmung. Hierbei waren 104 Wahlberechtigte für eine Wahl, 31 gegen eine sofortige Wahl, vornehmlich aus den Lagern der L.E. Bulls, den Bennewitzern und den Fanatics, zwei Teilnehmer enthielten sich der Stimme.

Wahlleiter Heiko Brümmer sah sich durch die Mehrheitsentscheidung demnach berechtigt die Wahl durchzuführen, entschuldigte sich aber mehrfach für Missgeschicke in Sachen Einhaltung der Verbandssatzung. Somit stellten sich die Kandidaten vor. Dies taten sie sehr knapp. Für kritische Stimmen war das zu wenig: "Ihr wollt hier ein für uns Fans wichtiges Amt übernehmen und stellt euch nur halbherzig vor?" Daraufhin erfolgte eine genauere Vorstellung der Kandidaten, wovon ein Kandidat gesundheitlich verhindert war und durch den Wahlleiter beworben wurde. Eine weitere Stimme beklagte: "Ihr wollt im Verband für mehr Gemeinsamkeit, Gerechtigkeit und einen Zusammenhalt sorgen, aber beschwert euch nicht einmal über diesen zweifelhaften Wahlvorgang?" Auf der Bühne konnte nur Peter Fabiansky (aus Grimma, hat bereits einen Heiratsantrag im Stadion gemacht) mit seiner Motivation zusammenführend und für alle Fans arbeiten zu wollen, überzeugen. Demnach gewann er mit 35 Stimmen neben dem nicht anwesenden Lutz Scheibe (43 Stimmen, OFC Leipziger Ballerei). Letzterer hatte offensichtlich eine starke Lobby im Saal oder die zwei weiblichen Kandidatinnen wurden von den Wählern als nicht geeignet genug erachtet. Beide werden in den nächsten zwei Jahren für den Fanverband leitend tätig sein.

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Die Kandidaten v.l.n.r Heike Weiland, Peter Fabiansky, Beatrice Nickel


Somit war der wichtigste Teil des Treffens überpünktlich abgehandelt. Spätere Punkte auf der Agenda waren die Vorstellung der Arbeit des Arbeiter-Samariter-Bundes, die Vorstellung der Initiative 60 Plus sowie eine Ansprache von Capo Sebastian.


Fazit:

Das zweite offene RB-Fantreffen war eine gelungene Veranstaltung, die jedoch auch zum Nachdenken anregen dürfte. Die Organisatoren haben erneut gezeigt, dass sie Dinge auf die Beine stellen können. Es gab trotz Protestwahlzetteln und kritischen Stimmen sowie verschiedener Fanlager einen Dialog und diesen braucht es für Veränderungen. Das die Wahl trotz Satzungsverstößen stattfand, ist zumindest dahingehend positiv zu bewerten, als dass es dafür eine Mehrheit gab und dass damit dem Verband zwei weitere neue und motivierte Führungsmitglieder zur Verfügung stehen. Von Außen gibt es viel Lob, Innen gibt es weiterhin einige Spannungen innerhalb der Fanszene. Diese zu überwinden, wird für den Fanverband, auch im baldigen fünften Jahr seines Bestehens (vierter "Geburtstag" im Januar), weiterhin ein Hauptthema bleiben.

Aber die Frage die man sich stellen muss, lautet: Ist es nicht normal dass eine noch junge Fanszene, die so Wolter "sehr vielschichtig" ist und die alters- und interessenmäßig alle gesellschaftlichen Facetten wiederspiegelt, nicht mehr Zeit und noch mehr Kommunikation benötigt? Kann es überhaupt der Anspruch sein, alle RB-Fans glücklich zu machen? Die gesamte Fanszene sollte sich im Klaren darüber sein, dass man die größte Stärke, den besten Support, die höchste Produktivität erreicht und damit den größten Spaß an RB Leipzig hat, wenn man individuelle Befindlichkeiten beiseite stellt und die Konzentration, die Energie und die Fanarbeit auf die gemeinsamen Nenner richtet und vereint an einem Strang zieht.

OzzyRBL