Bullen gegen Knappen – RBL reist in den Pott
Des einen Europa-Freud,…
Wir haben es geschafft! Nach dem 4:0 Erfolg vergangene Woche gegen den Mitaufsteiger aus Freiburg ist die Sensation perfekt – Leipzig darf nächste Saison auf Europa-Reise. Das bedeutet heiße Pokalabende an der Côte d’Azur, beinharte Rasenschlachten unter englischem Regen, sowie eiskalte Tore und Temperaturen in osteuropäischen Fußballtempeln. Die Vorfreude des gemeinen Messestädters endlich die große Welt bereisen zu dürfen war am letzten Spieltag in der Red Bull Arena beinahe greifbar. Er lechzt – wie ein eingesperrter Bulle – danach endlich die Hufe schwingen zu können, damit es heißt: Red Bull für uns und ganz Europa. Mit 18 Punkten Abstand auf den fünften Tabellenplatz bei noch 15 zu vergebenden Zählern wird die Bestie nun also befreit. Zumindest die Qualifikation für die Champions League ist sicher. Doch auch die direkte Qualifikation rückt immer näher im Hinblick auf die 7 bzw. 8 Punkte auf die Verfolger aus Dortmund und Hoffenheim. Mit 4 Siegen im Gepäck reist der Leipziger Europa-Zug nun ins Ruhrgebiet.
…des anderen Europa-Leid.
Auf Schalke ist dieser Zug jedoch abgefahren. Die Königsblauen unterlagen am vergangenen Donnerstag im Kampf ums Europa-League Halbfinale dem niederländischen Vertreter aus Amsterdam. Trotz eines beherzten Auftrittes nach der 0:2 Hinspielniederlage inklusive Verlängerung müssen die Gelsenkirchener ihre letzten Titel- und Europahoffnungen begraben. Die Krabbelgruppe von Ajax versetzte den Knappen den emotionalen Nackenschlag der Saison. Der Gewinn der EL hätte 20 Jahre nach den vereinslegendären Euro-Fightern nicht nur einen großen Titel bedeutet, sondern auch die Qualifikation für die Champions League. Diese ist für Schalke nun in weite Ferne gerückt, die erneute Quali für die Europa League ist allerdings noch drin. Die Mannschaft von Markus Weinzierl befindet sich zwar auf dem 11. Tabellenplatz, jedoch trennen sie nur vier Punkte vom Sechstplatzierten aus Freiburg. In der absurd engen Bundesligasaison 16/17 darf Königsblau aber nicht nur nach oben schauen, sondern muss auch den Tabellenkeller im Blick haben – der 16. Platz ist nämlich ebenso nur 5 Punkte entfernt. Für die Schalker herrschen grad die Wochen der Entscheidungen, die erste davon fiel gegen sie.
Von heimstarken Knappen – und auswärtsstarken Bullen
Schalke konnte die letzten fünf Partien in der Veltins-Arena ohne Niederlage überstehen. Trotz der insgesamt eher durchwachsenen Saison verloren sie zuhause überhaupt erst vier Spiele, eines davon gegen den Rekordmeister aus München. Ralph Hasenhüttl und sein Team sollten also gewarnt sein, die Kulisse von über 60.000 Fans nicht zu unterschätzen. Der 2:1 Erfolg aus dem Hinspiel wird sich nicht von allein wiederholen. Damals kam Königsblau jedoch auch mit einer Serie von sieben ungeschlagenen Partien nach Leipzig – und verlor. Unsere Leipziger sammelten zwar vier ihrer insgesamt 6 Niederlagen in fremden Stadien, allerdings ist man hinter dem FC Bayern nichtsdestotrotz die zweitbeste Auswärtsmannschaft der aktuellen Saison.
Moralisch reist man sowieso mit Oberwasser an. Nach zwischenzeitlichem Leistungs- und Ergebnistal haben sich unsere Jungs wieder gefangen, auch das Glück – wie zuletzt gegen Leverkusen – ist zurückgekehrt. Mit eingesackter CL-Quali im Rücken und sogar noch Außenseiterchancen auf den Titel kann das Team befreit aufspielen, alle Saisonziele sind nicht nur erfüllt, sondern am überlaufen. Spieler und Trainerteam dürften das Grinsen überhaupt nicht mehr aus dem Gesicht bekommen – egal mit wie vielen Zähnen. Bei Schalke hingegen hängen die Köpfe. Am letzten Spieltag setzte es eine heftige Niederlage gegen den Tabellenletzten aus Darmstadt mit dem entscheidenden Tor in der Nachspielzeit. Nun unter der Woche das Ausscheiden aus der EL – in der Verlängerung, nach 3:0 Führung und in Überzahl. Als Knappe bist du Leid sicherlich gewohnt, aber das ist schon starker Tobak. Körperlich und geistig angeschlagen, bleibt den Schalkern noch dazu auch nichts anderes übrig, als zurückzuschlagen, denn es geht noch um Europa und gegen den Abstieg. Stellt sich die Frage, ob ihnen das am Sonntag auch gelingt
Alle Bullen an Bord – Schalke leckt sich die Wunden
Personell gestaltet sich das Bild ähnlich wie in den anderen Bereichen. Ralph Hasenhüttl kann bis auf Lukas Klostermann auf jeden Spieler zurückgreifen und hat die Qual der Wahl auf vielen Positionen. Vize-Kapitän Willi Orban kehrt nach Rot-Sperre zurück in die Mannschaft, womit sich die Frage stellt, wer neben ihm aufläuft. Youngster Upamecano hat sich so langsam eingegroovt und könnte erneut eine Option für die Startaufstellung werden, aber auch Routinier Compper ist einsatzbereit. Im Mittelfeld eröffnet sich das Luxusproblem, wer aus dem Dreigestirn aus Demme, Keita und Ilsanker aufläuft, wobei Demme und Keita die Nase vorn haben dürften. Auch auf den Offensiv-Positionen sind alle fit. Marcel Sabitzer hatte sich gegen Freiburg noch eine leichte Prellung am Knöchel zugezogen, konnte aber unter der Woche voll ins Training einsteigen. Im Fokus stehen wird natürlich Timo Werner am Wochenende. Unser 16-Tore-Mann löste im Hinspiel mit der ersten Schwalbe der Bundesliga-Geschichte eine Fußball-Diskussion und Hexenjagd sondergleichen aus. Dies werden ihn am Wochenende sicher nicht nur die Schalker Fans spüren lassen, sondern auch die Fußballexperten der Bundesrepublik kochen solche Themen zu Rückspielen gerne wieder neu auf – doch dies nur als Warnung an alle Sky-Zuschauer.
Mögliche-Aufstellung: Gulácsi – Bernardo, Orban, Upamecano (Compper), Halstenberg – Keita, Demme – Forsberg, Sabitzer – Poulsen, Werner
Bei den Gelsenkirchenern hat das EL-Rückspiel gegen Ajax seine Opfer gefordert. Leon Goretzka musste bereits während der Partie ausgewechselt werden, nachdem er mit Amsterdam-Keeper Onana zusammengestoßen war. Der 22-jährige hatte sich den Kiefer ausgerenkt und eine Gehirnerschütterung erlitten. Dass er überhaupt nochmal auf den Platz zurückkehrte und erst rausging, nachdem er sich auf dem Platz übergeben musste, war bestimmt nicht hilfreich im Hinblick auf kommende Spiele und dazu ein sehr fraglicher Umgang (Das Concussion-Protocoll der NFL lässt grüßen!). Auch Sead Kolasinac hatte körperliche Probleme in den letzten Minuten der Partie. Nach seinen Adduktoren-Problemen zuletzt könnte es deshalb auch für ihn eng werden. Weiterhin fehlen den Nordrhein-Westfalen Choupo-Moting, für den die Saison wegen Kreuzbandproblemen wohl beendet ist, Breel Embolo (Aufbautraining nach Sprunggelenksverletzung), Atsuto Uchida (Trainingsrückstand), Abdul Rahmann Baba (Kreuzbandriss), Thilo Kehrer (Rotsperre), Naldo (Muskelteilabriss) und Phil Neumann (Außenbandriss). Der Rest des Kaders hat natürlich ebenso noch die 120 Minuten vom Donnerstag in den Knochen, was gegen ein laufintensives Leipziger Spiel zum Verhängnis werden könnte.
Mögliche Aufstellung: Fährmann – Riether, Höwedes, Nastasic, Kolasinac (Aogo) – Stambouli, Bentaleb – Caligiuri, Goretzka (Schöpf), Meyer – Burgstaller
Fazit
Die Vorzeichen stehen also alles in allem bezeichnend schlecht für den FC Schalke 04 und sehr gut für unsere Leipziger Jungs. Wer den Fußball kennt, wird aber wissen, dass es niemals ratsam ist, sich zu früh zu freuen. Die Goldene Regel ist, dass es keine Goldenen Regeln gibt, sagte schon George Bernard Shaw. Die Knappen sind unter Druck und müssen zurückschlagen, um die Saison vergnüglich ausklingen zu lassen. An einem guten Tag, ist ihnen das immer möglich, was fehlt ist die Konstanz. Ralph Hasenhüttl und Co können zwar relativ entspannt in die Partie gehen, sind jedoch auch auf der Hut. „Der FC Schalke hat am Donnerstag wieder gezeigt, dass die Mannschaft im eigenen Stadion eine Macht ist und gegen Ajax Amsterdam ein starkes Spiel abgeliefert. Leider hat es Schalke nicht geschafft, sich für den großen Aufwand, den sie betrieben haben, zu belohnen. Zuhause werden sie von ihren Fans immens gepusht. Es wird schwer für uns, dort zu bestehen.“, so Hasenhüttl am Freitag auf der Pressekonferenz.
Mehr als 1500 Fans werden am Sonntag mit in den Ruhrpott reisen und die Roten Bullen unterstützen. Wir freuen uns auf ein spannendes und intensives Match unseres Teams und hoffen, der zweite Tabellenplatz kann weiter gefestigt werden. Mit dem Blick auf die Partien von Hoffenheim und Dortmund wäre ein Dreier wohl enorm wertvoll im Kampf um die direkte CL-Qualifikation. Zudem bietet sich auch eine der letzten Chancen, das Meisterschaftsrennen irgendwie spannend zu halten, so träumerisch das vielleicht auch klingen mag.
Wer nicht mit vor Ort sein kann, für den ist unser RB-Fanticker wieder LIVE dabei und berichtet über alle Ereignisse auf und neben dem Feld. Alternativ bieten sich auch der Bullenfunk oder Sky an. Schiedsrichter der Partie ist Günter Perl (Pullach). Das RB-Fans.de-Team wünscht unserer Mannschaft um Trainer Ralph Hasenhüttl wie immer alles Gute, viel Erfolg und einen gelungenen Saisonendspurt!
FM7