Viertelfinale wir kommen!
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Hasenhüttl bringt die beste Elf
Die Bayern vor der Brust und das Europa League Viertelfinale im Blick. Hasenhüttl schaut vorerst nur von Spiel zu Spiel und ließ auch in St. Petersburg wieder die nominell beste Elf antreten. Mit Sabitzer (Rücken) und Halstenberg sowie den angeschlagenen Kampl und Laimer hatte RBL auch so schon genügend Ausfälle zu verkraften.
Aus Leipzig hatten sich neben der Mannschaft nur eine Handvoll Fans aufgemacht. Die weite Fahrt, keine organisierte Fanreise sowie die durchaus nicht von der Hand zu weisende Angst vor den schlagkräftigen Fans der Gastgeber hielten einige ab – dennoch Schade. Die Gastgeber feierten indes mit einer großen Choreo ihren Klub – Prädikat sehenswert.
Ein Schuss – ein Tor – für Leipzig!
Ein Spiel, das eher schwer in Gang kam und klar geprägt war von den Vorgaben des Hinspiels. Denn Torabschlüsse suchte man in den ersten 20 Minuten vergebens. Dafür musste Zenit nach nur sieben Minuten den Ausfall von Topgoalgetter Kokorin hinnehmen, der sich bei einem Foulspiel an Orban selbst verletzte.
Mit der ersten Chance des Spiels ging RBL jedoch in der 22. Spielminute in Führung. Werner ließ parallel zum Strafraum ein und steckte im richtigen Moment auf Augustin durch, der sich um die eigene Achse drehte und den Ball im Netz versenkte.
Beinahe hätten die Gastgeber prompt geantwortet, denn Paredes zirkelte einen Freistoß ans Lattenkreuz. Erinnerungen an das Hinspiel wurden wach, aber diesmal war das Glück auf Leipziger Seite. Aber Leipzig baute in der Folge ab, viele leichte Ballverluste brachten Zenit wieder ins Spiel, die gegen Ende der ersten Halbzeit immer mehr auf den Ausgleich drängten.
Ohne Gegentor geht’s nicht
Und selbiger sollte fallen, wie bisher in jedem internationalen Spiel, kassierte RBL einen Gegentreffer. Nach einem Seitenwechsel hatte Hinspieltorschütze Criscito zu viel Platz, seine Flanke segelte durch den Fünfmeterraum, wo Driussi relativ unbedrängt mit Rechts zum Ausgleich traf (45.). Insgesamt eine erste Hälfte mit viel Ballbesitz, aber wenig Durchschlagskraft bei den Rasenballern, die sich im Spielaufbau das Leben selbst schwer machten.
Orban geht raus – Jugend-forscht-Innenverteidigung
Orban, der im ersten Durchgang den gelben Karton gesehen hatte, blieb in der Pause draußen – Hasenhüttl wollte keinen Platzverweis riskieren und brachte Konaté, der seine Sache erneut sehr souverän erledigte. Wie die erste Halbzeit endete, so begann die Zweite, nämlich mit guten Torraumszenen. Zuerst hatten die Russen einige Halbchancen, ehe Werner für Forsberg im Strafraum ablegte. Der Schwede zögerte etwas, so dass sein Schuss geblockt wurde. Allerdings sollten nach dieser Chance gut 25 Minuten Kampf folgen.
Keine Chancen, dafür viele Tacklings, Luftkämpfe und Ballverluste. Die Russen taten sich besonders am Boden hervor, wo sie insgesamt 32 erfolgreiche Tacklings aufs Feld brachten (doppelt so viele wie RBL). Leipzig gewann mehr Luftduelle – besonders in der Defensive und versuchte mehr Dribblings (besonders Bruma). Torchancen gab es hingegen erst in der Schlussphase.
Die Angst des Schützen vorm Elfmeter
Während Zabolotny im Abseits stehend traf und Paredes die Schlussviertelstunde per Fernschuss eröffnete, netzte auf der anderen Seite Augustin, allerdings ebenfalls im Abseits. Die große Chance das Spiel zu entscheiden sollte dann in der 82. Werner haben. Nach einem feinen Stichpass von Keita konnte Mevlja ihn nur per Foul stoppen. Der Geschädigte trat selber an und musste erstmal warten, weil Ivanovic und der Schiedsrichter noch die ein oder andere Anekdote austauschen wollten. Als es dann soweit war, schoss Werner hart aber unplatziert, so dass Lunev parierte. Zwar brachte Mevlja den zum Nachschuss eilenden Klostermann zu Fall, Schiedsrichter Orsato sah aber über diesen Fauxpas hinweg, wollte er doch noch eiligst mit Ivanovic abklatschen – eine skurrile Szene.
Zittern bis zum Ende
So war also mal wieder Herzkasper angesagt. Denn eine Verlängerung war so ziemlich der worst case gewesen. Zwar hatten die Gastgeber noch einige Halbchancen, die beste war aber auf Leipziger Seite, als Bruma in der Schlussminute der Nachspielzeit nach einem Wernerkonter aus kurzer Entfernung den Ball nicht an Lunev vorbeibrachte. Danach war Schluss und Leipzig über beide Spiele gesehen verdient im Viertelfinale.
Auch Salzburg jubelt
Im Abendspiel kickte dann das Bruderteam aus Salzburg gegen die in hiesigen Gefilden eher unbeliebten Borussen. Der Leipziger auf der Trainerbank jubelte am Ende, während der Österreicher in Dortmunder Diensten aus der Europa League ausschied, ebenfalls über beide Spiele gesehen durchaus verdient. So kann es im Viertelfinale nun zu einem Duell der Brausevereine kommen, der Untergang des Fußballabendlandes wäre garantiert. Weitere mögliche Gegner bei der heutigen Auslosung: Aletico Madrid, Arsenal London, Olympique Marseille, Lazio Rom, Sporting Lissabon und ZSKA Moskau. Durchaus namhafte Gegner! Auslosung heute ab 13 Uhr!
Fazit
Das Erreichen des Viertelfinales kann durchaus als einer der großen Meilensteine der Vereinsgeschichte gesehen werden. Ob nun das Sammeln internationaler Erfahrungen, die „Eroberung“ Europas durch den einzig wahren Rasenballsport, Fünfjahreswertung oder zukünftige Verteilerschlüssel – alles ist wichtig. Am Ende sind es aber diese unvergesslichen Abende, die besonders in Erinnerung bleiben und nun sind es theoretisch nur noch fünf Spiele bis zum Titel, kürzer geht’s kaum.
Auf der anderen Seite bleiben die alten Probleme: Kein Sieg nach eigener Führung, wieder ein Gegentreffer, zu leichte Ballverluste für ein Team, dass sich auf dem Weg zum Ballbesitzteam wähnt und obendrein stehen am Sonntag die feierwütigen Bayern vor den Toren.
Baiovarii ante portas!
Beim Feiern zuschauen, das haben die Rasenballer in ihrer Geschichte schon häufiger gemacht (in Chemnitz, Halle und Ingolstadt durfte man die Staffage zur Meisterschaft sein). Das muss sich nicht unbedingt wiederholen... Die Bayern kommen ausgeruht und mit einer fetten Serie im Rücken nach LE. Leipzig hat deutlich weniger Regeneration, immerhin sollten Kampl und Laimer fit werden. Im Prinzip wäre ein Erfolgserlebnis gegen den großen FCB genau das, was RBL gerade braucht, auch weil die CL Plätze langsam entschwinden, von hinten weitere Teams drücken und weitere englische Wochen anstehen. Daher gilt es am frostigen Sonntag das Team mit unbedingtem Willen nach vorne zu peitschen, Revanche für die Pokalpleite und nach vier sieglosen Spielen zurück in die Erfolgsspur. Getreu dem Motto: Jetzt erst recht!
Statistik
Zenit St. Petersburg Lunev – Ivanovic, Smolnikov, Mevlja, Criscito – Kranevitter, Paredes, Schirkov – Rigoni (90. Erokhin), Kokorin (8. Zabolotny), Driussi
RB Leipzig: Gulácsi – Klostermann, Orban (C, 46. Konaté), Upamecano, Bernardo – Demme (71. Ilsanker), Keita – Bruma, Forsberg – Werner, Augustin (90.+2 Poulsen)
Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)
Tore: 0:1 Augustin (22.), 1:1 Driussi (45.)
Torschüsse: 9 / 8
Schüsse aufs Tor: 4 / 3
Gewonnene Zweikämpfe: 46,9% / 53,1%
Ballbesitz: 45% / 55%
Angekommene Pässe: 69% / 80%
Fouls: 13 / 12
Ecken: 7 / 4
Abseits: 4 / 6
Gelbe Karten: Smolnikov, Mevlja, Cricito / Demme, Orban
Bes. Vorkommnisse: Lunev hält Foulelfmeter von Werner (82.)
Zuschauer: 44.092 (ca. 50 Leipziger)
Rumpelstilzchen
Das dachte ich mir letztens auch, als ich den Preis vom neuen Trikot gesehen habe - 150 € und dann noch für ein paar Euro den Namen von so einer Eintagsfliege drauf. Im Leben nicht.