Heimstärke nutzen – Rasenballer wollen nächstes Feuerwerk zünden!
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"Europapokal, Europapokal, Leipzig international..." – Die Fans sangen es im letzten Jahr, als es Gewissheit wurde und nun stehen wir als letzte deutsche Mannschaft im Viertelfinale der Europa League! Mit Olympique Marseille erwartet uns kein leichter Gegner, den es aber ab dieser Phase nicht mehr gibt. Platz 4 in Deutschland gegen Platz 3 in Frankreich, ein Duell auf Augenhöhe! Es ist unser viel erhoffter Traum, der nun Wirklichkeit geworden ist und unsere Jungs wollen auch weiterhin beweisen, zu was sie in der Lage sind. Nach sechs Pflichtspielen ohne Niederlage in Folge scheint unsere Mannschaft für die anstehenden schweren Aufgaben gut gerüstet zu sein.
Großer Name, erfahrene Spieler
Mit Olympique Marseille empfangen wir zum Europa League
Viertelfinal-Hinspiel den aktuellen Drittplatzierten der französischen Ligue 1.
Es ist ein klangvoller Name, der bereits einmal den Pokal der
Landesmeister (Champions League) gewann, wie auch neunmal französischer Meister
wurde und zehnmal den Landespokalwettbewerb für sich entscheiden konnte. Seit
acht Jahren ist man in jeglicher Hinsicht titelfrei und musste im Sommer
2015/16 nach Platz 13 in der französischen Liga einen gewissen Neuanfang wagen. Bekannt ist "OM" allerdings nicht nur wegen seiner sportlichen Erfolge, sondern auch wegen seiner Fanszene. Olympique hat die mit Abstand größte Fanszene in Frankreich, muss jedoch leider auf seine Fans im Gästeblock wegen einer UEFA-Strafe verzichten.
Mit Trainer Rudi Garcia holte man einen erfahrenen Trainer vom AS Rom und sukzessive auch viele Neuverpflichtungen. Insgesamt setzt man auf erfahrene Spieler, so dass das Durchschnittalter seines Teams mit 28 Jahren meist vier bis fünf Jahre über dem unserem Team liegt. Vor allem in der Defensive geht man markant diesen Weg und lässt somit unsere Innenverteidigung um Konaté (18) und Upamecano (19) in ein anderes Licht rücken. Mit Torwart Mandanda (32) und den Innenverteidigern Rami (32) und Rolando (32) geht man insgesamt einen komplett anderen Weg und vertritt eine andere Kaderphilosophie, während die Außenverteidigung mit 26- bis 28 jährigen Spielern ergänzt wird. Auch im Mittelfeld setzt man weiterhin auf erfahrene Spieler wie Luiz Gustavo (30) und den Kapitän Dimitri Payet (30). Zu Saisonbeginn holte man sieben neue Spieler, lieh drei weitere aus und diesmal auch jüngere Akteure.
Besonders wurde dabei in der Offensive investiert und
stellte dort mit Saisonbeginn einen komplett neuen Kaderkreis auf.
Mittelstürmer Valère Germain (27) kam vom AS Monaco und Konstantinos Mitroglou
(30) von Benfica Lissabon. Wie man sieht, wieder recht erfahrene Spieler, so
dass man wohl unbedingt mit 'fertigen' Spielern schnellstmöglich den Erfolg
zurückerobern will. Neben der weiteren Verpflichtung von Stürmer Clinton N'Jie
(Tottenham Hotspur) ist vor allem Florian Thauvin der Stareinkauf schlechthin.
Mit 16 Ligatoren ist er sozusagen das Pendant zu Timo Werner, der über der
rechten Seite seine Torgefährlichkeit bewiesen hat und mit seinen 25 Jahren
eigentlich auch zu unserer Spielkultur recht gut passen würde.
Standardstärke und einfache, jedoch effektive Spielweise
In der französischen Liga belegt man nun hinter PSG und
Monaco den dritten Tabellenplatz und zeigt sich als eingespieltes Team. Mit dem 3:1 Erfolg am letzten Wochenende beim Tabelletenzehnten FCO Dijon, festigte man seine internationalen Ambitionen im nächsten Jahr auch international spielen zu wollen und musste generell erst fünf
Niederlagen in der Liga verkraften. Demnach tritt man auch auswärts
selbstbewusst und gestärkt auf, was auch letztendlich im Achtelfinalspiel
der EuroLeague beim 2:1-Sieg bei Athletic Bilbao zu erkennen war. Hilfreich dabei
ist sicherlich auch das höhere Alter der Marseille-Spieler, die vor allem mit ihrer Erfahrung
clever, abgezockt und effizient agieren. Besonders zielstrebig, mit Wucht und mit den
entsprechenden Laufwegen nutzt man das bei den Standardaktionen konsequent aus. Auch im letzten Punktspiel gegen den FCO Dijon gelangen zwei Standardtreffer. Das erinnert ein wenig an die Champions League Vorrunden-Spiele unserer Roten
Bullen gegen den FC Porto, der damals fünf Tore über ruhende Bälle gegen unser
Team erzielte. Aber zum Glück wurde dieses taktische Mittel nach der
Winterpause analysiert, hart trainiert, um es besser zu verteidigen und bis
heute hat sich das auch ausgezahlt. Außer gegen Hannover 96 wurde man wohl zur rechten Zeit noch einmal hierfür sensibilisiert.
Ähnlich zeigt sich auch die Spielanlage unseres
Viertelfinalgegners. Favorisiert wird eine einfache, schnelle und direkte
Spielweise. Torgefährlich herausgespielte Szenen werden oft über die Außen mit
anschließenden Hereingaben hervorgetragen, die mittels Kopf oder Direktabnahme
meist erfolgreich umgesetzt werden. Insgesamt erinnert das nur wenig an unsere
Spielanlage und so unterscheiden sich auch die einstudierten Spielsysteme.
Trainer Rudi Garcia setzt dabei auf ein bewährtes 4-2-3-1 System; sozusagen mit
der gewissen Raute im Sturm und schnellem Umschaltspiel. Ausgehend aus einem dichtgestaffelten
Defensivverbund will man zügig einfach strukturierte Gegenstöße meist
über die Außen vortragen und mit den Hereingaben in den gegnerischen
Strafraum zum Torabschluss kommen. Zwar sucht das Starduo im Mittelfeld Payet – Thauvin auch
aus zweiter Reihe den Torabschluss, aber insgesamt unterscheidet sich das Spiel
zum Leipziger System doch sehr. Gelinge es den Kapitän und Spielmacher Payet größtenteils an seinen Aktionen zu hindern, wär ein wichtiger Grundstein gefunden auch gegen OM bestehen zu können. Nicht ohne Grund stand Payet bei seiner Heim-WM in Frankreich in der Topelf der EM 2016!
Verletzungssorgen bei OM
Trainer Rudi Garcia hat jedoch für das Viertelfinal-Hinspiel gleich mehrere Wermutstropfen zu verkraften. Einmal wäre die Verletzung von Stammtorhüter Mandanda zu verzeichnen,
der sich ohne Fremdeinwirkung beim letzten Spiel in Dijon am rechten Oberschenkel verletzte und wohl vom 35-jährigen Yohann Pelé vertreten wird. Andererseits musste gegen Dijon auch schon Torjäger Florian Thauvin passen. Er zog sich zuvor bei der französischen Nationalmannschaft ebenso eine Muskelverletzung zu, fällt bis zu zwei Wochen aus und ist für das Spiel in Leipzig fraglich. Gleichermaßen fehlt auch Außenverteidiger Hiroki Sakai wegen muskulärer Probleme und nun auch noch seit dem Dijon-Spiel Innenverteidiger Rami, der sich an der rechten Wade verletzte. Damit muss unserer Gegner gleich den Ausfall von vier Stammkräften kompensieren. Mit Rolando ist der zweite Stamminnenverteidiger zudem ebenfalls fraglich, was eine weitere Schwächung wäre.
Voraussichtliche Aufstellung Olympique Marseille:
Pelé – Amavi (Kamara), Sertic, Rolando, Sarr – Zambo-Anguissa (López), Gustavo – Ocampos, Sanson, Payet – Germain (Mitroglou)
RB mit mehr Flexibilität und kreativer Spielanlage
Anders wie bei unserem Gegner favorisiert Trainer Ralph Hasenhüttl zumeist das Spielsystem 4-2-2-2, hat aber auch eine taktische Variabilität als Antwort zu anderen gegnerischen Grundausrichtungen einstudieren lassen. Das wiederum hält entsprechende Antworten parat, flexibel und optimal eingestellt auf bestimmte Spielsituationen und andere Spielsysteme reagieren zu können. Auch mittels der Gegneranalyse über dem Videoscout konnte ersichtlich wie beim AS Monaco (4:1), SSC Neapel (3:1), und gegen Zenit St. Petersburg (2:1/1:1) wie auch zuletzt gegen Bayern München (2:1) taktisch und strategisch erfolgreich variiert werden. Ziel ist es insgesamt, seine Stärken, die man besitzt, gezielt einsetzen zu können. Vorrang hat neben der situativ angepassten Pressingvariante u.a. die Kreativität und die flexible (einfallsreiche) Spielgestaltung bei Ballbesitz, wie auch die Fähigkeit das Spiel durch die Mitte zu gestalten, angepasst an die Stärken der Mitspieler (Naby Keita). Darin besteht eine große Chance, ein erfolgreiches taktisches Mittel gegen die Garcia-Elf nutzen zu können, was wiederum das Aufeinandertreffen so erwartungsvoll macht und viel Überraschungspotential bereithält.
Einerseits ist es wichtig Mannschaft seine Stärken
einsetzen zu können, aber gleichermaßen auch die des Gegners bestmöglich zu unterbinden.
Die Außenverteidigung mag teilweise auch ein gewisser Schwachpunkt bei unserem
Gegner sein, aber das hat auch Marseille gleichermaßen bei uns im Blickfeld. Über
die Spielfeldmitte treffen Sanson und Keita aufeinander oder auch Forsberg/Bernardo im Duell gegen Payet über unsere linke Außenseite, wie auch Marcel Sabitzer & Laimer gegen Ocampos auf der rechten Seite. Interessante Schlüsselduelle
möchte man meinen und freudvoll der anstehenden Begegnung herbei sehnen. Nach
dem Hannoverspiel und Osterwochenende blieben Trainer Ralph Hasenhüttl nur wenige
Tage, sich auf den Gegner einzuschwören und einzustellen. Wichtig wird es werden,
mental auf der Höhe zu sein, reaktionsschnell zu agieren, um die Stärken des Gegners bekämpfen zu können. Vielleicht hilft es ein wenig, dass unser Gegner fürs erste Aufeinandertreffen nicht seine beste Elf auf dem Platz schicken kann. Andererseits müssen wir auch unseren gelb-gesperrten Kapitän Willi Orban ersetzen.
Mögliche Aufstellung RB Leipzig:
Gulácsi – Laimer, Konaté, Upamecano, Bernardo – Kampl (Demme), Keïta – Forsberg, Sabitzer (Bruma) – Werner, Augustin (Poulsen)
Europapokal-Flair genießen und Heimstärke nutzen
Wann steht man schon einmal in einem Viertelfinale eines europäischen Pokalwettbewerbs und wie oft wird sich diese Gelegenheit bieten? Das Erreichte unserer Mannschaft ist auch in dieser Saison aller Ehren wert. Als Zuschauer kommen wir wieder mit in den Genuss, mit unserer Mannschaft gegen klangvolle Namen antreten zu dürfen. Wie lange haben wir von einem Flutlichtspiel geträumt, geschweige denn auf internationaler Bühne und das mittels K.O.-Spielen in der Endphase? Was für viele Fans und Zuschauer schon irgendwie im zweiten Jahr der Bundesligazugehörigkeit Normalität geworden ist und dabei die Erwartungshaltung hoch angesetzt wird, ist weiterhin sehr harte Arbeit auf höchstem Niveau. Eine Selbstverständlichkeit und eine Erfolgswelle nonstop wie im Überraschungsjahr zuvor sind wenig realistisch. Mit dieser Grundhaltung und unabhängig vom Ergebnis sollte man als Fan und Zuschauer auch diese Partie einfach nur genießen, dem Team Rückendeckung geben und es lautstark anfeuern. Dann wiederum haben es unsere Leipziger Jungs auch in der Hand, mittels dieser Heimstärke sich ein gutes Ergebnis im ersten Hinrunden-K.O-Spiel zu erarbeiten.
Wir wünschen unserem Team bestes Gelingen. Auch wenn zu später Stunde und unter der Arbeitswoche viele Fans nicht vor Ort dabei sein können, läuft der Kartenverkauf doch viel besser als zum Achtelfinalheimspiel gegen Zenit St. Petersburg. Es besteht weiterhin noch die Möglichkeit für Kurzentschlossene unser Team zu unterstützen oder einfach nur dabei zu sein. Für diejenigen, die nicht beim Spiel beiwohnen können, gibt es auch die Möglichkeit die Partie im Liveticker oder über dem Bullenfunk zu verfolgen.
oligei