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Das allerletzte Mal!

Das allerletzte Mal!

Capo Sebastian trat in Berlin ein letztes Mal an, um gemeinsam mit den Fans auf den Rängen unsere Rasenballer anzufeuern. Wie der letzte "Arbeitstag" unseres scheidenden Capos gelaufen ist, erfahrt ihr in seinem Abschiedsbericht.

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Der Wecker klingelt um 7:30 Uhr. Zeit zum Aufstehen! Blöd nur das ich da schon lange wach war. Bissel Aufregung war da wohl mit im Spiel... Mein festgelegtes Ritual beginnt nach dem Frühstück und ist immer zu jedem Spieltag gleich. Immer die gleiche Schlübbi, Socken, je nach Wetterlage die gleiche Hose, Oberteil und Schuhe bereitstellen.

Dann ab ins Bad, Rasierschaum ins Gesicht, Rasieren. Ab unter die Dusche. Erst Duschgel auf den Körper, dann Shampoo für die Haare, abspülen und das ganze nochmal. Danach abtrocknen, Klamotten in der Reihenfolge Schlübbi, T-SHIRT, Hose, Socken gegebenenfalls noch den Hoodie. Danach wieder ins Bad zum Zähneputzen und Haare machen. Zum Schluss Schuhe an, Schal um den Hals und los. Zeitansatz 40 Minuten.

So und nicht anders auch zum Pokalspiel. In zehn Jahren wurden zwar einzelne Stücke auf Grund von Materialermüdung ausgetauscht, aber der Ablauf war immer gleich.


Eine Reise durch die Zeit. Capo Sebastian im Interview:


Berlin, Berlin, auf geht`s nach Berlin!

Kurz nach zehn war es dann soweit mit meinen Jungs von den Platzhirschen wurden die Plätze im Bus "eingenommen". Selbstverständlich waren bis zu dem Punkt schon einige Biere im Schlund verschwunden. Ist ja nicht so meins aber Gin&Tonic schmeckt auch am Morgen von daher war alles im Lot. Ist ja auch gut gegen Malaria.

Funfakt 1: Liegt an dem Chinin im Tonic, das wurde von den Engländern während der Kolonialzeit in Indien "erfunden", um bei den Soldaten gegen Malaria vorzubeugen.

Die Fahrt war nicht nur auf Grund der wenigen Kilometern sehr kurzweilig. Stimmung war super und grundsätzlich war irgendwie allen egal, ob wir siegen oder nicht. Bis ins Finale schafft man ja nun auch nicht alle Tage. Das wir erstmalig da mitmachen können, ist einfach unglaublich und eine Wahnsinnsleistung!

In Berlin angekommen ging es dann auch schon nach kurzer Orientierung mit der S-Bahn Richtung Breitscheidplatz. Natürlich waren auch gegnerische Fans dabei und diese haben dann auch versucht bissel was an zustimmen aber mehr als "Super Bayern" und irgendwas mit "Deutscher Meister" war nicht zu verstehen. Mag auch daran liegen das die anwesenden Leipziger Bock hatten auf feiern und auch zahlenmäßig überlegen waren. Das ging dann auch nach dem Aussteigen weiter bis zum Breitscheidplatz, der nur noch wenige Meter von der S-Bahn Station entfernt lag.



Ab auf die Bühne und los geht`s!

Viel umschauen konnte ich mich da allerdings nicht, da es nun schon kurz nach 14:00 Uhr war und der Fanmarsch ja um 15:00 Uhr losgehen sollte. Erfahrungsgemäß muss man da ja immer noch Absprachen treffen, sich mit den Cops austauschen usw. ...

Kurzfristig sollte ich dann auf die Bühne, um noch mal bekannt zu geben, wo genau wir losgehen. War eine gute Idee, wenn man nicht derjenige ist, der für den Programmablauf verantwortlich ist. In so einem ist bis auf die letzte Minute alles ausgerechnet. Wer wann was sagt, wieviel Musiktitel bis zur nächsten Moderation kommen usw. Da passen spontane Sachen eher schlecht bis gar nicht rein. Wahrscheinlich sind das die Momente wo eben solche Menschen einen wildes Augenzucken und mittelschwere Schnappatmung bekommen.

Funfakt 2: Zu meiner Freude habe ich Alexander Zorniger getroffen und zwei, drei Sätze mit ihm wechseln können. Immer noch ein cooler Typ!
Funfakt 3: Der Moderator (nicht TT) hat gefragt, ob ich mich vorbereiten will oder Freestyle machen will. Ich frage mich immer noch, was vorbereiten ist...

Auf der Bühne angekommen, habe ich dann schon mal einen guten Blick über die Massen bekommen. Sah grundsätzlich nicht so schlecht aus und so war ich dann auch positiv gestimmt, dass ich beim Fanmarsch nicht alleine laufe. Bissel Bammel hatte ich dann allerdings weil Mocke irgendwie noch keiner gesehen hatte, aber kurz vorm Abmarsch hatte man dann seine Trommel gehört und ab da war ich sehr erleichtert.



Auf die Plätze, fertig, los!

Fast pünktlich sind wir dann los gelaufen und auch hier hat man gemerkt, dass die Leute in Feierlaune waren. Auch hier war etwas Wehmut dabei. Das letzte Mal das ich einen Fanmarsch anführe. Punktuell kommen da Erinnerungen hoch, wie es zum Beispiel beim ersten in Leipzig war, oder dass der Marsch in Salzburg landschaftlich sicher einer der schönsten aber auch ewig lang war.

Hier waren es knapp zwei Kilometer und es ging immer geradeaus und einmal nach links. Immer durch die Berliner Häuserschluchten hindurch, was für die Akustik grundsätzlich super ist. Auf dem Weg zum Ziel haben sich dann auch immer wieder Leipziger dem Marsch angeschlossen und so war der Tross am Ende dann doch um einiges gewachsen.

Am S-BAHNHOF Charlottenburg stand dann auch schon die Bahn bereit, so dass nach wenigen Minuten alle eingestiegen waren und nach kurzer Fahrt das Olympia Stadion erreicht wurde.


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Unterschiedliche Wartezeiten vor dem Haupteingang. Von zehn Minuten bis zu über einer Stunde war alles drin.


Vor dem großen Tor

Anfänglich hat sich das vor dem Einlass mit den Menschenmassen ja noch in Grenzen gehalten. Ich habe dann noch viele Gespräche geführt. Mit Menschen die ich kannte oder die mich kannten. Die meist gestellte Frage war "Warum hörst du auf?". Dazu komme ich dann weiter unten im Text. Die zweithäufigste war "Willst du ein Bier?". Diese habe ich immer verneint. Bei Gin&Tonic hätte ich wahrscheinlich nicht nein gesagt. Wenn es den gegebenen hätte und ich das Angebot angenommen hätte wären meine Schuhe wahrscheinlich noch vor 18:00Uhr sehr rund gewesen.

Ich habe mich dann vor dem Tor aufgehalten an dem die Rollstuhlfahrer Einlass bekommen haben. Dort wurden auch alle raus gelassen die den Hinweis, dass Taschen nicht erlaubt sind, überlesen hatten. Das waren gar nicht so wenige. Wobei sich mir ja die Frage stellt warum man eine Powerbank mit uns Stadion nehmen durfte aber so eine kleine Umhängetasche nicht... Naja egal, was soll's.

Funfakt 4: ich habe immer wieder Menschen gesehen die vor dem Spiel schon so Granaten voll waren, dass sie definitiv das Stadion nicht von innen gesehen haben! Markant zu erkennen an der typischen Sitzposition am Boden, im Schneidersitz, Ellenbogen auf den Knien und Kopf nach unten gerichtet. Ich frage mich dann immer, warum machen die das denn?

So nun war es dann auch für mich an der Zeit das Stadion zu betreten.


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Sebastians "Arbeitsplatz" heute rechts des Tores in Block K.


Auf den Rängen unsre Fahnen heute weh'n!

Endlich drin im Stadion mussten dann noch ein paar organisatorische Dinge geklärt werden bevor es dann in den Block ging. Ein letztes Mal ging es für mich die Stufen hinab zur ersten Reihe. Manchmal hat man so Zeitlupen Moment wo einem Trölfzigmillionen Gedanken durch den Kopf schießen. Zum Spiel an sich kann ich nicht so viel sagen, davon sieht man als Capo ja nur punktuell was, aber das was die Fans vor mir angeht, war es mir eine Freude noch einmal das Megafon in die Hand zu nehmen, den Regler auf 7, das Megafone hoch, einatmen und alles raushauen was nur geht! Es war eine Wahnsinnskulisse und es war ein tolles Erlebnis sowie eine große Ehre für mich, vor so vielen Leuten zu stehen.

Schon vor dem Spiel hat haben sich Leute ordentlich eingestimmt. Egal wie es heute ausgeht, mit dem Einzug in das Finale haben wir schon unglaubliches geleistet. Richtig los ging es dann, als die Mannschaft auf das Spielfeld kam, um sich zu erwärmen. Der ganze Fanblock war voller Euphorie und es hätte auch schon in diesem Moment losgehen können. Auch Tim Thoelke hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Fans noch mal ordentlich gepusht wurden. Ich glaube in dem Moment war jeder heiß wie Frittenfett und grundsätzlich war es mir auch egal ob wir gewinnen oder verlieren, das, was wir in dieser Saison erreicht haben mit der direkten Qualifikation für die Champions League und dem dritten Platz in der Liga, war es bis dahin schon unglaublich spektakulär.

Der Pokal wäre natürlich noch mal der Punkt auf dem "I" gewesen, aber es hat nicht sein sollen. Richtig geil war auch, wie die Fans die Mannschaft nach dem Spiel gefeiert haben. Trotz der Niederlage hatte man das Gefühl, dass wir gewonnen haben. Die anfängliche Niedergeschlagenheit hat sich dann auch schnell wieder in Feierlaune gewandelt. Zum Schluss habe ich mir noch eine Minute gegönnt, um noch mal alles Revue passieren zu lassen.


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Eine gelungene Choreo, doch am Ende jubelten mal wieder die Bayern.


Das Schönste am Verreisen ist der Heimweg.

Danach ging es wieder zurück zum Bus und der fuhr zum Glück wieder nach Leipzig. Auch diese Fahrt war wieder relativ kurzweilig, die Platzhirsche waren immer noch in Feierlaune und so wurde es für die meisten nix mit Schlafen. In Leipzig angekommen ging es dann zügig nach Hause wo ich mir dann zum Abschluss, wie sollte es anders sein, einen Gin & Tonic als Absacker gegönnt habe. Anlässlich des Tages gab es den Berliner Brandstifter. Sehr lecker!


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Brandstifter nicht nur zum Nachtisch nach dem Spiel, sondern auch zwischendrin. Eine bedenkliche Entwicklung.


Danke!

Die Antwort, auf die weiter oben immer wieder gestellte Frage, warum ich aufhöre, ist eigentlich ganz schnell und einfach beantwortet. Es ist einfach an der Zeit!
Nach fast 10 Jahren ist der richtige Moment gekommen, um das das Megafon weiter zu geben! Ich werde nicht jünger und es ist einfach so, dass sich Prioritäten verschieben. Beim letzten Heimspiel gegen Hertha BSC habe ich das erstmal das Stadion aus einem anderen Blickwinkel gesehen. In all den Jahren habe ich da erstmals den Fußball er- und gelebt, wie ich es mir vorstelle. Es war einfach geil, so zu eskalieren!

Mit den letzten Zeilen möchte ich mich noch mal bedanken. Danke, dass ihr mich die ganzen Jahre unterstützt habt, Danke für eure Kritik, für eure Anregungen, für neue Ideen und alles was ihr geleistet habt. Hört bitte nie auf damit! Gebt immer alles für die Mannschaft, für die Stadt und für den Verein! Auch wenn es manchmal nicht einfach sein wird. Denkt immer daran, wir haben alle ein Ziel vor Augen! Redet miteinander und nicht übereinander! Ihr unterstützt alle eine Mannschaft und eine Stadt. Gebt immer alles! So, dass ihr am Ende des Tages in den Spiegel schauen und euch selber sagen könnt: "Heute habe ich alles gegeben auch wenn wir verloren haben, war ich mit 100% dabei!". So schließe ich mit:

EINMAL LEIPZIG IMMER LEIPZIG

Euer Sebastian!