Lissabon – immer eine Reise wert!
Komplettes Auftaktprogramm gewonnen, die Bayern daheim in Schach gehalten, souveräner Tabellenführer, was gibt es da besseres um die Konzentration hochzuhalten als Champions League mit einer internationalen Spitzenmannschaft als Gegner? Wie passend, dass uns das komplizierte Losverfahren der CL-Gruppen zum Start ein Auswärtsspiel bei Benfica Lissabon bescherte.
Dass Portugal immer eine Reise wert ist, wussten wir schon von unserer ersten CL-Saison. Also schnell dem Arbeitgeber den Resturlaub vor die Füße geworfen und einen Flug gebucht. Dazu eine Ferienwohnung bei AirBnB, da gibt es meist den besten Mix aus guter Verkehrsanbindung, Privatsphäre und bezahlbarem Preis.
Im Vorfeld der Reise erschien bei RBInternational ein – mal wieder – ausgezeichnet recherchierter und ansprechend gestalteter Reiseführer. Allen, die internationale Auswärtsfahrten planen, sei diese FB-Gruppe wärmstens empfohlen (wobei es die Infos mittlerweile auch alle hier im Forum gibt).
Die Stadt
Lissabon ist eine großartige Stadt, da gibt es nichts zu diskutieren. Südeuropäisches Klima, historische Architektur allerorten, ein sehr gut ausgebautes ÖPNV-Netz von Metro bis altertümlicher Standseilbahn, dazu die Lage am Meer - alles, was das Herz des Fantouristen begehrt.

Auch ohne Fußball ist die portugiesische Hauptstadt eine Reise wert.
Der Weg zum Stadion
Die portugiesische Polizei hatte einer gemeinsamen Fan-Anreise vom Praça Dom Pedro IV (genannt Rossio), einem der großen historischen Plätze im Herzen Lissabons, zugestimmt. Insgesamt ist die Polícia de Segurança Pública auf strikte Fantrennung bedacht, zu viele negative Erfahrungen hat man mit den Stadtderbys gemacht.
Mit erheblicher Verspätung ging es los, etwa 150 RB-Fans hatten sich am Treffpunkt eingefunden und liefen unter den wachsamen Augen der Polizei zur Metro, denn wir sollten gemeinsam mit dieser zum Stadion fahren.
In den Metrotunneln gab es ausreichend Gelegenheit für akustisch aufgeladene Gesänge. Zunächst hieß es, die gesamte Gruppe müsse jeweils einzelne Tickets ziehen, was natürlich ewig gedauert hätte. Die Mitarbeiter der Metro erbarmten sich jedoch unser und öffneten die Tore. Nach einer kurzen Fahrt ging es schließlich zu Fuß weiter zum Gästeeingang des Estádio da Luz, immer begleitet von der – absolut entspannten – Polizei.

Einige Hundert Fans hatten es bis nach Lissabon geschafft.
Von der Metro geht der #Fanmarsch direkt zum Stadion. #SLBRBL #RBLeipzig pic.twitter.com/FJG1Wyeioh
— Semantosoph (@semantosoph) September 17, 2019
Einlass
Die Einlasskontrollen erinnerten in ihrer Intensität an die in Monaco damals (auch wenn hier keine Sprengstoffspürhunde zum Einsatz kamen). Das Abtasten hatte eine Körperlichkeit, die wir so von unseren Sicherheitskräften in der Red Bull Arena nicht gewohnt sind. Da es im Stadion des Lichts auch keine bauliche Fantrennung gibt, wurden wir schließlich von der Polizei in Gruppen zu 50 Fans durch die Benfica-Fans geleitet. Jene Fans waren übrigens ebenso entspannt wie die Polizei und beobachteten uns mit freundlichem Interesse. Manch einer wünschte uns bom Jogo – ein gutes Spiel, Unmutsbekundungen blieben aus.

Das Stadion des Lichts.

Freundlicher Einlass ins Stadion.
Das Catering
Speziell im europäischen Ausland können wir immer wieder feststellen, wie verwöhnt wir mit unserem Heimcaterer sind. Auch bei Benfica war das Angebot erneut ziemlich schwach. Furchtbares alkoholfreies Sagres, nichts Essbares außer Popcorn, Chips und völlig überteuerten, kalten Hotdogs. Dann doch lieber wieder Quinoa-Salat mit Krosti.

Kein Alkohol, dafür aber volle Punktzahl.
Der Support
Der Support während der beiden Halbzeiten war, das muss man leider so sagen, eher mau. Eine Gruppe von vielleicht 100 Fans gab alles und versuchte das Beste aus den baulichen Gegebenheiten herauszuholen ("die achtzehnte Reihe hüpft, Olé, Olé"), die restlichen Fans verkrümelten sich sitzend in der Umgebung und waren schwer bis gar nicht zum Mitmachen zu animieren. Unschön, aber bei der gegebenen Terminkonstellation wohl nicht anders zu erwarten.
Wie das Spiel ausging ist bekannt. Wir hatten viel Freude beim Abpfiff.

Beste Laune nach dem Sieg.
Die Abreise
Angekündigt worden war eine Blocksperre bis zu 45 Minuten nach Abpfiff. Da sich die Fans von Benfica nach unserem Treffer zum 2:0 jedoch bereits in großen Scharen zum Ausgang begeben hatten, konnten wir den Gästeblock bereits viel eher verlassen und wurden von der Polizei erneut zur Metro geführt, die uns zum Ausgang der Geschichte, dem Rossio brachte. Entsprechend der allgemeinen Entspanntheit wurde dann irgendwann auch die Fantrennung nicht mehr ganz so ernst genommen und wir kamen in der Metro mit zugestiegenen Benfica-Fans ins Gespräch. Bei den Seriensiegern der Primeira Liga herrschte größtenteils Verwunderung darüber, was ihnen da gerade widerfahren war.
In dem Versuch, den furchtbaren Geschmack des Stadionbieres zu vergessen, kehrte eine größere Gruppe Fans noch ins Cheers Irish Pub im Kneipenviertel Bairro Alto ein. Der Wirt - ein Porto-Fan - war sichtlich um uns bemüht. Die Wiederholung unseres Spiels im Re-Live wurde auf die Monitore gelegt und zu vorgerückter Stunde erklang auch unsere Hymne "Stolz des Ostens" via YouTube im Pub.

Stolz des Ostens in Portugal – alles ist möglich!
Fazit
Tolle Stadt, attraktiver Gegner, Auswärtssieg – Fan-Herz, was willst du mehr?
Die Beteiligung an der gemeinsamen Anreise (aka Fanmarsch) und beim Support im Stadion war aber natürlich nicht gut. Bei gerade einmal 500 verkauften Tickets nicht anders zu erwarten, wir waren einfach viel zu wenige RB-Fans in Lissabon. Es gibt natürlich viele Gründe, warum die oder der Einzelne die Reise nicht antreten konnte: Kurzfristigkeit, Preis, Urlaub. Trotzdem: zu wenige.
Positiv bleibt aber, dass die Fans des einzig wahren Rasenballsports auch weiterhin international auswärts keinen Anlass für Unmut bei Polizei oder Heimfans liefern. Dies möge bitte immer so bleiben.
Semantosoph