Remis im Spitzenspiel
Ausgangslage
Wer hätte vor der Saison gedacht, dass die Begegnung RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg das Prädikat Spitzenspiel erhalten würde? Die Gäste aus Niedersachsen reisten ungeschlagen (in allen Wettbewerben) als Tabellenzweiter in die Messestadt, unsere Jungs wollten nach drei sieglosen Spielen in Folge endlich wieder drei Punkte einfahren. Welche Mannschaft würde wohl nach der zwei-wöchigen Länderspielpause besser zurück in den Ligaalltag finden?
Personalsituation
Auf unserer Seite fielen Schick (verletzte sich beim Länderspieleinsatz, obwohl es laut Vereinbarung gar kein Einsatz geben sollte) und die Langzeitverletzten Konate, Adams sowie Wolf aus. Auch Nationalspieler Halstenberg fiel kurzfristig aufgrund von Rückenproblemen aus. Ampadus Gehirnerschütterung war keine schwere und sorgte dafür, dass er immerhin auf der Bank platz nehmen konnte. Auch Kampl stand nach überstandener Verletzung wieder im Aufgebot, ein Startelfeinsatz kam allerdings zu früh.
Gulacsi - Klostermann, Orban, Upamecano, Saracchi - Sabitzer, Demme, Laimer, Nkunku - Werner, Poulsen
Bei Wolfsburg wechselte Trainer Oliver Glasner im Vergleich zum 1:0 gegen Union Berlin zweimal: Statt Knoche und Mehmedi (Muskelfaserriss im Oberschenkel) starteten Mbabu und Brekalo.
Pervan - Mbabu, Bruma, Tisserand - William, Guilavogui, Arnold, Roussillon, Brekalo, Joao Victor - Weghorst
Verlauf 1. Halbzeit
Die ersten 15 Minuten gehörten unserer Mannschaft. Mit viel Laufeinsatz und gutem Pressingverhalten beschäftigten wir die Defensive der Gäste dauerhaft. Mit Werner und Sabitzer hatten wir auch gute Möglichkeiten im Strafraum, waren aber im Abschluss nicht konsequent genug. Wolfsburg fiel in der Anfangsphase hauptsächlich durch das Sammeln von gelben Karten auf (Guilavogui und Mbabu). Nur dank kräftiger Mithilfe von Upamecano und Gulacsi kamen die Wölfe zur ersten Tormöglichkeit. Ein völlig missglückter hoher Rückpass von Upa musste unser Keeper mit Hand annehmen, Aytekin gab indirekten Freistoß nahe dem Elfmeterpunkt. Alle RB-Spieler versammelten sich auf der Linie, Arnold schoss und Gulacsi parierte. Frenetischer Jubel für diesen gehaltenen "Elfmeter". Danach kontrollierten wir die Partie und hatten einige ganz ordentliche Chancen, blieben aber insgesamt zu harmlos. Mit über 60 Prozent Ballbesitz sprang zu wenig bei raus. Wolfsburg wurde fast nur durch Standards gefährlich, William köpfte eine Ecke aufs Tornetz. Kurz vor der Pause scheiterte Williams noch an Gulacsi, das war es dann aber auch schon an Möglichkeiten. Unsere Offensive tat sich schwer, Lücken in der Wolfsburger Hintermannschaft zu finden. Nkunkuund Sabitzer blieben als Außenspieler blass, Demme und Laimer sind für kreative Lösungen auch nicht die besten Optionen.
Verlauf 2. Halbzeit
Nach der Pause war die Partie zunächst ausgeglichen. Die Gäste hatten durch William eine gute Möglichkeit, bei uns war es Nkunku, der via Dropkick aus 18 Metern Pervan im Tor der Wölfe prüfte. In der 54. Minute klingelte es dann endlich im Tor der Wolfsburger. Gulacsi mit einem weiten Ball nach vorne, der Ball springt an Freund und Feind vorbei und plötzlich steht Werner frei vor Pervan und behält die Nerven. Kurioses Tor und ein direkter Assist von unserem Keeper! Danach bekämpften sich beide Mannschaften intensiv im Mittelfeld und ließen sich keinen Raum mehr Offensivaktionen. Die Partie wurde zunehmend hektischer und galliger. In der 73. Minute hatten die Wölfe die Großchance zum Ausgleich. Erneut stand Saracchi nicht gut in der Defensive, William hatte zu viel Platz und in der Mitte verpasste Weghorst dessen Hereingabe um Zentimeter. Uns setzte in der Schlussphase vor allem das hohe Pressing zu, das Wolfsburg trotz hoher Laufarbeit bis zum Ende durchzog. Wir schafften es kaum, uns zu befreien und mal den Ball im Mittelfeld zu halten. Selbst mit den Einwechslungen von Kampl und Forsberg gewannen wir keine Sicherheit. Wenig überraschend fiel in der 82. Minute auch der verdiente Ausgleich. Wieder kam eine Flanke über die rechte Seite unbedrängt in den Strafraum und diesmal war Weghorst zur Stelle. Wir hatten auch darum gebettelt. Bei dem 1:1 blieb es dann auch bis zum Abpfiff.
Fazit
Wir bleiben auch im vierten Spiel in Folge ohne Sieg. In der ersten Halbzeit waren wir spielerisch besser, aber es fehlte die Durchschlagskraft in der Offensive. Nach dem Pausentee gingen wir durch Werner in Führung und hatten die Partie auch im Griff, doch ab der 70. Minute verloren wir die Kontrolle und ließen uns vom Pressing der Gäste aus dem Konzept bringen. Folgerichtig kassierten wir 10 Minuten vor Spielende den Ausgleich. Das Remis im Spitzenspiel ist weder Fisch noch Fleisch, so richtig weiß man immer noch nicht, wohin die Reise geht.
Und sonst so?
Interessant zu beobachten war auch das Duell Weghorst vs. Upamecano. Zwei Maschinen, die ihren Körper einzusetzen wissen. Eigentlich war über 80 Minuten der klare Gewinner Upamecano, der den Angreifer der Wölfe fast durchgängig aus dem Spiel nahm. Doch als er ihn einen Moment aus den Augen ließ, schlug er zu und traf zum Ausgleich.
Forsberg absolvierte durch seine Einwechslung sein 150. Spiel im Dress der Roten Bullen. Seine Freude darüber dürfte sich aufgrund des Ergebnisses in Grenzen halten.
Es gab nach dem grausamen Attentat vergangene Woche in Halle zudem eine deutliches Statement vom Verein und den Fans für die Grundwerte unsere demokratischen Gesellschaft vor dem Spiel. Statt Anfeuerungsrufe gab es lauten Applaus in Gedenken an die Opfer beim Einlauf der Teams. Starke Worte von Stadionsprecher Tim Thoelke, der dazu auffordere, jegliche Form von Rassismus, Antisemitismus, Gewalt und Hass abzulehnen.
Kurz vor Anpfiff gedenken wir und das gesamte Stadion den Opfern des Anschlags von Halle. pic.twitter.com/Khba34XxF4
— RB Leipzig (@DieRotenBullen) October 19, 2019
Ausblick
Bereits am Mittwoch steht das nächste Heimspiel für unsere Jungs an, Gegner ist um 18:55 Uhr in der Champions League Zenit St. Petersburg. Es gibt noch ein paar Tickets für das Spiel gegen die Russen, welches durchaus richtungsweisend für unsere Saison im internationalen Geschäft werden kann. Am Samstag reisen wir in den Breisgau zum SC Freiburg, angepfiffen wird um 15:30 Uhr.
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi – Klostermann, Upamecano, Orban, Saracchi – Demme, Laimer (75.Kampl), Sabitzer, Nkunku (69. Forsberg) – Poulsen, Werner (86. Cunha)
VfL Wolfsburg: Pervan – Mbabu, Bruma, Tisserand – William, Guilavogui, Arnold, Roussillon (68. Steffen), Brekalo(73. Nmecha), Joao Victor (86. Klaus) – Weghorst
Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)
Tore: 1:0 Werner (54.), 1:1 Weghorst (83.)
Torschüsse: 15 / 13
Schüsse aufs Tor: 5 / 6
Passquote: 80,2% / 78,3%
Zweikampfquote: 51,3% / 48,7%
Ballbesitz: 54% / 46%
Laufleistung: 114,2km / 113,7km
intensive Läufe: 700 / 797
Sprints: 247 / 269
Fouls: 10 / 9
Ecken: 3 / 3
Abseits: 3 / 2
Gelbe Karten: Saracchi / Tisserand, Guilavogui, Mbabu
Zuschauer: 39.182
Rojiblanco