Rückstand mit glücklichem Ende
Inhalt
Leipzig unter Druck
Die Konkurrenz hatte vorgelegt und in Leipzig stottert der nach-coronare Motor noch etwas. Zeit endlich mal in Sommerform zu kommen… Problematisch, dass mit Halstenberg (Ampelkartensperre) und Kampl (angeschlagen) weitere Rädchen fehlten. Nagelsmann setzte gegen die ebenfalls schlecht aus der Pause gestarteten Kölner mutig auf eine Viererkette mit Angelino und Mukiele auf den Außenbahnen. Olmo und Nkunku sollten hinter den Spitzen für die nötige Durchschlagskraft sorgen. Insgesamt also lediglich ein Wechsel auf den Außenbahnen. Ein 4-4-2 Setup, dass gegen Hertha nur bedingt durchschlagskräftig wirkte.
Auf Kölner Seite spielte mit Schmitz ein alter Bekannter. Vorne Stürmte der unbequeme Córdoba für das Gisdol-Team. Mit Terodde und Modeste hatten die Gastgeber aber auch Schlagkraft zum Nachlegen auf der Bank, mussten aber auf Mark Uth verzichten, der wie Kampl kurzfristig passen musste.

Nagelsmann hat Murmeltiertag.
Same procedure as every match
Das Spiel begann wie so viele in der letzten Zeit mit einer druckvollen Rasenballerelf und einer ausgelassenen Großchance. Schon nach vier Minuten hätte der Ball im Kasten von Horn zappeln können, wenn nicht gar müssen. Mukiele hatte das Spielgerät hereingebracht, Olmo verlängerte und Werner scheiterte aus kurzer Distanz an der Fußabwehr des Gästekeepers.
Auf der Gegenseite machten es die Hausherren besser. Erst scheiterte Rexhbecaj nach schöner Vorlage von Kainz noch am Pfosten, den Abpraller vollendete dann aber Córdoba zum frühen 1:0 (7.) – selbstredend der erste Angriff der Kölner. Auf RBL ist in der aktuellen Phase einfach Verlass…
Schicke Fehlerbereinigung
Es dauerte etwas, bis sich RBL von diesem erneuten Schock erholt hatte (auch wenn man ja darin leider langsam Erfahrung haben sollte). Köln konterte den Leipziger Ballbesitz derweil mit Torschüssen, bei denen Gulácsi aber nun auf dem Posten war. Zudem mussten die Hausherren den Torschüssen auswechseln. Córdoba war mit einer französischen Schrankwand zusammengerasselt, für ihn kam Modeste.
Nach 20. Minuten dann endlich wieder ein guter Angriff. Upamecano, der bis dahin keine gute Figur gemacht hatte, setzte Angelino ein. Der Spanier nahm Maß und flankte haargenau auf Schick, der gegen die Laufrichtung Horn keine Chance ließ. Der schnelle aber auch nötige Ausgleich (20.).
Nkunku bringt Leipzig in Führung
Die folgende Viertelstunde war Mittelfeldgeplänkel in Reinstkultur. Kein Torschuss auf beiden Seiten. Als dann endlich wieder einer abgefeuert wurde, gab es aber immerhin gleich etwas zu Jubeln. Laimer sicherte sich nach Horns Abschlag und Mukieles Kopfball den Ball und spielte perfekt auf den startenden Nkunku, der den herauseilenden Horn zum 2:0 überlupfte (38.).
Mit dieser wackligen aber verdienten Führung ging es in die Pause. Nach dem Stotterstart ein letztlich verdienter knapper Vorsprung, zumal Schick in der Nachspielzeit beinahe noch erhöht hätte.

Klostermann nicht immer auf der Höhe.
Ein Konter wie er im Buche steht
Die Rasenballer kamen nach der Pause gut aus der Kabine und stellten schon nach fünf Minuten unter freundlicher Mithilfe der Gastgeber die Weichen scheinbar endgültig auf Sieg. Kainz hatte einen Freistoß schwach in den Strafraum gebracht und Gulácsi sofort Werner eingesetzt. Der Angreifer hatte sich in der eigenen Hälfte weggestohlen und ließ so Ex-RBLer Schmitz im Laufduell keine Chance. Horn blieb stehen und so umzirkelte Werner den Schlussmann zum 1:3 (50.).
Modeste und Olmo antworten nacheinander
Wer dachte, das schaukelt RBL nun nach Hause, hatte die letzten Wochen wohl nicht gesehen. Ganz unnötig brachte ein Abwehrfehler Köln wieder ins Spiel. Klostermann köpfte einen Ball vor die Füße von Modeste und der nahm aus gut 20 Metern mit seinem ersten Abschluss maß und jagte die Pille zum 2:3 ins Tor. Ein schwer zu haltender Flatterball unter freundlicher Hilfe von Klostermann und Upamecano (55.).
Aber dieses Mal hatte RB die passende Antwort parat. Torschütze Modeste war ebenfalls involviert. Er köpfte einen Ball vor die Füße von Olmo, der nicht lange fackelte und sein erstes Bundesligator zum 2:4 von der Strafraumkante erzielte (57.).

Werner mit Tor aber Luft nach oben.
Wechselspielchen und Konterchancen
Nach der 4:2 Führung von RBL waren dann Wechselspiele angesagt. Gisdol brachte eher defensiv Drexler und Thielmann für Kainz und Rexhbecaj. Nagelsmann wechselte ebenfalls defensiv und ließ Adams und Haidara für Laimer und Schick ran. Gerade der Österreicher musste nach dem Wechsel von Demme und den Ausfällen in der Defensive sowie von Kampl sehr viel spielen und bekam daher eine Pause.
Die Gastgeber kamen nun wieder etwas besser ins Spiel und Dingert, der bisher die ruppige Kölner Gangart nicht genügend bestraft hatte, hätte dem FC beinahe noch einen Elfmeter zugesprochen und dies trotz Abseits und klar gespielten Ball von Klostermann. Der VAR bzw. eine Ansicht der Videobilder verhinderten dies jedoch.
So schaukelte das Spiel langsam dem Ende entgegen. Schick (66.), Olmo (77.) und Werner (78.) vergaben weitere Chancen, so dass Köln am Ende gut bedient war und RBL am Ende wieder eine eher unterdurchschnittliche Chancenauswertung aufs Feld brachte (sechs vergebene Großchancen!).
Auch Köln hätte nochmal nachlegen können, kurz vor Spielende enteilte Modeste Klostermann und Angelino brachte den Ball an Gulácsi jedoch auch am Kasten vorbei (87.).
Die besten Rasenballer
Schick: Heute der präsentere der beiden Spitzen. Schick köpfte den wichtigen Ausgleich und war für 2/3 der Leipziger Abschlüsse vor der Pause verantwortlich. Allenthalben könnte man auch bei ihm die Ausbeute kritisieren.
Angelino: Offensiv einer der besten im Leipziger Aufbauspiel. Umso unerklärlicher, dass er zuletzt nicht von Beginn an randurfte. Beide Leihspieler empfahlen sich heute mal wieder für eine Festanstellung.
Werner: Eher grottige erste Hälfte und eine Leistungssteigerung in Halbzeit 2. Seine Tore haben RBL in den letzten Wochen gefehlt. Bis auf Mainz war da sehr viel Stückwerk. Heute mit dem wichtigen 3:1, aber er kann noch mehr…

Olmo feiert sein Tor, abseits davon aber wenig zu sehen.
Luft nach oben
Olmo: Schönes Tor, fraglos, aber abseits davon fehlte der Impact. Da lieferte Nkunku auf der Spiegelposition deutlich mehr sehenswertes und zielführendes. Vielleicht dennoch der Anstoß, den er gebraucht hat?
Klostermann: Stellvertretend für die ab und an wacklige Defensive. Heute nicht die beste Saisonleistung des Nationalspielers.
Fazit
Schön, wenn du das Team bist, das die meisten Punkte nach Rückständen holt. Schlecht, wenn du das Spitzenteam bist, das am häufigsten in Rückstand gerät. Dieses Mal konnte Leipzig den Rückstand drehe und gewinnen, dass dies nicht immer der Fall ist, haben die letzten Wochen gezeigt. Hier muss dringend nachjustiert werden.
Zumal der Ausfall von Cordóba den Kölner übel mitspielte. Nach der Einwechslung von Modeste gab es bis zur 55. Minute keinerlei Abschlüsse des FC mehr, dann aber mit dem ersten natürlich gleich wieder ein Tor. Leipzig hatte dann die passende Antwort parat und hätte am Ende deutlich höher gewinnen müssen. Die Anzahl der vergebenen Großchancen legt beredtes Zeugnis dafür ab, was in den letzten Wochen die Hauptproblematik war. Immerhin trafen am Ende alle vier startenden Offensivspieler. Ein gutes Zeichen.
Leipzig also zurück auf Platz 3, der Angriff der Verfolger vorerst abgewehrt. Mit dem Sieg ist RBL zudem Platz 5 und damit eine erneute Europapokalteilnahme nicht zu nehmen, auch wenn der Sinn natürlich nach Champions League steht, ein wichtiger Zwischenschritt.
Am Samstag kommt nun Paderborn in die Messestadt. Höchste Zeit für den ersten Heimsieg nach der Corona-Pause. Wichtig wäre, mal nicht einem Rückstand hinterherzurennen – they call ist: the ultimate RBL challenge…
Statistik
1. FC Köln: Horn – Katterbach, Leistner, Czichos, Schmitz (75. Mere) – Skhiri, Hector (C) – Jakobs (75. Terodde), Rexhbecaj (59. Thielmann), Kainz (59. Drexler) – Córdoba (23. Modeste)
RB Leipzig: Gulácsi – Mukiele, Klostermann, Upamecano, Angelino – Laimer (59. Adams), Sabitzer (C) – Olmo (85. Forsberg), Nkunku – Schick (68. Haidara), Werner
Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
Tore: 1:0 Córdoba (7.), 1:1 Schick (20.), 1:2 Nkunku (38.), 1:3 Werner (50.), 2:3 Modeste (55.), 2:4 Olmo (57.)
Torschüsse: 7 / 19
Schüsse aufs Tor: 5 / 9
Passquote: 79% / 80%
Zweikampfquote: 51% / 49%
Ballbesitz: 47% / 53%
Laufleistung: 107,3 km / 110,8 km
Fouls: 16 / 7
Ecken: 4 / 7
Abseits: 2 / 1
Gelbe Karten: Leistner, Drexler / Forsberg (1)
Zuschauer: keine
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion