"Hung(a)ry4more"
Inhalt
- Kein Aprilscherz
- Wunder und Legenden von Bern
- FIFA-Puskás-Awards
- Kernkompetenz: Kunstschütze
- Vaterfreuden
- Erste Schritte in den bezahlten Fußball
- Ungeduld ist keine Tugend
- 0,7 Tore-pro-Spiel-Garantie
- Spielstil
- Vertraut mit der deutschen Sprache und Kultur
- Achilles lässt grüßen – seine Schwächen
- I have a dream
- Fazit – Hoffentlich kein Wolf im Schafspelz
- Schüsse vorm Bug
- „Klotzen, nicht kleckern“
- Sicher ist sicher
Kein Aprilscherz
Wisst ihr, wer am 1. April 1927 in Budapest geboren wurde? Nein? Ich verrate es euch. Der Ungar Ferenc Puskás. Und er war alles andere als ein Aprilscherz - im Gegenteil. Puskás wurde einer der größten Stürmer der Geschichte des Fußballs und mit dem besten linken Fuß ausgestattet, den es wohl vor Lionel Messi jemals gegeben hat. Er galt in den 1950-60 Jahren als erster internationaler Superstar im Sport, der im Alter von 31 Jahren zu Real Madrid wechselte, nachdem er zuvor für Honved Budapest gespielt hatte, und sie fünfmal zum Meistertitel schoss. Insgesamt gelangen ihm in seiner ungarischen Heimat unfassbare 357 Tore in 354 Spielen.

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Wunder und Legenden von Bern
Es ist bei diesen Statistiken verständlich, dass der Ungar noch heute als Nationalheld gefeiert wird. Seine globale Berühmtheit erlangte er aber nicht durch seine Leistungen daheim, sondern für sein Land auf internationaler Bühne. Puskás führte Ungarn 1952 zu olympischem Gold. Während dieser Zeit galten die Ungarn weltweit als unschlagbar. Bis zu ihrer berühmten Niederlage im legendären WM-Finale von 1954, das bekanntlich mit 2:3 gegen Westdeutschland verloren ging, waren sie in 32 Spielen ungeschlagen. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Puskás nicht mit einer Verletzung hätte spielen müssen, die er sich in der Vorrunde zuzog? Puskás erzielte in 84 Länderspielen auch hier unfassbare 83 Tore.

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FIFA-Puskás-Awards
Doch nicht nur die Anzahl seiner Tore waren beeindruckend, sondern insbesondere auch ihre Schönheit. Zoltan Czibor, sein ehemaliger ungarischer Teamkollege, sagte einmal:
„Seine Tore waren nicht nur von unglaublicher Konstanz, sondern auch von unglaublicher Schönheit. Er ist einer der größten Torschützen der Geschichte, aber der größte Torschütze von Wundertoren."
Als Anerkennung und zu Ehren dieses bemerkenswerten Fußballers wird seit 2009 von der FIFA jährlich, der Puskás-Preis für das beste (und schönste) Tor des Jahres verliehen.
Kernkompetenz: Kunstschütze
Was hat das nun alles mit seinem Landsmann Dominik Szoboszlai zu tun, der beim Tod Puskás‘ gerade einmal 6 Jahre alt war? Keine Angst, ich möchte hier und jetzt keinen Vergleich zu einem der größten und bekanntesten Fußballer und Ungarns größtem Fußballidol erheben. Das wäre natürlich vermessen und auch nicht sinnvoll. Er ist auch nicht vergleichbar, und wird es wohl auch niemals sein. Aber einen Punkt haben die beiden dann doch gemein: einen brillanten Fuß als Kernkompetenz, der sie ermächtigt(e) wunderschöne Tore zu schießen. Puskás ehemaliger Kollege Raymond Kopa von Real Madrid sagte einst:
„Puskás hat Torhütern aus der Entfernung von 30 bis 35 Metern die Hölle heiß gemacht. Er hatte nicht nur einen starken Schuss, sondern auch unnachahmliche Präzision. Selbst aus dieser Entfernung konnte er den Ball genau dort platzieren, wo er wollte.“
Diese Aussage beschreibt auch sehr gut die wahrscheinlich größte Stärke von „Szobo“: seine Schusstechnik. Aber dazu später mehr.
Vaterfreuden
Dominik Szoboszlai ist am 25. Oktober 2000 im ungarischen Szekesfehervar geboren und auch aufgewachsen. Fußball war schon immer der Mittelpunkt seines Lebens:
„Es war vom ersten Tag meines Lebens klar, dass ich mit Fußball anfangen werde.“ (Quelle)
Sein Kinderzimmer befand sich mehr auf dem Fußballplatz, und der Ball war sein bester Freund. Verantwortlich dafür, wie so oft, sein Vater, der selbst in der höchsten Liga Ungarns spielte und auch sein Jugendtrainer war. Er war es auch, der den wesentlichsten Anteil an seiner fußballerischen Entwicklung hat und auch immer mehr verlangt hat als von anderen.
„Mein Vater war und ist noch immer sehr, sehr wichtig in meinem Leben. Wir waren Tag und Nacht zusammen und haben ständig miteinander Fußball gespielt. Er hat viel Ahnung und hat ganz genau gewusst, was ich brauche, um meine Ziele zu erreichen.“ (Quelle)

Aber nicht nur sein Vater, sondern seine gesamte Familie ist für Domi sehr wichtig:
„Familie ist für mich alles. Ich war ein Einzelkind, daher war der Bezug zu meinen Eltern sehr wichtig. Als ich zu Hause ausgezogen bin, um nach Salzburg zu gehen, haben meine Eltern noch eine Tochter bekommen. Meine kleine Schwester Sofi ist aktuell der größte Stolz unserer Familie.“ (Quelle)
Erste Schritte in den bezahlten Fußball
Nach seinen Jugendstationen Videoton FC und MTK Budapest FC hat er sich trotz vieler Interessenten für die Red Bull Fußball Akademie in Salzburg entschieden:
„Ich hatte sehr viele Möglichkeiten. Das Ziel war aber immer meine bestmögliche Entwicklung. Ernst Tanner [Leiter des Nachwuchszentrums] und Christoph Freund [Sportdirektor RB Salzburg] haben uns damals davon überzeugt, dass der Schritt nach Salzburg der richtige für mich ist.“ (Quelle)
Schon nach seinem ersten Jahr im Nachwuchs wurde er 16-jährig als jüngster Spieler in den Profikader des Kooperationsklubs FC Liefering befördert. Dort konnte er auf Anhieb überzeugen und erzielte als erster Spieler des Jahrganges 2000 einen Treffer in der zweiten Österreichischen Liga. Sein Erfolg blieb auch dem ungarischen Verband nicht verborgen, der ihn bereits mit 18 Jahren in den A-Kader berief:
„Ich habe extrem viel und hart dafür gearbeitet, deswegen sind alle diese Schritte extrem wertvoll für mich. Mit 18 Jahren bereits in der Startelf für mein Heimatland zu stehen, ist einmalig. Dass wir dann gleich gegen Kroatien gewonnen haben, ist unglaublich.“ (Quelle)

Szoboszlai dirigiert während des Spiels der Nations League gegen Serbien. Foto von Laszlo Szirtesi / Getty Images
Ungeduld ist keine Tugend
Bevor der junge Ungar in der letzten Saison 2019/20 unter unserem ehemaligen Co-Trainer, Jesse Marsch, endgültig zum Leistungsträger bei den Salzburgern avancierte, war eine Berufung ins A-Team nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Obwohl Szoboszlai keinen Hehl aus seiner Ungeduld machte, verzichtete Marco Rose in der Saison 2018/19 lange Zeit (in den Augen des Offensiv-Spielers zu lange) auf die Dienste des Talents bei den Profis. Unter Marco Rose musste er schließlich eine wichtige Lektion lernen: Es ist eben ohne entsprechenden Aufwand und Training nicht selbstverständlich, so einfach von der zweiten Liga nach Belieben in die erste aufzusteigen. Dementsprechend gelang ihm der nächste Schritt bei den Profis erst nach einem gewissen Umdenken.
Szoboszlai war nach dem Abgang des norwegischen Wunderstürmers Haaland unbestritten einer der Leistungsträger und Shootingstars von RB Salzburg. Beide sind sehr gut befreundet. Der Norweger war es aber wohl angeblich neben Rose auch, der ihn während der gemeinsamen Zeit in Salzburg erst einmal auf einen noch professionelleren Lebensstil eingeschworen hat.

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0,7 Tore-pro-Spiel-Garantie
Seitdem lesen sich die Zahlen des erst im Oktober 20 Jahre alt gewordenen, 1.86m großen Ungarn ziemlich beeindruckend. 124 Spiele hat er im Profi-Fußball für den FC Liefering bzw. Salzburg bestritten. 42 Tore und 45 Assists stehen in beiden Ligen gesamt zu Buche. In den 82 Spielen bei Salzburg spielte er durchschnittlich 64 Spielminuten und sammelte dabei 60 Scorerpunkte (26 Tore und 34 Assists). Das ergibt außergewöhnliche 0,73 Torbeteiligungen pro Partie und damit noch einmal eine Steigerung zur zweiten Liga (0,65).

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Schaut man sich die Tore im Detail an, erkennt man sofort die Auswirkungen der bereits o.g. Kernkompetenz. Domi ist ein Standardschütze par excellence. 12 seiner insgesamt 26 Tore sind über Standards gefallen. Er ist beidfüßig. Aber sein rechter Fuß ist einfach eine Waffe, wie ich sie bisher selten bei einem Spieler gesehen habe. Seine überdurchschnittlich gute Schusstechnik befähigt ihn, Bälle nicht nur unglaublich scharf, sondern auch präzise und unberechenbar in der Flugkurve zu schießen. Ob direkter Freistoß oder Flanken aus einem ruhenden Ball, er sorgt damit immer für Gefahr.

Szoboszlai instagram
Ganze 8 Elfmeter und 4 direkte Freistöße hat er so verwandelt. In seiner ganzen, bisherigen Profikarriere hat er noch nie einen Elfmeter verschossen. Ob nun innerhalb des Strafraums oder auch weit außerhalb, der Junge ist in diesem Bereich so dermaßen gesegnet, dass es er den Torleuten schon reihenweise die Bälle um die Ohren geschossen hat. Fast 50 % seiner Schüsse gehen auch auf den Kasten.

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Ihr kennt das bereits, also riskieren wir nachfolgend auch diesmal wieder einen Blick auf weitere, wichtige, statistische Werte (sofascore, kicker) und Heat-Maps (wyscout.com) von Szoboszlai im Vergleich von letzter zu dieser Saison (per Spiel) an.

Spielstil
Neben seiner außerordentlichen Standardstärke, wo er wirklich gleich von Beginn an den Unterschied ausmachen kann, ist Domi vielseitig und kann auf mehreren Positionen im offensiven oder zentralen Mittelfeld spielen. Bei Salzburg wurde er meist auf der linken Mittelfeldposition (8-10er) eingesetzt und war dort sehr erfolgreich.

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Mit 1.86m ist er relativ groß gewachsen. Er ist damit gar nicht so richtig mit unseren aktuellen Mittelfeldspielern zu vergleichen, die allesamt kaum die 1.80m übertreffen und eher klein daherkommen. Zudem hat er die Coronapause in Österreich sehr gut nutzen können, um weitere Physis aufzubauen. Diese ist wichtig, um zukünftig auch auf noch höherem Niveau gegenzuhalten und weitere Entwicklungsschritte zu gehen. Zu welchen Leistungssprüngen das führen kann, sieht man sehr schön beim Ex-Schalker und jetzigen Bayernspieler Leon Goretzka.
Trotz seiner Größe kommt er verhältnismäßig schnell, ausdauernd und dribbelstark auch bei hohen Geschwindigkeiten daher. Er ist sehr trickreich und unfassbar kreativ im offensiven Passspiel. Er spielte im Salzburger Team mit die meisten Schlüsselpässe und Assists. Aber natürlich muss man an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass viele seiner Vorlagen eben genau aus der zuvor genannten Standardstärke (Ecken, Freistöße) resultieren und nicht immer aus dem Spiel heraus, wie die nackten Zahlen vermuten lassen würden. Dennoch kommen die o.g. Torbeteiligungen pro Spiel nicht von ungefähr.
Szoboszlai ist sehr leidenschaftlich und versucht, wenn er auf dem Platz steht, alles zu geben. Wenn es läuft, spürt man in seinem Spiel den stetigen Willen und Hunger, mehr Tore zu erzielen und Gewinnen zu wollen. Solche Momente wirken sich dann auch sehr positiv und mitreißend auf den Rest seiner Mannschaft aus.
Vertraut mit der deutschen Sprache und Kultur
Domi spricht fließend Deutsch, was für die Eingliederung in den Kader und den Lernprozess sehr wichtig ist. Zudem hat er mit seinen Landsleuten Gulácsi und Orban bereits sehr gute Vertraute und wichtige Stützen des Teams an seiner Seite. Haidara und Hwang kennt er bereits aus Salzburg. All das sind wichtige Säulen, die ihm den Einstieg in die Leipziger Mannschaft vereinfachen werden.

RB Leipzig
Damit ihr euch über das Gesagte und die herausgestellten Stärken und Fähigkeiten selbst eine Meinung bilden könnt, gibt es nachfolgend wieder ein Video-Tipp:
Achilles lässt grüßen – seine Schwächen
Wie der o.g. Graph schön verdeutlicht, sind seine Zweikampfquoten (Duels rate) mit knapp 40 bzw. sogar unter 40% in dieser Saison und seine Ballgewinne (Interceptions) noch zu gering. Er hat also defensiv noch sehr viel Entwicklungsarbeit vor sich. Trotz aller Offensiv-, Standardstärke und Kreativität muss er in diesen Bereichen und in der Rückwärtsbewegung zwingend besser werden, um in stärkeren Ligen konkurrenzfähig zu sein. Teilweise auch seiner kreativen und riskanten Spielweise geschuldet, verliert er zudem noch zu häufig die Bälle im vorderen Drittel, was dann schnell in gefährliche Konter münden kann, wenn nicht abgesichert wird.
Szoboszlai hat also noch viel Luft nach oben. Aber das ist für einen 20-jährigen Mittelfeldspieler auch ganz verständlich. Für sein Alter ist er schon sehr weit und hat mit einigen Spielen in der Europaliga und Champions League bereits internationale Erfahrung auf Topniveau sammeln dürfen. Er hat also zweifelsohne jede Menge Potenzial und die Voraussetzungen, ein ganz großer seiner Zunft zu werden. Aber diese Schritte muss er gehen, um in den Topligen, wie der deutschen Bundesliga, zu bestehen und konstant Leistungen zu bringen. Nagelsmann wird hier ganz sicher versuchen, ihm die richtigen Werkzeuge an die Hand geben, um ihn besser zu machen. Sicherlich hat unser Trainer auch wieder seine ganz eigene Idee mit ihm.
I have a dream
Ich persönlich sehe ihn zukünftig auf der Position eines 8ters, d.h. in der Rolle eines sogenannten Box-to-Box-Spielers. Diese Spieler sind oft der Maschinenraum der Mannschaft. Sie arbeiten sehr viel und bilden die Verbindung zwischen Verteidigern und Angreifern. Sie schließen mögliche Lücken und gestalten die defensiven und offensiven Schnittstellen. Spieler in dieser hybriden Position zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie gleichzeitig sehr gute offensive als auch defensive Fähigkeiten mitbringen, das Spiel sehr gut lesen können und sich situativ, je nach Spielsituation, auch gern mal variabel aus dem gegnerisch-zugestelltem Zentrum lösen und auf die Halbpositionen und Flügeln ausweichen können. Sie müssen daher konditionell und bestenfalls auch physisch sehr gut aufgestellt sein, um körperlich, offensiv wie defensiv, dagegenhalten zu können. Zudem sollten sie technisch versiert, passstark und insbesondere passsicher sein, um unnötige, riskante Ballverluste zu vermeiden. Vieles davon (inkl. den 1.86m großen, athletischen Körper) bringt Szoboszlai schon mit, aber an den zuvor angesprochenen (besonders defensiven) Schwächen muss er zwingend arbeiten, um diese Rolle nicht nur ausfüllen zu können, sondern auch einer der besten werden kann.
Fazit – Hoffentlich kein Wolf im Schafspelz
Aufgrund seiner ansprechenden Leistungen und der vielen Gerüchte großer Vereine um seine Person, war er derzeitig wahrscheinlich einer der begehrtesten jungen Mittelfeldspieler der Welt. Auf den ersten Blick sehen die Zahlen und seine Leistungen auch ziemlich beeindruckend aus. Selbstbewusst kommt er daher und ist an einem guten Tag Weltklasse. Aber diesen, wie so oft übertriebenen Hype um ihn, kann ich nicht ganz teilen. Zumal ich noch nie ein Freund von so etwas war (insbesondere nicht bei Spielern in diesem, jungem Alter).
Denn auf dem zweiten Blick war er eben aber auch oft wieder nur Durchschnitt und noch nicht konstant genug. Zudem spiegeln sich solche Phasen dann meist auch in seiner Körpersprache negativ wider. Wie schnell Vorschusslorbeeren verpuffen können, wenn es darum geht, sich auch mal hinten anstellen zu müssen und dann, wenn es zählt, (die erwarteten) Leistungen zu bringen und sich zu beweisen, sahen wir auch alles schon bei Hannes Wolf. Parallelen zu ihm könnte es hier durchaus gegeben. Ich hoffe es persönlich nicht, aber ausschließen kann man es auch nicht. Mentalität steht für mich weiterhin vor Qualität. Erfahrungen aus der Anfangszeit bei Salzburg sollten Szoboszlai und uns ein warnendes Beispiel sein. Sein Abschiedsinterview klingt aber schon mal sehr selbstkritisch, reif und zuversichtlich.
Schüsse vorm Bug
Wir kennen Julian Nagelsmann lang genug, um zu wissen, dass er übertriebene Ungeduld und Selbstverständlichkeiten (ohne Leistung) nicht toleriert und gern auch mal mit einem Schuss vor dem Bug zu maßregeln weiß. Szoboszlai wäre also gut beraten, keine Ungeduld an den Tag zu legen. Gerade auf den Positionen des offensiven bzw. zentralen Mittelfelds hat er mit Forsberg, Nkunku, Olmo, Haidara, Kampl, Sabitzer bereits arrivierte und exzellent aufgelegte Mitspieler vor sich, die von den vielversprechenden Talenten: Samardzic und Kluivert flankiert werden.
„Klotzen, nicht kleckern“
Er sollte diese interne Konkurrenz aber als Chance und nicht als Risiko begreifen, sich zu verbessern bzw. nicht zum Einsatz zu kommen. Denn auch im engen Terminkalender wird es für ihn kein Selbstläufer, sich vor sie zu kämpfen und Einsatzzeiten zu erhaschen. Die Spielsysteme von Salzburg und Leipzig ähneln sich m.E. auch nicht mehr ganz so stark wie früher. Vorkenntnisse in der typischen RB-Philosophie werden helfen, sie sind aber nicht mehr der alleinige Garant dafür, direkt zu funktionieren. Das sehr komplexe Nagelsmannsche Spielsystem sorgt dafür, dass sich die Spieler teilweise neu erfinden, zuhören und Bereitschaft zum Lernen zeigen müssen. Und das wird dauern. Vollgas geben, ist hier angesagt. „Klotzen, nicht kleckern“, heißt die Maxime. Voll im Saft steht er bereits, was ihm zugutekommen wird.

RB Leipzig
Sicher ist sicher
Der Ungar ist, wie gesagt, unbestritten ein Riesentalent und noch jung an Jahren. Aber er ist noch nicht fertig und m.E. auch nicht der Typ dafür, sofort einzuschlagen. (Ich lass mich hier natürlich gern vom Gegenteil überzeugen.) Aber ich denke, dass ein „sofort“ auch nicht der vorrangige Plan unseres Trainers und Sportdirektors war. Selten läuft es so, wie es bei Angelino der Fall war. Er ist ein Vorgriff auf das Sommertransferfenster und ein Versprechen in die Zukunft (auch um etwaige, sehr wahrscheinliche Abgänge in der Zukunft abzufangen). Die negativen Erfahrungen mit Haaland (der bekanntlich zum direkten Konkurrenten nach Dortmund wechselte), sprich der Transferdruck (und die verhältnismäßig geringe Ablöse) zwangen die Verantwortlichen jetzt Nägel mit Köpfen zu machen und zu handeln. Er soll sich entwickeln und das Spielsystem lernen, da es Zeit braucht, um es zu verinnerlichen. Aber natürlich bringt er vom (Spiel-)Typus und seinen Fähigkeiten noch mal eine ganz andere und neue (auch spieltaktische) Komponenten (insbesondere bei Standards) in unsere Mannschaft, die wir in dieser Form bisher noch nicht so ausgeprägt zur Verfügung stehen hatten. Er wird der Mannschaft guttun. Und wer weiß, vielleicht gewinnt er ja einmal, bei uns spielend, den oben angesprochenen Puskás-Preis für das schönste Tor des Jahres.
Ich bleibe hungrig auf Fußball, der Trainer und die Mannschaft hungrig auf Erfolg. Zusammen mit Domi werden wir noch hungriger - Hung(a)ry4more. Herzlich Willkommen in unserer schönen, bunten Fußballwelt in der schönsten Stadt der Welt. „Üdvözöljük Lipcsében“, Dominik Szoboszlai.
Justgroovy
Das dachte ich mir letztens auch, als ich den Preis vom neuen Trikot gesehen habe - 150 € und dann noch für ein paar Euro den Namen von so einer Eintagsfliege drauf. Im Leben nicht.