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Kommentar: Für die Wahlfreiheit beim Stadionzugang

Kommentar: Für die Wahlfreiheit beim Stadionzugang

RB Leipzig hat sich als erster Fußballverein und wohl auch erster größerer Veranstalter insgesamt in Deutschland dafür entschieden, den Stadionzugang nur über eine eigene Ticket-App zu ermöglichen. Die Ticket-App ist gut, allerdings sollte auch weiterhin die Möglichkeit geschaffen werden, dass Zuschauer auch mit gedrucktem Ticket ins Stadion können.

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Wahl zwischen TV und Stadion

Insbesondere durch die Corona-Situation mit 1,5 Jahren ohne volle Stadien stellen sich Fans immer mehr die Frage, ob man das Spiel am TV oder im Stadion anschaut. Umso wichtiger ist es, dass weiterhin ein tolles Stadionerlebnis gegeben ist und dass der Aufwand für den Stadionbesuch möglichst gering ist. Wenn man allein an den Stadionumbau denkt: mit deutlich weniger Stufen von der Festwiese aus, mehr Stehplätzen, ein emotional gestalteter Eingangsbereich, verbesserten Toiletten- und Cateringständen, dann geht RB Leipzig hier genau den richtigen Weg. Auch an die Anreise zum Stadion wird gedacht mit der mobilen Fahrradstation. 



Zwang zur Ticket-App erhöht die Hürden für einen Stadionbesuch

Der Stadionbesuch ist unter Corona-Bedingungen ja grundsätzlich aufwendiger durch die 3G-Regel und dem Cluster-Konzept, so dass sich auch Dauerkartenbesitzer immer wieder neu Karten kaufen müssen. Insbesondere der Zugang mit der Corona-Warn-App oder der CovPass-App wird empfohlen. Genau in dieser Zeit veröffentlicht RBL eine zusätzliche Ticket-App, die man für den Zugang benötigt. Die App wurde dabei nicht in die bestehende RBL-App integriert, so dass viele Fans jetzt zwei Apps von RB Leipzig haben, was keine gute Lösung ist und auch perspektivisch behoben wird. Dazu soll es zukünftig auch möglich sein, den Gesundheitsstatus in der App zu integrieren, so dass für den Stadionzugang nur noch eine App nötig ist. Die aktuelle Umsetzung zeigt in jedem Fall, dass ein noch nicht fertiges Produkt an den Fan gebracht wurde, der sich zusätzlich zum Ticketshop auch in der RBL-App anmelden musste. Die Verantwortlichen hätten sich deshalb für eine Testphase entscheiden können in der auch weiterhin die Funktion Print@home gegeben ist. Hier entschied man sich aber dagegen und bereits eine Woche später benötigte man die Ticket-App zum Zugang. Es bestand wohl zusätzlich noch die Möglichkeit über das Service-Center auch ohne App den Zugang zum Stadion zu bekommen, aber allgemein kommuniziert wurde das nicht und das Service-Center war überlastet. Warum die Ticket-App so schnell ohne Testphase implementiert werden musste, erschließt sich nicht.


Viele Fragen zur App und wenig Zustimmung in unserer Umfrage zum App-Zwang

Wir können uns nicht erinnern, dass es im Forum, bei Facebook oder auch bei Instagram so viele Fragen und auch Kritik zu einem Thema in den letzten Monaten/Jahren gab. Keine Ahnung, wie viele Fragen wir beantworten mussten. Ärgerlich, dass wir vorher keinen Stundensatz mit dem Ticketing vereinbart haben. Wortbeiträge wie, ob man bei RB jetzt komplett abgehoben ist, waren keine Seltenheit. Das Ergebnis der Umfrage bei mittlerweile über 1.000 Stimmen, was neuer Rekordwert ist und die Brisanz des Themas zeigt, sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache.

 

Hinweis: Das Umfrageergebnis ist nicht repräsentativ, spiegelt jedoch die Meinung der Besucher unserer Website wider.


Die App ist grundsätzlich gut

Auch wir im Team waren mit der Ticket-App im Stadion und können sagen, dass dies sehr gut funktioniert hat. Letztlich leistet die App auch einen (kleinen) Beitrag zum Thema Klimaschutz und man spart sich das Ausdrucken des Tickets. Somit folgt die App auch absolut dem Ansatz den Stadionzugang zu erleichtern, wenn man denn die App nutzen möchte bzw. kann. Allerdings gibt es auch Berichte, dass der Zugang nicht gleich funktioniert hat, weil der Code erst länger geladen oder die Displayhelligkeit für die Drehkreuze nicht ausgereicht hat.


Gerade ältere Fans werden ausgeschlossen

Es gibt auch jüngere Menschen, die ganz bewusst auf ein Smartphone verzichten, aber insgesamt trifft es vor allem ältere Menschen, wie die folgende Studie zeigt:

 

Anteil der Smartphone-Nutzer in Deutschland nach Altersgruppe 2020 - Statista

 

Bei den Anteilen nach Altersgruppen ist zu berücksichtigen, dass hier auch Smartphones dabei sind, auf welchen die App aufgrund des Betriebssystems oder Alter des Handys nicht funktioniert. Insofern wird durch den App-Zwang nicht jedem Fan der Zugang ermöglicht bzw. deutlich erschwert. Dies läuft konträr zum sonstigen Vorgehen bei RB Leipzig, wo die Hürden für den Stadionzugang möglichst niedrig gehalten werden sollen.

 

 

Digitalisierung nicht der Digitalisierung wegen

Erfolgreiche Unternehmen zeichnet eine hohe Kundenorientierung aus. Inwiefern das bei der Implementierung der Ticket-App der Fall ist, darf bezweifelt werden, wenn man keine Alternativen anbietet. Letztlich wurde hier nicht von Seiten aller Fans/Zuschauer gedacht und man will sich auch nicht vorstellen, dass man jetzt bei allen Veranstaltungen nur noch ins Stadion oder in eine Halle mit einer jeweils eigenen App kommt. Bspw. für Auswärtsfahrer wäre das mehr als bescheiden. Der ein oder andere will einfach nur zum Fußball, sich entspannt ein Ticket kaufen und nicht noch eine Mailadresse fürs Kind anlegen. Auch für Menschen, die mal kurzfristig und spontan ein Ticket kaufen möchten, ist die Anmeldung im Ticketshop mit zusätzlicher Anmeldung in der Ticket-App ein Hindernis, wie die vielen Fragen zur Einführung deutlich gemacht haben.


Fußball verbindet

Es gibt nicht mehr so viele Bereiche, wo Menschen aus Stadt und Land oder Alt und Jung zusammenkommen. Der Fußball schafft dies weiterhin und auch RB Leipzig setzt sich seit Jahren dafür ein. Dies zeigen die Vorreiterrolle beim Thema Audiodeskription, die Gebärdensprache auf der Anzeigetafel und auch die neuen Plätze für Menschen mit Behinderung direkt am Fanblock. Barrierefreiheit sollte auch für Menschen ohne Smartphone gegeben sein.



Frühere Alternativen zu Ticket-App schaffen

Für digital affine Menschen wird die zusätzliche App ein toller Service sein, den sie gern nutzen möchten. Schafft man wie bisher die Möglichkeit, dass ein Stadionzutritt ohne die App möglich ist, wird die Zufriedenheit bei allen Fans da sein. Wie das Ergebnis unserer Umfrage zeigt, haben viele Menschen auch mit dem Smartphone keine Lust auf den Zugang ausschließlich damit. Bedenkt man die Tatsache, dass auch viele ältere Menschen zu RB Leipzig gehen, ist dies keine Überraschung.


Bezahl-Karten oder Bargeldzahlung ermöglichen

Neben der Implementierung der Ticket-App gibt es im Stadion keine Barzahlung mehr. Da gegen Stuttgart kein Catering vorhanden war, hatte dies in der Liga noch keine Relevanz, wurde aber bereits beim Stadion-Kick-Off eingesetzt. Was dabei verwunderte, dass man nicht einfach für jeden Zuschauer offensichtlich Bezahlkarten erwerben konnte. So verblieb letztlich der Kauf per EC-Karte oder Kreditkarte. Für Kinder ist damit ein Kauf nicht möglich und auch für Zuschauer, die nicht jeden kleinen Betrag per Karte bezahlen wollen, sollte zumindest wieder die einfache Möglichkeit der Bezahlkarten geschaffen werden, die in jedem Sektor einfach erworben werden können. Ideal wäre auch hier wieder die Wahlfreiheit für die Zuschauer und damit auch mit Bargeld.

Jupp