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Berlin ist Hertha – aber Leipzig ist härter!
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Berlin ist Hertha – aber Leipzig ist härter!

Berlin ist Hertha – aber Leipzig ist härter!

So wie da heute in der Red Bull Arena der Knoten des verkorksten Fehlstarts geplatzt ist, hat man es wahrscheinlich sogar noch in Connewitz gehört. Mit 6:0 stampften unsere Bullen die alte Dame unangespitzt in das Grün der Arena und schossen sich den Frust von der Seele. Darauf einen Sechserpack Red Bull!

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Gegen Lieblingsgegner Hertha stand Leipzig mit dem Rücken zur Wand. Der Fehlstart belastet die Gemüter und die personell angeschlagenen Berliner kamen da gerade recht, denn gegen kein Team schoss RBL bisher mehr Tore…

Marsch mit einer Rolle rückwärts Richtung Nagelsmanns Fünferkette aber wie der Ex-Trainer ohne Doppelspitze. Überhaupt einige Wechsel. Neben dem verletzten Olmo blieben auch Szoboszlai, Silva und Simakan draußen. Der Franzose eigentlich der beste Leipziger Abwehrspieler bisher und Silva hätte man wohl gerne mal in einer Doppelspitze gesehen. So wurde Poulsen hängend von Nkunku und Forsberg flankiert, was sich jedoch als goldrichtig herausstellen sollte.

 

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Dreisatz des Spiels

Früh in Führung gehen und vor der Halbzeit sogar noch das 3:0 nachlegen – kann man mal so machen und wirkte insgesamt sehr rund gegen einen – man muss es so sagen – erschreckend schwachen Big City Club. Am Ende stand es dann durchaus auch in der Höhe verdient 6:0 – wenn Leipzig in der Krise ist, dann kommt es für Berlin aktuell noch deutlich "hertha". Kein Doppelsturm aber dafür mit einem Nkunku in Bestform – wozu hat man denn Lieblingsgegner!

 

Ausgelassene Stimmung nachdem RBL die Alte Dame weggeflext hatte.

 

Neu im Bullenstall

Gvardiol als einziger Neuzugang in der Startelf. Weniger gab es bisher noch nicht. Seine Abstimmung mit Angeliño passte eigentlich sehr gut. Leider wurde er (heute schnellster Kicker auf dem Platz) dann durch Oberschenkelprobleme ausgebremst – gute Besserung! Für ihn kam Simakan, der wenig gefordert wurde, aber wie üblich souverän auftrat. Brobbey wurde später für Forsberg eingewechselt und war am 6:0 beteiligt. Silva kam für die letzte halbe Stunde für den überzeugenden Poulsen und holte immerhin den Freistoß zum 5:0 raus.

 

Das Gesicht des Spiels –Nkunku in Topform.

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Nkunku: Momentan der beste Leipziger Offensivspieler. Souverän gelupft (besser als Szoboszlai zuletzt), überlegt aufgelegt, Elfer rausgeholt, Freistoß reingezaubert. Was kann er eigentlich nicht? Der Franzose überzeugt auf ganzer Linie und hat seinen Platz im großen OM-Rennen auch bei lediglich zwei offensiven Mittelfeldspielern wohl sicher. Diagnose: Man of the match!

Poulsen: Ihm gelang das, worauf Silva noch wartet. Ein Tor aus dem Spiel heraus und auch das überlegte durchlassen von Klostermanns Pass vor dem 1:0 war fußballerisch großes Kino. Poulsen letztlich wie Demme einst – wer auch immer ihm vor die Nase gesetzt wird, am Ende kommt der Däne verdientermaßen an seine Einsatzzeiten. Eine Doppelspitze hätte trotzdem mal was.

Kampl: Zuletzt in der Kritik, heute mit einer guten Leistung, hatte etwas Pech, dass ausgerechnet seine Torschussvorlagen nicht verwertet wurden. An Position drei hätte man aber auch Angeliño oder Mukiele nennen können, die in der Fünferkette überzeugten.

 

Wo ein Yussi ist, ist auch ein Weg. Heut fiel keiner ab.

 

Luft nach oben

In Ermangelung von wirklich abfallenden Spielern könnte man maximal die Einwechselspieler nennen, die nicht ganz so souverän wie die Startelf agierten.

 

Kategorie schlecht gealtert

War jetzt doch nicht die schlechteste aller möglichen Aufstellungen.

 

Tweet des Spiels

Hertha wurde ordentlich verhauen.

 

Champagner statt Bier – die Fans

Trotz bestem Wetter, nur halber Belegung, guter Ansetzung und keinerlei Ferien war es nicht ganz ausverkauft. Die Coronaregelungen schrecken immer noch einige ab und allgemein ist das Interesse am Fußball bei einigen in dieser langen Abstinenz abgeflaut. Sowieso also auch ohne die aktuelle sportliche Misere eine problematische Situation. Hier ist auch der Verein gefordert alle abzuholen.

Die Stimmung dann vor über 20.000 Zuschauern nicht zuletzt wegen des idealen Spielverlaufs natürlich bestens. Von den Berlinern kam auf der Gegenseite nur der übliche Schmus. Aber beim windigen Windhorst sitzt man dort eigentlich in einem eher zugigen Glashaus. Die Leipziger aber mit der richtigen Antwort von den Rängen. Große Gefühle dann, als sich Forsberg nach dem 4:0 voll Inbrunst beherzt auf die Brust klopfte.

 

Die Zeiten, in denen Forsberg von Shoppingtouren in Mailand träumt, sind vorbei.

 

Pfeife des Spiels

Stegemann geht als echter Glücksbringer durch. In acht Spielen unter seiner Leitung gab es nur eine Pleite (die aber deftig daheim gegen den HSV – wie auch immer man das damals geschafft hat…) und ein Unentschieden (immerhin gegen die Bayern, davon können wir derzeit nur träumen). Zuletzt hieß es mit ihm: Schalke 0:5!

Stegeman mit vielen Ansagen aber wenigen Karten, das kam dem nickligeren Stil der Hertha entgegen, war aber mit dem fortschreitendem Spielverlauf immer weniger angebracht. Besonders Poulsen bekam einiges auf die Haxen. Eklatante Fehler gab es aber nicht.

 

Investitionsruine Hertha BSC.

 

Aufgefallen

1)      Wie der Rotebrauseblogger in seiner letzten Bewertung schon schrieb. So viel hat Marsch in dieser beginnenden englischen Woche nicht zu gewinnen, nur viel zu verlieren. Siege gegen Berlin, Brügge und Bochum muss Leipzig bei den eignen Ansprüchen einplanen. Trotzdem überzeugte das offensive Setup mit dem formstarken Nkunku und "Urgestein" Yussuf. Aber noch ist man tabellarisch noch lange nicht da, wo man hinwill und muss.

2)      Viele ergebnislose Flanken am Ende (Angel wink einmal). Wegen ihrer niedrigen Verwertungsquote galt so ein Stil einst auch unter Rangnick eher als verpönt. Die meisten Tore (und auch weitere gute Chancen) ergaben sich dann bezeichnenderweise nach schlauen Pässen mit hohen Packing-Werten durch die Mitte.

 

Nkunku definitiv zu schnell für die fußlahme Hertha Abwehr.

 

3)      Defensiv gab es auch gegen Berlin ein paar Lücken, aber die Hauptstädter waren nicht in der Lage, die wenigen Chancen adäquat zu nutzen. Trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung auch wenn es gegen einen schwachen Gegner ging. Die Fünferkette sorgte insgesamt für mehr Stabilität und gab Angeliño und Mukiele die Möglichkeit offensiver in Erscheinung zu treten ohne dabei die defensive Absicherung über Gebühr zu gefährden.

 

Pläne können so einfach sein...

 

4)      Hertha kam zwar mit zwei Siegen im Gepäck nach Leipzig, aber die Erfolge schmeichelhaft und lediglich gegen die beiden Aufsteiger. Davor hatten Wolfsburg, Köln und die Bayern den Hauptstädtern klar die Grenzen aufgezeigt. So waren die Schwächen im Spielaufbau und in der Defensive eklatant und nur selten gelangen den Berlinern aussichtsreiche Angriffe. Wenig Argumente für Dárdai, dem nun die Entlassung drohen könnte.

 

Berlin schon nah an extrem schlecht.

 

5)      Zwei schön herausgespielte erste Tor und dann mit Standards Berlin abgeräumt. Tor nach Freistoß von Angel, Elfer Forsberg und direkter Freistoß Nkunku. Diese Stärke kann einen auch über Schwächephasen tragen und sollte nicht nur dazu dienen die Ergebnisse in die Höhe zu schrauben. Es gab jedenfalls schon Zeiten, in denen RBL deutlich weniger aus ruhenden Bällen gemacht hat und heute war Szoboszlai noch nicht mal auf dem Feld.

6)      Nach der frühen erlösenden Führung spielte sich RBL sichtbar den Frust von der Seele. Mit acht Leipziger Großchancen und lediglich vier Berliner Torschüssen. Die xG Werte sprachen eine deutliche Sprache. Hertha noch nicht mal mit einem halben xG, Leipzig über 4. Ein hochverdienter Sieg.

 

Einer ging noch ... einer ging noch rein.

 

7)      Höchster Sieg seit dem 8:0 über Mainz vor zwei Jahren. Höchster Sieg gegen Berlin und das bei schon zuvor sehr torreichen Spielen. Ein Tor mehr als die Bayern gegen Berlin erzielt – wir sind wieder wer! Hertha jedenfalls in allen Belangen deutlich unterlegen, egal welche Statistik man betrachtet. Fußballerisch, Läuferisch und Kämpferisch eine, wenn nicht zwei Klassen schlechter.

 

Den Sieg muss man einordnen können.

 

Ein guter Start in eine wegweisende Woche. Es bleibt zu hoffen, dass Leipzig diesen Schwung mit in die Partien gegen Brügge und Bochum nehmen kann und das Ganze nicht so ein Strohfeuer wie gegen ähnlich schwache Stuttgarter war. Anders als beim 1:10in Köln fühlte sich das Spiel deutlicher wie ein Schritt in die richtige Richtung an.

Auf den anderen Plätzen gewann zwar auch Leverkusen aber an den wahrscheinlich einfachsten aus der momentanen Spitzengruppe: Wolfsburg rückte RBL wieder etwas näher heran. Denn die Wölfe mussten sich Hoffenheim mit 3:1 beugen.

Brügge spielte gestern lediglich 1:1 gegen den Tabellenvorletzten aus Leuven und muss am nächsten Wochenende bei Verfolger Anderlecht ran. Trotz des beachtlichen 1:1 gegen den PSG spricht das eher für Vorteil Leipzig.


Kicker – Whoscored – Sofacore – Understat – RBL – Bundesliga – FotMob

Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Klostermann, Orbán, Gvardiol (55. Simakan) – Mukiele, Kampl (65. Laimer), Haidara, Angeliño – Forsberg (65. Brobbey), Nkunku (74. Henrichs) – Poulsen (65. Silva)
Hertha BSC: Schwolow – Tousart, Stark, Dárdai – Zeefuik, Ascacibar, Darida (46. Jastrzembski), Plattenhardt – Serdar (83. Piątek), Ekkelenkamp (62. Richter) – Selke (60. Belfodil)
Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)
Tore: 1:0 Nkunku (16.), 2:0 Poulsen (23.), 3:0 Mukiele (45.+4), 4:0 Forsberg (60.) FE, 5:0 Nkunku (70.), 6:0 Haidara (77.)
Torschüsse: 17 / 4
Schüsse aufs Tor: 10 / 2
Passquote: 85% / 73%
Zweikampfquote: 57% / 43%
Ballbesitz: 61% / 39%
Laufleistung: 108,6 km / 103,5 km
Sprints: 206 / 169
Fouls: 8 / 19
Ecken: 2 / 1
Abseits: 3 / 4
Gelbe Karten: Mukiele (1) / Darida, Stark, Plattenhardt
Zuschauer: 23.500

Rumpelstilzchen