Brügge gesehen und gestorben!
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Mit einem fetten Ausrufezeichen gegen desolate Herthaner gingen die Rasenballer in ihr erstes Champions League Heimspiel in dieser Saison. In den letzten vier wurden Manchester United, Paris und Tottenham geschlagen – gute Vorzeichen? Weit gefehlt!
Ohne den gesperrten Angeliño wechselte Marsch zurück auf die zuvor schon eher suboptimal funktionierende Viererkette und Poulsen machte vorne im Sturm den Alleinunterhalter. Lerneffekte schienen sich bei der Wahl der taktischen Gundformation nicht unbedingt eingestellt zu haben..
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Dreisatz des Spiels
Kommt ein Gegner taktisch nicht absolut blauäugig und defensiv unsortiert daher, ist RBL aktuell sehr schnell mit seinem Latein am Ende. Eine erste Halbzeit zum vergessen und erneute haarsträubende Abwehrfehler führten zur ersten Champions League Niederlage in der RBA seit sechs Spielen, da half auch keine einiger maßen solide aber sehr ungefährliche zweite Halbzeit. Marsch Allgemeinplätze nach dem Spiel lassen die Fans genauso ratlos zurück wie die inkonstanten Leistungen – die Uhr tickt, denn die Saisonziele sind in Gefahr!

Kurz war die Welt noch in Ordnung.
Neu im Bullenstall
Simakan gestern erstmals mit einer eher durchwachsenen Leistung und schlechten Zweikampfquoten. Wirkte bei den Gegentoren nicht ganz auf der Höhe. Szoboszlai las quasi Neuzugang leider erneut einer der schlechtesten Leipziger. Besser machten es die eingewechselten Gvardiol, Silva und Brobbey, wobei besonders der Kroate herauszuheben ist, der für den schwachen Mukiele kam und die Defensive deutlich stabilisierte. Silva und Brobbey zeigten jedoch nur in Ansätzen besseren Fußball als Szoboszlai und Poulsen, welche sie auf dem Feld ersetzten.

Brügge giftig!
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Nkunku: Offensiv auch neben dem Tor noch der Gefährlichste, was aber gestern nicht viel heißen wollte. Ohne ihn wären die letzten Wochen noch schwerer zu ertragen gewesen, gestern konnte selbst seine Führung den karren nicht aus dem Dreck ziehen.
Orban: Wirkte in einer wackligen Abwehr noch am stabilsten. Muss sich dennoch die Unorganisiertheit mitankreiden lassen, die aber zu großen Teilen vor der Abwehrkette begann.
Haidara: Wichtiger Faktor, dass die zweite Hälfte nicht ganz so unsortiert war die die erste. Eine deutliche Verbesserung zu Laimer, der aktuell tief im Formtief steckt.

Am Ende noch etwas VAR Pech rundete die Sache ab.
Luft nach oben
Szoboszlai: Was Szobo abseits der schönen Fernschusstore gegen Stuttgart so anbietet, qualifiziert ihn nicht für die Startelf.
Simakan: Gestern erstmals eher ein Schwachpunkt denn ein Stabilitätsanker in stürmischer See. Am Boden mit einer fast schon katastrophalen Zweikampfquote. Sah bei beiden Gegentoren nicht gut aus.
Mukiele: So gut das in der Fünferkette war, so schlecht war es in der Viererkette. Eine Passquote die in so einem Setup zu Problemen führen muss und einige Stellungsfehler.
Kategorie schlecht gealtert
1/ Big vote of confidence for Leipzig coach Jesse Marsch from his boss, RBL CEO Oliver Mintzlaff,
— Derek Rae (@RaeComm) September 26, 2021
Mintzlaff to Kicker: “I must make it clear we are not preoccupied with the unrest being attributed to us from outside. We’re on a clear path & convinced by what we’ve done.”
Sowas lässt sich nach einem 6:0 leicht sagen, aber auf den Boden der Tatsachen schlägt Leipzig erneut hart auf...
Tweet des Spiels
Leipzig shambolic in defence. They'll be lucky to pick up any points in the group if they continue that way.
— Raphael Honigstein💙 (@honigstein) September 28, 2021
Indiskutable Defensivleistung in Halbzeit 1.
Champagner statt Bier – die Fans
Endlich wieder Königsklasse in Leipzig, die und das Hertha Spiel sowie die frühe Führung sorgten für eine gute Stimmung, die sich aber im Laufe des Spiels immer mehr verfinstern sollte. Auch wenn der Fanblock gut zu hören war, gab es doch einige Misstöne, was die Liedauswahl anbelangt.
Das war heute der schlechteste Capo, den ich jemals erlebt hab.#RBLCLU
— Angeliños Friseur (@jonas_stei) September 28, 2021
Auch auf den Rängen gab es leichte Misstöne.
Pfeife des Spiels
Vinčić leitete schon Nagelsmanns Pleite in Ungarn gegen Liverpool. Gestern im zweiten Spiel also die zweite Niederlage. Als Nkunku in der Schlussphase von Mignolet zu Fall gebracht wurde, sagten er und der VAR nein – passte ins Bild eines gebrauchten Abends.

Marsch in Erklärungsnöten.
Aufgefallen
1) Zum ersten Mal seit sechs Spielen verliert RBL wieder ein Champions League Spiel in der Red Bull Arena. Davor hat Leipzig Tottanham geplättet, das Wunder gegen Manchester geschafft und Tuchels Paris geschlagen. Jetzt reicht Brügge eine gute Defensivorganisation und ein aggressives Spiel gegen Ball, um Leipzig die erste CL-Heimpleite seit fast zwei Jahren in der RBA beizubringen. Die Anzahl der guten Serien die Marsch zum Einstürzen bringt ist beachtlich.
2) Was wurde nach den Spielen gegen City und die Bayern geunkt von „zu früh“ und „teure Mannschaft“. Mit Brügge, die am Wochenende noch gegen ein belgisches Kellerkind nicht gewinnen konnten, am nun ein Verein, der in Sachen Kaderwert in absoluten Zahlen ähnlich abgeschlagen ist und in relativen Zahlen sogar noch weiter weg von Leipzig als RBL von City und Co. Was hats gebracht? Nichts! Es gibt keine Ausreden mehr!

Leipzig mit leeren Händen.
3) Auch wenn die Umstellung zurück auf das 4-2-3-1 sicherlich nicht die Hauptschuld an der gestrigen Niederlage trägt, so muss man sich doch fragen, was Marsch dazu bewogen hat (abgesehen von Angels Ausfall) diese Rolle rückwärts zu vollziehen. Wohlgemerkt zu einem System, welches davor schon nicht gut funktioniert hat. So kann man eine sich in Ansätzen zeigende Stabilität (auch gegen die schwache Herthaoffensive) auch einreißen. Chapeau! .
4) Als alter Pen and Paper Spieler würde ich mir anrechnen über eine Menge Phantasie zu verfügen. Aber die Vorstellung, wie Marsch Leipzig in ruhigeres Fahrwasser navigieren könnte, die kommt mir irgendwie momentan leider nicht mehr in den Sinn.
Bilder sagen mehr als tausend Worte... pic.twitter.com/oXuSs6JupB
— Angel3RBL (@Diego3164562417) September 29, 2021
State of the Union...
5) Vielleicht sollte Marsch erwägen mal eine Pressekonferenz in seiner Muttersprache abzuhalten. Es muss sicherlich nicht die taktische Tiefe des vertikal abkippenden Achters sein aber mehr als die immer gleichen Floskeln darf es schon sein. Wenn es dann heißt, dass die Spieler seine Ideen nicht korrekt umsetzen können oder das noch zu viel Nagelsmann im Team steckt, dann muss ich mich leider fragen, auf welcher Seite des Tischs das Problem wirklich sitzt. Allein die Abgänge von Sabitzer und Upamecano sind es m.E. nicht, die diesen Leistungsverfall erklären können.
6) Mintzlaff hatte Anfang der Woche (ausgerechnet nach einem Kantersieg gegen das aktuell nach Fürth wohl schlechteste Team der Liga) davon gesprochen, dass man vom eingeschlagenen Weg überzeugt sei. Das sei ihm unbenommen jedoch häufen sich die Punktverluste und fünf Pleiten aus neun Spielen sollte man vielleicht etwas weniger dick auftragen. Passend dazu Nagelsmanns Aussage, dass RBL nicht um ihn gekämpft hat. Das passt alles in ein Bild, bei dem Krösche auch gegangen ist, weil er eben Nagelsmann nicht gehen lassen wollte und Rangnick sein absolutes Unverständnis über den Verkauf von Nagelsmann äußerte. Letztlich – und das kann man jetzt schon sagen – haben wir damit das Nachfolgeproblem des FCB gelöst und uns selbst eines beschwert. All dies muss sich Mintzlaff vorhalten lassen und je länger dieser aktuelle Prozess ohne die richtigen Ergebnisse voranschreitet um so gefährlicher ist er für die Entwicklung von RB Leipzig als Ganzes.
#rbleipzig #Mintzlaff #rangnick pic.twitter.com/eFrHh5GHxm
— TheFunkyTechnician (@TheFunkyTechnic) September 29, 2021
Projektstatus: Es ist kompliziert...
7) Kommen wir mal zum Spiel selbst. Brügge reichte eine gute und eine solide Halbzeit zum Sieg. Leipzig zwar mit dem ersten Tor aber im Prinzip in den ersten 45 Minuten viel zu sehr unter Druck. Vier Schüsse aufs Tor und zwei Großchancen darf wurden viel zu einfach zugelassen. Nicht zuletzt weil die Abstimmung im 4-2-3-1 (was man zumindest defensiv immer mal wieder spielte) mal wieder nicht klappte und zu Eins gegen Eins Situationen führte, die dann von der Tagesform des Abwehrspieler entschieden werden und da waren Simakan, Klostermann und Mukiele leider gestern nicht in besonders guter Verfassung.
8) Offensiv ruht derzeit viel auf den Schultern Nkunkus, der auch gegen Brügge herausragte. Poulsen jedoch wurde kaltgestellt und brachte nicht viel aufs Feld und Szoboszlai ist weit weg von seinen potenziellen Leistungsmaximum, legt aber vor allem auch die Probleme an den Tag, die man schon bei seiner Verpflichtung angemerkt hat (Spiel gegen den Ball, Laufbereitschaft, Zweikampfhärte). Insgesamt wirkt das Team verunsichert. Eine Verunsicherung, die man bei der Entscheidungsfindung auf dem Feld viel zu oft sieht und die dann letztlich zu weiteren Fehlern führt – eine Negativspirale.
Klare Worte des Leipzig-Kapitäns nach der Niederlage gegen Brügge! 💬#SkySport #RBLCLU #Gulacsi pic.twitter.com/I4t7vUF6TB
— Sky Sport (@SkySportDE) September 29, 2021
Soviel zur Phantasie.
9) Was die xG Wertung anbelangt, so wäre ein Unentschieden gerechtfertigt gewesen, auch das aber weit weg vom Anspruch, den Leipzig haben sollte. RBL mit etwas niedrigerem Torschuss-Wert und dafür besserem nonShot-xG. Die Probleme, die man auch gegen Köln, Mainz oder Wolfsburg sehen konnte, blieben auch gegen Brügge bestehen. Viel ergebnisloser Ballbesitz, wenig Ideen gegen eine gut sortierte Defensive.
10) Die Ziele in der Champions League sind mit dieser Niederlage in Gefahr. Das Heimspiel gegen Brügge war quasi „das“ Spiel, welches man unbedingt gewinnen musste, um am Ende mindestens Platz 3 zu erringen. Nun muss man diese Punkte woanders holen, aber wo das sein sollte, auch da fehlt es einem momentan die Phantasie.
Mit der Leistung heute ist sogar Club Brugge ein Todesgegner für #RBLeipzig. Aber Gott sei Dank wird unser Sportdirektor das Spiel auswerten und die richtigen Schlussfolgerungen ziehen... #Todesgruppe #Brüggesehenundsterben #RBLCLU pic.twitter.com/PCa8X0roCm
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) September 28, 2021
Brügge sehen und sterben. RBL hat es mal wieder zu wörtlich genommen...
Man braucht schon eine Menge Phantasie, um zu glauben, dass Marsch das Ruder noch rumreißen kann. Eine der besten Defensiven der letzten Jahre liegt gefühlt in Trümmern. Das große Potenzial des offensiven Mittelfelds kann schon gegen defensiv solide organisierte Gegner nicht aufs Feld gebracht werden und selbst Topgoalgetter Silva wirkt nicht korrekt eingebunden. Immer die gleichen Sprüche jede Woche und irgendwie nicht der Anschein einer echten positiven Entwicklung.
Jetzt kommt Bochum und die einzigen, die sich momentan auf dieses Spiel freuen dürften, sind die Bochumer. Man ertappt sich immer wieder bei dem Gedanken, sich ein Ende mit Schrecken herbeizuwünschen, denn aktuell nähert es sich bedrohlich einem Schrecken ohne Ende…
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – UEFA – FotMob
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Mukiele (46. Gvardiol), Orban, Simakan (79. Adams), Klostermann – Laimer (46. Haidara), Kampl - Nkunku, Forsberg, Szoboszlai (58. Silva) – Poulsen (79. Brobbey)
Club Brügge: Mignolet – Clinton, Hendry, Nsoki, Sobol (79. Ricca) – Vanaken (C), Rits (79. Vormer), Balanta – Sowah (68. Van Der Brempt), Lang – De Ketelaere (72. Wesley)
Schiedsrichter: Slavko Vinčić (Slowenien)
Tore: 1:0 Nkunku (5.), 1:1 Vanaken (22.), 1:2 Rits (40.)
Torschüsse: 13 / 8
Schüsse aufs Tor: 4 / 5
Passquote: 80% / 63%
Zweikampfquote: 50% / 50%
Ballbesitz: 66% / 34%
Laufleistung: 116,9 km / 115,7 km
Fouls: 14 / 16
Ecken: 4 / 5
Abseits: 1 / 6
Gelbe Karten: – / Mignolet, Balanta
Zuschauer: 23.500
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion