Die Stadt der Hiebe!
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Um sich aktuell einen Sieg gegen ein Topteam wie Paris St. Germain vorzustellen, würde der geneigte Leipzig-Fans wohl so viel Phantasie benötigen, da könnte er auch gleich in die Fußstapfen von Tolkien, Martin oder Herbert treten und High Fantasy schreiben. Die Erwartungshaltung, sie ist definitiv deutlich gesunken… Um so überraschender der gestrige Spielverlauf.
Marsch drohte vor dem Spiel mit der Siebenerkette, am Ende wurde es dann aber lediglich eine Fünferkette mit einem vorgelagerten Mittelfeld aus Haidara, Laimer und Adams. Eine Taktik, die in weiten Teilen des Spiels eine ansehnliche Defensivleistung ermöglichte. Vorne vertraute Marsch auf Silva und den formstarken Nkunku, was in Anbetracht der letzten Leistungen der Alternativen nicht verwunderte.
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Dreisatz des Spiels
Es war ein Spiel auf Augenhöhe gegen Paris und das war eigentlich deutlich mehr, als man vor der Begegnung erwarten konnte. Nach der Führung durch Mukiele bekam RBL jedoch Angst vor der eigenen Courage – der Fehlpass von Adams vor dem Ausgleich und der nicht sehr intelligente Armeinsatz Simakans gegen den arg fallsüchtigen Mbappé sorgten dann doch noch für die Niederlage. Paris dann in der Verteidigung der eigenen Führung deutlich abgezockter als RBL. Dies und der Schiedsrichter machten gestern den Unterschied.

Wie sich herausstellen sollte zurecht zuversichtlich: RBL.
Neu im Bullenstall
Silva als Einziger Neuzugang in der Startelf und dies völlig zurecht. Kein Wunder, dass nach seiner Auswechslung eher noch weniger ging. Sein Tor überragend vorbereitet von Angeliño vorbereitet aber eben auch gut abgeschlossen. Später kamen Moriba, der leider beim Stand von 2:1 kein Auge für den startenden Nkunku hatte. Ilaix muss noch etwas an Zweikampfhärte zulegen, für den Wurf ins kalte Wasser gegen Paris war es aber ganz solide. Auch Gvardiol, der für den angeschlagenen Klostermann ins Spiel kam, hatte noch seine Möglichkeit, der Einsatz gegen Hakimi der zu Mbappés verschossenen Elfer führte war allerdings nicht ganz so gut.

Wäre andersrum wahrscheinlich gepfiffen worden...
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Angeliño: Es war sein Spiel. Anders als in Manchester, wo er noch mit Ampelkarte vom Platz musste, zeigte er gestern, was für eine Waffe seine Flanken sein können. Drei Großchancen und vier Key Passes kreierte der kleine Engel, beides die Bestwerte auf dem Platz. Einzig in den Zweikämpfen blieb Luft nach oben.
Silva: Nicht nur wegen seines Tores einer der Schlüsselspieler. Hatte noch weitere gute Chancen und war offensiv etwas zielgerichteter als der zeitweise leicht überdrehende Nkunku.
Nkunku: Mukiele zwar mit dem Treffer, aber bei ihm passte die Balance einfach nicht ganz so gut wie bei Nkunku. Der Ex-Pariser ließ erneut seine Klasse aufblitzen, verfing sich aber etwas in dem Wunsch es seinem Ex-Verein zeigen zu wollen.

Vom gefallenen Engel in Manchester zum beflügelten in Paris: Angeliño.
Luft nach oben
Adams: Was reitet Adams? Es sind solche Fehler wie vor dem 2:2, die Leipzig derzeit das Leben so unerträglich schwer machen. So einen vergifteten Rückpass darfst du als Sechser nie, nie, nie im Leben spielen. Erst recht nicht gegen den PSG. Dabei war der Druck auf ihn als Ballführenden noch nicht einmal so groß.
Laimer: Ja, das ist ein wenig unfair, weil der Österreicher wirklich den Hans Dampf in allen Gassen gab. Dennoch muss man konstatieren, dass er sehr viele Zweikämpfe verlor (nur 33%, was eine Quote wie Silva war, aber im Zentrum eben weniger erträglich), am häufigsten überdribbelt wurde und eine der schlechtesten Passquoten hatte (72%). Das ist in Summe dann einfach nicht wirklich stabilisierend.
Die Einwechsler: Abseits von ein paar Einzelaktionen gelang es keinem Einwechsler wirklich zu überzeugen. Was letztlich auch erklärt, warum es Leipzig nicht mehr gelang in der Schlussphase nochmal wirklich Druck zu erzeugen.
Kategorie gut gealtert
Le pénalty de Mbappé est bien arrivé à destination #PSGRBL pic.twitter.com/IakDRZWsH3
— 28 (@Lolodemima) October 19, 2021
Schwalben wie Neymar aber mit dem Elfmeterschießen hat es Mbappé nicht so...
Tweet des Spiels
Ein schneller Thread zu einigen Entscheidungen in den CL-Spielen des Abends.#PSGRBL (73.): Impuls (geringfügiger Armeinsatz von Simakan) und Wirkung (theatralisches Fallen von Mbappé) passen nicht zusammen. Der Kontakt ist nicht ausschlaggebend für den Sturz. (1/9)
— Collinas Erben (@CollinasErben) October 19, 2021
Collinas Erben meinen, beide spielentscheidenden Entscheidungen waren zumindest fragwürdig.
Champagner statt Bier – die Fans
Fast 1500 Fans waren aus Klein Paris ins Original gepilgert. Bestes Wetter und eine tolle Stadt lockten die Auswärtsfahrer, dass es obendrauf ein Spiel auf Augenhöhe gab, war vielleicht am wenigsten zu erwarten. Auch wenn Coronas eisernen Griff noch nicht vorüber ist, so war es doch ein stückweit Rückkehr zur Normalität.
Einmal Leipzig, immer Leipzig ❤️🤍❤️🤍❤️🤍❤️🤍 #PSGRBL pic.twitter.com/emcNjZXjdD
— ❤️🤍Moritz🐂⚽️ (@Moritz180) October 19, 2021
Pfeife des Spiels
Guida leitete einst Leipzigs Sieg in Trondheim, wie diese rangnicksche Europa League Eskapade aber final endete war nicht ganz so schön. In der Königsklasse war es erst der vierte Auftritt des Italieners.
So richtig erkannte man keine klare Linie bei der Leistung von Guida. Vor dem 1:0 (der einzige Schuss aufs Tor des PSG in Halbzeit 1) hätte sicherlich auch Foul an Silva entschieden werden können. Dagegen waren die Gelben Karten gegen Orbán und Simakan recht leichtfertig gezückt. Auch die Aktion gegen Mukiele in der ersten Hälfte war nicht ganz koscher. Am Ende für den schauspielerisch schon recht plumpen Versuch Mbappés dann den spielentscheidenden Elfer zu geben, passte einfach nicht zusammen. Kurzum: Mit diesem Schiedsrichter hatte Leipzig gestern einfach kein Glück.

Wenn du schon vor der Berührung fallend zum Schiedsrichter schaust: Mbappé.
Aufgefallen
1) Es darf konstatiert werden, dass Marschs taktische Anpassungen durchdacht waren und funktionierten. Paris zwar mit viel Ballbesitz aber nur wenigen Chancen und auch nach vorne ging durchaus was für unsere Messestädter. In der zweiten Halbzeit dann zwar die nicht unverdiente Führung aber danach der fast schon obligatorische Blackout (Adams) und Schiedsrichterpech (Elfer). Fraglos jedoch das beste Topspiel unter Marsch bisher – aber für Glas halb voll gibt es dennoch keine Punkte.
2) Nicht erst seit Diego Demme und Marcel Sabitzer wissen wir: Spiele werden im Mittelfeld entschieden. Hier leistete sich Leipzig mit zunehmendem Spielverlauf einfach zu viele Fehler. Besonders nach der verdienten Führung bekam RBL einfach keine Ruhe ins Spiel. Laimer oft zu ungestüm. Die Passquote der drei Zentralen Mittelfeldakteure dann teilweise auch zu niedrig, um das Spiel wirklich zu kontrollieren und dann natürlich dieser Aussetzer vor dem 2:2 von Adams. Moriba brachte dann zwar deutlich mehr Passsicherheit mit, hatte aber in den Zweikämpfen auch einen schweren Stand. Alles in Allem waren dann Wijnaldum und Danilo auch die besseren Einwechsler und zogen das Mittelfeld noch mehr auf die Seite des PSG. Zudem schwanden bei Leipzig die Kräfte.

Mukieles Führung reichte am Ende nicht.
3) Noch ein Wort zur Restfeldverteidigung. Ein zuletzt oft bemühter Topos. Gerade bei den beiden Gegentoren aus dem Spiel heraus, sah das nicht sehr. In solchen Schlüsselmomenten werden die Spiele auf diesem Niveau entschieden. Auch wenn Leipzig zeitweise recht stabil stand, so waren es diese Szenen, die erneut Sorgenfalten auf der Stirn produzierten. Ein Ballverlust am Gegnerischen Strafraum und beim Konter brennt die Hütte. Ein Fehlpass Richtung eigene Hälfte an der Mittellinie und alles ist verloren. Das ist dann doch zu offen und passiert leider schon häufiger als einmal pro Spiel, auch wenn gerade Paris natürlich über Spieler verfügt, die solche Fehler eiskalter ausnutzen können, als der durchschnittliche Bundesligist, so beschäftigte dieses Problem Leipzig zuletzt auch in der Liga.
4) Natürlich kann man den Schiedsrichter jetzt nicht für den kompletten Spielverlauf verantwortlich machen, was Laimer aber nach dem Spiel sagte, entbehrte nicht einer gewissen Grundlage. Die Kann-Entscheidungen waren doch sehr einseitig pro PSG. Wenn man den Einsatz von Simakan gegen den schon im Ansatz fallenden Mbappé pfeift, dann hätte man auch für Leipzig bei den Aktionen gegen Silva (vor dem 1:0) und Mukiele entscheiden können. So war es eine äußerst unrunde Vorstellung von Guida, die einen faden Beigeschmack hatte.

Moriba mit einer soliden Leistung.
5) Bei Leipzig problematisch: Die Schlussphase. Eigentlich hätte RBL mit breiter Brust weiterspielen können aber ab der 60. Spielminute häuften sich die Fehler. Die Angst des Schützen vorm Elfmeter. Irgendwie schien man nicht so recht an die eigene Leistung zu glauben. Vielleicht fehlte es auch nur an der Kraft, das bis zum Ende durchzuspielen, aber der Hauptpunkt ist wohl der, dass Leipzig einfach die Mittel fehlten, um die Führung so souverän runterzuspielen, wie es dann später der PSG tat.
6)
Es bleibt wie aktuell schon fast üblich die Frage nach der Bewertung übrig. Optimisten könnten sagen: Seht, gegen PSG mitgehalten, ein Punkt oder gar der Sieg waren greifbar, deutlich besser als beispielsweise gegen City oder die Bayern. Das wäre eine vertretbare Sicht der Dinge. Wohlgemerkt allerdings mit einer sehr nagelsmannschen Aufstellung (3421), die man sonst ja kaum spielte und in der sich besonders die Stärken des kleinen Engels am besten Ausspielen lassen (siehe seine beiden Vorlagen).
Pessimisten könnten einwenden, dass wir eben dennoch verloren haben. Dass sich diese Niederlage dennoch gut in Marschs Champions League (nur ein Sieg in den letzten 10 Spielen bei 8 Niederlagen) und Topspielbilanz einfügt. Dass es Leipzig eben nicht gelungen ist, die Führung zu verteidigen und dass man auch durch vermeidbare eigene Fehler am Ende wieder komplett geerdet wurde und ohne Punkte dasteht. Zudem stach keiner der Einwechsler und nach der 60. gab es einen spürbaren Bruch, was die Leipziger Torgefahr anbelangt.
Es bleibt also weiterhin nichts anders übrig, als darauf zu hoffen (sic!), dass Leipzig mal in diesen Entscheidenden Momenten den Bullen umstoßen kann. Ein solcher wäre der Auftritt in Frankfurt in gut zehn Tagen. Die Zeit, in der RBL gut spielen und keine Punkte einfahren konnte ist durch die Zeit, in der man schlecht spielte und keine Punkte eingefahren hat, einfach schon aufgebraucht…
Klostermann erleidet Muskelfaserriss - Auch Haidara für Fürth-Spiel fraglich #BL https://t.co/bzeh4feTCH
— kicker ⬢ Bundesliga (@kicker_bl_li) October 20, 2021
Eine Niederlage mit Folgen...
Ein Punkt oder gar der durchaus möglich Sieg wären Gold wert gewesen, beim Kampf um das europäische Überwintern. Die Niederlage dürfte Leipzig nun geradewegs ins komplette Ausscheiden führen. Noch ist der Drops noch nicht gelutscht. Ein Sieg im Rückspiel erscheint deutlich möglicher nach der gestrigen Leistung, dass kann man ggf. mitnehmen.
Jetzt kommen Fürth und Babelsberg, Spiele, die Leipzig wahrscheinlich gewinnt und natürlich auch gewinnen muss. Wo man wirklich steht, dass dürfte RBL erst in Frankfurt erfahren, dort konnte RBL noch nie gewinnen, bricht Marsch diese Serie, kann man etwas positiver in den November starten, denn dort wartet vor der Länderspielpause der Doppelpack aus PSG&BVB.
Kicker – Whoscored – Sofacore – FotMob – RBL – UEFA
Statistik
Paris St. Germain: Navas – Hakimi, Marquinhos (C), Kimpembe, Mendes – Verratti, Herrera (61. Wijnaldum), Gueye (61. Danilo) – Messi, Mbappé, Draxler (90. Kehrer)
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Klostermann (70. Gvardiol), Orbán, Simakan (83. Poulsen) – Angeliño (83. Henrichs), Adams, Laimer, Mukiele – Nkunku, Haidara (62. Moriba) – Silva (83. Forsberg)
Schiedsrichter: Marco Guida (Italien)
Tore: 1:0 Mbappé (9.), 1:1 Silva (28.), 1:2 Mukiele (57.), 2:2 Messi (67.), 3:2 Messi (74.) FE
Torschüsse: 12 / 18
Schüsse aufs Tor: 4 / 4
Passquote: 89% / 81%
Zweikampfquote: 55% / 45%
Ballbesitz: 64% / 36%
Laufleistung: 103,0 km / 107,1 km
Fouls: 7 / 19
Ecken: 5 / 4
Abseits: 3 / 1
Gelbe Karten: Gueye, Hakimi / Adams (2), Orbán (1), Simakan (1)
Zuschauer: 47.359 (ca. 1500 RBL Fans)
Rumpelstilzchen