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Janusgesichtiges Leipzig
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Janusgesichtiges Leipzig

Janusgesichtiges Leipzig

Zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten. RBL zuerst harmlos und gut bedient und Marsch dann mit dem glücklichen Jokerhändchen. Aber ganz so einfach ist die Geschichte nicht bei Leipzigs 4:1 gegen den Tabellenletzten.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Ein Sieg gegen Fürth könnte die Basis bilden für etwas, worauf RBL nunmehr seit fast sechs Monaten wartet: Zwei Pflichtspielsiege in Folge. Diese Statistik legt beredtes Zeugnis ab, wie unrund dieses Jahr bisher für unsere Rasenballer verlief.

Marsch mit dem Winkelzug den unzufriedenen Henrichs nach seiner Kritik von Beginn an spielen zu lassen. Dazu rückten Kampl, Forsberg und Gvardiol für Laimer, Klostermann (angeschlagen bzw. verletzt) sowie Simakan und Adams in die Startelf. Wie gegen Paris blieb es bei einer Fünferkette mit Henrichs und Angeliño als Außenbahnspieler.

 

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Dreisatz des Spiels

Auf eine schwer zu ertragende erste Halbzeit mit einem verdienten Rückstand folgte ein zumindest einsatz- und ergebnistechnisch besserer zweiter Durchgang. Ausgereifte Spielkontrolle gab es aber kaum zu sehen und RBL hatte seine liebe Mühe mit dem Spiel gegen den Ball seitens der Fürther. Marschs Joker stachen und sorgten für den Sieg, aber ist das genug, um freudig in die Zukunft zu schauen?

 

No Laimer no Party? Hatte zumindest 45 Minuten lang den Anschein.

 

Neu im Bullenstall

Silva blieb gegen eine lange gut sortierte Fürther Hintermannschaft blass und gewann nur einen Zweikampf. Gvardiol agierte in der Dreierkette solide, hatte aber zumindest in den Kopfballduellen seine liebe Not. Henrichs erster Startelfeinsatz unter Marsch machte vor allem deutlich, warum er so lange auf ihn warten musste. Mukiele, der nach der Einwechslung Simakans dann nach vorne rückte, wirkte da ausgewogener. Endlich mal wieder einen guten Tag erwischte Szoboszlai und Novoa war am Ende das Honigkuchenpferd des Spiels.

 

Mit Yussi kam der Sieg.

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Poulsen: Die Vereinsikone kam, sah und traf. Yussuf netzte zum Ausgleich, holte den Elfmeter zur Führung raus und war auch am 3:1 beteiligt, da allerdings etwas ungelenk. Bei Yussi weiß man klar, was man bekommt. Unbedingten Einsatz – was sich auch in den defensiven Statistiken im Vergleich zu Silva niederschlug. Allerdings wird aus dem Dänen kein Filigrantechniker mehr.

Szoboszlai: Zeigte sich in Sachen Laufleistung verbessert, schoss ein Tor und legte ein weiteres auf. Keine schlechte Bilanz für knapp 30 Minuten Einsatzzeit. Hat bei Zweikämpfen aber immer noch Luft nach oben, gewann aber am Boden mehr als Forsberg und Silva zusammen (2 vs 1).

Haidara: Im Mittelfeldzentrum noch der Beste, was gestern nicht all zu viel hieß. War bemüht die Lücken allerorten zu schließen, muss aber manchmal etwas schneller schalten, eine Problematik die gestern aber auch viele Mitspieler teilten. Hatte auf Leipziger Seite die meisten Ballberührungen und erfolgreichen langen Pässe.

 

Geburtstagskind Forsberg.

 

Luft nach oben

Silva: War irgendwie nicht sein Tag gestern – er hatte gegen die Fürther Defensive einen schweren Stand und profitierte auch nicht wirklich von Poulsens Hereinnahme. Letztlich kamen gerade im ersten Durchgang aber auch nicht viele Bälle bis zu ihm durch. Hätte sich ab und an wohl noch mehr fallen lassen müssen.

Henrichs: War das fahrig! Nach dem verbalen Schlagabtausch unter der Woche vielleicht nicht die beste Idee den Olympiafahrer zu bringen. War einer der Schwachpunkte der Hintermannschaft in Halbzeit 1 und an so mancher zum Kopfschütteln einladenden Situation beteiligt. Zurecht ausgewechselt, danach stand RBL deutlich sicherer.

Kampl: Die Zeiten in denen man von Kampl stets eine solide Leistung (wobei auch stets ohne echte Torgefahr) bekam, scheinen sich ihrem Ende zu nähern. Auch gestern konnte er dem Zentrum keine Stabilität verleihen. Ein weiterer Grund, warum die erste Halbzeit so unglaublich unsouverän war.

 

Kategorie gut gealtert

 

Tweet des Spiels

Licht und Schatten.

 

Champagner statt Bier – die Fans

Neue Capopodeste und eine gute Stimmung prägten ein eher durchwachsenes Spiel. An den Fans lag es jedenfalls nicht. Wobei man auch kritisch anmerken darf, dass dieses Mal sehr viele Karten ihren Weg in die Ticketbörse fanden. Dass dennoch ausverkauft vermeldet wurde, gehört in die aktuelle Zeit wie die Diskussion um 2G vs 3G. Leipzig ab dem kommenden Heimspiel nun mit einer 2G Regelung, für die man wiederum das Land Sachsen kritisiert. Dürfte Kimmich da eigentlich beim nächsten Mal hier auflaufen? Jedenfalls wird dies wohl noch zu weiteren Verstimmungen führen, hatte sich aber in den letzten Wochen schon angedeutet. Corona spaltet weiter und ein Ende ist nicht in Sicht.

 

 

Pfeife des Spiels

Dingert, schon in früheren Spielen nicht gerade für seine ausgewogene Art zu pfeifen bekannt, – sei es nun vor sechs Jahren in Fürth oder vor neun Monaten in Mainz (wir titelten damals Tiefpunkt der Saison – was waren wir naiv…) – blieb auch dieses Mal bei seiner torkelnden Linie. Einige Zweikampfentscheidungen nicht so richtig nachvollziehbar, was den gut austeilenden und schnell liegenden Fürthern jedenfalls mehr in die Karten spielte. Muss ich jetzt so schnell nicht wiedersehen…

 

 

Aufgefallen

1)      Gestern mal ausnahmsweise die Mittellinie für Rumpel und Sohn – auch wenn letzterer am Ende kein Nkunku Trikot ergattern konnte und fast mehr Tränen im Auge hatte als ich nach der ersten Hälfte, welche ich ja quasi mit Marsch auf Augenhöhe genießen durfte. Was wir da zu sehen bekamen, konnte weder uns noch dem Rest des Stadions gefallen. Man muss sich schon fragen, wieso es RBL weder gelingt mal 90 Minuten noch zwei Spiele am Stück vernünftig aufzutreten und das selbst gegen recht limitierte Fürther.

2)      Wieder so ein Match, in dem RBL mit einem aggressiven Spiel gegen den Ball nicht wirklich zurechtkommt. Die Spielvereinigung machte das in den ersten 45 Minuten gut gegen ein Leipzig, die  Rasenballer im Abschluss zu verschnörkelt und in der Restfeldverteidigung viel zu schlafmützig. Eine exorbitant hohe Anzahl an Ballverlusten, die durch gedanklich schnelleres Schalten oder ein beherztes "Hintermann" verhindert worden wären. Nach der Pause stiegen dann Einsatz und Wille, was gegen ein limitiertes Fürth genügte, auch weil die Joker stachen, aber spielerisch war auch diese Halbzeit kein Genuss.

 

Szoboszlai mit einer guten Leistung.

 

3)      Womit wir beim zweiten Durchgang sind. 50% Ballbesitz zeigen, dass man die eigene wirkungslose Ballbesitzdominanz aufgab und selbst auch wilder und risikoreicher spielte. Aber RBL kann eigentlich mehr als das. So ergebnistechnisch gut die Antwort ausfiel, so ernüchternd bleibt die Entwicklung der spielerischen Qualität.

4)      Herzlichen Glückwunsch an Novoa. Der Junge hat sich gefreut und ist beim Auslaufen mit den Bankspielern auch noch wie ein Honigkuchenpferd durch die Arena getrabt. Guter Abschluss, auch wenn die Vorarbeit hier etwas wichtiger war, einer der wenigen schönen Angriffe des Spiels (wie auch der zum 3:1). Auf der anderen Seite schmorte Moriba wieder 90 Minuten auf der Bank, nach guten Ansätzen und gegen den Tabellenletzten hätte man ihn durchaus bringen können. Zumal Adams und Kampl derzeit auch nicht gerade auf der Erfolgswelle reiten. Die unzufriedenen Stimmen in Leipzigs breitem Kader mehren sich. Auch ein Thema was Marsch managen muss.

 

 

5)      Ein Spiel in deiner K(r)ampfheit gemacht wie für Yussi, der sich deutlich erfolgreicher in die Zweikämpfe schmiss als Silva. Überhaupt spielten da zu viele unter ihren Möglichkeiten (Kampl, Henrichs, Silva aber auch Adams und Forsberg sowie Gvardiol in der Luft). Fürth mannschaftlich lange Zeit besser im gemeinschaftlichen Umschalten und Spiel gegen den Ball. Irgendwie bekommt es RBL selbst in den Kernkompetenzen nicht hin über 90 Minuten wirklich gut auszusehen.

6)      Kommen wir noch zu den Flanken. Jeder Trainer verfolgt da ja andere Grundausrichtungen, bei Rangnick einst verpönt, bei Oral und Pacult das Stilmittel der Wahl und mit Marsch jetzt wieder ein Revival. Das klappt mal gut – wie in Paris, mal deutlich schlechter, wie gestern gegen Fürth. Kein Spieler auf dem Feld brachte gestern mehr als eine Flanke an den Mann. Der kleine Engel mit 18 Flanken oder langen Bällen und nur zwei kamen an (Henrichs mit 2/7) – eine unglaubliche Streuung, da wirkte Szoboszlais Flanke zum 4:1 eher wie das Korn des blinden Huhns.

7)      Sehen wir es mal ganz nüchtern. Einen Heimsieg gegen Fürth sollte man als Vizemeister schon einplanen, wieder ein Team aus den unteren Tabellenregionen, welches Leipzig am Ende deutlich besiegt (auch wenn das 0:1 bis zur Halbzeit schon für Leipzig schmeichelhaft war). Auch gegen Babelsberg muss Leipzig gewinnen und erst dann kommt die Woche der Wahrheit. Was RBL nämlich endlich mal braucht sind drei Punkte gegen Teams wie Frankfurt (noch nie dort gewonnen), Paris (wenn man irgendwie noch europäisch überwintern will) und den BVB (Rechnung offen und Haaland ist nicht dabei). Die Entwicklung, sie ist trotz einer ergebnistechnisch guten zweiten Halbzeit gegen den Abstiegsfavoriten aus Fürth beileibe noch nicht konstant positiv oder auch nur nah an abgeschlossen.

8)      Beim Verlassen des Stadions passierte ich eine Gruppe Fans von der Insel, die sich recht ausführlich und lautstark darüber mokierten, wie wenig RBL doch insbesondere im ersten Durchgang aus ihren finanziell so guten Möglichkeiten und dem eigentlich großartigen Team gemacht hat. Recht haben sie. Eine Saison aus diesem Guss und man kann sich die tolle Adresse zur Spielerentwicklung und die in den letzten Jahren aufgebaute Reputation in die Haare schmieren.

 

Forsberg bekam am Ende ein Ständchen von den Fans.

 

Eine erste Hälfte, die den gemeinen Leipzig Fan mal wieder zur Verzweiflung trieb und die zweite war jetzt auch nicht gerade eine spielerische Glanzleistung – worüber die vier Tore gegen den Tabellenletzten nicht hinwegtäuschen sollten. Eine über mehrere Spiele hinweg klar erkennbare Entwicklungslinie – sie ist maximal mit der Lupe auszumachen.

Jetzt kommt der Capitano, der Frahnster mit seinen Babelsbergern (inklusive Halberstadt Schreck Hoffmann – was fast genau 10 Jahre her ist … unglaublich). Wirkt wie eine Rückkehr in die eigene Regionalligavergangenheit und ist es ja irgendwie auch. Gewinnt RBL in Potsdam, wäre es der erste Auswärtssieg seit fast drei Monaten (also seit Sandhausen) und das erste Mal seit April, dass Leipzig zwei Pflichtspiele in Folge gewinnt – ja so gut läuft dieses Jahr bzw. diese Saison bisher.


Kicker – Whoscored – Sofacore – Understat – RBL – Bundesliga – FotMob

Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Henrichs (46. Simakan), Mukiele, Orbán, Gvardiol, Angeliño – Kampl (46. Poulsen), Haidara – Nkunku (85. Novoa), Forsberg (64. Szoboszlai) – Silva (64. Adams)
SpVgg Greuther Fürth: Funk – Meyerhöfer, Bauer, Viergever, Willems (72. Itter) – Christiansen, Griesbeck, Dudziak (83. Abiama) – Itten (83. Barry), Leweling, Hrgota (C 72. Tillman)
Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
Tore: 0:1 Hrgota (45.) FE, 1:1 Poulsen (47.), 2:1 Forsberg (54.) FE, 3:1 Szoboszlai (66.), 4:1 Novoa (89.)
Torschüsse: 13 / 9
Schüsse aufs Tor: 5 / 4
Passquote: 78% / 71%
Zweikampfquote: 51% / 49%
Ballbesitz: 57% / 43%
Laufleistung: 114,3 km / 116,6 km
Sprints: 235 / 240
Fouls: 15 / 12
Ecken: 3 / 4
Abseits: 3 / 2
Gelbe Karten: Angeliño (2), Kampl (2) / –
Zuschauer: 24.753

Rumpelstilzchen