Unvermögen, das – 1:1 in Frankfurt
Inhalt
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Klare Verhältnisse vor dem Spiel. Beide Teams sind in diese Saison absolute Wundertüten, wobei die Eintracht bei allen Problemen immerhin schon mal einen Topverein schlagen konnte (Bayern). Leipzig hatte noch nie in Frankfurt gewonnen und wollte diesen Umstand nach den ersten zwei (leider nicht sonderlich ansehnlichen) Siegen in Folge seit April endlich ändern.
Marsch verzichtete erstaunlicherweise auf Silva in der Startaufstellung für ihn begann Poulsen. Zudem starteten im Vergleich zum Kick gegen Fürth Simakan und Szoboszlai statt Henrichs und Forsberg. Glasner tauschte nach der 2:0 Pleite gegen Bochum auf fünf Positionen.
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Dreisatz des Spiels
Das Spiel in einem Wort zusammengefasst: Unvermögen! Frankfurt über 90 Minuten quasi chancenlos und dann fängt sich Leipzig in der Nachspielzeit den Ausgleich, nachdem man selbst etliche Großchancen liegen ließ. Spielerisch sicherlich kein Topniveau, aber eigentlich ein Schritt in die richtige Richtung, für den man sich letztlich aber nicht belohnte – das wiederum passt irgendwie zur bisherigen Saison.

Popo-Poulsen!
Neu im Bullenstall
Mit Gvardiol, Simakan und Szoboszlai gleich drei quasi Neuzugänge in der Startelf. An der Defensive gab es bis auf die Schlussminuten wenig auszusetzen. Gvardiol ein echter Hansdampf in allen Gassen, gewann viele Zweikämpfe und holte die (irreguläre) Ecke zum 1:0 raus – kurzum einer der Besten auf dem Platz. Simakan dagegen nicht ganz so auffällig wie in den ersten Spielen. Szoboszlai ein echter Aktivposten aber leider nicht sonderlich effizient und wie üblich in den Zweikämpfen viel zu selten der Sieger.
Silva für Poulsen in der letzten halben Stunde. Es war mal wieder nicht das Spiel des Portugiesen, der in der Schlussphase nur wenige Akzente setzte. Kleiner Lichtblick: Olmo feierte seine Rückkehr nach Verletzungspause.

Verdiente Führung.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Poulsen: Das Tor unnachahmlich mit dem Hintern erzielt aber auch die bekannten technischen Unzulänglichkeiten gezeigt. Ein typisches Spiel des Dänen, bei dem man immer weiß, was man bekommt. Insgesamt deutlich auffälliger als der später eingewechselte Silva.
Orbán: In einer guten Abwehrkette der beste Mann. Gerade in der Luft schwer zu schlagen. Bekam einmal den Ball mit voller Wucht gegen den Kopf. Hätte danach ggf. besser ausgewechselt werden müssen. In einer Dreierkette ist Willi König.
Szoboszlai: Auch wenn man sich manchmal an den Kopf greifen musste, was Szoboszlai auch immer wieder verstolpert, so war er doch insgesamt offensiv heute der auffälligste Kicker. Die meisten Key-Pässe, zwei Großchancen vorbereitet und an vielen Offensivaktionen beteiligt. Über die Effizienz müssen wir aber nochmal reden…

Man konnte es eigentlich nicht fassen, was Lepzig liegen ließ.
Luft nach oben
Kampl: Der Slowene als Synonym für die Leipziger Mittelfeldproblematik. Ein Spiel ohne Mittelfeld. Von der Abwehr ging es sofort Richtung Spitze. Kampl – eigentlich als Struktur- und Taktgeber gebraucht mit nur wenigen Impulsen. Zudem fand er nicht in die Zweikämpfe.
Nkunku: Dass der Franzose mehr kann, haben wir diese Saison schon oft bewundern können. Heute eher unter ferner liefen.
Laimer: Wenn man Laimer einwechselt, dann erwartet man eigentlich unbedingten Kampf und die Sicherung des Ergebnisses. Beides war heute nicht wirklich gegeben. Laimer eher ein Unruheherd für RBL, kam nicht in die Zweikämpfe und mit vielen Fehlpässen.
Kategorie schlecht gealtert
Offensiv ist Frankfurt mit ´nem Plastikmesser zu einem Schwertkampf angetreten. Leipzig hat zwar ein Schwert dabei aber leider stumpf... #SGERBL
— RB-Fans.de (@rb_fans) October 30, 2021
Am Ende war ein leicht geschärftes Plastikmesser so viel wert wie ein stumpfes Schwert.
Tweet des Spiels
Ein Gemälde! Arbeitstitel: #Unvermögen. #SGERBL pic.twitter.com/EiPD5bK45D
— RB-Fans.de (@rb_fans) October 30, 2021
Das Dilemma in einem Bild.
Champagner statt Bier – die Fans
Aufgeheizte Stimmung im Deutsche Bank Park (gut, dass hier noch Flagge gegen den Kommerz gezeigt wird…). Nicht so viele Leipzigfans und auch nicht sonderlich gut zu hören. Die SGE Fans mit der üblichen und dennoch unschönen Angewohnheit, verletzte Spieler auszupfeifen. Niveau ist eben doch keine Handcreme..
Wir ham Spaß im Gästeblock und die Mannschaft liefert.
— Jens Henze (@HenzeJens) October 30, 2021
Halbzeitstand #sgeRBL 0:1 pic.twitter.com/vWCVKMn6RM
Gästeblockparty.
Pfeife des Spiels
Sechstes Spiel unter Schlagers Leitung für RBL, das dritte für die Eintracht. Während Leipzig nie ein Tor kassierte und nur einmal Unentschieden spielte, verlor die Eintracht beide Partien. Besser hätten die Vorzeichen schiedsrichterseitig also nicht sein können.
Nur zwei Gelbe und die für Lamentieren und Zeitspiel der beiden Keeper. Locker saßen die Karten bei Schlager nicht gerade, auch wenn es einige Szenen gab, in denen Konter per taktischem Foul unterbunden wurden. Leipzigs Tor nach einer Fehlentscheidung (Ecke), die schwer zu erkennen war. Bei Frankfurts Ausgleich war der Einsatz gegen Orbán grenzwertig. Insgesamt aber eine unauffällige Partie von Schlager, dessen gegentorlose Serie nun aber gerissen ist.
Frankfurt holt in allerallerletzter Sekunde noch einen Punkt 😌 #SGERBL pic.twitter.com/mFqy60auSE
— WUMMS (@WUMMSSS) October 30, 2021
Frankfurt wankte aber fiel nicht.
Aufgefallen
1) So nah dran am ersten Auswärtssieg der Saison in der Liga und bei der Eintracht überhaupt und dann gibt’s doch wieder den Satz mit X. Irgendwie ist der Wurm drin und die Punkteausbeute aus den Spielen gegen Köln, Frankfurt, Wolfsburg, Mainz und Freiburg für ein (Top-?)Team wie Leipzig einfach zu niedrig. Dabei kann man Marsch für die Ausbeute heute nur wenig Vorwürfe machen. Leipzig das klar bessere Team, der Spielansatz trug – auch wenn ihm etwas die Struktur im Mittelfeld abging – einzig das Runde wollte nicht ins Eckige. Aber für die Chancenverwertung sind nun einmal hauptsächlich die Spieler verantwortlich (diese Schwäche haben wir als einziges solide aus der Ära Nagelsmann herübergerettet – toll...). Abseits davon war die letzte Ecke natürlich sehr blauäugig verteidigt. So kann Leipzig einfach nicht ins Rollen kommen.
2) Nie war es wohl einfacher, die Eintracht zu schlagen. Nur im ersten Jahr war Leipzig noch näher dran. Auch damals kassierte RBL den Ausgleich spät. Frankfurt extrem harm- und einfallslos. Eigentlich ein Unding, als EL-Teilnehmer so eine Spielverweigerung zu betreiben. Aber dies ist vermutlich das Hauptproblem der Bundesliga. Kaum Vereine, die das Spiel wirklich aktiv gestalten wollen und können. Einer der Gründe, warum es international auch meist nicht reicht.

Gvardiol spielt sich fest.
3) Je nach xG Modell hatte Leipzig bis zu 4 xG herausgespielt noch dazu über 2 non Shot xG. Das Ergebnis also letztlich ein schlechter Witz auf Leipziger Kosten, für den man jedoch selbst verantwortlich zeichnete. So viel darf man einfach nicht liegen lassen, den Sack hätte die Marsch-Elf einfach zu machen müssen.
4) Kein Wunder, dass die Eintracht mit diesem Stil in Abstiegsnöte gerät. Nur Bielefeld und Augsburgs haben weniger xG herausgespielt. Auch deswegen wäre ein Sieg mehr als angebracht gewesen. Wenn es jetzt schon nicht mehr gegen die Kellerkinder der Liga reicht, wie will man dann am Ende unter den Top-4 stehen?

Marsch haderte, konnte aber dieses Mal wenig für den Punktverlust.
5) Über weite Strecken war Leipzig das bessere Team. Aber gerade die Anfangsphasen der Halbzeiten waren sehr krampfig und durchwachsen. Viele ungenaue Pässe und Spiel zwischen den Strafräumenm, bei der SGE am liebsten gleich per langem Ball aus der Abwehr heraus. Bei Leipzig oft mit langsamem Aufbauspiel, bis man dann vor einem 9-er Riegel stand. Schön ist anders.
6) Eigentlich hatte RBL das Spiel im Griff, dass man dann am Ende Muffensausen bekommt und erst das 2:0 nicht macht (was erlauben Forsberg?!) und dann einen unnötigen Freistoß wie eine Schülermannschaft verteidigt - erinnerte ein wenig an die letzten 5 Minuten gegen Babelsberg. Die hatten allerdings noch weniger Mittel als Frankfurt. Eine Top-Mannschaft spielt das Ding vernünftiger und souveräner zu Ende als mit dem unkontrollierten Chaos am Ende.
7) Poulsen und Silva – das hat zuletzt nicht besonders gut harmoniert. Dass heute wieder Poulsen startete, war gemessen an den Leistungen der beiden Spieler vermutlich die richtige Wahl. Silva trotz seiner fußballerisch höher einzuschätzenden Fähigkeiten erneut blass. Die Stürmerfrage bleibt ungelöst. So gerne ich Fanliebling Poulsen sehe, ihn als Einzelstürmer aufzubieten kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. So sehr Fuss die RB-Fans als Kommentator nervt, aber der Aussage, dass Silva der SGE mehr fehlt, als er Leipzig aktuell hilft, muss man (leider, leider...) unumschränkt zustimmen.

Wie sich der Punkt anfühlt.
8) Vorne ohne Fortune aber hinten kaum etwas zugelassen. 0,25 xG hatte die SGE bis zu ihrer letzten Chance. Eigentlich eine gute Leistung gegen den gefürchteten Kostic. Defensiv machte Leipzig 93 Minuten vieles richtig,aber dann...
9) Hast du Scheiße am Fuß, helfen auch keine Extraprämien. Viel Wirbel um Zusatzgelder für die Siege in dieser gerade startenden englischen Woche. Der gemeine Fan weiß aber – die Ausschüttungswahrscheinlichkeit ist extrem niedrig.
10) Das Aufstöhnen der Leipziger an den Bildschirmen, wenn Fuss ein RBL-Spiel kommentiert, dürfte sogar noch in Halle zu hören sein. Die befürchtete Ekstase des nicht gerade als RBL-Freund bekannten Kommentators brach sich dann am Ende Bahn. Doofer Kommentator für ein doofes Spielende.
Jesse #Marsch: "Wir sind enttäuscht.
— RB Leipzig (@RBLeipzig) October 30, 2021
Trotzdem sind wir sechs Spiele in Folge in der #Bundesliga ungeschlagen und müssen positiv bleiben.
Es ist wirklich traurig für uns als Gruppe, dass wir aktuell einfach nicht belohnt werden."
"Nicht belohnt" neben "bereit" und "Gruppe" in der engeren Auswahl zum RBL-Wort des Jahres.
Fazit & Ausblick
So nah dran an Platz 4, dem ersten Auswärtssieg in der Liga, dem ersten Sieg bei der Eintracht, dem ersten Mal seit Februar, dass RBL drei Siege in Folge hätte feiern können, dem Beibehalten der Gegentorlosserie unter Schlager und dann die 94. Minute. Ein Unentschieden wie eine Niederlage mit kräftigem Schlag in die Magengrube.
Die guten Ansätze, die vergebenen Chancen... was hätte man sich an diesem Sieg hochziehen können, gerade in Anbetracht der anstehenden Aufgaben gegen Paris und den BVB. Solche Ausrutscher kann sich Leipzig in der aktuellen Situation aber nicht mehr leisten. Irgendwie müssen die Potentiale, die im Kader schlummern, freigesetzt werden und zwar stante pede.
Kicker – Whoscored – Sofacore – Understat – RBL – Bundesliga – FotMob
Statistik
SG Eintracht Frankfurt: Trapp (C) – Tuta, Hinteregger, Ndicka – Touré (59. Hauge), Durm (71. Lammers), Sow, Hrustić (59. Barkok), Kamada, Kostić – Borré (82. Ache)
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Simakan, Orbán, Gvardiol – Mukiele, Kampl (65. Laimer), Haidara, Angeliño – Szoboszlai (82. Forsberg), Nkunku (89. Olmo) – Poulsen (65. Silva)
Schiedsrichter: Daniel Schlager (Rastatt)
Tore: 0:1 Poulsen (35.), 1:1 Tuta (90.+4)
Torschüsse: 11 / 14
Schüsse aufs Tor: 3 / 6
Passquote: 72% / 78%
Zweikampfquote: 45% / 55%
Ballbesitz: 46% / 54%
Laufleistung: 118,1 km / 116,4 km
Sprints: 229 / 206
Fouls: 11 / 9
Ecken: 5 / 5
Abseits: 3 / 2
Gelbe Karten: Trapp / Gulácsi (1)
Zuschauer: 31.000 (ca. 500 RBL Fans)
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion