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Der erste Auswärtssieg entpuppt sich als Ritt auf der Rasierklinge

Der erste Auswärtssieg entpuppt sich als Ritt auf der Rasierklinge

Da ist das Ding! Der erste Leipziger Auswärtssieg in dieser Bundesligasaison bzw. insgesamt seit fast neun Monaten. Ein 2:0, das auf dem Papier besser aussieht als es tatsächlich war. Bedanken darf sich RBL bei der Stuttgarter Chancenverwertung und natürlich Gulácsi.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Schon vor dem Spiel war klar: Heute würde sich erst zeigen, was der Heimsieg gegen Mainz wert war, denn seit April 2021 wartet RBL nun schon auf einen Bundesligaauswärtsdreier. Für diese fast schon Mission Impossible wollte Tedesco auf die Siegerelf aus dem letzten Spiel vertrauen. Mit einer Änderung: Nkunku für Poulsen. Kurz vor Anpfiff wurde dieser Plan aber von Szoboszlais Aufwärmverletzung durchkreuzt und Nkunku rückte für den Ungarn aufs Feld, Poulsen blieb also in der Startelf..

Bei Stuttgart fehlte Flankenmeister Sosa und auch beim Team in schwarz musste kurzfristig verletzungsbedingt umdisponiert werden. Statt Ittrich pfiff Schlager.

 

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Dreisatz des Spiels

Da gewinnst du das erste Auswärtsspiel seit fast neun Monaten und trotzdem kann man eigentlich nicht richtig zufrieden sein. Drei Schüsse aufs VfB-Tor (Handelfmeter, Poulsen, Nkunku Kontertor) und dazwischen eine ganze Menge Leerlauf und viele Probleme im Mittelfeld. Stuttgart über weite Strecken das bessere Team, aber an Gulácsi war heute kein Vorbeikommen.

 

Man of the Match!

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Gulácsi: 10 abgewehrte Torschüsse – laut Sky persönlicher Bundesligarekord für Pete „the Wall“ Gulácsi. Diese Saison oft in der Kritik, heute aber der absolute Matchwinner, trotz Feldüberlegenheit konnte Stuttgart den Ungarn nicht überwinden. Auch bei den Abschlägen mit nicht ganz so großer Streuung wie zuletzt und auf der Linie macht Gulácsi ja sowieso kaum einer was vor.

Simakan: Schwer hinter Pete die anderen Topspieler rauszusuchen. Simakan gefiel mir aus der Dreierkette noch am besten. Vernünftige Zweikampfwerte und bekam auch einiges auf die Socken. Offensiv muss er sich aber weiter hinter Gvardiol einreihen. Defensiv im aktuellen Verbund aber ein echter Stabilisator.

Henrichs: Fleißpünktchen heute für Henrichs und vielleicht eine Position, die er zukünftig mangels wirklich herausragender Alternativen häufiger bekleiden kann. Die Zentrale war mal wieder der Schwachpunkt der Mannschaft (aus diversen Gründen). Mit seiner Einwechslung kam da wieder mehr Struktur rein und der Pass auf Nkunku (vielleicht ein My zu spät) vor dem 2:0 absolut top.

 

Tolles Tor aber trotzdem keine Topleistung von Nkunku.

 

Luft nach oben

Nkunku: Ja, das 2:0 war so ein typisches Nkunku-Tor und ja, es war extrem wichtig, aber abseits dieses Treffers war das heute nicht gerade das beste Spiel des Franzosen. Viele Stockfehler bei der Ballannahme und auch die Passquote für seine Verhältnisse mau. Dazu fehlte ihm durch die kurzfristige Umstellung durch Szoboszlais Ausfall die genaue Positionierung. War dann eher im Sturm und Poulsen tiefer zu finden, das wirkte unglücklich und trug dazu bei, dass es dem Leipziger Spiel über weite Strecken an Struktur mangelte.

Poulsen: Führte zwar die meisten Zweikämpfe aller Feldspieler, gewann jedoch nur weniger als ein Drittel davon. Schlechteste Passquote aller Leipziger und nur ein Schuss aufs Tor (übrigens der einzige Leipziger Schuss aufs Tor, der nicht verwandelt wurde, insofern auch gar nicht so mies…). Scheint nach seiner Verletzung aber noch nicht bei 100%.

Kampl: Stellvertretend für das Zentrum des Spiels. Mit Kampl & Adams werde ich nicht warm. Auch gegen Stuttgart war das über weite Strecken die Achillesferse des Leipziger Spiels. Es gab keine echte Verbindung von Abwehr und Angriff. Unter Druck passieren in dieser wichtigen Schaltstelle zu viele Fehler. Mit Olmo, den man ggf. etwas tiefer einsetzen kann und Henrichs, der eine gute Figur abgab, stehen Alternativen bereit. Die Schwäche im Spielaufbau und den Zweikämpfen im Zentrum bleibt eklatant.

 

Kategorie wird hoffentlich gut altern

Mukiele bald wieder eine Option? SO langsam füllt sich die Bank wieder.

 

 

Kategorie nicht gut gealtert

Wieder kein Tor aus dem Spiel für Stuttgart, es war aber knapp.

 

Tweet des Spiels

Die Leipziger Ein-Mann-Wand.

 

Champagner statt Bier – die Fans

750 Zuschauer in der Stuttgarter Arena. Von ihnen war kaum etwas zu hören, ein ähnliches Szenario steht gegen Wolfsburg und Rostock ins eigene Haus. Die Beschränkung auf 1.000 in einer 40-50.000 Plätze Arena im Vergleich zu 500 in einer 4000 Zuschauer Halle wirkt gelinde gesagt absolut willkürlich und logisch kaum begründbar.

 

Viele Zweikämpfe aber schlechte Quote: Poulsen.

 

Pfeife des Spiels

Patrick Ittrich mit muskulären Problemen. Für ihn musste kurzfristig Schlager einspringen. Statistisch gesehen kein Nachteil, denn unter Ittrich hatte RBL in vier Spielen ganze null – zero, nada – Siege errungen. Unter Schlager hingegen in der Bundesliga nie verloren und nur ein Gegentor kassiert.

Schlager beim Handelfmeter mit der richtigen Entscheidung, da gab es wenig zu rütteln, auch wenn ein paar Stuttgarter da eine hauchdünne Berührung des Schienbeins ohne Richtungsänderung wahrgenommen haben wollen. Im Spiel wurde er mit vielen Fouls im Mittelfeld konfrontiert, hier hätte auf beiden Seiten vielleicht die eine oder andere Gelbe gut getan (bspw. Simakan 66.). Beim möglichen Foul von Orban an Tibidi nicht auf Strafstoß zu entscheiden war vertretbar, hätte man aber auch anders entscheiden können.

 

Olmo is back!

 

Aufgefallen

1)      Gemessen an den bisherigen Leistungen galt heute bei RBL: Wir ziehen sie runter auf unsere Niveau und schlagen sie dann mit Erfahrung! Über 90 Minuten betrachtet war es kein gutes Spiel von Leipzig. Zu wenig Kontrolle im Mittelfeld und daraus resultierend nur wenige Offensivaktionen, die saßen allerdings.

2)      Hauptproblem der Saison bleibt die Schaltzentrale. Laimer ist noch ein paar Wochen raus, Moriba und Haidara noch ein paar Wochen beim Afrika-Cup und ob sie langfristig die richtige Antwort auf die Probleme sind, bleibt auch unklar, zumal für Haidara die Angebote schon unmoralisch hoch sind. Kampl und Adams gewannen 11 von 23 Bodenzweikämpfen in der Luft einen von zwei. Das ist zwar besser als zuletzt aber immer noch nicht genug, für ansprechende Werte. Hier bleibt es dabei: Ein Neuzugang wäre ggf. eine gute Idee oder Henrichs zündet doch noch.

 

Alles noch etwas unrund im Leipziger Spiel.

 

3)      Die Probleme lagen aber nicht nur in den Zweikämpfen. Auch in der Positionierung wirkte das heute unausgegoren. Das mag zum einen an der Umstellung durch Szoboszlais Ausfall liegen, was Nkunku eher als Stürmer denn als OM auftreten ließ. Hier fehlte der Franzose dann oft im Zentrum beim Kampf um den zweiten Ball. Aber auch Kampl und Adams waren nicht gut zueinander positioniert. Obendrauf kam das Stuttgarter Pressing, nicht ganz so intensiv wie das von Mainz aber sehr effektiv im Zentrum. Hier gingen viele zweite Bälle verloren, weil RBL die Pressingresistenz abging.

4)      Nkunkus Fehler bei der Ballbehandlung waren symptomatisch für das Spiel, auch andere ließen die Kugel heute zu oft verspringen. Das führte zu nur sehr wenigen Offensivaktionen. Die Pässe in den Strafraum der Stuttgarter konnte man quasi an einer Hand abzählen. Die mittlere Passposition beim VfB deutlich näher am Leipziger Kasten als umgedreht.

 

Tolles Tor aber abseits davon auch viel Leerlauf bei Nkunku.

 

5)      Nun darf man nicht erwarten, dass sich die Probleme der Hinrunde plötzlich in Wohlgefallen auflösen. Es bleibt einfach noch viel zu tun, da kommt die halbe Länderspielpause am Ende des Monats gerade recht. Spielerisch und in Sachen Dominanz hat das Team jedenfalls mehr auf dem Kasten, da ist Tedesco gefordert RBL wieder in die Sphären zu führen, die die Mannschaft theoretisch zu leisten im Stande ist. Aber momentan zählen eigentlich nur Punkte und die hat man heute geholt. Mittelfristig muss man aber auch andere Entwicklungen im Blick behalten.

6)      Schon wieder ein früher Elfer, auch der absolut berechtigt. Wenn die Gegner sich jetzt darauf einigen Leipzig quasi mit einem Tor mehr starten zu lassen, möchte man sich am Cottaweg sicher nicht dagegen sträuben. Also liebe Schiedsrichter: Ein Elfer für RBL ist ab jetzt Leipziger Recht! Wisst ihr Bescheid.

 

Stuttgart hatte Leipzig am Wickel.

 

7)      Besorgniserregend ein Blick auf die Statistiken. Zwar war Leipzig läuferisch auf Augenhöhe, aber 8:3 Schüsse aufs Tor, 60% Zweikampfquote, 51% Ballbesitz und 5/1 Ecken für Stuttgart, den Tabellen-15. der Liga. Das zeigt schon ein gewisses Problem. Eine derartige spielerische Unterlegenheit kann eigentlich nicht den Leipziger Ansprüchen entsprechen.

8)      Ziemlich beste Freunde: So ein Leipziger Spiel taugt eigentlich immer auch zu mehr. So konnte man heute seine Griechischkenntnisse aufpolieren. Als Gvardiol im ersten Durchgang Mavropanos sehr unsanft vom Spielgerät trennte, schleuderte der seinem Gegenspieler eine halbe Minute sehr deutlich „Malaka“ (Wichser) entgegen. Gvardiol war das sichtlich egal, mit dem Kroaten ist nicht gut Kirschen essen.

 

An Gvardiol prallt alles ab....

 

Fazit & Ausblick

Nur noch drei Punkte auf Platz 3&4. Der erste Auswärtssieg in dieser Bundesligasaison und als nächstes geht es gegen die abstiegsbedrohten Rostocker und die seit zehn Spielen sieglosen Wolfsburger. Jetzt diesen Schwung mitnehmen und in der halben Länderspielpause (die UEFA spielt nicht) taktisch durchpowern, dann kann man der Rückrunde vielleicht doch wieder mit mehr Hoffnung entgegenblicken.

Trotzdem bleibt noch extrem viel zu tun. Der Sieg nicht gänzlich unverdient aber auch etwas glücklich und ohne Gulácsi in Topform hätte RBL ihn wohl auch nicht über die Bühne bringen können. Gegen Stuttgart nach dem 1:0 so dermaßen passiv zu agieren, hätte auch bestraft werden können. Aus dem Spiel heraus war beim VfB jedenfalls mehr los.

Jetzt also der Pokal mit 1.000 Zuschauern (Losverfahren und VIP) in der RBA. Rostock gewann zuletzt Anfang November. Das ist also eine lösbare Aufgabe. Das Ziel vor dem Bayernspiel nochmal zwei Heimsiege einzusacken ist machbar!

 

Tedesco am Ende gut gelaunt.

 

Kicker –  Whoscored –  Sofacore –  Understat –  RBL –  Bundesliga –  FotMob


Statistik
VfB Stuttgart: Müller – Mavropanos (81. Ahamada), Anton, Ito – Endo (C), Nartey – Coulibaly (76. Klimowicz), Mangala – Tibidi (76. Massimo), Führich (82. Egloff) – Kalajdžić
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Klostermann, Simakan, Orbán, Gvardiol, Angeliño – Adams, Kampl (88. Olmo) – Nkunku (77. Novoa) – Poulsen (65. Henrichs), Silva
Schiedsrichter: Daniel Schlager (Rastatt)
Tore: 0:1 Silva (11.) HE, 0:2 Nkunku (70.)
Torschüsse: 16 / 7
Schüsse aufs Tor: 8 / 3
expected Goals: 1,2 / 1,6
Passquote: 82% / 82%
Zweikampfquote: 60% / 40%
Ballbesitz: 51% / 49%
Laufleistung: 113 km / 113,6 km
Sprints: 217 / 209
Fouls: 11 / 11
Ecken: 5 / 1
Abseits: 2 / 1
Gelbe Karten: Coulibaly, Tibidi, Kalajdžić / Poulsen (2)
Zuschauer: 750

Rumpelstilzchen