Die Leipziger Schnigge versenkt Hansekogge
Inhalt
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Zwei Spiele, zwei Siege im neuen Jahr. Ergebnistechnisch stimmt es nach der kurzen Weihnachtspause bei RBL. Die Abzüge in der B-Note waren trotzdem klar zu erkennen, aber mit einem Kader, der in der Startelf aktuell quasi keine Wechselmöglichkeiten zulässt, darf man eben auch keine großen Sprünge erwarten.
Kaum verwunderlich also, dass Tedesco gerade mal auf einer Position wechselte (Henrichs für Silva) während der Leipziger Ex-U19-Aufstiegstrainer Härtel gleich sechsfach rotierte. Seinen Topstürmer Verhoek ließ er gleich ganz in Rostock, denn der Abstiegskampf geht momentan bei Hansa vor.
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Dreisatz des Spiels
Stabilisierung auf überschaubarem Niveau – zum ersten Mal seit über 10 Monaten gelingt RBL ein Pflichtsieghattrick. Hansa legte den Fokus schon vor dem Spiel auf die Liga und Härtel verzichtete auf einige Spieler und Leipzig dominierte über weite Strecken wenig angriffslustig das Spiel. Wie gegen Stuttgart sorgten eine frühe Führung und ein später Konter für den 2:0 Sieg – geht es nun Richtung Berlin?

Zurecht gestern der Spieler des Spiels: Kampl.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Olmo: Kam, sah und traf. Das lässt für die nächsten Wochen hoffe. Quasi die gesamte Hinrunde wurde auf dem Altar von Olympia und EM geopfert, jetzt darf der Spanier gerne auch mal in Leipzig zeigen, warum er bei europäischen Topklubs auf dem Radar ist.
Kampl: An der Einleitung beider Tore beteiligt, zudem zur Stelle als Rostock die größte Chance des Spiels hatte. Spielte die meisten Pässe auf dem Platz (ungefähr halb so viele wie alle Rostocker zusammen). Sicherlich bleibt offensiv immer noch einiges Stückwerk, trotzdem wichtig für die Balance im Leipziger Spiel.
Adams: Auch wenn ich persönlich nicht so richtig warm mit Tyler werde, so war es gegen Hansa ein Schritt in die richtige Richtung. Er führte die meisten Zweikämpfe (mit guter Quote) und hatte die meisten erfolgreichen Dribblings. In der Defensive muss er die kleinen Unachtsamkeiten abstellen, die sein Spiel diese Saison kennzeichnen und die gegen bessere Gegner härter bestraft werden (und auch wurden). Vielleicht kitzelt Laimer, der sich bei seiner Rückkehr solide präsentierte, ja die nötigen Prozente aus ihm raus.

Olmo für Leipzig auf dem Platz? Gleich mal Beweisfoto sichern...
Luft nach oben
Angeliño: Du weißt, wenn du als AV Luft nach oben hast, wenn du nicht mehr Flanken an den Mann bringst als Klostermann, der genau eine ins Ziel brachte, die aber immerhin zum 1:0. Der kleine Engel also nicht wirklich im Spiel. Spitzenleistungen von Angel sind in den letzten Monaten seltener geworden, auch er muss ich in der Rückrunde steigern.
Nkunku: Ja, schon wieder, ja, er war in einer mauen Offensive immer noch einer der Besten aber mit großer Macht geht auch große Verantwortung einher – nicht nur bei Spiderman. Wenn ihm der Ball versprang oder der Pass misslang, was wie gegen Stuttgart häufiger als normal passierte, blieb er gerne stehen und beklagte sein Unglück.
Wird hoffentlich weiter so bleiben
Alles läuft wie erwartet: Leipzig führt und Gladbach liegt zurück. #DFBPokal #H96BMG #RBLFCH
— WUMMS (@WUMMSSS) January 19, 2022
Besser als beide Borussias!
Tweet des Spiels
#RBL: Spielerisch erneut auf dünnem Eis, insbesondere zwischen der 50. & 80. – aber ergebnistechnisch tadellos. #RBLeipzig ist aufgrund des abstrusen Teilnehmerfelds Top-Favorit auf den Titel. Den MUSST du in diesem Jahr mit diesem Kader schlichtweg holen. @DFB_Pokal #RBLFCH
— Philipp Hinze (@philipphinze24) January 19, 2022
Viel einfacher wird der Pokal auch in den kommenden Jahr(zehnten) nicht zu holen sein.
Champagner oder Bier – die Fans
500 glückliche Normalos und 500 VIPs im Stadion. Das sorgte zeitweise für etwas Stimmung, aber echtes Stadionfeeling sieht anders aus. Omikron-Wellenwand hin oder her, aber die Zahlen sind für diese Stadiongröße eigentlich nicht logisch zu rechtfertigen.
Pfeife des Spiels
Das zehnte Spiel für Hansa unter Jablonski ohne Sieg und das 13. für RBL ohne Niederlage. Man könnte meinen, dass sich der Sieg hier auch schon bei der Schiedsrichterauswahl abgezeichnet hat. Strittige Szenen gab es kaum und auch die Kogge wurde nur selten übergriffig. Ein leicht zu leitendes Spiel für den Mann aus Bremen.
Aufgefallen
1) 4:0 Torschüsse zur Halbzeit und 1:0 aufs Tor. Leipzig überlegen, aber ein Offensivfeuerwerk sieht anders aus. Nachdem so viele Favoriten die Segel gestrichen haben, natürlich auch ein wenig Jammern auf hohem Niveau, dennoch passte die nur selten zwingende Offensive gut zu den bisherigen Spielen nach dem Jahreswechsel.
2) Im Prinzip ein ähnliches Bild wie gegen Stuttgart, nur dass Hansas Offensivpotenzial deutlich geringer war. Die Tedesco-Elf bestimmte das Spiel, kam aber nicht gerade häufig gefährlich vor den Rostocker Kasten. Fruchtloser Ballbesitz vor dem Strafraum prägte das Spiel, was oft eher langweilig vor sich hinplätscherte. Am Ende sorgte einer der wenigen möglichen bzw. gut ausgespielten Konter für die Entscheidung.
Wie sich das Leipziger Spiel anfühlt. #RBLFCH pic.twitter.com/pUPbxFQuv7
— Rumpelstilzchen (@Rumpelino) January 19, 2022
Rasant war es nicht....
3) Zwar ließ RBL wenig zu, aber auch Hansa hatte ein paar Möglichkeiten, die meist durch Unachtsamkeiten (schlechte Abschläge von Gulácsi, Fehler Adams) entstanden. Selbst gegen Stuttgart konnte man sehen, dass dieser Ansatz eher zu Zitterpartien führt, da ist trotz der wenigen Gegentore noch ordentlich Verbesserungspotenzial.
4) 24 Stationen vor dem 1:0. Auf der einen Seite könnte man sagen, man hat sich Hansa zurechtgelegt, auf der anderen war es eher eine singuläre Erscheinung im Spiel. Die Gründe dafür recht simpel: zu wenig Präzision in der Ballverarbeitung besonders unter Druck und eine auch daraus resultierende zu geringe Ballzirkulation. Selbst das Tor passte da ins Bild, weil in Strafraumnähe kaum mehr One-Touch gespielt wurde, sondern der Ball erstmal angenommen werden musste. Die hohe Passquote auf dem Papier sie war eher das Resultat der vielen Quer- und Rückpässe. Noch ist Leipzig weit von der Dominanz der besten Zeiten unter Nagelsmann entfernt.
Man wollte Tedesco, man bekommt Tedesco. 🤷😉#rblfch
— Ron Chitis (@Ron_Chitis) January 19, 2022
Wohin der Weg geht, ist umstritten.
5) Wenn RBL im DFB Pokal Viertelfinale stand, dann kam man auch immer ins Finale. Klappt das auch im dritten Anlauf und kann man dann endlich in Berlin den Titel holen? Nachdem quasi alle Topteams die Segel gestrichen haben und alle nachwendischen Pokalsieger raus sind, waren die Chancen nie besser als diese Saison. Der erste nationale Titel – nie war er greifbarer.
6) Man glaubt es kaum, aber mit dem Sieg gegen Hansa hat RBL zum ersten Mal seit Anfang März letzten Jahres drei Pflichtspiele in Folge gewonnen. Natürlich nicht gerade die titanischsten aller Gegner, aber ein Anfang ist es schon. Es sind diese kleinen Dinge, die das Futter für Optimisten sind.

Tedesco gelingt der dritte Sieg in Folge.
7) Nur noch drei Erstligisten sind neben RBL im Pokal vertreten. RBL bewegt sich derzeit auf einem ähnlichen Niveau wie Freiburg und Union, hat aber sicherlich etwas mehr Luft nach oben, die sich trotz der letzten Siege aber noch nicht Bahn gebrochen hat. Bochum konnte man letzte Saison schlagen. Dazu gibt es eine kurze Pokalhistorie mit dem HSV. Wie man es auch dreht und wendet: RBL hat es selbst in der Hand, kann man das Potenzial abrufen, dann ist der Titel machbar.

Klostermann mit der Vorlage zum 1:0.
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin? So richtig mit Inbrunst intonieren möchte man diesen Pokalhit noch nicht. Der Leipziger Weg ins Viertelfinale war mit Sandhausen, Babelsberg und Hansa nicht gerade mit Hochkarätern gepflastert. Trotzdem kann ich mir durchaus vorstellen, dass die beiden Finalniederlagen auf dem Weg nach Berlin die nötigen Prozente aus dem Team kitzeln, erst recht, da Bayern und der BVB sich nun schon selbst von der Last der Dreifachbelastung befreit haben.
Man kann nicht gerade behaupten, dass der Sieg gegen Rostock sehr beschwerlich war, ökonomisch trifft es wohl am besten. Insofern gute Vorzeichen für das Spiel gegen die Wölfe? Immerhin sind Olmo und Laimer zurück, so langsam hat Tedesco wieder so etwas wie eine Wahl bei der Aufstellung.

Geht es jetzt wieder aufwärts?
Kicker – Sofacore – RBL – DFB – FotMob
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Simakan (81. Olmo), Orbán, Gvardiol – Klostermann, Adams, Angeliño – Kampl (85. Bonnah), Henrichs (74. Laimer) – Nkunku (85. Novoa), Poulsen (46. Silva)
FC Hansa Rostock: Kolke (C) – Riedel, Meißner, Roßbach (46. Malone), Meier – Rother (83. Schumacher), Rhein (46. Bahn), Rizzuto (46. Neidhart), Ingelsson, Mamba (69. Fröling) – Munsy
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Tore: 1:0 Poulsen (6.), 2:0 Olmo (82.)
Torschüsse: 13 / 4
Schüsse aufs Tor: 6 / 1
Passquote: 91% / 73%
Zweikampfquote: 58% / 42%
Ballbesitz: 74% / 26%
Fouls: 3 / 9
Ecken: 4 / 4
Abseits: 1 / 4
Gelbe Karten: – / Mamba, Bahn
Zuschauer:1.000
Rumpelstilzchen