Dreckig, geil und effizient – 7. Sieg gegen Bochum!
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Das werden ungemütliche Wochen. Die Spielansetzung gegen Spartak Moskau sorgt für reichlich Wirbel im Blätterwald. Vornehmlich nehmen natürlich die RBL zur Zielscheibe, die sowieso schlecht auf den Klub zu sprechen sind. Da ist eben jeder Vorwand recht. Es bleibt abzuwarten, was die UEFA macht. Sicher dürfte sein, verzichtet RBL, käme aktuell Spartak weiter, dass kann sicherlich nicht im Sinne des Erfinders sein.
Vor dem Bochumspiel mal was Kurioses. Der Leipziger Mannschaftsbus donnerte 45km von der Arena entfernt gegen einen Poller. Die Spieler mussten deshalb, in Anlehnung an den ersten Tatort, per "Taxi nach Bochum". Und spannend sollte es auch werden – Tedesco mit ähnlich vielen Wechseln wie gegen die Hertha. Sieben im Vergleich zum Spiel in San Sebastian aber nur drei im Vergleich zum Kick in Berlin. Angeliño ersetzte Henrichs, Klostermann begann für Gvardiol und im Zentrum brachte der Coach gleich die Doppelsechs (wir erinnern uns, eines der Probleme der ersten Halbzeit in Berlin) und so rotierte Adams für Nkunku in Spiel, der endlich einmal seine verdiente Pause erhielt. Mit Laimer, Nkunku, Olmo, Silva und Henrichs wartete auf der Reservebank jedenfalls ein Maximum an Potenzial.
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Dreisatz des Spiels
In den englischen Wochen muss man auch mal dreckig gewinnen – gerade tief im Westen, wo alles staubig ist (bis auf die blendend tiefstehende Sonne – immer diese leeren Liedgutversprechen, "Danke" Herbert). Für Bochum ging die Sonne heute unter, für Leipzig ging sie auf – als die Einwechselspieler stachen und Nkunku das goldene Tor erzielte. Der VfL hatte besonders im zweiten Durchgang Pech und traf Latte und Pfosten, am Ende ein Sieg, der, gemessen an Bochums Heimbilanz, extrem wertvoll ist.

Schweigeminute vor dem Spiel.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Simakan: Von den Abwehrspielern der beste, wobei Orbán und Klostermann auch gut waren. Super Zweikampfwerte (10 von 12 gewonnen) und, besonders wichtig, ganz überlegt das Siegtor vorbereitet, weil er mit dem Ball die nötigen Schritte machte und den Pass zielsicher Richtung Mittelfeld brachte.
Haidara: Kein einfaches Spiel für den Malier, weil die Unterstützung durch Adams und Szoboszlai weitestgehend fehlte. Deutlich verbessertes Passspiel (86%), sehr viele Tacklings, meiste Zweikämpfe, verhältnismäßig wenige Ballverluste (9). Er hielt den Laden einigermaßen zusammen.
Henrichs: Tolle Vorlage zum entscheidenden 1:0. Viel Impakt bei seinen 20 Einsatzminuten. Die Entwicklung von Henrichs in dieser Rückrunde ist wirklich erstaunlich.

Matchwinner unter sich.
Luft nach oben
Szoboszlai: Ein super Kicker mit tollen Anlagen aber zu vielen schlechten Entscheidungen. Bei seiner Halbchance in Halbzeit 1 hatte er noch Pech, aber nur drei von 14 Zweikämpfen gewonnen und eine unterirdische Passquote von 53% – weniger als Poulsen und das muss man ja erstmal hinbekommen.
Adams: Eigentlich richtig, Haidara einen Partner an die Seite zu geben, Adams aber leider wieder mit einem seiner typischen Auftritte in dieser Saison. Passschwach (74%), zweikampfschwach (0%!). Einer der Gründe, warum es Leipzig schwer fiel, Ballbesitz und Ruhe im Zentrum aufzubauen.
Poulsen: Bekam viel auf die Socken, aber quasi nichts gepfiffen (13 Zweikämpfe). Bei vielen ist er leider schon als zu schnell fallender Spieler gebrandmarkt. Insgesamt sicherlich nicht schön, gegen die harte Bochumer Abwehr als alleiniger Zielspieler ranzumüssen, hätte er trotzdem in einigen Situationen besser lösen können.
Kategorie bwin will nur dein Bestes ... dein Geld
Der #VfL Bochum und Niederlagen? Das passt derzeit irgendwie so gar nicht ❌ Seit 5 Pflichtspielen sind die Blau-Weißen ungeschlagen. 1/X gegen #RBLeipzig = Quote 2.20 👉 https://t.co/WsajsVfZyo
— bwin Sportwetten (@bwin_de) February 27, 2022
Wahre Expertise.
Kategorie schlecht gealtert
TedescoRBL: "Wo sind die Leute jetzt, die einen hier beleidigt und als Troll bezeichnet haben, weil man gegen San Sebastian nicht die volle Elf spielen lassen wollte? Jetzt hat man da zweimal die volle Kapelle ihr Pulver verschießen lassen und muss in so einem wichtigen Spiel mit einer derart katastrophalen Mannschaft ran. Komplettes deja-vu von 2018. Dann genießt ihr mal eure 4 Spiele Europa League, die es wohl noch geben wird - ich hätte Champions League 22/23 vorgezogen."
Glaskugel kaputt...
Tweet des Spiels
Sieben Mal berührt, sieben Mal geführt, sieben und eine Nacht und Leipzig hat wieder BUMM gemacht. Aber wenn der Gegner so geil ist, macht es eben auch mehr Spaß... Wir freuen uns aufs nächste Mal. 🧡 #BOCRBL https://t.co/xB6t1OEorN
— RB-Fans.de (@rb_fans) February 27, 2022
Geil auf Gegentore.
Champagner statt Bier – die Fans
10.000 Fans an der Castroper Straße, die waren ordentlich "geladen" und rechneten sich nach Siegen gegen Bayern, Freiburg und Hoffenheim bzw. dem Punktgewinn gegen Dortmund zu Recht Chancen auf Punkte aus. Im Spiel wurde schnell Poulsen zur Zielscheibe der gegnerischen Fans, die seine Fallsucht bemängelten. Auch wenn Brych wirklich fast nichts für den Dänen pfiff, so wurde er doch oft auch hart angegangen. Insofern war das etwas überflüssig und wurde am Ende ja auch vom Karma bestraft.
RB Leipzig befindet sich derzeit in intensiven Gesprächen mit der UEFA zur weiteren Vorgehensweise anlässlich der Achtelfinalspiele in der Europa League gegen Spartak Moskau und geht von einer zeitnahen Entscheidung des Verbands aus. pic.twitter.com/pHGbRaTa5d
— RB Leipzig (@RBLeipzig) February 27, 2022
Schwierige Entscheidungen müssen gefällt werden.
Pfeife des Spiels
Brych leitet das Spiel. Beiderseits sein 18. Einsatz, beide Teams mit 7 Siegen, Bochum allerdings mit mehr Niederlagen. In Leipzig hat man besonders wegen der Pokalspiele keine gute Erinnerung an den Münchner.
Im Spiel ließ Brych viel Laufen, was die Bochumer Fans gegen Poulsen und die Leipziger Spieler gegen Brych aufbrachte. Natürlich waren das kaum böse Fouls, dennoch gab es bei 24 Foulspielen nur eine Gelbe (sowie eine wegen Meckerns für Simakan). Im zweiten Durchgang häuften sich dann die merkwürdigen Entscheidungen, Fouls, die gegen Poulsen nicht gepfiffen wurden, wurden nun für Bochum gegeben. Pete wurde im Fünfer weggecheckt und das Spiel lief weiter. Ein guter Konter wurde ohne Not weggepfiffen. Alles am Ende nicht spielentscheidend, aber nervig und wenig konsistent.

Yussuf lag viel auf dem Boden.
Aufgefallen
1) Zum 15. Mal ging Bochum ohne Gegentor in die Pause, Leipzig zum 17. Mal. Die Topwerte der Liga. Auch in Sachen Chancenarmut jagte Leipzig seinen eigenen Rekord aus dem Kölnspiel, da waren es zwei Torschüsse, heute drei. Auch dies ein Liga-Saisonrekord. Mit jeweils ca. 0,07 xG waren die Abschlüsse auch nicht gerade torverdächtig. Kurzum, eine zerfahrene und umkämpfte erste Hälfte ohne offensive Höhepunkte, wobei Leipzig die physisch starken Ruhrpottler offensiv durchaus im Griff hatte.
2) Viel offener dann der Schlagabtausch im zweiten Durchgang. Tedesco wechselte den Sieg ein, aber offensiv waren die Gastgeber gefährlicher. RBL in den letzten 30 Minuten als Hans im Glück verkleidet (Brych hatte ja schon das "Clownskostüm"). Zwar verpassten Forsberg und Silva nur knapp bei ihren Abschlüssen, aber das Tor blieb der einzige Schuss auf den Kasten von Riemann – maximale Effizienz. Ein Wort das man in den letzten Jahren eigentlich nie mit der Leipziger Offensive in Verbindung gebracht hätte. Chapeau Herr Tedesco!

Sichtverhältnisse im zweiten Durchgang nicht gut.
3) Der Mann mit dem güldenen Händchen. Tedesco mit den eingewechselten Torbeteiligungen 12 und 13, das ist, gemessen an der Spielanzahl, ein Topwert in der Liga und zusammen mit Marschs neun Jokerscorern ist Leipzig führend, was Torbeteiligungen nach Einwechslungen anbelangt. Hier zeigt sich natürlich auch die Breite des Kaders. Abseits der Bayern (und deren Bank ist aktuell auch nicht mehr so gut besetzt) wird kein Team in der Liga mal eben Qualität a la Silva, Nkunku, Olmo und Henrichs einwechseln können.
4) Tedesco hatte aus dem Fehler in Berlin gelernt und Haidara mit Adams einen weiteren defensiven Mittelfeldspieler zur Seite gestellt. Aber Tyler blieb erneut schwach (kein gewonnener Zweikampf, niedrige Passquote), dazu auch mangelnde Unterstützung bzw. Entlastung durch die Offensive, so dass Leipzig keine wirkliche Spielkontrolle hatte (mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr xG, mehr non shot xG Bochum und sogar die bessere Passquote). Die zweite Garde ist zwar nicht so weit weg, aber die Unterschiede sind teilweise schon recht deutlich. Dass diese Rotation dennoch mit einem Sieg endete, ist fast schon die beste Nachricht des Tages.

Gut aber nicht gut unterstützt: Haidara.
5) Spielerisch also Schonkost und man darf sich von den Erfolgen der letzten Spiele nicht zu sehr blenden lassen. Spielerisch bzw. offensiv war das heute schwach, wie auch schon gegen Köln und in der ersten Halbzeit gegen Berlin. In diesen 2,5 Spielen hatte Leipzig ganze zwei(!) Großchancen. So viel Glück mit Elfern,Fernschüssen oder heute mit den Einwechslungen wird Leipzig nicht immer haben. Hier ist also noch einiges an Arbeit zu tun bzw. müssen die Spieler der B-Elf den Anschluss an die A-Elf schnellstmöglich finden (Szobo wink einmal…).
6) Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt. Aber seit der Kohleabbau eingestampft wurde, blendet sie doch etwas mehr. Insbesondere Leipzig in der zweiten Hälfte. Die hohen Bälle des VfL da zu verteidigen, war keine einfache Angelegenheit. Dies auch ein Grund für die wackligere Defensivleistung im zweiten Durchgang (Lattentreffer, Pfostentreffer und fast 1 xG zugelassen).

Wohl dem, der so wechseln kann.
7) Zum ersten Mal seit Anfang März 2021 kann RBL drei Auswärtsspiele in Folge für sich entscheiden. Nachdem Leipzig in der Liga 2021 seit März gar nicht mehr gewinnen konnte und erst im neuen Jahr unter Tedesco wieder erfolgreich war, wäre das Wort Trendwende zu wenig, es ist eine Zeitenwende. Schön auch: erstmals seit fünf Spielen gab es kein Gegentor. Tedescos Bilanz ist bockstark.
8) Sieben Spiele gegen Bochum, sieben Siege und nur zwei Gegentore. Da darf der VfL doch gerne die Klasse halten, damit wir weiter diese sehenswerte Bilanz ausbauen können.
9)
Nun also im Pokal nach Hannover, die sind im neuen Jahr auch sehr gut unterwegs. Nur Bremen sammelte in den letzten neun Spielen mehr Punkte als Hannover und besonders die letzten zwei Siege gegen St. Pauli und Kiel sehr ordentlich anzusehen.
Da schon einige Erstligisten über Teams aus dem Unterhaus gestolpert sind, sollte RBL wachsam sein und trotz des anstehenden direkten Duells gegen Freiburg (die müssen übrigens gegen Bochum ran) auf die Topelf setzen. Würde Leipzig siegen, so bliebe es bei der weißen Weste gegen Hannover (bisher vier Spiele – vier Siege) und Hannover könnte damit in den erlauchten Kreis der Mannschaften aufsteigen, gegen die RBL bei 5 oder mehr Spielen eine 100% Siegquote hat. Bisherige Mitglieder dieses exklusiven Zirkels: Bochum und natürlich Auerbach.
#RBL: Das, was Marsch nicht packte & ihm später zum Verhängnis wurde, gelingt #Tedesco erneut. RB gewinnt unter ihm die Spiele auch mal dreckig. Dennoch: Kaum Dominanz, wilde Phasen & zu wenig Torgefahr über 90 Minuten. Reisestrapazen & Rotation mögen eine Rolle spielen. #BOCRBL
— Philipp Hinze (@philipphinze24) February 27, 2022
Spielerisch nicht das Gelbe vom Ei.
Sicherlich nicht gerade das beste Spiel der Saison oder unter Tedesco, aber als einziges Team mit Dreifachbelastung kann man auch nicht jede Woche zwei Topleistungen erwarten. Wenn man dann noch die tolle Heimbilanz des VfL dazu addiert, so muss man mit diesem etwas glücklichen Sieg zufrieden sein. Hauptsache die maue Chancengenerierung wird nicht zum Standard (siehe weite Strecken der letzten Spiele, vgl oben), in Sachen Effizienz war es dagegen fast schon meisterlich.
Abseits der Liga viel Gesprächsstoff bezüglich des Spiels gegen Spartak Moskau. Bei RBL wartet man nun, dass die UEFA sich bewegt, selbst nicht anzutreten und dadurch auszuscheiden, ist keine Option. Dann doch lieber, im wahrsten Sinne des Wortes, Flagge zeigen in den Stadtfarben.
Vor der Europa League jetzt aber erstmal Hannover und Freiburg. Harte Brocken. Hannover ist in Liga 2 nach Bremen das Team der Stunde und Freiburg keine Laufkundschaft. Zwei Siege hier und Leipzig käme den Saisonzielen (CL Quali und Pokalgewinn) einen gehörigen Schritt näher.
Die Pressekonferenz zum Krimi in Bochum.
Kicker – Whoscored – Sofacore – Understat – RBL – Bundesliga – FotMob
Statistik
VfL Bochum: Riemann – Gamboa, Bella Kotchap, Leitsch, Danilo Soares – Losilla (C), Pantovic (72. Antwi-Adjei), Löwen (86. Blum), Rexhbecaj, Asano (71. Holtmann) – Polter (72. Locadia)
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Mukiele (72. Henrichs), Simakan, Orbán, Klostermann, Angeliño – Haidara, Adams (59. Olmo) – Forsberg (81. Laimer), Szoboszlai (59. Nkunku) – Poulsen (59. Silva)
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Tore: 0:1 Nkunku (82.)
Torschüsse: 14 / 6
Schüsse aufs Tor: 1 / 1
expected Goals: 1,0 / 0,6
Passquote: 75% / 73%
Zweikampfquote: 47% / 53%
Ballbesitz: 51% / 49%
Laufleistung: 111,3 km / 113,5 km
Sprints: 234 / 226
Fouls: 15 / 9
Ecken: 5 / 0
Abseits: 4 / 1
Gelbe Karten: Gamboa / Simakan (4)
Zuschauer: 10.000 (300 Leipziger)
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion