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Emil Forsberg – Der wahre King of the North

Emil Forsberg – Der wahre King of the North

Ein Nordmann im Herzen Leipzigs. Wir zeigen auf, was einen jungen Schweden in die Messestadt verschlug, welche Höhen und Tiefen er bereits bei RB Leipzig durchlebte und warum Emil Forsberg zu den wichtigsten Spieler der Mannschaft gehört.

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Es war ein recht kurzes Telefonat mit Ralf Rangnick, das den damals 23-jährigen Emil Forsberg überzeugte, in die Messestadt zu wechseln. Ein ungewöhnlicher Wechsel, der aber wie kein zweiter für die Arbeit steht, die RB Leipzig (im Besonderen unter Ralf Rangnick) in den kurzen Jahren der Vereinsgeschichte getätigt hat. Heute spielt Forsberg Champions League, stand zweimal im DFB-Pokal Finale und ist 67-maliger A-Nationalspieler für sein Heimatland Schweden. Ein guter Zeitpunkt auf seinen Werdegang zurückzublicken und darin die Antwort zu suchen, was ihn für RB Leipzig so wichtig macht.

 

Vereinslegenden unter sich.

 

Ein kleiner Schwede in großen Fußstapfen

Der Idrottsparken (heute NP3 Arena) in Sundsvall ist eines dieser Stadien, das auch in einem verschlafenen Vorort Londons stehen könnte. Flache Tribünen, die erst kurz vor dem Spielfeldrand enden, große Flutlichtmasten, die sich wie zweite, gigantische Eckfahnen gen Himmel strecken und Mehrfamilienhäuser im Hintergrund, die über das Stadiondach wie ein heimlicher Beobachter hinüberschauen. Die Spieler auf dem Platz in ihren mal blauen, mal gelben Trikots sind der ganze Stolz der 57.000 Einwohnerstadt. Doch das Besondere ist nicht der Verein oder das urige Stadion, sondern das Trikot, dass in Übergröße und für alle präsent neben der VIP-Loge hängt. Weiße Schrift auf blauem Hintergrund: Forsberg – 10.

Emil Forsberg wuchs als Kind einer klassischen Fußballerfamilie auf. Sein Großvater Lennart Forsberg spielte schon als linker Flügel beim damals schwedischen Erstligisten Djurgarden und sein Vater ist der metaphorische Träger des beschriebenen Trikots und eine wahre Vereinslegende des GIF Sundsvall. So sprach alles dafür, dass sich auch der Sohnemann die Fußballschuhe anziehen würde. Der Name Forsberg war ein Segen und eine Bürde zugleich, welche nur von starken Schultern getragen werden können.

 

Legendärer Schwede ... und Zlatan.

 

Vom schwedischen Meister in die zweite Bundesliga

Was den Wechsel Forsbergs zu RB so besonders machte, waren die Umstände, unter welchen dieser passierte. Forsberg hatte sich in den Jahren 2012/13 als Stammspieler beim schwedischen Meister Malmö FF etabliert und war dadurch das erste Mal zur schwedischen A-Nationalmannschaft berufen worden. Doch für viele unerwartet lehnte er einige vorliegende Angebote namhafter Erstligisten ab und entschied sich schlussendlich für den damals sechsten der zweiten Bundesliga, RB Leipzig. Grund dafür war ein kurzes Telefonat, indem Sportdirektor Ralf Rangnick dem jungen Schweden seine Vision vorstellte. „Emil, wir wollen Bundesliga spielen, wir wollen Champions League spielen!“ Ein Mancher hätte vielleicht gelacht und dem verwirrten Mann eine gute Besserung gewünscht, aber nicht Emil Forsberg. Er verstand, manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um Anlauf zu nehmen.

Forsberg wechselte in das deutsche Unterhaus, was besonders bei der direkten Konkurrenz für Unmut sorgte. Solche Transfers werden im Nachhinein immer wieder als Beispiel genommen, wie RB Leipzig den schnellen Aufstieg schaffen konnte. Mit den finanziellen Mitteln und den Namen Red Bull und Rangnick konnte kein anderer Zweitligist mithalten. Doch trotz aller (teilweise berechtigter) Kritik muss man anerkennen, was eine strategische Meisterleistung es seitens RB war, solch junge talentierte Spieler nach Leipzig zu locken und diese zu Champions League Spielern auszubilden. Sei es ein Emil Forsberg, ein Yussuf Poulsen oder auch ein Lukas Klostermann.

Diese Transferstrategie hat sich auch Jahre nach dem Aufstieg in die Bundesliga, dem zweimaligen Erreichen des DFB-Pokalfinales und dem Erreichen des Halbfinals der Champions League nicht großartig geändert, lediglich die Größenordnungen sind andere geworden. So holt man weiterhin Rohdiamanten nach Leipzig, um diese in der Schmiede am Cottaweg zu schleifen. Spieler wie Dani Olmo, Christopher Nkunku oder Josko Gvardiol sind passende Beispiele für den Erfolg dieser Transfer- und Vereinsstrategie.

 

Macht auch nach sieben Jahren eine gute Figur.

 

Der schnelle Aufstieg und frühe Höhenflug des Emil F.

Der spätere Motor im Leipziger Offensivspiel brauchte eine halbe Saison, um warmzulaufen. Nach der Trainerentlassung Zornigers und dem verpassten Aufstieg, verlief die darauffolgende Saison 2015/16 wie erhofft. So war Emil Forsberg mit seinen sechs Vorlagen und acht Toren maßgeblich am Aufstieg ins deutsche Oberhaus verantwortlich (lediglich Davie Selke (!!!) traf häufiger). Mit Frau Shanga und Hund Roffe auf den Schuhen und goldenem Haar, dass selbst Guido Schäfer eifersüchtig werden ließ, etablierte er sich nach nur einer Saison als einer der besten Vorbereiter der höchsten deutschen Spielklasse. Doch mit dem Erfolg kam auch der Größenwahn personifiziert als Spielerberater Hasan Cetinkays, welcher immer wieder (vermeintliche) Wechselgedanken Forsbergs zum Thema in den Leipziger Gazetten machte. Skurril wurde die Wechselposse durch einen Post von Shanga Forsberg in ihrer Instagramstory, in welcher sie (in bester Lisa Müller Manier) den damaligen Trainer Julian Nagelsmann indirekt kritisierte, ihren Emil zu wenig spielen zu lassen. Man wartete regelrecht darauf, dass es die Forsbergs in eine andere große europäische Stadt verschlägt. Doch manchmal sind es die vermeintlich kleinen Dinge, die für ein Umdenken sorgen.

 

100 Scorerpunkte für RBL.

 

Verein und Stadt – es passt einfach

Eines dieser vermeintlich kleinen Dinge hat den Namen Florence und machte das Familienglück der Forsbergs im August 2018 perfekt. Retrospektiv war vielleicht dies der Punkt, der die beiden Abtrünnigen zum Umdenken brachte. Spätestens in der darauffolgenden Saison war von Wechselgedanken oder Trainerkritik nicht mehr viel zu hören. So wirkt es, dass erst das eigene Kind aus Leipzig ein Zuhause und dem Verein eine Familie gemacht hat. „Ich fühle mich in der Stadt sehr wohl, ich liebe es hier zu sein“, sagte Forsberg im März 2022 in einem Sky-Interview, „RB Leipzig ist einfach mein Verein. Ich möchte nirgendwo anders sein.“ Zudem verlängerte der Schwede im Mai 2021 seinen Vertrag vorzeitig bis 2025. Damit wäre Forsberg 33 Jahre alt, wenn sein Vertrag ausläuft. Dass er mal seine Karriere in der Messestadt beenden könnte, hätten wohl nicht viele erwartet.

Diese Liebe bekommt der Schwede auch von den Fans zurück. So kann es ja gar kein Zufall sein, dass bereits das zweite Mal in Folge, Emil als beliebtester Jungenname in Leipzig gekürt wurde.



Zahlen lügen nicht, oder?

In der momentanen Saison kommt Emil Forsberg auf 24 Bundesligaeinsätze, mit fünf Toren und 2 Vorlagen. Rechnet man das 6:1 gegen Fürth heraus, sind es gerade mal vier Tore in 23 Bundesligaspielen, wobei drei davon vom Punkt erzielt wurden. Zahlen, die im Vergleich zu seiner sogenannten Prime eher traurig aussehen. Daher stellt sich die Frage, ob die Zeit des Fußballgotts Emil Forsberg vielleicht schon vorbei ist. Doch so einfach, wie die Zahlen es erscheinen lassen, ist es am Ende dann doch nicht.

Was zum einen dagegenspricht, ist die überragende Europameisterschaft, die Forsberg im Sommer erst spielte. In den vier Spielen der Schweden traf der King of the North vier Mal und war maßgeblich am Erfolg der Blau Gelben beteiligt. Hinzukommt die veränderte Spielweise zum Vorjahr. Es ist auffällig, dass Forsberg immer mehr ins zentrale Mittelfeld rutscht. War er noch der Baustein, der in der Vorsaison die Stürmermisere ausbügeln sollte, spielt er nun häufiger als 8er und lässt Spielern wie Nkunku oder Olmo den Vortritt auf den offensiven Positionen. Diese neue Rolle sorgt auch dafür, dass Forsberg eine Steigerung der Ballkontakte pro Spiel hat (von 29,2 auf 34,6). Dadurch wird er universeller einsetzbar, kann in einer Partie mehrere Male die Position und Ausrichtung der Spielweise ändern und sorgt somit für eine taktische Variabilität, die ein Taktikliebhaber wie Domenico Tedesco für sein Spiel braucht.

Ebenso gehört Forsberg mit seinen 30 Jahren zu den älteren und erfahreneren Spielern im Team. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade er häufig für die wichtigen Tore zuständig ist. Man denke da an das legendäre 2:2 in der Champions League gegen Benfica Lissabon.
Ein Forsberg, der sich auch mal damit abgibt, nicht jedes Spiel 90 Minuten zu spielen, ist daher auf und neben dem Platz eine Identifikationsfigur für Fans und Mitspieler. Zudem ist seine Entwicklung auch ein Beispiel dafür, dass ein Verbleib in Leipzig der richtige Weg sein kann. Emil Forsberg hat sich von einem wechselwilligen Offensivspieler zu einer Vereinsidentifikationsfigur entwickelt, der ein Platz im Herzen aller RB-Fans hat. Manchmal ist dies vielleicht mehr wert als das ganz große Geld und der Platz auf der Ersatzbank des deutschen Meisters.


Quellen:
KickerMeetsDAZN, SPOX, Kicker, Sky

Alex Hell