Jägerin und Gejagter
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Nach dem perfekten Start in den April und dem 4:1 Sieg bei den allseits beliebten Borussen nun also das Europa League Viertelfinale. Mit Atalanta Bergamo gastierte ein in den letzten Jahren ähnlich erfolgreicher Klub wie RBL in Leipzig. Das Ziel klar: Vorlegen für den Halbfinaleinzug!
Tedesco musste auf Haidara und Poulsen verzichten und gleichzeitig das Verfolgerduell gegen Hoffenheim in Hinterkopf behalten. Im Vergleich zum Sieg in Dortmund begann Klostermann für Simakan und Henrichs kehrte zurück. Mukiele wechselte auf die Bank. Bei Atalanta saß Topangreifer Zapata nach Verletzungspause ebenfalls auf selbiger.
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Dreisatz des Spiels
Ein früher Rückstand durch inkonsequentes Abwehrverhalten und viele Torraumszenen. Dieses Viertelfinale hatte es in sich: Aus dem Spiel heraus war Bergamo gefährlich, dennoch hatte RBL durch den Elfer und eine Doppelchance in der Schlussminute mehr Großchancen bzw. einen höheren xG. Der Matchplan die Ruhe zu bewahren ging nicht wirklich auf, gerade nach dem Ausgleich schwamm Leipzig förmlich – das Rückspiel wird sicherlich kein Zuckerschlecken.

Der Start ins Viertelfinale.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Orbán: Der Mann der den verschossenen Elfer rettete. Das Spiele San Sebastian lässt grüßen… Schon sein Nachschuss bzw. Kopfball hätte reingehen können, dass folgende Eigentor nach der Ecke erzwang er dann. Führte und gewann die meisten Zweikämpfe auf dem Feld – was ach zeigt, wie sehr die Defensive unter Druck war. Viele Gelegenheiten für Willi sich auszuzeichnen, zumal seine Wingman Gvardiol und Klostermann nicht gerade ihren besten Tag hatten.
Angeliño: Wichtiger Antreiber der Offensivbemühungen. Auch weil Olmo und Nkunku gemeinsam nur einen Keypass spielten, waren Angels 4 (einziger Leipziger mit mehr als einem) herausragend. Bei beiden Teams lief mehr über die linke Seite.
Nkunku: Im Prinzip etwas zu mau, er holte aber den Elfer raus und ohne verschossenen Elfer auch kein folgendes Eigentor. Leider war das schon seine einzige wirklich gute Szene aber immerhin eine wichtige.

Nkunku leicht divaesk.
Luft nach oben
Silva: Bitte Silva Elfmeter nur noch in der Liga schießen lassen. Drei vergebene Elfer in Europa, drei verwandelte in der Liga. Das Schicksal hat gesprochen… Nicht cool war allerding, dass einige ihn bei seiner Auswechslung auspfiffen. Nur ein Tor pro Wettbewerb seit Anfang Februar sprechen allerdings auch nicht gerade für ihn. Auch gegen Bergamo wieder im Pech, denn vor dem vergebenen Elfer traf er auch schon den Pfosten.
Olmo: Auch der Spanier heute nicht in Topform, wie eigentlich die gesamte Dreieroffensive nicht. Kaum Torschüsse, nur wenige Torschusseinleitungen. Zusammen kamen Silva, Nkunku und Olmo auf lediglich gut 50 erfolgreiche Pässe.
Kategorie RBB Analyse
Abgesehen davon habe ich heute so viele schlechte Pässe und Ballverluste in der eigenen Hälfte und so viele halbherzig geführte Zweikämpfe gesehen wie schon lange nicht mehr.
— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) April 7, 2022
Knallhart analysiert.
Tweet des Spiels
Yeah that was fun. pic.twitter.com/YVC3WGdEks
— Between The Posts (@BetweenThePosts) April 7, 2022
Obendrauf gab es noch insgesamt ca. 4 non Shot xG – man reiche mir die Herztabletten.
Champagner statt Bier – die Fans
Der Fußballgott will uns doch verarschen. Seit 50% bzw. mehr Auslastung bei Heimspielen möglich ist kein Sieg mehr. Während die Stimmung gegen Frankfurt noch etwas ausbaufähig war, gab es heute – abseits der Pfiffe gegen Silva – wenig zu mäkeln. Bis zum Ende trieben die Leipziger ihre Rasenballsportler nach vorne und am Ende verpassten Forsberg, Szoboszlai und Mukiele nur knapp den Sieg. Für einen neutralen Zuschauer sicherlich ein unterhaltsames Spiel, als Fan trauert man dem erneut vergebenen Sieg doch etwas nach.
Die Fans feiern nach der heißen Schlussphase #RBLATA pic.twitter.com/VQjkApmJZy
— RBlive! (@rb_live) April 7, 2022
Wann können wir endlich wieder einen Heimsieg feiern?
Pfeife des Spiels
Zweiter Einsatz des Engländers Michael Oliver bei Spielen von Atalanta und Leipzig. RBL 2017 beim ersten internationalen Spiel des Vereins mit einem 1:1 gegen Monaco, Bergamo vor zwei Jahren mit einem 4:1 Heimsieg gegen Valencia.
Wie gegen Monaco also ein erneutes 1:1 unter Oliver. An ihm lag das aber nicht. Der Elfer recht deutlich. Daneben lag sein Team sicherlich nicht bei allen Entscheidungen richtig. Insgesamt spielte seine Linie aber eher den giftigeren Italienern in die Hände, auch wenn das Spiel insgesamt nicht wirklich brutal war.
Kann losgehen #RBLATA pic.twitter.com/swubR5cQOn
— Bibax 👀 (@Bibax_FW) April 7, 2022
Give Peace a Chance!
Aufgefallen
1) Nur ein Auswärtsspiel hat Bergamo in der Europa League verloren. Nur drei Auswärtsspiele in der Saison überhaupt und die alle mit lediglich einem Tor Differenz. In der Fremde ist La Dea einfach eine Macht. Dagegen gab es bisher wettbewerbsübergreifend nur acht Heimsiege. Der Drops ist also wie gegen San Sebastian noch nicht gelutscht.
2)
Gasperinis Plan ging etwas besser auf als der von Tedesco. Zwar hatte unser Trainer genau vor dieser Konstellation gewarnt, aber im entscheidenden Moment der ersten Hälfte ließ die Hintermannschaft, allen voran Klostermann, Muriel zu viel Platz. Aber diese Aktion war kein Einzelfall. Zu viele Fehler in der Abwehr, zu viele Spieler, die nicht an ihre Topleistung gegen den BVB anknüpfen konnten. Allen voran Nkunku (leichte Diva Vibes), Olmo (wenig Aktionen), Silva (im Pech), Laimer (zu hektisch) und Gvardiol wohl mit einem seiner schlechtesten Spiele im RBL Dress. Zu oft fehlte daher die Kontrolle und die Hektik war der Matchplan der Italiener, die deutlich mehr Gefahr in Strafraumnähe erzeugten. Nur 20% der Spielzeit war der Ball im italienischen Drittel des Feldes!

Elferverbot in Europa jetzt!
3) Diese Gefahr spiegelte sich nicht zwingend in der xG Wertung wieder, dort lag Leipzig auf dem ersten Blick vorne. Das große Aber folgt auf dem Fuße. Denn neben den Pfosten- bzw. Lattentreffern von Silva (24.) und Szoboszlai (82.) stammt fast der gesamte xG Wert aus zwei Aktionen: dem Elfer und seinen Folgen und der Dreifachchance in der 90. Spielminute. Obendrauf kommt der nonShot xG. In dieser Wertung erspielten sich die Italiener fast eine doppelt so hohe Wertung. Also Aktionen im oder um den Strafraum ohne Abschluss.
4) Will Leipzig in Bergamo bestehen und sich den Einzug ins Halbfinale sichern, muss man reifer auftreten (ähnlich wie bspw. gegen den BVB), Bergamo nicht so viele Räume eröffnen und selbst kontrollierter spielen. Kurzum: In einer Woche muss sich die Tedesco Elf steigern. Dass sie dazu in der Lage ist, hat diese Rückrunde zu Genüge gezeigt.

So sehen zum vierten Mal daheim in Folge keine Sieger aus.
5) Als Silva sich die Pille schnappte, schwante einigen Böses. Der dritte verschossene Elfer im europäischen Wettbewerb in einer Saison in Folge. Klar, der Portugiese braucht das Erfolgserlebnis aber diese Ambition muss hinter dem Erfolg im Wettbewerb zurückstehen. Da muss ein sicherer Schütze ran. Zweimal rettete ihm Willi indirekt den Hintern. Gegen den PSG kostete RBL das den Sieg und ggf. sogar Platz 2 (wer weiß, was dann möglich gewesen wäre).
6) Wie gegen San Sebastian war die Art des Hereinlaufens beim Elfer ein Schlüssel zum Erfolg, auch wenn Orbans Nachkopfball nicht reinging. Mehrere Spieler kamen mit Geschwindigkeit aus dem Rückraum. Eine erfolgreiche Taktik.
Interesting penalty routine from RBL:
— Jacopo Piotto (@jacopopiotto) April 7, 2022
Only one player at the edge of the box. Three more start more distant and will be running faster than their opponents by the time they enter the box.
Orbán gets the rebound by jumping on top of Freuler, the run-up definitely helping. pic.twitter.com/czZxJSoupv
Mit Speed in den Strafraum.
7) Wie oben beschrieben wird die Heimbilanz langsam kritisch. Am 11. Februar gab es gegen Köln den letzten Heimsieg und auch der war ja etwas glücklich – gemessen an den eher unwahrscheinlichen Toren. Diese Serie sollte nun mal ein Ende haben, denn gegen die TSG geht es darum sich endlich etwas Luft zu verschaffen und den BVB Sieg zu vergolden. Außerdem haben die Fans mal was zum Feiern verdient… Freiburg (in Frankfurt) und Leverkusen (in Bochum) haben auch keiner Selbstläufer vor der Brust.
8) Ein letztes Wort noch zu den Einwechslern. Forsberg – eigentlich in solchen Spielen ja eine Bank – gegen Bergamo eher ein Unsicherheitsfaktor mit vielen Ballverlusten in gefährlichen Zonen, so dass man sich schon fast Silva wieder zurückwünschte. Halstenberg ebenfalls ohne Impakt, was die defensive Stabilisierung anbelangt. Mukiele und Novoa kamen spät und waren an den Topchancen am Ende beteiligt. Szoboszlai im Pech (82.) oder zu eigensinnig (kein Abspiel beim Konter 89.). Seit Anfang Januar nur eine Torbeteiligung und mit immer geringeren Einsatzzeiten.
9) Mit dem Unentschieden zieht Leipzig mit dem BVB in der Klubrangliste gleich. Vor dem BVB in Europa? Der beste Anreiz jetzt den nächsten Schritt zu machen!
Da war mehr aber auch deutlich weniger drin. Bergamo der erwartet starke Gegner, der mit seiner Art dem Spiel eher den Stempel aufdrückte. Mehr gute Ansätze und mehr Torschüsse für die Italiener, die zwingenderen Chancen hatte jedoch Leipzig. Deshalb können beide mit dem Unentschieden gleichermaßen zufrieden wie unzufrieden sein.
Wie schon gegen San Sebastian eine Punkteteilung im Hinspiel. In dieser Rückrunde liefert Leipzig besonders auswärts. Shoutout an unsere Freunde vom Borsigplatz. Möge dies ein gutes Zeichen für das Rückspiel in einer Woche sein, wie auch die eher ausbaufähige Heimbilanz der Göttin aus der Lombardei.
Gegen Hoffenheim, die am Sonntag ersatzgeschwächt (Gelbsperrenflut) nach LE kommen, darf es dann aber – nach fast zwei Monaten ohne Heimsieg – gerne mal wieder etwas mehr sein… Drei Punkte wären im Rennen um die Champions League Quali pures Gold wert. Also ran an den Speck
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – UEFA – FotMob
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Henrichs (87. Mukiele), Klostermann, Orbán, Gvardiol (73. Halstenberg), Angeliño – Laimer, Kampl – Olmo (73. Szoboszlai) – Nkunku (87. Nkunku) – Silva (62. Forsberg), Nkunku
Atalanta Bergamasca Calcio: Musso – Hateboer, Demiral, Palomin, Zappacosta (89. Pezzella) – de Roon, Freuler (C, 67. Miranchuk) – Pessina (61. Scalvini), Koopmeiners, Pašalić (61. Boga) – Muriel (61. Zapata)
Schiedsrichter: Michael Oliver (England)
Tore: 0:1 Muriel (17.), 1:1 Zappacosta (58.) ET
Torschüsse: 15 / 20
Schüsse aufs Tor: 6 / 4
expected Goals: 2,9 / 1,5
Passquote: 85% / 80%
Zweikampfquote: 54% / 46%
Ballbesitz: 56% / 44%
Fouls: 7 / 11
Ecken: 4 / 9
Abseits: 2 / 2
Gelbe Karten: Gvardiol (1), Halstenberg (1) / Palomin
Zuschauer: 36.029
Rumpelstilzchen