Berliner Freude – Leipziger Trauer. In nur vier Minuten den Sieg verschenkt
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Berlin, Berlin … wir spielen gegen Berlin – schon wieder! Da sind sie erneut die Eisernen. Nach dem späten Aus im Pokal galt es nun Platz 3/4 zu festigen. Eine verdiente Ruhepause, die gibt’s hoffentlich nach zwei Titeln Ende Mai!
Viel kam darauf an, wie gut die beiden Kontrahenten das Aufeinandertreffen am Mittwoch verdaut hatten. Leipzig den späten emotionalen Siegestaumel und Union den KO in den letzten Minuten. Natürlich rotierte Tedesco fleißig, denn wenn eines in den letzten Wochen klar wurde, dann dass der Fokus auf den Pokalwettbewerben liegt. So kamen gleich 6 neue Spieler in die Startelf. Forsberg, Poulsen, Adams, Mukiele, Halstenberg und Kampl ersetzten Silva, Olmo, Szoboszlai, Laimer, Henrichs und Gvardiol.
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Dreisatz des Spiels
Das
Wetter mit 16 Grad und Sonnenschein versprach viel, was die Partie nicht halten
konnte. Es war ein Ebenbild des Spieles gegen Leverkusen, nur mit anderem
Ausgang. In der ersten Hälfte war einzig Peter Gulácsi und die schlechte
Chancenverwertung der Unioner der Grund, warum es mit 0:0 in die Kabine ging.
Offensiv war wenig zu erkennen. 0 XGoals und damit zusammenhängend kein
einziger Torschuss der Leipziger waren das Resultat.
Auch wenn Yussuf Poulsen nach nur 43 Sekunden nach Wiederanpfiff das 1:0 für
die Hausherren erzielen konnte und Nordi Mukiele und Dani Olmo beide jeweils
das 2:0 auf dem Fuß hatten, verspielt man in nur vier Minuten einen sicheren,
aber wohl auch spielerisch unverdienten Sieg und verliert schlussendlich mit
1:2. Damit bricht die herausragende Serie von 15 Spielen ohne Niederlage der
Leipziger.

Die Unioner lassen sich nicht ein zweites mal abhängen
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Gulácsi: In der ersten Halbzeit der einzige Leipziger, der auf Finalteilnehmerniveau spielte. Er stand mehrmals gut und konnte Schüsse aus kurzer Entfernung (Kopfball Halstenberg, Schuss Prömel) klasse halten. Bei den beiden Gegentoren trifft ihn keine Schuld.
Orbán: In der Dreierkette der sicherste RB-Verteidiger. Besonders in der Luft ließ der Deutsch-Ungar seinen Gegenspielern kaum eine Chance. Mit fünf geklärten und zwei abgefangenen Bällen und zudem einer Passquote von 90,3 % schaffte es Orban etwas Ruhe ins Leipziger Defensivspiel zu bringen.
Mukiele: Nachdem er bei seinen letzten Einsätzen eher unglücklich agierte, wirkte der junge Franzose in dieser Partie wieder sicherer. Im Gegensatz zu seinem Gegenpart auf der anderen Seite, hatte er ein gutes Stellungsspiel und war nur einen Pfostentreffer davon entfernt, das 2:0 zu erzielen und damit das Spiel für die Rasenballer zu entscheiden. Lediglich bei seinem unabsichtlichen Tritt gegen das Knie von Gießelmann hatte Mukiele Glück, dass Schiedsrichter Siebert nicht auf den Punkt zeigte. Auch wenn es unterm Strich keine Weltklasse-Leistung von ihm war, zeigt die Formkurve wieder etwas mehr nach oben.

Gulacsi gleich zu Beginn gefordert
Luft nach oben
Angeliño: Stand in Halbzeit eins im Spielaufbau zu weit hinten, sodass ein Aufbauspiel über die linke Seite kaum möglich war. Doch auch in der Defensive wies der Spanier Defizite auf. So fielen beide Gegentore auf seiner Seite. Besonders beim 2:1 wirkte er sprinttechnisch eher wie André Silva bei einem Konterversuch in der 90ten Minute. Einem Spieler, der besonders über seine Laufbereitschaft und Sprintfähigkeit kommt, macht der straffe Spielplan wohl mit am meisten zu schaffen.
Adams: Wie die Sportbild berichtet stehen die Anzeichen bei dem US-Amerikaner auf Abschied. In dem heutigen Spiel hat man auch wieder gesehen warum. Bereits früh musste er mit einer gewissen Härte im Spiel seine Fehler wieder gut machen. Im Gegensatz zu einem Konrad Laimer fehlt ihm die offensive Stärke und Schnelligkeit. Zu oft drehte er sich wieder nach hinten weg, anstatt das Spiel aufzubauen.
Die Offensive: Kein Torschuss in Halbzeit eins und auch in der zweiten Hälfte blieben die Szenen im gegnerischen Strafraum eher Mangelware. Abgesehen von seinem Tor lag Yussuf Poulsen hauptsächlich auf dem schönen Grün und Emil Forsberg war zur Zeit, als es einen späten Ausgleich gebraucht hätte, leider nicht mehr auf dem Platz. Wenn selbst Christopher Nkunku die Ideen fehlen, dann weiß man, dass es für den RB-Fan kein schönes Spiel gewesen sein kann.
Tweet des Spiels
Hoffentlich nur ein negativer Ausreißer gestern...Sehr verdiente Niederlage. Keine körperliche und mentale Frische. Das werden noch lange Wochen. Man merkt jetzt die vielen Spiele. Starke Leistung erneut von Union. Keine Ahnung, warum Urs Fischer weiter so unter dem Radar ist. Starker Trainer. #RBLFCU
— Rasenlatscher (@RasenlatscherRB) April 23, 2022
Champagner statt Bier – die Fans
Von den durch einige Sicherheitszonen beschränkten 46.110 Plätzen, die zum freien Verkauf standen, blieben circa 1.000 unbesetzt. Doch die schwache Leistung auf dem Rasen breitete sich auch auf die Ränge aus. Auch wenn zu Beginn die Leipziger noch optimistisch schienen und mit einem „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin“ die Beendigung des Stimmungsboykotts der Eisernen kommentierten, übernahmen die Köpenicker im Laufe des Spieles die Party.
Pfeife des Spiels
Auch wenn die Partie bereits früh eine gewisse Körperlichkeit besaß, konnte Daniel Schlager lange ohne das Zücken des gelben Kartons das Spiel lenken. Schwierig wurde es bei dem (unabsichtlichen) Tritt von Mukiele gegen das Knie von Gießelmann im eigenen Strafraum. Trotz Eingriff des VAR ließ sich Schlager nicht umstimmen und entschied auf „nicht Foul“. Eine aus Sicht der Leipziger glückliche Entscheidung, auch wenn die Überlegung Gießelmanns nach einer roten Karte ebenfalls übertrieben gewesen wäre. Schlussendlich musste der Schiedsrichter nur dreimal in die Tasche greifen. Adams holte sich nach einem Foul die vierte gelbe Karte der Saison ab und Olmo und Rönnow brauchten wegen Zeitspiel/Ballwegschlagens eine pädagogische Maßnahme.
Aufgefallen
1) Mit Traditionen brechen: Bereits vor dem Anpfiff gab es Verwunderung auf den Rängen, dass die Hymne der Unioner nicht wie üblich aus Respekt vor dem gegnerischen Verein gespielt wurde. Der Grund dafür war ein sichtlich plausibler. So beinhaltet „Eisern Union“ den sogenannten Pachelbel Kanon in D-Dur, welcher auch die musikalische Grundlage der russischen Nationalhymne ist. Da an diesem Spieltag 600 Flüchtlinge aus der Ukraine ins Stadion eingeladen wurden, entschied man sich kurzfristig die Hymne nicht zu spielen.
2) Alter vor (spielerischer) Schönheit: Gegen Union ließ Domenico Tedesco die älteste Mannschaft der RB Bundesligageschichte auflaufen. Auch wenn die im Schnitt 27,5 Jahre alte Startelf sicherlich die nötige Erfahrung mitbrachte, fehlte es besonders an Schnelligkeit in den Umschaltspielen und dem nötigen Effet, um die gut strukturierte Berliner Abwehr zu knacken.

Poulsens Feierlaune hielt nicht lange - Trotz Treffer zum 1:0
3) Der zweite Anzug passt noch nicht: Wie zuletzt gegen Leverkusen merkte man auch im Spiel gegen die Eisernen, dass es weiterhin ein zu starkes (leistungstechnisches) Gefälle zwischen der ersten und zweiten Garde der Rasenballer gibt. Besonders in den offensiven Momenten machte sich dies bemerkbar. Auch wenn Tedesco diesmal Nkunku auf dem Platz ließ, konnten Poulsen, Forsberg und Adams nicht die momentanen hohen Leistungen von Laimer, Olmo und Silva/Szoboszlai abfangen.
4) Der Einarmige unter den Bullen: Als einer der Gründe für die schwache erste Hälfte kann die linke Angriffsseite der Rasenballsportler genannt werden. Der ansonsten so offensivstarke Angelino stand meist zu defensiv, sodass Kampl und Halstenberg keine Räume hatten, um das Spiel aufbauen zu können. Auch wenn der kleine spanische Engel es in der zweiten Hälfte besser machte, war es weiterhin die linke Seite, die den Leipzigern zum Verhängnis wurde. Beide Unioner Tore fielen im Rücken des Spaniers. Ein gebrauchter Tag.
5) Das Verhängnis der Dreifachbelastung: Auch wenn Tedesco in der Pressekonferenz nach dem Spiel eine gewisse Müdigkeit der Mannschaft negierte, sagen die Zahlen etwas anderes aus. So liefen die Leipziger Bullen ganze fünf Kilometer weniger als der Gegner. Da kommen Erinnerungen an die letzten Spiele unter Hasenhüttl oder Nagelsmann hoch. Es bleibt eine große Aufgabe die richtige Balance zwischen Vollgas und Ruhemodus zu finden. Wie Tedesco auf der PK bekannt gab, wird es nach einer Videoanalyse am Sonntag einen freien Tag am Montag geben.
6) Wenn selbst die bekannten Stärken nicht funktionieren: Mit 23 Scorerpunkten nach Einwechslungen gehört man zu den Spitzenteams dieser Disziplin. Doch auch wenn man mit Olmo, Silva und Laimer hochkarätiges Spielermaterial auf der Bank hatte, brachten die Einwechslungen nicht den gewünschten Impact. Silva beispielsweise sammelte lediglich 11 Ballkontakte und brachte keinen Schuss aufs gegnerische Tor zu Stande.
Tedesco nach dem Ende der Serie.
In nur vier Minuten verspielt man drei wichtige Punkte im Kampf um die Champions League Plätze. Auch wenn sowohl Freiburg (3:3 gegen Gladbach) als auch Hoffenheim (2:2 gegen Frankfurt), die mit diesem Ergebnis vorläufig auf Platz acht der Tabelle fallen, nicht siegen konnten, rücken die Freiburger auf nur zwei Zähler an RB Leipzig heran. Da Freiburg noch gegen Hoffenheim, Leverkusen und Union Berlin spielen muss, stehen die Karten für Platz vier in der Liga nicht schlecht. Dennoch sollte man aus den verbleibenden drei Spielen mindestens sieben Punkte holen, um die Champions League klarzumachen. Zudem steigt auch mit Union Berlin ein neuer Kontrahent um das Rennen um die goldenen Plätze ein.
Am Donnerstag steht das Halbfinale der Europa League an. Die Leipziger empfangen die Rangers aus Glasgow um 21:00 Uhr in der Red Bull Arena. In Anbetracht der Wichtigkeit der letzten Ligaspiele und der vorhandenen Müdigkeit in den Knochen, wäre ein deutlicher Sieg erstrebenswert. Doch mit den Rangers kommt ein hochmotivierter Gegner ins heimische Wohnzimmer, der nicht nur zuletzt durch die Siege gegen Borussia Dortmund gezeigt hat, dass sie heiß auf einen europäischen Titel sind.
Kicker – Whoscored – Sofacore – Understat – RBL – Bundesliga – FotMob
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Mukiele (83. Henrichs), Simakan, Orbán, Halstenberg, Angeliño – Kampl (64. Laimer), Adams – Forsberg (64. Olmo) – Nkunku (75. Szoboszlai), Poulsen (64. Silva)
1. FC Union Berlin: Rönnow - Jaeckel, Knoche, Heintz (85. Michel) – Trimmel (C, 76. Ryerson), Khedira, Schäfer (68. Vogelsammer), Gießelmann (76. Oczipka), Prömel – Becker, Awoniyi (85. Behrens)
Schiedsrichter: Daniel Schlager (Rastatt)
Tore: 1:0 Poulsen (46.), 1:1 Michel (86.), 1:2 Behrens (89.)
Torschüsse: 5 / 14
Schüsse aufs Tor: 1 / 4
expected Goals: 0,6 / 1,9
Passquote: 82% / 78%
Zweikampfquote: 43% / 57%
Ballbesitz: 55% / 45%
Laufleistung: 111,2 km / 116,8 km
Sprints: 186 / 190
Fouls: 13 / 9
Ecken: 2 / 5
Abseits: 0 / 0
Gelbe Karten: Olmo (2), Adams (4) / Behrens, Rönnow
Zuschauer: 45.770
Alex Hell
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion