Vom bayrischen Sturm hinweggefegt
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Während der Rest der Liga im DFB-Pokal die Spielzeit eröffnet, trafen sich Meister und Pokalsieger zum Supercup. Bei RBL kommt so langsam Bewegung in die Kaderpolitik. Neben Mukiele, der dem Werben aus Paris erlag, wurden bereits einige Nachwuchs- und Ergänzungskicker abgegeben und auch ordentlich Kasse gemacht. Zeit, die Kohle auf den Kopf zu hauen. Die Köpfe, die Leipzig im Visier hat: die Nationalspieler Raum und Werner. Nichts ist dagegen über einen Sechser oder einen RV mit Offensivdrang zu hören.
Wie im Pokalfinale versuchte Tedesco vornehmlich, auf die ältere Garde zu setzen, wobei weder Halste noch Kampl noch Forsberg ein wirklich gutes Spiel machen sollten. Aber damit waren sie nicht allein… Bei den Bayern wirbelten – im wahrsten Sinne des Wortes – Mané, Musiala und Gnabry die Leipziger Abwehr durcheinander. Wer dachte, dass der Abgang von Lewandowski die Offensive des Serienmeisters schwächen würde, sah sich getäuscht.
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Dreisatz des Spiels
Fünf gegen Liverpool kassiert und fünf von den Bayern eingeschenkt bekommen – von der besten Abwehr der Rückrunde war die ersten 60 Minuten wenig zu sehen. Wer glaubte, dass der Pokalsieg das Team hätte reifen lassen, lag falsch, vielmehr war es wie so oft gegen die Bayern: Angst essen Seele auf! Das Aufbäumen in der durchaus sehenswerten Schlussphase kam zu spät und so hinterlassen die Spiele gegen Pool und FCB mehr Fragen als Antworten.

Musiala der Mann des Spiels.
Neu im Bullenstall
Eine schnell erzählte Geschichte. Blaswich blieb selbstredend und gerade nach seinen Pool Aussetzern auf der Bank. Ba war keine wirkliche Option und Raum muss seinen Vertrag erst noch unterschreiben. Immerhin wurde vor dem Spiel in Leipzig gesehen. Überraschend blieb Schlager auf der Bank und Laimer agierte neben Kampl, was nicht gerade als Glücksgriff Tedescos zu bezeichnen war.

Szoboszlai mit Geschwindigkeitsproblemen.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Nkunku: Der Franzose sicherlich wieder einer der besten Leipziger aber vorne oft zu sehr auf sich allein gestellt und zu selten eingesetzt. Die Strategie, defensiv gut zu stehen und vorne hilft der liebe Chisto aus Frankreich, gleicht dann doch taktisch nicht gerade Rasenschach, sondern eher Mensch ärgere dich… Da hätte man nach einer ganzen Vorbereitung doch etwas mehr erwartet.
Olmo: Nicht alles Gold aber immerhin den späten Anschlusstreffer erzielt. Um eine bis zwei Längen besser als Forsberg. Unverständlich, warum er nicht von Beginn an ran durfte. Teilt aber mit so vielen Leipzigern ein Manko, was dagegen so viele Bayernspieler heute mitgebracht hatten: Speed.
Szoboszlai: Bemüht und am Ende mit einer Vorlage. Auch er nicht nur einmal mit augenscheinlichen Geschwindigkeitsproblemen. Dennoch neben Nkunku noch am ehesten ein offensiver Aktivposten (meiste Key Pässe).

Endlich wieder Stimmung, Stadion und volles Haus!
Luft nach oben
Laimer: Die Idee Laimer gegen den Klub zu bringen, zu dem er laut diversen Medien unbedingt diesen Sommer noch wechseln will, wird sicherlich nicht gerade einen Eintrag im Buch der besten Einfälle bekommen. Der Ballverlust vor dem 1:0 war da nur die Sahnekirsche auf einer sehr schwachen Leistung. 58% Passquote und nicht mal 1/3 gewonnene Zweikämpfe sind einfach indiskutable Werte für einen ZM. Eine Schwäche der Schaltzentrale, die sich nahtlos in die letzte Saison zurückverfolgen lässt. Laimer war von Rangnicks Vergleich mit Kanté in etwa so weit entfernt wie RBL in den ersten 60 Minuten vom Sieg.
Forsberg: Nichts gegen Emil, er hat schon viele wichtige Tore für RBL geschossen aber die guten Startelfeinsätze in diesem Jahr lassen sich locker an einer sehr untalentierten Metzgerhand ablesen. Sah im wahrsten Sinne des Wortes keinen Stich (20% Zweikampfquote) und musste für Silva weichen, der viel eher von Beginn an hätte randürfen müssen.
Der Abwehrverband: 15 Gegentore in der Rückrunde – 10 gegen Pool und die Bayern. Gvardiol fehlte an allen Ecken und Enden, aber das war nicht das einzige Problem. Zu wenig Geschwindigkeit bei Orbán und Halstenberg war ein echtes Mismatch gegen die FCB Wirbler. Aber auch die Gesamtstruktur und ein ZM mit nicht mal 33% Zweikampfquote führten zu schlimmen Hüherhaufenvibes. Da hat Tedesco noch einiges zu tun…
Du hast die Haare schön
#RBLFCB #Supercup2022 #SuperCup #leipzig #le3007 #duhastdiehaareschoen pic.twitter.com/D9IMdxlNH0
— Nitro Klauss 🕊 (@NitroKlaus_ASZ) July 30, 2022
MultitasKING
Tweet des Spiels
Nun ja. Fighten können sie (wussten wir schon). Silva, Nkunku und Olmo sind zusammen (wenn in Form) einfach großartig (dann brauchst du auch nicht viel Taktik). Offensivstandards waren gut. Umstellung auf Viererkette brachte endlich die Aktivität, die vorher fehlte. #rblfcb
— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) July 30, 2022
Positiv: Am Ende wurde es besser!
Champagner statt Bier – die Fans
Große Aussprache vor dem Spiel und Sebastian als Capo zurück im B-Block. Die Stimmung war auch deutlich besser als gegen Liverpool. Das ließ sich sehen bzw. hören. Auch als die erste Hälfte so richtig in die Binsen ging, stecke der Fanblock nicht auf. In diesem Sinne ein gelungener Einstand in die Saison, auch wenn es immer noch Redebedarf gibt.
Halbzeitfazit: Das Beste aus Leipziger Sicht ist definitiv der Support! Egal wie es steht, lautstarkes Weitersingen. 👍🏼 Bitte macht damit weiter, sonst vergesse ich den Abend wirklich in ein paar Minuten. #rblfcb #SuperCup2022
— Lisa Pfretzschner (@lisa_pfr) July 30, 2022
Auf den Rängen war die Tendenz immerhin positiv.
Pfeife des Spiels
Erste Pleite unter Robert Schröder für RBL – sagen wir mal so: an ihm lag es nicht. Verteilte fleißig Gelbe für die Roten und gab RBL einen Elfer aber die normalen Hausaufgaben hätte das Tedesco-Team schon selbst machen müssen.

Nur selten war RBL oben auf.
Aufgefallen
1) 15 Spiele gegen die Bayern und nur ein Sieg. Eine Bilanz, die RBL im ersten Supercup der Vereinsgeschichte hätte aufbessern können. So feierten die Bayern in Leipzig ihren ersten Titel, den Nagelsmann dann bestimmt bald ganz cringe auf den Kaminsims stellen darf. Hätte ich persönlich zur Einleitung der Saison nicht gebraucht!
2) Tedesco wieder mit einer sehr alten Aufstellung, die im Zentrum sehr zweikampfschwach und auf Außen sehr unkreativ daherkam. Also genau die bereits bekannten Schwachstellen aufwies. Warum Schlager (gut gegen Pool), Silva & Olmo (beide deutlich besser als Forsberg) draußen bleiben mussten, bleibt genauso unerklärlich wie die Weigerung die Schwachstellen (6er, ROV) im Kader gezielt anzugehen. Auch im Sturm konnte am Ende verletzungsbedingt nicht nachgelegt werden. Werner wink einmal?
Sorry, jetzt wird es peinlich. So darfst du dich zu Hause nicht abfertigen lassen. Und das schlimme ist: Nicht weil die Bayern besser sind, sondern wir erschreckend schwach. Ich sehe hier keine Strategie. #RBLFCB
— Justgroovy (@justgroovy20th) July 30, 2022
Team Glas halbleer.
3) Auch wenn es der Abwehr an Unterstützung aus dem Mittelfeld mangelte, so gab es auch in der letzten Verteidigungslinie eigene Probleme. Sei es die Qualität der Zuspiele (Halste auf Laimer vor dem 0:1) oder das Stellungsspiel (Halste vor dem 0:2) oder allgemein die Angewohnheit keine gute Zuordnung zu haben (0:3). So richtig sattelfest wirkte das nicht und trotz der guten Chancenverwertung des FCB war RBL am Ende mit den 5 Gegentreffern gut bedient.
4) In Sachen Transfers ist gerade richtig Musik. Raums Verkündung dürfte eine Angelegenheit von Stunden oder Tagen sein. Ob Laimer geht, ist immer noch offen – zumindest ließ Mintzlaff den Bayern ganz dezidiert eine Tür auf. Von der Tür ist es nicht weit zur Angel... Der kleine Spanier scheint auf dem Sprung und stand nicht im Kader, aber ob der Tausch mit Raum da jetzt den Quantensprung bedeutet, wage ich zu bezweifeln. Werner könnte per Leihe zurückkommen, wobei auch er nicht perfekt auf die Anforderungsprofile der echten Schwachstellen passt, so bringt er immerhin Speed mit. Geht Laimer, braucht es einen Sechser und eigentlich braucht es auch einen RV, gerade wenn Angel und Mukiele gehen sollten. Auch gegen den FCB war nämlich zu sehen, dass es hier offensiv sonst sehr mau ist.
Lasst uns mal die positiven Aspekte sammeln:
— Alex Hell (@alex_hdk) July 30, 2022
- Mit der 4er Kette hat man eine gute Möglichkeit im Mittelfeld mehr Personal zu haben. Taktisch hat man dadurch eine neue Möglichkeit, um im Spiel umzustellen.
- Henrichs auf der 6 macht einen guten Eindruck.#RBLFCB 1/
Team Glas halbvoll.
5) Noch eine Woche bis Stuttgart. Ein Ligaauftakt wie letzte Saison in Mainz sollte Leipzig tunlichst vermeiden. Zumal die ersten Wochen – im Vergleich zum Stakkato im Herbst – noch relativ entspannt werden. Dazu muss RBL sich steigern. 5 km weniger gelaufen als die Bayern, das war eine Hausnummer. Auch in Sachen Chancenqualität, Pass- und Zweikampfquote war RBL klar zweiter Sieger.
6) Zum Abschluss noch etwas Positives: Es war der bisher torreichste Supercup und RBL hat gegen die nominell teuerste Abwehr des Planeten (Kaufpreise) immerhin drei Tore erzielt!
Die PK nach dem ersten verpassten Titel der.
Zweimal gewogen und für zu leicht befunden. Gegen Pool konnte man sich das Ganze noch mit "es ist nur ein Testspiel" schön saufen aber gegen die Bayern war die erste Stunde schon harter Tobak. Klar die ersten drei Schüsse aufs Tor waren drin (bei RBL übrigens auch) aber die Abwehr war so löchrig, als hätten wir sie gerade aus der Mottenkiste geholt.
Insofern ein Spiel, was (ein Torschuss in Halbzeit 1) leider allzu sehr an die Schlussphase der letzten Rückrunde erinnert. Offensiv fehlte lange die Struktur und defensiv mangelte es an Zugriff im Zentrum. Auch ein echter Plan war, nach Abschluss der ersten kompletten Tedesco-Vorbereitung, nicht zu erkennen.
Gegen Stuttgart darf es daher nicht so weitergehen. Aber die Probleme liegen auch im Kader selbst. Im ZM fehlt ein Zweikämpfer, der den Namen auch verdient und über die Außen kommt zu wenig. Ohne Angel und Mukiele aber dafür mit Raum – das klingt nicht gerade nach einem vielversprechenden Ansatz.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Simakan (79. Novoa), Orbán, Klostermann – Henrichs, Laimer, Kampl (52. Olmo), Halstenberg – Forsberg (52. Silva), Szoboszlai (90. Haidara) – Nkunku
FC Bayern München: Neuer (C) – Upamecano (78. de Ligt), Pavard (78. Mazraoui), Kimmich, Gnabry (78. Sané), Mané, Sabitzer, Davies, Hernandez, Müller (68. Gravenberch), Musiala (60. Coman)
Schiedsrichter: Robert Schröder (Hannover)
Tore: 0:1 Musiala (14.), 0:2 Mané (31.), 0:3 Pavard (45.), 1:3 Halstenberg (59.), 1:4 Gnabry (66.), 2:4 Nkunku (77.) FE, 3:4 Olmo (89.), 3:5 Sané (90.+8)
Torschüsse: 9 / 12
Schüsse aufs Tor: 4 / 8
expected Goals: 1,3 / 3,4
Passquote: 74% / 87%
Zweikampfquote: 47% / 53%
Ballbesitz: 42% / 58%
Laufleistung: 114,2 km / 119,9 km
Fouls: 14 / 12
Ecken: 6 / 4
Abseits: 5 / 7
Gelbe Karten: Simakan, Klostermann / Kimmich, Hernandez, Sané, Neuer
Zuschauer: 47.069 (ausverkauft)
Rumpelstilzchen