He's coming home!
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Symbolisch für die Rückkehr Timo Werners ist wohl der Empfang vorm Steigenberger Hotel in der Leipziger Innenstadt. Zwei junge Fans, die ein Bild machen wollen, ein kurzer Smalltalk mit den Journalisten und eine Verabredung mit Guido Schäfer am Abend. "Guido, ich komm nachher noch mal vorbei." Ein alter Sheriff ist zurück in der Stadt. Hier kennt er Fans, Journalisten und Verein. Es fühlt sich alles so unwirklich vertraut an. Doch neben all der Freude und Emotionen stellt sich dennoch die Frage, wie Timo Werner die Mannschaft weiterbringen soll?
Strahlender Empfang vorm Steigenberger Hotel in Leipzig. Timo ist zurück.
Eine ganz besondere Geschichte
Als Timo Werner im Sommer 2016 das erste Mal zu RB Leipzig wechselte, war die Berichterstattung eine andere. Noch heute findet man unter dem Verkündungspost von RB Leipzig hämische Kommentare der Stuttgarter Fans, in denen diese sich lachend für die 10 Millionen Euro Ablöse bedanken. Bereits ein Jahr später war sein Marktwert auf 25 Millionen Euro angestiegen. Heute lacht da wohl keiner mehr.
In seiner Debütsaison erzielte der gebürtige Schwabe 21 Tore in 31 Spielen für RB Leipzig. Mit seinen 78 Bundesligatoren ist er mit Abstand der erfolgreichste Stürmer des Vereins. Zudem verkörperte er all das, was den einzig wahren Rasenballsport ausgemacht hat. So stand er stellvertretend für das schnelle Umschaltspielspiel, für den Erfolg, aber auch den Hass von außen. Noch heute denken viele bei dem Namen Timo Werner an seinen "Sturz" gegen Schalke. Ein Fehler, der ihm nicht nur einen Ballermannsong einbrachte, sondern sogar dafür sorgte, dass er bei einem Nationalmannschaftsspiel von den eigenen "Fans" ausgepfiffen wurde. Timo Werner hat am eigenen Leib erlebt, wie der Hass auf RB Leipzig auch auf einzelne Menschen projiziert werden kann. Vielleicht ist dies ein Moment gewesen, der Werner weiter in Leipzig verwurzelte.
Dass Werner ein Fanliebling ist, hat jedoch nicht nur mit dem sportlichen Erfolg zu tun. So gibt sich der 26-Jährige stets fannah und bodenständig. Er ist immer für ein Foto oder ein kurzes Gespräch zu haben. Dies erfuhren selbst Besiktas-Fans, als sie Werner nach dem Champions League Spiel im Dönerladen "Ali Baba" antrafen. Werner noch in Trainingsklamotten auf dem Nachhauseweg, ein paar Fotos, ein kurzer Smalltalk, dann war der spätere Rekordtorschütze (samt Döner) wieder gegangen.
25.08.2019 – Kurz vor Anpfiff des Ligaspiels gegen Eintracht
Frankfurt steht auf der Anzeigetafel in der Red Bull Arena sein Name und das
Jahr 2023. Der damals (besonders vom FC Bayern) umworbene Stürmer verlängert bei
RB (mit Ausstiegsklausel). Somit ging er nicht den einfachen Weg über das
letzte Vertragsjahr, sondern gab dem Verein, der ihn groß gemacht hatte, etwas
zurück. Auch wenn der zukünftige Wechselwunsch zu einem absoluten Topklub
bestehen blieb, ein Zeichen des tiefsten Respekts.
Ein Jahr
später war er dann reif für die Insel, auch wenn die Zeit bei Chelsea nicht zu
seiner Glücklichsten werden sollte. Der Abschied war schwer, aber er sollte
nicht von Dauer sein.
Rückkehr als Champions League-Sieger.
Die Zeit beim FC Chelsea
Es sollte ein Projekt des großen Umbruchs beim sechsfachen englischen Meister werden, als im Sommer 2020 Chelsea-Coach Frank Lampert neben Timo Werner auch Kai Havertz an die Themse lockte. Für Timo Werner sollte es eine Zeit der großen Erfolge werden, die jedoch auch ihren Preis hatten.
Rückblickend war die erste Saison in der Premiere League keine Schlechte. Sechs Tore und 12 Vorlagen standen am Ende auf Werners Konto. Zum Sieg in der Champions League steuerte er immerhin vier Tore und zwei Assists bei. Doch auch wenn die Zahlen nicht schlecht scheinen, so entwickelte sich für Werner der auch schon aus Leipzig nicht unbekannte Ruf als Chancentod – so schoss er 2020/21 nur 0,2 Tore pro Spiel. Im Jahr davor waren es durchschnittlich 0,8 Tore pro Spiel. Ein möglicher Grund für diese stark sinkende Erfolgsquote kann die Position der Abschlüsse sein. Während er in der Bundesliga im Schnitt 2,9 Schüsse pro Spiel aus der Region um den 11-Meter-Punkt aufs gegnerische Tor brachte, waren es in seiner Premierensaison in England gerade einmal 1,7. Auch in seiner zweiten Saison konnte er sich nicht fangen und traf in 56 Einsätzen lediglich 10mal ins gegnerische Tor.
Timo Werner played such an important role in our 2021 @ChampionsLeague winning campaign. pic.twitter.com/7cpap8wRf9
— Frank Khalid (@FrankKhalidUK) August 8, 2022
Aufgrund seiner mangelnden Effektivität wurde Werner von
Lampert und Tuchel (der im Januar 2021 als Cheftrainer bei Chelsea übernahm)
vermehrt auf der Außenbahn eingesetzt, wo er jedoch (wenig überraschend) ebenfalls nicht glänzte. Zum
einen konnte er sich körperlich nie an die "englische Härte" anpassen. Zum
anderen setzte besonderes Tuchel auf einen Fußball mit engen Räumen und vielen
schnellen Pässen. Kein Spielstil, in den sich ein gradliniger Sprinter wie
Werner einzuordnen weiß.
Ein letztes und vielleicht nicht unwesentliches Problem blieb
über die zwei Jahre hinweg die Sprache. Man braucht sich nur ein englisches
Interview von Werner angucken, um zu verstehen, dass er wohl nie ein native-speaker
werden wird. Auch wenn er mit Tony Rüdiger, Kai Havertz und Thomas Tuchel drei Landsmänner
an seiner Seite hatte, blieb vermutlich eine gewisse Sprachbarriere bestehen.
Tedesco und die taktische Zauberkiste
Emotional passt Werners Rückkehr wie RB nach Leipzig, das ist mal klar, aber wie soll sich Timo in das bestehende Team und die bislang präferierte Taktik unseres Trainers einfügen? Wie kann es gelingen, die vielen Offensivakteure unter einen Hut zu bringen, erst recht mit Tedescos eher defensivem Ansatz? Wie Mintzlaff, der in zwei Jahren finanziell aus einem Werner einen Werner plus einen Šeško gezaubert hat, muss Tedesco für diese teamtaktische Aufgabe ganz tief in die Trickkiste greifen.
Als ich darüber nachdachte, was man mit Werner eigentlich so anstellen will, habe ich auch kurz überlegt, ob man ihm vielleicht noch das Flanken beibringen könnte. Schmitz für 30 Millionen wäre aber immer noch meine favorisierte Variante.^^https://t.co/pSrzRbHAoD
— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) August 9, 2022
Werners Stärken sind uns allen wohlbekannt und seine stärkste Position ist die einer hängenden Spitze, die mit Linksauslage daherkommt. Bestenfalls mit einem wuchtigen Sturmpartner für Ablagen, in Umschaltsituationen und mit viel Geschwindigkeit und weniger auf engem Raum. Diese Position ist momentan aber schon belegt, und zwar mit dem besten Spieler im Leipziger Kader und dem zum besten Kicker der letzten Saison gewählten Nkunku. Hier liegt die erste Schwierigkeit für Tedesco, denn der Franzose hat genau hier seine höchste Wirkungsmacht und ist Werner in Sachen Ballbehandlung und Passspiel mindestens eine (SEHR große) Nasenlänge voraus.
Neben Nkunku spielt mit Silva ein weiterer Kicker mit klaren Stammplatzambitionen. Nach der Tedescoverpflichtung schien er schnell in Fahrt zu kommen, baute aber im Laufe der Rückrunde etwas ab. Für ihn könnte hier am ehesten der Kampf um den Stammplatz eröffnet werden. Auf der einen Seite ist Silva fußballerisch großartig und auch als Zielspieler für Neuzugang Raum quasi ideal. Auf der anderen Seite fehlte es ihm immer wieder an Geschwindigkeit und auch bei der Defensivarbeit dürfte Werner stärker sein. Problem aber: Auch wenn Werner durchaus Kopfballtore erzielt hat, dürfte gelten: Wenn Silva rausrotiert wird es noch schwerer, Ziele für Flanken zu finden und das kleinste Team (ja RBL ist Zwergenmeister) der Liga wird gefühlt noch einen Kopf kürzer.
Bleibt das mit Qualität überbesetzte offensive Mittelfeld, wo jetzt schon immer ein Kicker mit Stammplatzambitionen draußen bleiben muss. Olmo wäre hier aktuell gesetzt und auch wenn er immer noch verzweifelt versucht, mehr als jeden (gefühlt) zwanzigsten Torschussversuch auch mal in Tor zu ballern, so suchen seine Spieleröffnungen ihresgleichen. Auch Szoboszlai hat nicht nur in Stuttgart gezeigt, dass mit ihm gerechnet werden muss. Bei all den Namen haben wir noch nicht mal über die alte skandinavische Garde (Forsberg und Poulsen) gesprochen bzw. über Sørloth. Für den Norweger könnte Werner aber der Abschiedswink mit dem Laternenmast sein.
Bleibt es also bei der Fünferkette und zwei zentralen Mittelfeldspielern und zieht Tedesco Olmo nicht erneut auf die 8 (was gegen schwache Gegner vielleicht eine Option ist, aber gegen starke Teams am altbekannten und oftbeklagten Fehlen eines echten defensiven Mittelfeldspielers scheitert), so bleiben acht Offensive (fünf mit Stammplatzwunsch) für drei offensive Startpositionen.
Achtung Facebook-Content von unserer Seite: Auch dort scheint die Rückkehr von @TimoWerner nach #Leipzig ein paar Emotionen hervorzurufen. 😅 #Werner pic.twitter.com/SxpzOI2Vfc
— RB-Fans.de 🏆 (@rb_fans) August 9, 2022
Lösung A – Rotation:
Bald geht es los mit den Doppelspielwochen, ein breiter Kader könnte zu einer wilden Offensivrotation führen. Werner gegen Gegner, die potenziell Räume bieten. Olmo und Szoboszlai gegen Teams, die eingeschnürt werden müssen. Nkunku als stets gesetzter Topspieler. Würde bedeuten, nichts ändern und nur mehr rotieren. Problem: So bekommt man mittelfristige mehr Unzufriedenheit, weil einige (O-Ton Kampl oder Angel) eben lieber immer spielen und dafür weniger trainieren. Dazu dürfte es der Eingespieltheit (so man daran glaubt) abträglich sein.
Lösung B – Viererkette
Zeitweise Umstellungen auf eine Viererkette haben situativ gegen Stuttgart oder im letzten Drittel gegen die Bayern nicht ganz schlecht ausgesehen. Teilweise könnte man dem Kader auch attestieren, eher auf eine Viererkette ausgelegt zu sein: Raum ist der einzige echte Linksverteidiger in einer Fünferkette (Henrichs mit Abstrichen), wenige Innenverteidiger, viele zentrale Mittelfeldspieler aber kein echter defensiver Mittelfeldspieler, immer deutlicher werdender offensiver Überhang. Dazu hat Tedesco die Viererkette mit Schalke auch hin und wieder gebracht. Genügend Passsicherheit vorausgesetzt, würde sie sich als spielstarkes System eignen. Auch die Bayern unter Nagelsmann spielten letzte Saison sowie gegen uns und die SGE mit Viererkette. Die großen Fragen hier: Sind Team und Trainer taktisch so flexibel nach Saisonbeginn die Taktik zu ändern (und bestenfalls in bestimmten Gegnerkonstellationen zur Fünferkette zurückzukehren)? Reicht die Passqualität? Denn gerade das zentrale Mittelfeld war bisher schon unser Sorgenkind. Überwiegen die Vorteile (mehr Offensivpower) die Nachteile (weniger Defensivstärke).
Lösung C – ein offensiver Mittelfeldspieler auf die 8
Was uns im zentralen Mittelfeld manchmal abgeht, ist die Passsicherheit und eine gute Spieleröffnung, beides würden offensive Mittelfeldspieler wie Olmo oder Szoboszlai mitbringen. Analog zu Lösung B stellt sich aber hier die Frage, ob ein Zurückziehen eines offensiven Mittelfeldspielers die defensive Schwäche des Zentrums nicht noch weiter vergrößert und dazu vielleicht die Kicker zu weit weg von den Positionen zieht, die Schnittstellenpässe auf Nkunku und Werner ermöglichen.
Fazit
Probleme, um die uns viele Bundesligateams wohl beneiden würden. Mit Werner kommt vornehmliche eine weitere Option in den Kader, den man wie Nkunku auch mal steil schicken kann. Das behebt eine Schwachstelle, die sich in so manchen Spielen gezeigt hat, wenn Kicker diese Laufduelle, die Werner so oft für sich entscheiden konnte, verloren. Auch die Möglichkeit in der Sturmspitze mit mehr Nachlegen zu können als Poulsen oder Sørloth ist ein echter Gewinn.
All die guten Offensivkräfte in eine Aufstellung zu pressen bzw. mit genügend Einsatzzeiten zu versorgen, wird allerdings schwer. Die Viererkette wäre gegen normale Bundesligagegner eine Überlegung wert und könnte hier sogar zu mehr Dominanz und dem nächsten Entwicklungsschritt führen. Aber ist RBL bereit für diesen Weg?
Rumpelstilzchen, Alex Hell
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion