Das Fehlstartgespenst geht um!
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Werner, Werner und nochmals Werner. Timos Rückkehr war das beherrschende Thema vor dem Spiel. Wie gut passt er in das System, findet er zu alter Stärke und war es kadertechnisch überhaupt der drückendste Schuh? Während Werner liefern sollte, zeigte das Spiel auch, dass es neben dem Hype noch andere, dringendere Fragen gibt.
Tedesco begann erneut mit Novoa als Rechtsverteidiger und mit Henrichs im Zentrum. Für Kampl spielte Szoboszlai, für Silva stürmte Werner und Simakan ersetzte den verletzten Klostermann. Köln fehlten zwar die beiden besten Scorer der letzten Saison (Modeste und Uth), die Baumgart-Elf brachte Leipzig aber trotzdem in Verlegenheit.
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Dreisatz des Spiels
Eine erneute Punkteteilung bei der viel zusammenkam: VAR Einsatz, Platzverweis und Eigentor. Aber Pech oder den Schiedsrichter für das Leipziger Warten auf Godot – äh den Sieg – verantwortlich zu machen, greift zu kurz. Weder konnte RBL die Kölner Flanken unterbinden noch das gute Pressing des FC konsequent überwinden – Verteidigung und Mittelfeld fehlt es an der nötigen Ausgewogenheit.

Olmo mit einer starken Leistung und nur schwer vom Ball zu trennen.
Neu im Bullenstall
Raum wie gegen Stuttgart in der Startelf, aber seine große Stärke – die Flanken bringt er noch nicht aufs Feld. Ohne Silva oder später in Unterzahl war das auch schwierig, aber eine von bisher 14 Flanken sind auch keine höhere Quote als Angel aufs Feld brachte. Allgemein verstärkt sich hier gerade der Eindruck, dass dieser Luxustransfer nicht zwingend nötig gewesen wäre und RBL andere Probleme quälen. Novoa war als Startelfspieler etwas überfordert. Er absolvierte zwar viele Zweikämpfe gewann aber nur unter 30%, hatte aber auch durch die unrunde Aufstellung im Zentrum meist auch keine guten Anspielstationen. Werner kam sah und traf, hatte natürlich Glück bei seinem Abschluss und brachte die erhoffte Geschwindigkeit. Problem nur, dass RBL zu selten den Ball in die gefährlichen Zonen bringen konnte.

Nkunku wird geehrt.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Olmo: Dreh- und Angelpunkt der Offensive auf seiner besten Position als Zehner hinter den Spitzen. Wenn es gefährlich wurde, dann meist über ihn. Leitete das 2:1 ein und war auch an der Topchance zum 2:0 vor dem Ausgleich maßgeblich beteiligt. Wurde nach Nkunku am meisten gefoult, weil er meist nur unfair vom Ball zu trennen war und führte die meisten Zweikämpfe auf dem Feld (50% Quote).
Nkunku: Starke Pass- und Zweikampfwerte, wichtiges Führungstor zum 2:1. Nkunku rettete letztlich den einen Punkt. Auch wenn er ein kurz vor Ende fast noch das 3:2 hätte erzielen können (scharfer Pass von Silva, den er versuchte mitzunehmen statt zu erlaufen), Nkunku bleibt momentan die Leipziger Lebensversicherung.
Kampl: Kaum startet er nicht, zeigt er, was er wert ist. Während Szoboszlai zu offensiv positioniert war, brachte Kampl im Zentrum etwas mehr Ruhe und Stabilität, war anspielbar, gewann seine Zweikämpfe und brachte die Pässe zu den Mitspielern. Einer der Gründe, warum Köln mit dem Ball in Überzahl fast nur über die rechte Außenbahn funktionierte.

Die erneute Führung besorgte mal wieder Nkunku.
Luft nach oben
Tedesco: Ich erwähne ja selten Trainer in dieser Kategorie, aber das waren einfach ein paar Fehlentscheidungen zu viel. Flanken als Hauptproblem ausmachen, aber keine Antwort darauf finden. Das bekannte hohe Pressing des FC mit Szoboszlai zu kontern, der so gut wie nie anspielbar war – ebenso problematisch. Novoa gegen die physisch starken Kölner auf rechts das totale Mismatch, zumal er keine Unterstützung aus dem Zentrum erhielt. Gvardiol hätte von Beginn an spielen müssen, weil auf Links Stabilität und Kreativität fehlten. Silva zu bringen, obwohl er kein Konterspieler ist und mit Olmo und Nkunku dafür noch genügend Potenzial vorhanden war, obwohl man in Unterzahl eine Führung verteidigen wollte, war auch nicht nachvollziehbar.
Silva: Kann eigentlich nichts dafür. Es war nicht sein Spiel, Als Kombinationsspieler zeigte er, dass er mit Nkunku gut harmonieren kann (eigener Steilpass), aber steil kann er nicht geschickt werden.
Szoboszlai: Dumme Rote, die man geben kann, aber keinesfalls muss, trotzdem hätte er in der Situation beherrschter bleiben müssen. Größtes Problem war aber, dass er die erste Halbzeit nicht wirklich stattfand. Die Positionierung war grauenhaft und ein Grund dafür, dass Novoa auf der rechten Seite alleingelassen einen schweren Stand hatte. Was dort möglich gewesen wäre, zeigte Werner, als er sich einmal dorthin fallen ließ und mit Novoa einen Doppelpass spielte. Szobo aber turnte vornehmlich im Deckungsschatten seiner Gegenspieler umher.
Was war gut?
Support der @rb_fans weiter großartig… macht heute wieder richtig Freude mit Euch im #wohnzimmer #RBLKOE pic.twitter.com/9Qwg7kbwMR
— Ndee™️ Слава Україні (@FrankvanVossen) August 13, 2022
Positiv: Die Fans
Tweet des Spiels
Kämpferische Leistung gegen 12 Kölner. Ein Sieg wäre mMn verdient gewesen.
— Niklas (@gNiklas43) August 13, 2022
Spielerisch fehlt aber weiter einiges .
Positive Erscheinungen: Gvardiol, Olmo und Nkunku.#RBLeipzig #RBLKOE
Einige Lichtblicke aber auch viele Fragen.
Champagner statt Bier – die Fans
Tolle Messemännchen Choreographie. Richtig Betrieb auf den Rängen. Seit Sebastian als Capo zurück ist, wächst gefühlt wieder zusammen, was zusammen gehört. Dabei sollte man allerdings auch nicht die weiteren Capos vergessen, so dass man da gerade ein sehr gutes Capo-Team hat, was sich ergänzt. Danke! Insgesamt ein Spiel, dass durch die Werner-Rückkehr, Schiedsrichterentscheidungen und den allgemeinen Verlauf ordentlich aufgeladen war. Eine Energie, die im Stadion förmlich greifbar war. Weiter so – man ist wieder auf dem richtigen Weg.
Mal abseits vom sportlichen. Die choreo war echt top, riesen Lob an die Verantwortlichen! pic.twitter.com/FvCQTZ620h
— Lilly (@Zufallsname129) August 13, 2022
Tolle Choreo.
Pfeife des Spiels
Für sich genommen alles möglich und nachvollziehbar, aber in der Masse brachte Brand das Leipziger Publikum gegen sich auf – mit Zwayer in Berlin war das dann schon fast eine gefühlte Achse des Bösen. Raums Handspiel kann man geben, gerade wenn man sich an das Pokalfinale erinnert, war es schon merkwürdig. Die Kölner mit vielen ungeahndeten taktischen Fouls, weshalb sie diesen Stil auch bis zum Ende durchziehen konnten. Die rote gegen Szobo regeltechnisch möglich (eher ein Drücken denn ein Ausholen), aber Kainz fällt schon extrem theatralisch und zeitverzögert. Das fühlte sich in Summe eher nach Vorteil für Köln an. Entscheidend in diesem Spiel waren jedoch die eigenen Leipziger Fehler.

Optimismus sieht anders aus.
Aufgefallen
1) Vivell und Mintzlaff während der Halbzeitpause und nach dem Spiel sichtlich angefressen. Offensiv nicht durchschlagskräftig genug und defensiv zu anfällig. Auf den Punkt gebracht: Gegen Stuttgart und Köln waren sechs Punkte eingeplant. In diesem Sinne kann man schon von Fehlstart reden, denn wenn Leipzig schon gegen Bundesliga-Mittelklasse nicht gewinnt und im Vorfeld des Saison von Topteams vorgeführt wird, dann muss man sich in der Chefetage Sorgen machen.
2) Drei Pflichtspiele ohne Sieg, das gab es zuletzt zum Saisonbeginn unter Tomas Oral. Der Trainer, der statistisch gesehen eine echte Goldgrube war, wurde nun unterboten (damals drei Unentschieden). Insofern, auch wenn noch einiges schief gehen müsste, um die 4 Punkte aus den ersten 5 Bundesligaspielen unter Marsch zu unterbieten, so ist der Alarmismus vielleicht etwas verfrüht, aber nicht ganz fehl am Platze.
Ein wenig liegt mir doch auf Herzen nach der verkorksten Vorbereitung, der Supercup-Niederlage und nach nur 2 Punkten als Ausbeute aus 2 Saisonspielen, zzgl. 13 Gegentore.
— RBoligei (@BoligeiR) August 13, 2022
Kritik sollte erlaubt sein, auch wenn es natürlich immer gegensätzliche Gedanken und Ansichten gibt.
(1/-) https://t.co/LO9KX0yckX
Je größer die Sorgen, um so länger die Tweets.
3) Zwei Dinge waren klar wie Kloßbrühe: Köln würde mit hohem Pressing agieren und Köln würde auf starke Außen und Flanken setzen. Beides bekam Leipzig nicht gut verteidigt. Aus dem Zentrum fehlte es defensiv und offensiv an Unterstützung. Besonders in der ersten Halbzeit gab es keine Anspielstationen für Raum und Novoa, weshalb sie offensiv kaum in Erscheinung treten konnten. Defensiv wurden sie hingegen bei Ballverlusten und Kontern zu leicht überwunden, weshalb es in der Folge zu vielen Flanken oder zu Eins-gegen-Eins-Situationen in der Abwehr kam.
4) Grund für diese Probleme war zu einem nicht unwichtigen Teil die Aufstellung. Szoboszlai verpuffte gänzlich und nahm sich dann selbst raus. Novoa war körperlich zu schwach und Halstenberg fehlte die defensive Stabilität, um Raum gegen das hohe Pressing abzusichern. Dazu verfügte er nicht über die Qualitäten in der Spieleröffnung, die Gvardiol vorzuweisen hat, auch wenn dieser dann Pech beim Eigentor haben sollte. Allgemein hätte ein Lückenschließer wie Schlager oder Kampl mit seiner Art sich fallen zu lassen (wie in Halbzeit 2) dem Spiel besser getan als ein Pseudo-Achter Szoboszlai und ein Henrichs als fast schon alleiniger Sechser.
Das ganze wird ja immer besser. 😂
— TheFunkyTechnician (@TheFunkyTechnic) August 14, 2022
Was hat denn Tedesco bitte für eine Wahrnehmung?#rbleipzig #tedesco pic.twitter.com/u72JxEnlyU
Auch offensiv ist eigentlich nicht alles Gold.
5) Auch wenn Taktik hätte besser sein können und der Kader bessere Möglichkeiten hergegeben hätte, so fiel das Fehlen von Laimer oder alternativ eines echten kampfstarken Sechsers (in der ersten Halbzeit hatte kein Leipziger mehr als ein Tackling, wobei Salzburger Camara nun raus ist) weiterhin als echte Schwachstelle auf. Auch auf der rechten Verteidigerposition ist RBL nach dem Abgang von Mukiele und dem Ausfall von Klostermann unterbesetzt, das zeigt die doppelte Startelfnominierung von Novoa. Problematisch war am Ende auch, dass Tedesco sich entschloss, in Unterzahl Silva für Konterstürmer Werner zu bringen, wobei mit Schlager und Haidara auch gute Absicherungsoptionen auf der Bank waren. Offensiv konnte Leipzig am Ende nur drei Abschlüsse aus dem normalen Aufbauspiel heraus vorweisen, Köln ganze 12. Ein beredtes Zeugnis, dass RBL sein Spiel nicht wirklich aufziehen konnte.
6) Die große Fragen sind nun: Wie will RBL die Probleme, die sich schon zum Ende der Rückrunde gezeigt haben und die nun gegen Pool und die Bayern sowie in den ersten zwei Saisonspielen nicht abgestellt werden konnten, lösen? Zeigt die frühe und harte Kritik von Mintzlaff und Vivell, dass Tedescos Stuhl bereits wackelt? Kann der Trainer den Kader wieder ausgewogener aufstellen oder muss RBL nochmal auf dem Transfermarkt tätig werden? Alles in allem knirscht es sehr früh und sehr laut in dieser Saison.
Die PK nach dem dritten sieglosen Pflichtspiel in Folge.
7) Auf der Sportdirektorposition klingen die Aussagen Mintzlaffs weiter sehr nach Eberl. Zeitnah soll eine Lösung präsentiert werden und andere Kandidaten werden momentan nicht mehr gehandelt. Der Grund dafür, dass es sich so zieht? Möglicherweise die Vertragssituation von Eberl, für den Gladbach plant ordentlich Ablöse zu erzielen, was Mintzlaff sicherlich verhindern oder zumindest massiv drücken will. Sollte Eberl kommen, so wäre der Leipziger Rose übrigens ein naheliegender Kandidat, sollte Tedesco weiterhin Probleme haben. Auch dies könnte den internen Druck sehr schnell erhöhen.
Bei etlichen Fans wird das Ticket nicht zum Spiel gegen Köln geladen. Deswegen muss man sich jetzt hier anstellen. Wann wird endlich eine Alternative zu diesem immer wieder nicht funktionierenden System angeboten @RBLeipzig? #RBLKOE pic.twitter.com/Kr7cNSK5dp
— Rasenlatscher 🏆 (@RasenlatscherRB) August 13, 2022
8) Noch schlechter als das Ergebnis des Spiels war gestern lediglich die Ticketapp. Ein unsägliches Chaos, bei dem bei vielen die Karten oder der QR Code nicht in der App angezeigt wurden bzw. nur zeitweise angezeigt wurden. Am Ende musste RBL die Tore öffnen und nur per Sicht kontrollieren ohne zu scannen. Ein Armutszeugnis zum Bundesliga-Heimspielauftakt und ein technischer Tiefpunkt der App.

So sehen leider keine Sieger aus.
Ja, es gab Pech und doofe Schiedsrichterentscheidungen. Ganz hart betrachtet war RBL mit dem Unentschieden aber noch gut bedient, weil Köln die gefährlicheren Szenen hatte und ihr Spiel deutlich besser auf das Feld bringen konnte. Die Analyse der Kölner Stärken führte nicht zu den richtigen Reaktionen auf dem Feld. Offensiv retteten Werner und Nkunku den Tag aber irgendwann muss defensiv einfach mal wieder die Null stehen, damit das dann zum Sieg reicht.
Mit Union kommt jetzt ein noch stärker einzuschätzender Gegner und RBL wäre gut beraten die defensive Löchrigkeit abzulegen und endlich konzentriert in die Saison zu starten. Das Schlimme ist, dass der BVB gegen die stärkeren Gegner gestartet ist und schon vier Punkte weg ist. Die richtig anstrengenden Wochen, die kommen erst noch, da muss gerade jetzt richtig gepunktet werden.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Simakan, Orbán, Halstenberg (46. Gvardiol) – Novoa (46. Kampl), Szoboszlai, Henrichs, Raum – Olmo (87. Haidara) – Werner (67. Silva), Nkunku
1. FC Köln: Schwäbe – Ehizibue (62. Schmitz), Kilian, Hübers, Hector (C) – Martel (62. Duda), Skhiri – Thielmann (62. Maina), Ljubičić (73. Lemperle), Kainz – Dietz (73. Adamyan)
Schiedsrichter: Benjamin Brand (Unterspiesheim)
Tore: 1:0 Werner (36.), 1:1 Dietz (40.), 2:1 Nkunku (56.), 2:2 Gvardiol (72.) ET
Torschüsse: 9 / 13
Schüsse aufs Tor: 5 / 4
expected Goals: 1,2 / 1,5
Passquote: 82% / 80%
Zweikampfquote: 49% / 51%
Ballbesitz: 52% / 48%
Laufleistung: 105,5 km / 115,9 km
Sprints: 240 / 232
Fouls: 8 / 18
Ecken: 2 / 7
Abseits: 1 / 1
Gelbe Karten: Henrichs / Thielmann, Hübers, Adamyan, Kainz
Rote Karten: Szoboszlai (45.+1)
Zuschauer: 43.579
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion