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Knüppeldick in Köpenick

Knüppeldick in Köpenick

Statt den holprigen Saisonstart vergessen zu machen, stolpert RB Leipzig heftig gegen Union Berlin und ist jetzt Ergebnistechnisch im Krisenmodus. Mit einer 2:1 Niederlage holt man nicht die erhofften ersten 3 Punkte in der Saison, sondern muss feststellen, dass ordentlich Sand im Getriebe ist...Und es knirscht gewaltig.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Während das Eberl Gerücht langsam vor sich hin köchelt (nur keine Eile) ist Mintzlaff immer noch auf der Suche nach einem Rechtsverteidiger. Aktuelle Gerüchte drehen sich aber eher um Angreifer und Naby Keïta. Viel problematischer ist aber der Fehlstart. Durch die drei sieglosen Pflichtspiele war RBL in Berlin, gegen die es in der Liga zuletzt drei Pleiten in Folge gab, fast schon zum Siegen verdammt.

1. FC Union Berlin: Rönnow – Jäckel, Knoche, Leite - Ryerson (80. Giesselmann), Haberer (74. Thorsby), Khedira, Schäfer (74. Haraguchi), Trimmel (C) – Siebatcheu (63. Behrens), Becker (67. Michel)
RB Leipzig: Blaswich (C) – Gvardiol (46. Halstenberg), Orbán (C), Simakan – Kampl (62. Haidara) – Raum, Olmo (78. Forsberg), Laimer (67. Silva), Henrichs – Werner, Nkunku

 

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Dreisatz des Spiels

Man darf hoffen, dass die taktische Maßgabe nicht war: Viel Ball, wenig Ertrag. Denn so sah das Spiel der Leipziger weitestgehend, gegen kompakt stehende und auf Konter lauernde Unioner, aus. Das diese aus 3 Torabschlüssen aus Kontern innerhalb weniger Minuten 2 Tore machen, spricht zum einen für deren Effektivität und einen funktionierenden Plan, aber auch gegen das Leipziger Abwehrverhalten und die Thematik Restfeldverteidigung, was zum Unwort der Saison an der Elster werden könnte. 

 

Immerhin sieht es auf den Rängen ganz gut aus.

 

Neu im Bullenstall

Josko Gvardiol rückte in der Dreikette wieder in die Startelf. Der Kroate, der noch gegen Köln unglücklich in das eigene Tor traf, sollte die notwendige Aggressivität mitbringen. Leider war er wohl noch nicht ganz auf der Höhe, denn vor allem beim 2:0 durch Becker ließ er dem Unioner Angreifer zu viel Platz und gab mehr Begleitschutz, so dass Becker relativ unbedrängt den Ball an Blaswich vorbei schlenzen konnte. Zur Halbzeit musste das Leipziger Mentalitätsmonster dann auch wieder runter. Eine erneute Verletzung steht im Raum.

Weiter gab Janis Blaswich für den verletzten Gulácsi sein Bundesliga-Debüt im Tor. Nach seinem unglücklichen Auftritt im Testspiel gegen Liverpool, war es auch dieses Mal eher ein Tag zum Vergessen für den 31 Jährigen. Zwar kann man Blaswich bei den beiden Gegentoren keinen groben Schnitzer unterstellen. Aber gerade beim 1:0 doch hätte man sich mehr Gegenwehr erwartet. Allerdings muss man festhalten, der zweite Hüter von RB war in diesem Spiel das geringste Problem.

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Werner: Der Rückkehrer zeigte zumindest ansatzweise seinen Mehrwert im Angriffsspiel von RB Leipzig. Immer wieder an der Grenze zum Abseits zog er die Aufmerksamkeit der Unioner Verteidiger auf sich und wartete auf die Steckpässe seiner Mitspieler. Mitte der ersten Halbzeit hatte er auch die grüne Wiese und den Ball im 16er vor sich. Allerdings landete sein Chip-Ball am Pfosten. Weiter wurde ihm ein Elfmeter verwehrt, als er sowohl an der Schulter gezogen und am Knöchel getroffen wurde.     

Henrichs: In der zweiten Halbzeit liefen die Angriffe der Leipziger vermehrt über die rechte Seite des Deutschen Nationalspielers. Henrichs war da ein wesentlicher Aktivposten. Allerdings kam nicht viel dabei raus, außer eine nicht unbeachtliche Anzahl an Ecken. Henrichs ackerte jedoch unermüdlich und war gut in das Leipziger Kombinationsspiel eingebunden, im Gegensatz zu seinem Kollegen auf der anderen Seite David Raum.

Olmo: War zumindest im ersten Durchgang einer derjenigen, die versuchten das Potential von Timo Werner auszunutzen. Er war wesentlich besser im Spiel eingebunden als Nkunku, konnte aber auch nur wenige gefährliche Situationen kreieren. Wurde dann zum Ende des Spiels durch Forsberg ersetzt.

 

Zwar ohne Treffer, aber auffälligste Leipziger Angreifer - Timo Werner

 

Luft nach oben

Restfeldverteidigung: Die Unioner waren auf Konter aus und haben aus einer sehr kompakten Defensive heraus agiert. Die Leipziger Dreier Kette stand meistens sehr hoch an der Mittelinie und wurde von den Eisernen empfangen. Zweimal unglücklich den Ball so im Aufbauspiel verloren und innerhalb weniger Sekunden überrannt. Man hat sich locken lassen. Die beiden Unioner Angriffe, welche zu den Toren führten, dauerten 12 bzw. 13 Sekunden. Eine Spitzenmannschaft darf sich so nicht überlaufen lassen. Wesentlicher Kritik-Punkt: Man rannte zwar mit zurück und war geschlossen mit 3 zu 2 in Überzahl. Ein Zugriff auf den Ballführenden Gegner erfolgte jedoch nicht.

Ecken: Mit 14 Ecken stehen auf der Haben Seite der Leipziger. Willi Orban traf zum Anschluss per Kopf nach einer Ecke, aber die Quote und die Gefährlichkeit, die aus den Standards generiert wurden, war unterstes Niveau. Sinnbildlich die Ecke zu Beginn der ersten Halbzeit, welche von Olmo ins gegenüberliegende Seitenaus geflankt wurde. 

Ideen: Auch wenn Union sehr kompakt stand und gefühlt immer ein Bein in einer brenzligen Situation übrig zum Abwehren hatte, insgesamt haben die Leipziger die Berliner nicht wirklich vor Herausforderungen stellen können. Das Leipziger Offensivspiel wirkt in Summe wenig flexibel und kreativ. Die Kontaktphasen der jeweiligen Spieler am Ball sind zwar gering und man sieht oftmals die technische Klasse aufblitzen. Es fehlt jedoch am letzten und entscheidenden Pass oder der Idee, um auch eine kompakte Abwehr ins Schwimmen zubringen.

 

Was war gut?

Viel bleibt nicht mehr übrig. Letztlich hatte man jedoch offensive Ansätze sehen können und durchaus die Chance in Führung zu gehen. Unglücklich war halt das die 2.0 Führung genau in das Unioner Konzept gepasst hat. Allerdings auch selbstverschuldet, dadurch dass man zweimal gepennt hat. Es ist also positiv, dass man nicht komplett chancenlos war.


Tweet des Spiels


Die Richtung stimmt aktuell nicht

 

Champagner statt Bier – die Fans

Ungefähr 1.500 Leipzig Anhänger sind an die Alte Försterei gepilgert. Auch eine Auswärtschoreo wurde geboten. Die ersten 15 Minuten gehörten auch ganz den Leipzigern, da die traditionsbewussten Unioner-Fans sich die erste Viertelstunde das Spiel nicht besangen. Mit kurzen Unterbrechungen von Pfiffen und rezitieren von Malle-Hits gegenüber Timo Werner.

Leider kam es am Rand des Gästeblocks zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Inwiefern daran Berliner Maulwürfe beteiligt waren, ist noch nicht bekannt.  

 



Die Fans vor dem Spiel bester Laune und mit Auswärts-Choreo.

 

Pfeife des Spiels

18. Einsatz für Aytekin mit Beteiligung des 1. FC Union wie auch der von Leipzig. Die Köpenicker waren in der Bundesliga sowie wettbewerbsübergreifend Daheim unbesiegt unter seiner Leitung. Leipzig immerhin mit vier Auswärtssiegen in fünf Auswärtsspielen.

Aytekin hatte das Spiel weitestgehend im Griff, allerdings bleibt der nicht gegebene Elfmeter ein Makel in der Partie. Im vollen Lauf wurde Werner an der Schulter nach unten gezogen und kam ins Straucheln. Dazu wurde er unten am Knöchel getroffen. Aytekin bewertete das Ziehen als nicht ahndungswürdig. Laut seiner Argumentation war Werner bereits im Fallen, als er am Knöchel getroffen wurde, so dass hier keine Ursache für das Fallen vorliegen würde. Aus dem Kölner Keller kam kein Widerspruch, so dass die Situation ungeprüft blieb. Die Argumentation Aytekin bezüglich seiner Wahrnehmung kann nachvollziehbar sein. Es bleibt jedoch ärgerlich, dass vom VAR kein Hinweis kommt, sich die Sache nochmal anzuschauen. Besonders bitter: Es stand noch 0:0 zu diesem Zeitpunkt und die Chance auf eine Führung wäre da gewesen.  



Fragezeichen nicht nur bei den Leipzigern.

 

Aufgefallen

1)      Die bisher längste negativ Serie für RB Leipzig ohne Sieg wurde eingestellt. Saisonübergreifend hat RB nun 4 Bundesligaspiele in Folge nicht gewonnen. Eine bittere Bilanz für Trainer Tedesco, der aufpassen muss, sein Kredit durch den Pokalsieg nicht schon zu verspielen.

2)      Wieder keine Berücksichtig auf den Platz fand Xaver Schlager. Der eigentlich als Mittelfeldmotor geholte Österreicher wird nicht mal eingewechselt. Von Beginn an wurde eine Doppel 6 mit Kampl und Laimer gespielt. Statt Schlager einzuwechseln, wurden diese durch Haidara und Silva aufgelöst. Man kann nur munkeln war zwischen dem Österreicher und Tedesco vorgefallen ist. Normal ist allerdings nicht, wenn man einen Stammspieler aus immerhin Wolfsburg auf der Bank versauern lässt.

3)      Die Positionen auf den Außen bleiben weiter die Achillesferse des Kaders. Man ist zwar aktuell mit Raum und Henrichs ganz gut in der ersten 11 besetzt, danach wir des allerdings schwierig, eine brauchbare Lösung zu finden. So wurde David Raum in der zweiten Halbzeit am Kopf getroffen und der geneigte Fan zerbrach sich wohl denselben während der Verletzungspause, wer Raum denn ersetzen könnte.

4)      Die Mannschafft schafft es nicht den Bock umzustoßen. Das Spiel lief komplett nach Unions Gusto. Unglückliche Entscheidungen und die partielle Schlafmützigkeit spielten Berlin in die Karten. Das RB dann aufgegeben hätte, kann man den Leipzigern nicht vorwerfen. Allerdings spielte man fast schon stoisch seinen Stiefel bis zum Ende durch. Wirkliche Anpassungen an die Situation waren nicht zusehen. Es fehlt daher weiter an der taktischen Flexibilität bzw. an einem Plan B oder C. 

5)      Oliver Mintzlaff wollte sich gegenüber Sky weder in der Halbzeit nach dem Spiel äußern. Vielleicht ein weiteres Zeichen, dass aktuell ziemliche Unstimmigkeiten vorliegen. Letzte Woche wurde noch öffentlich gepoltert, diese Woche kam kein Kommentar. Schwierig zu bewerten, wie die Zufriedenheit oder der Plan der Geschäftsführung aktuell ist. 

6)      Nachdem Spiel äußerten sich Union Trainer Urs Fischer und Spieler Trimmel zu den Schmähgesängen der Berliner Fans gegenüber Timo Werner. Beide verurteilten diese und plädierten für einen fairen Umgang mit Werner. Unglücklich bei der ganzen Geschichte: Leipzig Trainer Tedesco hatte die Gesänge scheinbar nicht mitbekommen. Das kommt bei der eigenen Anhängerschafft natürlich nicht an, wenn der eigene Trainer nicht mitbekommt, dass sein Spieler verunglimpft wird und vom Gegner in Schutz genommen wird. Eigentlich die Aufgabe des Headcoach.

 

Tedesco muss nun viel erklären und aufarbeiten.

 


7)      Und ein weiteres Problem für Tedesco. Willi Orban äußerte sich nach dem Spiel negativ über den Fitness-Zustand einiger Mitspieler. Offen bleibt, ob er damit die aus Verletzung zurückkommenden Kollegen meint oder generell hier die Trainerarbeit in Frage gestellt wird. Einfacher wird es für den Trainer dadurch nicht wirklich. 

 

Fazit & Ausblick

In Summe ein Spiel, dass man mit einem etwas anderen Spielverlauf vielleicht sogar hätte gewinnen können. Zumindest stimmte die Leistung bis zum 1:0 von Union. Geht man andersrum in Führung, sieht das Spiel sicher anders aus. So bleiben zwei ärgerliche Gegentore, eine fragwürdige Schiedsrichterentscheidung und altbekannte Probleme in der Abwehr, die das Spiel eigentlich schon zur Halbzeit entschieden haben.

Das man nach den ersten drei Spielen ohne Erfolg dasteht lässt Kritiker Stimmen eher weniger verstummen. Im Gegenteil kommen jetzt schwere Tage und Wochen auf die Führung und Trainer zu. Die Ergebnisse sind nicht da, der vorhandene Kader nicht in Form und unausgewogen.

Nächste Woche Samstag ist der VFL Wolfsburg zu Gast. Eigentlich immer ein guter Gegner für die Leipziger. Aber aktuell wirkt die Situation Rund um Rasenballsport Leipzig bestenfalls unglücklich. Aber wer weiß, vielleicht hat man jetzt genug Dampf auf dem Kessel, um in Fahrt zukommen. Brodeln tut es ja schon gewaltig.

 

Kicker –  Whoscored –  Sofacore –  RBL –  Bundesliga –  FotMob –  understat

 

Statistik
1. FC Union Berlin: Rönnow – Jäckel, Knoche, Leite - Ryerson (80. Giesselmann), Haberer (74. Thorsby), Khedira, Schäfer ( 74. Haraguchi), Trimmel (C) - Siebatcheu (63. Behrens), Becker (67. Michel)
RB Leipzig: Blaswich – Gvardiol (46. Halstenberg), Orbán (C), Simakan – Kampl (62. Haidara) - Raum, Olmo (78. Forsberg), Laimer (67. Silva), Henrichs – Werner (67. Silva), Nkunku
Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)
Tore: 1:0 Siebatcheu (32.), 2:0 Becker (38.), 2:1 Orban (83.)
Torschüsse:  7 / 16
Schüsse aufs Tor: 3 / 2 
expected Goals:  0,64 / 0,97
Passquote: 67% / 87%
Zweikampfquote: 52% / 27%
Ballbesitz: 26% / 74%
Laufleistung: 105,5 km / 115,9 km
Sprints: 240 / 232
Fouls: 15 / 8
Ecken: 1 / 13
Abseits: 5 / 3
Gelbe Karten: Rönnow, Behrens / Kampl (1)
Zuschauer: 22.056 (1.200 Leipziger)

tony4arsenal