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Angeschlagene Bullen gegen harmlose Wölfe

Angeschlagene Bullen gegen harmlose Wölfe

RB Leipzig und der VfL Wolfsburg suchen beide noch nach der Spur Richtung Erfolg. Die Probleme sind mannigfaltig und ähneln sich in vielen Belangen. Gelingt es RB aus der Negativspirale herauszukommen oder gerät man am Samstag, den 27.08.2022 um 15:30 Uhr in den metaphorischen Fleischwolf?

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Aufreger der Woche

Schon vor Beginn der ersten Pokalrunde für RB Leipzig gibt es viel Tumult um das Spiel am kommenden Dienstag gegen den Hamburger Viertligisten Teutonia 05 Ottensen. Nachdem sich andere Hamburger Vereine weigerten das eigene Stadion für die Austragung dieses Spieles zu stellen, verwüsteten nun auch Unbekannte das Ausweichstadion in Dessau, indem sie eine ätzende Substanz auf das Spielfeld kippten. Die Folge: Tausch des Heimrechtes und damit verbunden die Austragung des Pokalspiels in der Red Bull Arena. Welche Kosten dies für Teutonia 05 hat und wie vielen Fans des Viertligisten nun die Anreise aufgrund der Entfernung verwehrt wird, ist noch unklar. Sicher ist, dass die Beteiligten vor allem zwei kleinen Vereinen und der Stadt Dessau schaden (da das Stadion Eigentum der Stadt ist), aufgrund des Hasses auf einen Fußballverein. Bleibt abzuwarten, wann erkannt wird, dass nicht RB Leipzig das Problem im modernen Fußball ist.

Hier wäre es doch ein schönes Zeichen, wenn viele RB-Fans beim Pokalspiel im Stadion sein würden, um Teutonia 05 einen unvergesslichen Fußballabend zu bescheren, damit die Unannehmlichkeiten vergessen werden können.

Ein trauriges Bild. Der Rasen im Paul-Greifzu-Stadion in Dessau.



Die Form von RB Leipzig

Zwei Punkte aus drei Spielen. Es fühlt sich an wie ein Déjà vu und erinnert an den Start der letzten Saison. RB Leipzig bekommt nicht die PS auf die Straße und holt aus eingeplanten 7 – 9 Punkten weniger als noch in der Vorsaison zur gleichen Zeit. Der Gesichtsausdruck von Oliver Mintzlaff am vergangenen Spieltag sagt alles über die Gemütslage des Geschäftsführers von RB Leipzig aus. Dabei fallen nach wie vor drei Probleme der Mannschaft auf.

1) Wie bereits der technische Direktor Christopher Vivell resigniert feststellte, ist die Restverteidigung zum momentanen Zeitpunkt nicht Bundesligareif, was die schnellen Becker und Siebatcheu am Samstag schamlos offenlegten.

2) Als Tedesco vor mehr als einem halben Jahr übernahm, gab er an, dass der Fitnesszustand der Mannschaft nicht optimal sei, was sich im Verlauf der Saison bewahrheitete. Obwohl im Sommer kein großes Turnier stattfand und die Vorbereitung mit großen Teilen der Mannschaft durchgezogen werden konnte, scheint dieses Defizit weiterhin Bestand zu haben. Betrachtet man die Laufleistung der Roten Bullen im bundesligaweiten Vergleich, so liegt man gerade einmal auf Platz 14 (329,8 gelaufene Kilometer), während die Gegner der ersten drei Spielen allesamt unter den Top 5 landen. Ein Problem, welches vielleicht nicht unbedingt Tedesco zuzuschreiben ist, aber in Anbetracht der Winter-WM durchaus zu denken gibt.

3) Das bestehende Ungleichgewicht zwischen offensiver Power und defensiver Stabilität. An sehr guten offensiven Spielern mangelt es RB nicht. Doch was bringt eine gute Offensive, wenn die Spieler fehlen, die aus dem Mittelfeld heraus die Angriffe initiieren. Auch wenn Henrichs sich als 6er bewehrte und zuletzt als Rechtsverteidiger vereinzelt gute Bälle für Timo Werner hinter die letzte Kette spielen konnte, bleiben das Mittelfeld und der Spielaufbau die große Baustelle. Ein Xaver Schlager, der hier helfen sollte, durfte noch keine Sekunde auf dem Platz stehen und ein David Raum läuft auf der linken Außenbahn allein seine Runden. Hinzu kommt, dass RB Leipzig die wenigsten Balleroberungen in der Liga vorzuweisen hat, was für ein Team, dass sich einst durch gutes Pressing identifiziert hat, erschreckend ist. Auch wenn RB den drittmeisten Ballbesitz und die zweitmeisten gespielten Pässe der Liga vorzuweisen hat, wird nicht einmal ein Drittel der Pässe nach vorne gespielt (29,14 %), was der schlechteste Wert der Liga ist. Zusammengefasst: Viel Ballschieberei, ohne damit Ertrag erzielen zu können.

Die Stimmung ist am Boden. Es gibt viel zu besprechen.


Verletzte/gesperrte Spieler

Ein letztes Mal muss Domenico Tedesco auf den rotgesperrten Dominik Szobozlai verzichten. Schwieriger sieht es jedoch in der Verteidigung aus. Neben Lukas Klostermann (Syndesmoseverletzung im Sprunggelenk) ist auch Josko Gvardiol nach wie vor nicht bei 100 % und unter der Woche musste auch Abwehrchef Willi Orbán pausieren. Auch wenn beide wieder ins Teamtraining eingestiegen sind, ist der Einsatz am Wochenende noch nicht in trockenen Tüchern. Gleiches gilt für Peter "The Wall" Gulacsi, der zuletzt aufgrund einer Muskelverletzung passen musste. 
Weiterhin fehlen Yusuf Poulsen (Muskelsehnenverletzung im Oberschenkel), Alexander Sørloth (Muskelprobleme/ Vertragsgespräche) und Ilaix Moriba (Muskelprobleme/Vertragsgespräche). 


Mögliche Aufstellung von RB Leipzig

Gulacsi – Raum, Halstenberg, Orbán, Simakan, Henrichs – Kampl, Laimer – Olmo – Nkunku, Werner


Unser Gegner im Check

Einst auf dem Platz, jetzt an der Seitenlinie. Holt Kovac den Erfolg zurück in die Autostadt?


Form des VfL Wolfburgs

Es soll sich zeigen, dass so einige Ähnlichkeiten zwischen RB Leipzig und dem VfL Wolfsburg in dieser Saison existieren. Drei Spiele, zwei Punkte. Gegen die beiden Aufsteiger konnte man nur jeweils ein Unentschieden erringen und gegen den FC Bayern war man chancenlos. Dabei war die Hoffnung groß, mit Niko Kovac wieder den Erfolg in den ambitionierten Verein zu holen. In der Transferperiode setzte man primär auf junge talentierte Spieler und holte mit Patrick Wimmer (Arminia Bielefeld) und Mattias Svanberg (FC Bologna) viel Potenzial für das Mittelfeld. Ein Problem ist jedoch die noch nicht funktionierende Offensive. Mit nur zwei Toren und im Schnitt einer kreierten Großchance pro Spiel gleichen die Wölfe eher einem Rudel Chihuahuas. Man kann sich also auf ein Spiel am Mittelkreis einstellen und braucht kein großes Torspektakel zu erwarten. Oder etwa doch?


Niko Kovac: Mit Disziplin und Autorität zum Erfolg

Auch wenn Niko Kovac auf den Pressekonferenzen gerne ein schelmisches Grinsen auflegt und keinem guten (oder weniger guten) Spruch verlegen zu sein scheint, so ist sein Führungsstil sehr dominant. Während Kovac mit dieser autoritären Art noch die Kicker der Eintracht zum Pokalsieg führte, sorgte sie in München und Monaco (oh, Wunder) für weniger Euphorie. Bereits kurz nach Amtsantritt beim FCB verbot der Kroate bei der obligatorischen Amerikareise den Besuch des Nachtlebens in Miami. Disziplin statt guter Laune. Auch in Monaco, bei den Schönen und Reichen, kam diese Art weniger gut an. Zudem geriet Kovac mit Paul Mitchell aneinander (den kennen wir doch), als dieser ihm einen Performance-Manager an die Seite stellte. Zu viele Diskrepanzen, um weiterhin an der Seitenlinie zu stehen.
Auch in Wolfsburg bahnt sich ein Konflikt an. So äußerte Max Kruse öffentlich seinen Unmut über seine momentane Reservistenrolle. Kovac gab sich davon genervt und unterstellte dem einstigen deutschen Nationalspieler eine schwache Trainingsleistung.

Vergessen wird jedoch häufig, dass er mit seiner Art und Spielidee oftmals erfolgreich ist. In München holte er das Double (und damit einen Titel mehr als Nagelsmann in seiner ersten Saison) und in Monaco hatte er den zweitbesten Punkteschnitt der Vereinsgeschichte (1,95 Punkte pro Spiel), was mit dem dritten Platz und dem Pokalfinale belohnt wurde. Auf dem Platz fordert Kovac Intensität und Leidenschaft, ein gutes Pressing und schnellen Fußball. So gehört der VfL bei den intensiven Läufen zur bundesligaweiten Spitze. Kritiker werfen dem 50-Jährigen jedoch mangelnde Anpassung an das gegnerische Spielsystem vor. Entweder funktioniert die Idee des Kroaten oder eben nicht. Da wird es Zeit, dass Tedesco in seine Trickkiste greift.

Elfmeterschießen zwischen Niko Kovac und Lukas Nmecha. Alter vor Jugend?


Player to watch

Im Sommer 2021 war auch RB Leipzig an dem deutschen U21-Stürmer Lukas Nmecha interessiert, entschied sich jedoch schlussendlich für André Silva. Verblüffend ist dabei die Ähnlichkeit, die beide nach der ersten Saison miteinander verbindet. Lukas Nmecha, der daraufhin in die Autostadt wechselte, spielte eine solide erste Saison (10 Tore und eine Vorlage), hat dabei die gleichen Probleme wie André Silva in Leipzig. Noch haben seine Mitspieler kein passendes Mittel gefunden, um den Nationalstürmer richtig ins Spiel einzubinden. So kommt er zu wenig in die Aktionen, welche zu Torerfolgen führen könnten. Durch den Ausfall des Kreativspielers Wimmer könnte diese Einbindung noch schwieriger werden, auch wenn er mit einem Tor und einer Vorlage gut in die Saison gestartet ist.


Verletzte und gesperrte Spieler

Bitter für die Wölfe sind die Ausfälle von Jonas Wind (Sehnenverletzung im Oberschenkel) und Patrick Wimmer (Kopfverletzung), die der harmlosen Offensive ordentlich fehlen werden. Außerdem fallen Torhüter Lino Kasten (angeschlagen) und Yannick Gerhardt (Knieverletzung) aus und werden nicht mit in die Messestadt reisen.


And the winner is ... der Fantipp

Ein verunsicherter Gegner aus Wolfsburg mit einem angeschlagenen Kader ist wohl die größte Chance, um die ersten Spieltage vergessen zu machen. Doch RB muss erst zeigen, ob sie aus den Fehlern gelernt und sich für dieses (besonders für Tedesco) entscheidende Spiel gut vorbereitet haben. Der Fantipp: 2:1 Sieg der Roten Bullen.


Was läuft wo?

Liveticker RB-Fans.de: https://rb-fans.de/liveticker.html
Radio: http://bullenfunk.fm/
TV-Übertragung: Sky


Alex Hell


Quellen: 
Transfermarkt.de, WhoScored, Bundesliga.de, Ligainsider, Sport1, NDR