Cooler Christo ballert Leipzig zum ersten Saisonsieg
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Tedesco unter Zugzwang. Vier Saisonspiele sieglos, da musste gegen Wolfsburg unbedingt ein Dreier her, sonst würde der Busch brennen. Die Doppelspielwochen starten und in der Defensive bleibt RBL weiterhin dünn besetzt. Gerüchte um Chalobah scheinen sich zu zerschlagen – gut möglich, dass außer Abgängen (Sørloth, Moriba) nichts mehr passiert.
Aufstellungstechnisch mal wieder keine Überraschung. Kampl (20 % Zweikampfquote) durfte erneut ran. Silva startete für Werner, der einen grippalen Infekt hatte. Blaswich ersetzte den weiter angeschlagenen Kapitän Gulácsi.
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Dreisatz des Spiels
Immens wichtiger erster Saisonsieg bei dem Nkunku mal wieder die Leipziger Tore erzielte, aber es bleibt noch (sehr) viel zu tun. Wolfsburg in der ersten Halbzeit harmlos aber nach der Pause mit Chancen auf den Ausgleich, Leipzig hingegen nur mit der frühen Führung durch Elfmeter und dem späten Kontertor zum 2:0. Dazwischen viel Stückwerk mit den üblichen Abschlussschwächen (vier vergebene Großchancen) und einer bemerkenswert schwachen rechten Seite.

Endlich konnte mit den Fans der erste Sieg gefeiert werden.
Neu im Bullenstall
Gute Leistung von Blaswich, nachdem er gegen Liverpool und Union völlig zurecht in der Kritik stand. Gegen Wolfsburg hielt er die knappe Führung fest und hatte daher einen nicht unerheblichen Anteil am ersten Saisonsieg. Allerdings zeigte er auch enorme Schwächen bei der Strafraumbeherrschung bzw. bei Bällen, die durch den Fünfer segelten. Hier blieb er noch passiver als Gulácsi!
Raum mit viel läuferischem Aufwand aber geringem offensiven Impact. Nur eine angekommene Flanke und keine Torschussvorbereitung trotz der klaren Leipziger Linksauslage. Das Geld, welches für den Wechsel von Angel zu ihm erforderlich war, wäre anderswo im Kader vermutlich deutlich sinnvoller angelegt gewesen.
Werner brachte mit Erkältung gut eine halbe Stunde aufs Feld und bereitete das 2:0 vor. Daneben war es aber viel Stückwerk mit katastrophalen Schwächen in der Ballbehandlung. Schlager mit seinen ersten zehn Minuten für Leipzig. Ein Schelm, der bemerkt, dass es vielleicht in diesem Setup die besten zehn Minuten des Spiels waren – aber auch weil Wolfsburg aufmachen musste.

Mehr Fotoboms als gewonnene Zweikämpfe: Kampl.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Nkunku: Eiskalt geschossener Elfer und am Ende den Deckel drauf gemacht. Nkunku mit dem fünften Pflichtspieltor, seine Kollegen stehen bei vier. Wo Leipzig wohl ohne ihn wäre? Hatte mit van de Ven (1 km/h schneller) seine liebe Mühe und auch ein paar Szenen, die er hätte besser lösen können. Am Ende mal wieder Leipzigs bester, da effizientester, Offensivspieler.
Olmo: Als Zehner super, vier Key-Pässe (meiste auf dem Feld) und mit den meisten Zweikämpfen (50% Quote). DER Motor der Offensive, auch wenn er (besonders am Ende) immer mehr von Laimer unterstützt wurde. Seine Topchance im ersten Durchgang muss er allerdings verwandeln.
Blaswich: Zuletzt kritisiert, heute hielt er den Sieg fest. Klebt für mein Dafürhalten noch viel zu sehr auf der Linie, auf der war er aber – ähnlich wie Gulácsi – sehr stark. Sollte sich daher noch etwas mehr trauen, den Fünfmeter- und auch den Luftraum zu beherrschen.

Wenn du gerade die dicke Chance aufs 2:0 vergeben hast.
Luft nach oben
Henrichs: Defensiv schnell in arger Bedrängnis auf der rechten Seite und mit einer zügigen Gelben, die dann eine Auswechslung noch vor der Halbzeit (über die er sich sichtlich ärgerte) nach sich zog. Eine richtig miese Zweikampfquote unter 20% und eine Passquote von unter 50% waren so ziemlich das Schlechteste, was auf dem Platz zu finden war. Leipzig hat ein Problem auf der rechten Abwehrseite und das nicht erst seit gestern. Bezeichnenderweise musste dann Halstenberg als Ersatz ran. Erst am Ende wirkte es mit Haidara auf der rechten Schiene etwas besser.
Gvardiol: Noch weit weg von seiner Topform, die er in der letzten Saison so oft zeigen konnte. Ähnlich schlechte Zweikampfquote wie Henrichs und daher ein Unruhepol der zweiten Hälfte, in der Wolfsburg bis zum späten 2:0 auch den Ausgleich hätte erzielen können. Muss unbedingt wieder besser werden, auch weil der Kader momentan wenig andere Innenverteidiger bereithält.
Werner: Bereitete zwar das 2:0 durch eine Hereingabe vor, verstolperte davor aber davor einige Szenen. Leipzig ist derzeit noch abhängiger von Nkunkus Toren als letzte Saison und das will etwas heißen.Einerseits kennen wir Werners Stärken und Schwächen, andererseit darf der eine oder andere Ball auch besser angenommen oder abgeschlossen werden.
Kategorie: unlautere Mittel
➡️ Großer Respekt gebührt übrigens Micky van de Ven. Der Wolfsburger Innenverteidiger stellte in insgesamt vier direkten (längeren) Sprintduellen Werner & Nkunku kalt. Schaffste normalerweise nur mit nem Moped. 🏍 🚨 #RBLWOB
— Philipp Hinze (@philipphinze24) August 27, 2022
Jetzt werden sogar schon technische Hilfsmittel eingesetzt.
Tweet des Spiels
Verdienter Sieg mit keiner herausragenden Leistung, aber einer ordentlichen Leistung. Bei vielen Szenen haben gefühlt noch die letzten Prozent gefehlt.
— Niklas (@gNiklas43) August 27, 2022
Blaswich für mich heute neben Nkunku & Laimer MotM.
Mit sehr starken Paraden den Ausgleich verhindert.#RBLWOB #RBLeipzig https://t.co/HBUr6L7kJI
Die letzten Prozente fehlen noch.
Champagner statt Bier – die Fans
Solide Vorstellung im Fanblock, vielleicht mit etwas weniger Drive als zuletzt. Tapeten zum Polizeieinsatz in Berlin (mal schauen, ob das noch ein Nachspiel hat) sowie acht Jahre Zone 147. Letztere ist nach dem Ende der Red Aces so etwas wie der harte Kern des Fanblocks. Im weiten Stadionrund gab es jedoch viele leere Plätze, das konnten auch die roten Sitze nicht verdecken. Von den 41.000 gemeldeten Zuschauern gefühlt vielleicht 35.000 anwesend. Das Leipziger Publikum ist verwöhnt, auch wenn heute als Ausrede die Einschulveranstaltungen angeführt werden könnten (aber irgendwas ist ja bekanntlich immer). Bemerkenswert das Aufleben einer alten Tradition – in Minute 20:09 wurde mal wieder im Fanblock beginnend und das ganze Rund mitnehmend mit "Wir sind Leipzig" DER Gassenhauer schlechthin angestimmt.
Nach den Vorfällen bei der Abreise aus Berlin letzte Woche kritisiert die Fankurve die Polizei. #RBLWOB pic.twitter.com/hNoXBVqaCv
— RB-Fans.de 🏆 (@rb_fans) August 27, 2022
Plakatflut heute im Block.
Pfeife des Spiels
Acht Bundesligaheimspiele unter Dankert mit sieben Siegen plus einem Unentschieden. Mit dem Erfolg gegen Wolfsburg in diesem Jahr drei Siege ohne Gegentor. Dazu ein klarer Elfer. Im Spiel fehlte Dankert jedoch die klare Linie, wurden Fouls nicht stringent bewertet. Gelb gegen Henrichs nach Armeinsatz (siehe beispielsweise dagegen der Platzverweis von Hincapie bei Bayer) aber kein Foulspiel nach Armeinsatz im Strafraum (gegen Silva) gegen Wolfsburg nur eines der Beispiele für eine bestenfalls durchwachsene Schiedsrichterleistung.

Werner mit technischen Unzulänglichkeiten..
Aufgefallen
1) Leipzig kann also doch noch gewinnen. Der Sieg war letztlich hochverdient, weil RBL über das Spiel gesehen die besseren Chancen hatte und am Ende mit 3,8 xG und vier vergebenen Großchancen auch einiges liegen ließ. Darauf kann man aufbauen. Zwischendrin war es allerdings auch einschläfernd, also was für Taktikfüchse – die von der schläfrigen Sorte.
2) Während Union heute auf Schalke aus 1,1 xG und keiner Großchance sechs Tore macht, schafft Leipzig aus 4 xG und sechs Großchancen nur zwei Tore – finde den Fehler. Gerade eine Staroffensive aus Werner, Nkunku, Olmo und Silva sollte effizienter daherkommen. Aber in Sachen mangelnde Effizienz war man an diesem Spieltag mit Bayern und Freiburg in guter Gesellschaft.

Silva mit altbekannten Geschwindigkeitsproblemen und erneut ohne Treffer.
3) Ein Schlüssel zum Erfolg, dass man aufgrund des Spielverlaufs Wolfsburg auch mal den Ball überließ, um zu kontern. In beiden Halbzeiten hatten die Wölfe mehr Ballbesitz, aber RBL die bessern Chancen. Das lässt sich natürlich leichter bewerkstelligen, wenn die Abwehr sicher steht, aber davon ist RBL noch ein gutes Stück entfernt. Da Laimer (60% Zweikampfquote) etwas offensiver agierte, gab es am Ende keinen Defensivspieler von RBL, der es über 50% Zweikampfquote brachte. Kombiniert 41 Zweikämpfe von denen nur 14 gewonnen wurden (bei Fünferkette + Kampl). Für höhere Weihen reicht das bei Weitem nicht und daher sind hier besonders die zuletzt und auch heute erneut schwächelnden Kampl, Gvardiol und Henrichs gefordert. Zum Vergleich: Wolfsburgs Linksverteidiger Otávio gewann 12 seiner 17 Zweikämpfe.
4) Die Offensive heute der beste Mannschaftsteil bei RBL, zumindest was das Herausspielen von Chancen anbelangt, beim Verwerten sollten allerdings einige noch etwas üben. Im Mittelfeld bzw. bei den offensiven Außen blieb viel Luft nach oben. Laimer nur streckenweise gut. Kampl wie schon besprochen mit defensiven Schwächen, Raum ohne Impact und Henrichs allgemein schwach.
Gewonnen, mehr auch nicht.
— TheFunkyTechnician (@TheFunkyTechnic) August 27, 2022
Gegen Frankfurt oder Dortmund holst du so aber keine Punkte.#rblwob
Fraktion Glas halbleer.
5) Als Schlager-Fan (nein, nicht Helene) wusste die Endaufstellung zu gefallen. Haidara als Rechtsverteidiger, wo seine Fehler (die er hin und wieder drin hat), nicht so sehr ins Gewicht fallen, wie im Zentrum. Xaver neben Konny – das Alpen-Traum-Duo und vorne die schnellen Werner und Nkunku. Das wirkte deutlich dynamischer als die Startelf, wobei es dem Team natürlich entgegenkam, dass Wolfsburg wegen des knappen Spielstands aufmachen musste.
6) 18. Spiel gegen Wolfsburg und das erste Mal, daß RBL zwei Ligaspiele in Folge gegen Wolfsburg gewinnen konnte (letzte Rückrunde im Januar ebenfalls daheim). Da Leipzig davor vier Mal in Folge in der Liga nicht gegen Wolfsburg gewinnen konnte, kann man das schon als klaren Aufwärtstrend sehen. Aber irgendwas muss ja ligatechnisch Dinge wie vier Niederlagen gegen Union in Serie ausgleichen.
Die PK nach dem ersten Saisonsieg.
7) Am Dienstag geht es weiter im Pokal. Sicherlich wird Tedesco dort ordentlich rotieren und Novoa, Forsberg, Schlager und Co ranlassen. Das sollte daheim gegen den Regionalligisten auch so zu einem Sieg reichen. Ottensen mit dem dritten Sieg in Folge (2 mal Liga einmal Pokal), nimmt unter Ex-RBL Trainer Bergner gerade Fahrt auf. Bleibt zu hoffen, dass die Täter, die in Dessau den Platz zerstört haben, gefunden werden. Einige Aktionen der letzten Saison scheinen den Hass auf RBL wieder salonfähig gemacht zu haben.
8) Was war noch so? Ach ja, die Champions League Auslosung. Titelträger Madrid und die Meister Celtic und Donezk sind die Gegner. Wir werden alle drei am Montag in einem Artikel unter die Lupe nehmen. Stay tuned…

Henrichs einer der schlechtesten Leipziger, ein starker RV wäre wünschenswert.
Auf der einen Seite der wichtige erste Saisonsieg, der bei fast 4xG auch verdient daherkommt. Auf der anderen Seite wackelte das 1:0 zwischenzeitlich schon bedenklich, was zeigt, dass die Defensive noch weit von ihrer Topform entfernt ist. Offensiv hängt sehr viel an Nkunku, während es bei Silva und Werner oft nur zu guten Ansätzen reicht.
Auch in der Grundstruktur ändert sich wenig. Kampl bleibt gewohnt zweikampfschwach, die rechte Seite bleibt verwaist und taktisch ist RBL ausrechenbar. Gegen oft harmlose und bisher sieglose Wölfe reicht das vielleicht, gegen Teams, die ein Regal darüber spielen vielleicht schon nicht mehr.
Eine Schwalbe macht also noch keinen Sommer und Tedesco muss erst noch nachweisen, dass er das Ruder nachhaltig herumreißen kann. Es ist der vierte Sieg aus den letzten 13 Pflichtspielen. Noch ist RBL also nicht über den Berg.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat
Statistik
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs (42. Gvardiol), Simakan, Orbán (C), Halstenberg (84. Schlager), Raum – Laimer, Kampl (64. Haidara) – Olmo, Nkunku – Silva (64. Werner)
VfL Wolfsburg: Casteels – Baku, Lacroix, van de Ven, Otávio – Arnold (C, 72. Svanberg), Guilavogui (46. F. Nmecha) – Kamiński (46. Marmoush), Philipp (59. Brekalo), Kruse – L. Nmecha (59. Waldschmidt)
Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
Tore: 1:0 Nkunku (5.) HE, 2:0 Nkunku (90.)
Torschüsse: 16 / 9
Schüsse aufs Tor: 7 / 4
expected Goals: 3,8 / 0,5
Passquote: 75% / 82%
Zweikampfquote: 46% / 54%
Ballbesitz: 42% / 58%
Laufleistung: 113,3 km / 112,9 km
Sprints: 221 / 280
Fouls: 20 / 15
Ecken: 8 / 4
Abseits: 1 / 1
Gelbe Karten: Henrichs (2), Laimer (1), Werner (1) / Arnold, Baku, Otávio
Zuschauer: 41.243
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion