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Katastrophaler Tiefpunkt in Frankfurt
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Katastrophaler Tiefpunkt in Frankfurt

Katastrophaler Tiefpunkt in Frankfurt

4:0 geht Leipzig in Frankfurt unter und lässt dabei so ziemlich alles vermissen. Taktik, Physis, Einstellung, Spielkultur, Ideen, Zuordnung … egal was. Die höchste Bundesliganiederlage von RBL (gemeinsam mit dem Kick gegen die TSG) ist der vorläufige Tiefpunkt einer seit April anhaltenden Entwicklung. Auch Tedesco wirkte während und nach dem Spiel ratlos.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Der erste Ligasieg gegen Wolfsburg und der torreiche Pokalerfolg gegen Ottensen haben die Trainerdiskussion vorerst beruhigt. Mit Diallo wurde eine weitere Defensivoption verpflichtet und der Kader durch die Abgänge von Wosz und Bonnah sowie die Leihen von Moriba und Sørloth verschlankt. Insgesamt eine gute Transferperiode aber auch mit Abzügen, weil die Probleme im defensiven Mittelfeld und der rechte Abwehrseite nicht wirklich angegangen wurden.

Bei der Aufstellung gab es im Gegensatz zum DeadlineDay keine Überraschungen. Kapitän Gulácsi kehrte zurück. Gvardiol, wieder fit und mit neuem Vertrag startete ebenso wie Werner, der auch gegen Wolfsburg noch angeschlagen auf der Bank war. Für sie mussten Halstenberg und Silva (ausgerechnet gegen sein Ex-Team) weichen. Dass der Sieg gegen die Wölfe nicht zu hoch bewertet werden sollte, zeigte sich schon vor dem Spiel, denn Wolfsburg ging trotz früher Fürhung auch gegen Köln mit 2:4 baden.

 

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Dreisatz des Spiels

Es war eines der schlechtesten Spiele der Leipziger in der Bundesliga bzw. überhaupt. Kein Matchplan, läuferisch komplett unterlegen, keinerlei Biss und gedanklich immer zu langsam. Nach dem 1:0 ist Leipzig auseinandergefallen wie ein Kartenhaus und hatte nur nach der Pause so etwas wie 5 gute Minuten – viel zu wenig!

 

Im Lexikon unter Ratlosigkeit zu finden..

 

Neu im Bullenstall

Werner komplett aus dem Spiel genommen, auch weil die Angriffe vorher schon versandeten. Raum wie zuletzt eher ein Schwachpunkt denn eine Bereicherung. In den Zweikämpfen mau und nicht passsicher, zudem mit den meisten Ballverlusten auf Leipziger Seite.

 

"Woran hat et jelegen?"

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Es lohnt sich nicht, heute jemanden positiv herauszustellen. Forsberg und Szoboszlai wirkten zumindest etwas besser als einige der Startelfspieler und Pete hatte ein, zwei gute Paraden und war bei den Gegentoren machtlos.

 

Der einzige gefährliche Torschuss von RBL.

 

Luft nach oben

Auch hier muss man die gesamte Mannschaft in die Pflicht nehmen. Der Angriff verhungerte und wenn etwas nach vorne kam fehlte Präzision und Harmonie. Nkunku auch selten zu sehen. Kampl und Laimer fehlte komplett die Abstimmung, Passsicherheit und Zweikampfeinstellung. Wie einfach Frankfurt zeitweise durch die Leipziger Hintermannschaft marschierte lag auch an ihnen. Zumal Laimer teilweise kopflos und riskant agierte. Die Außenverteidiger sind aktuell eine der Achillesfersen Leipzigs. Nach vorne ideenlos und in der Abwehr nicht gut genug. Die Dreierkette hatte zwar solide Zweikampfquoten aber Duelle in die man nicht findet, kann man ja auch nicht verlieren…

 

Kategorie: Planungsstand am Pließestrand

RB Leipzig: Jetzt auch ohne Plan..

 

Tweet des Spiels

Wenn du als Marketingverein deinen Markenkern verlierst...

 

Champagner statt Bier – die Fans

Einige hundert Fans in Frankfurt. Die mussten einiges schlucken und wussten am Ende nicht so recht, wie sie mit dem Spiel umgehen sollten. Einige klatschten der Mannschaft Mut zu, einige wendeten sich mit Grauen ab und einige pfiffen. Die Art des Auftrittes hatten die Mitgereisten jedenfalls nicht verdient!

 

Am Ende kehrten einige dem Feld den Rücken.

 

Pfeife des Spiels

Das vierte Mal, dass Brych die Ansetzung Eintracht gegen Leipzig pfiff. In der Liga gab es zwei Unentschieden, im Pokal endete für Nagelsmann seine erste Pokalsaison dort. Leipzig gewann lediglich vier der bisher 12 Bundesligaspiele unter seiner Leitung. Frankfurt aber auch nur ein Drittel der 25 Heimspiele.

Brychs Serie hielt also (im negativen Leipziger Sinne) – bzw. er setzte er noch einen drauf. Letztlich war er aber komplett schuldlos an der Höhe der Niederlage. Ein wenig grenzwertig die Linie, die Karten lange stecken zu lassen. Am Ende hatten aber beide Teams Glück (Kamada / Gvardiol) nicht mehr Gelbe kassiert zu haben. Einzig das Tor von Tuta hätte er wohl bessert kassiert, denn Kamada steht direkt in der Schussbahn im Abseits, das ist dann doch eher aktiv denn passiv.

 

Laimer mit zu vielen Fehlern aber immerhin besser als Kampl.

 

Aufgefallen

1)      Nach dem Wolfsburgspiel hatte ich gewarnt, dass RBL mit einem Sieg noch lange nicht über den Berg ist und der aktuelle Zustand der Wölfe weit unter dem liegt, was die kommenden Gegner aufs Feld bringen können. Das hat sich gegen die SGE bewahrheitet. So sind Erfolge wie der Pokalsieg der letzten Saison oder der Kantersieg gegen Ottensen wohl einigen zu Kopf gestiegen. Viel wichtiger für die Bewertung der Lage ist aber das Tagesgeschäft und da stimmt die Ausbeute schon länger nicht mehr.

2)      Es war die geteilt höchste Niederlage in der Bundesliga (mit dem 0:4 gegen Hoffenheim). Nur gegen Manchester setzte es eine höhere Pleite. Auch das macht dieses Spiel in gewisser Hinsicht zu etwas Besonderem.

 

Werner abgemeldet.

 

3)      Die physischen Defizite gegen Frankfurt waren frappierend. Acht Kilometer weniger gelaufen. Läuferisch eines der schwächsten Teams der Liga und überhaupt wenig griffig im Spiel. Unzählige Situationen im Spiel, wo die Frankfurter gedanklich und physisch schneller waren als Leipzig. Die Grundlagen sollten zu diesem Saisonzeitpunkt aber gelegt sein. Das ist scheinbar nicht der Fall. Letzte Saison konnte man sich noch einreden, dass es an der schlechten Basis lag, die Marsch gelegt hatte oder an der langen Saison. All das zählt aktuell nicht mehr. Fakt ist: Die Mannschaft ist physisch gegen Teams wie Union, Köln oder Frankfurt meilenweit im Nachteil. Das ist aber eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Saison, die nun erneut früh in Gefahr ist.

4)      Taktisch versuchte Tedesco zwar ein paar Anpassungen aber letztlich blieb alles wirkungslos. Denn weder offensiv noch defensiv fügte sich alles zu einer Strategie zusammen, um das Spiel gewinnen zu können. Keine klare Struktur im Spielaufbau, stattdessen viel Festrennen in Zonen die bereits von der SGE gedeckt waren. Viele Fehler im Passspiel, viele Pässe im U des Todes – also mit quasi allen Frankfurtern noch vor sich. Defensiv passte auch wenig. Kaum Zugriff im Zentrum (1:0), die Außenverteidiger zu weit weg (2:0), zu viele Ballverluste beim Umkehrspiel. Alles passte nicht zusammen, die Spieler schienen gegenseitig nicht zu wissen, was ihre jeweiligen Nebenleute machen würden.

 

Es ist 5 nach 12.

 

5)      Ob die fehlende Mentalität, die Tedesco nach dem Spiel anmahnte nun der Hauptgrund für die obigen Schwächen war oder nur ein weiteres Symptom des desolaten Gesamtzustandes, sei mal dahingestellt. Für mein Dafürhalten, war das eigentlich bisher kaum ein Problem in Leipzig, aber gegen die SGE war es schon auffällig, wie unterschiedlich beide Teams in Zweikämpfe gingen, wie unterschiedlich die Spieler gegenseitig unterstützten oder ohne Ball die nötigen Wege machten. In all dem war Leipzig eine, wenn nicht sogar zwei Klassen schlechter.

6)      Wie man es dreht oder wendet, für viele dieser Dinge ist das Trainerteam verantwortlich. Natürlich kann man über Schwachstellen im Kader reden wie den fehlenden Sechser oder die Situation auf der rechten Abwehrseite. Im Vergleich zur letzten Saison ist aber auch hier nicht so viel Qualität abhandengekommen (Mukiele mal außen vor). Was eben zum Schluss führt, dass Tedesco momentan nicht das Optimum, ja nicht mal mehr das Normalmaß aus dem Team holt. Wenn dieser Umstand sich nicht zügig ändert, droht eine ähnliche Hinrunde wie unter Marsch. Der gewann am sechsten Spieltag und stand bei 7 Punkten, um nicht darunter zu liegen müsste Tedesco gegen den BVB siegen, wie wahrscheinlich das aktuell ist, kann jeder für sich selbst beantworten.

 

Die Leipziger Version von Jack of all Trades kommt doch recht zahnlos daher.

 

7)      Das Problem ist zudem der Trend, der sich seit dem Frühjahr abzeichnet und der auch durch die Vorbereitung nicht gebrochen wurde. Die schwachen ersten Halbzeiten mit nur 5 Toren in den letzten 17 Spielen. Die läuferischen Defizite, die Probleme im Zentrum, die Tedesco mit den aktuellen Spielern scheinbar nicht lösen kann (zum Vergleich Glasner musste zuvor sein System umstellen, weil Kostic gegangen ist und hat das in kurzer Zeit scheinbar sehr gut hinbekommen), die sich verschlechternde Abwehrleistung und das oft ideenlose Spiel nach vorne.

8)      Wie kann es jetzt also weitergehen? Auch wenn erst nach 34 Spieltagen abgerechnet wird (ein Spruch der in einer Krise auch nicht gerade weiterhilft), so bleibt nicht ewig Zeit das Ruder herumzureißen und RBL wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Nachdem die oben beschriebenen Punkte nun schon länger als ein Dutzend Pflichtspiele andauern, muss die Trainerfrage grundsätzlich erlaubt sein. Ich persönlich sehe kaum Szenarien, in denen Tedesco die Trendwende schafft aber ich sehe auch nicht, dass die wahrscheinlichen Kandidaten wie Rose und Hütter (bezeichnenderweise beide mit Red Bull und Eberl Vergangenheit) mittelfristig hier eine Ära prägen können. Das war auch schon bei Tedesco die große Frage. JE länger man wartet umso unwichtiger wird das allerdings, denn dann zählt erstmal nur die Frage, ob der Trainer als Feuerwehrmann ist. Vielleicht könnte man mit Leuten wie Villas-Boas oder Pochettino auch mal in eine ganz andere Richtung denken.

 

Viele Fürsprecher hat Tedesco in der Fanszene nicht mehr.

 

9)      Nicht minder Problematisch als Abwehr und Taktik übrigens die Ausbeute in der Offensive. Kein Schuss aufs Tor. Nur vier Schüsse von RBL überhaupt und 3,6 zu 0,2 xG. Oder in einem Wort: chancenlos!

10)      Die kommenden Aufgaben werden jedenfalls nicht leichter. Dortmund steht oben in der Tabelle und auch wenn sie gerade keinen Fußball vom anderen Stern spielen, haben sie auf alle Fälle das spielerische Potenzial RBL weh zu tun. Danach kommen Real und Gladbach. Da ist der Champions League Auftakt gegen Donetzk schon die leichteste Aufgabe. Es werden spannende und schwere Wochen…

 

Kommt es zu einer erneuten Hinrundenzäsur?

 

Jetzt ist guter Rat teuer. Die Ausreden gegen Stuttgart und Köln (fehlende Chancenverwertung & Pech) und der Sieg gegen die schwächelnden Wölfe haben den Blick für die Realitäten, die seit April immer mehr Einzug hielten, etwas vernebelt. Aber Frankfurt war eine Bankrotterklärung. Auch die Zeit für Schüsse vor den Bug (O-Ton Schäfer) ist längst vorbei, denn die gab es seit April trotz des Pokalsiegs zu Genüge.

Die Transferphase ist vorbei. Am Kader – der nicht so schlecht ist – jedenfalls keinesfalls so schlecht wie er in Frankfurt gespielt hat – wird man nichts mehr ändern können. Tedesco saß ziemlich teilnahmslos am Rand und wusste nach dem Spiel auch nicht viel mehr zu sagen, als dass es eine katastrophale Vorstellung war. Aber für Einstellung, Taktik und die physische Basis ist nicht zuletzt auch das Trainerteam zuständig.

Viel Zeit bleibt nicht und auch ein Trainerwechsel kann bis zur WM quasi nur im Feuerwehmodus arbeiten. Für viele Trainingseinheiten ist in den kommenden Doppelspielwochen kaum Zeit, gerade deswegen ist der Zustand des Teams, wie er sich in Frankfurt bot, auch so bedenklich. Zumal Mannschaften wie Dortmund, Gladbach und Real eher noch eine Ecke besser sein dürften als die SGE.

 

Kicker –  Whoscored –  Sofacore –  RBL –  Bundesliga –  FotMob –  understat

 

Statistik
SG Eintracht Frankfurt Trapp – Jakić (87. Chandler), Tuta, N'Dicka, Lenz (87. Smolčić) – Rode (32. Ebimbe), Sow – Lindstrøm (87. Knauff), Götze, Kamada (C) – Kolo Muani (74. Borré)
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Simakan (69. Haidara), Orbán, Gvardiol – Henrichs, Laimer, Kampl (46. Szoboszlai), Raum (69. Halstenberg) – Olmo (11. Forsberg) – Nkunku, Werner (74. Silva)
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Tore: 1:0 Kamada (16.), 2:0 Rode (22.), 3:0 Tuta (67.), 4:0 Borré (84.) FE
Torschüsse: 14 / 4
Schüsse aufs Tor: 9 / 0
expected Goals: 3,6 / 0,2
Passquote: 82% / 84%
Zweikampfquote: 43% / 57%
Ballbesitz: 43% / 57%
Laufleistung: 113,7 km / 105 km
Sprints: 244 / 218
Fouls: 15 / 11
Ecken: 4 / 3
Abseits: 3 / 0
Gelbe Karten: Sow / Henrichs (3)
Zuschauer: 49.700 (geschätzt 1.000 Leipziger)

Rumpelstilzchen