Ein Sieg mit bitterem Beigeschmack
Inhalt
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Die Schotten zu Gast in Leipzig, das bedeutet einen sprunghaften Anstieg des Alkoholkonsums. Die Läden in der Innenstadt mit leeren Regalmetern, fast wie zu Corona-Hochzeiten. Was dem Alman sein Klopapier ist dem Schotten sein Bier.
Für Roses Rasenballer war klar: siegen oder fliegen. Nach zwei Auftaktpleiten musste der erste Champions League-Dreier der Saison her. Belastungssteuerung war zu Beginn der englischen Wochen noch zweitrangig, daher ersetzte lediglich Raum Halstenberg in der Viererkette.
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Dreisatz des Spiels
Ein lange Zeit ausgeglichenes Spiel (11/11 Torschüsse bis zum 2:1) mit einem verdienten Sieger aus Leipzig, da RBL am Ende die deutlich hochklassigeren Chancen hatte. Nicht zuletzt durchs Silvas Doppelpack bleiben die Rasenballer im Rennen um das Überwintern in der Champions League. Gulácsis frühes Aus mit einem Kreuzbandriss (womit der Ungar sicherlich bis tief in die Rückrunde, wenn nicht sogar die ganze Saison ausfallen dürfte) trübt das Gesamtbild.

O Captain! My Captain!
Neu im Bullenstall
Nach dem frühen Kreuzbandriss von Pete konnte sich Blaswich als Ersatz auszeichnen. Beim Gegentor war nicht viel zu halten, der Ballverlust von Werner nach Pass von Gvardiol war einfach zu toxisch. Dreimal parierte Blaswich gegen die Schotten. Werner erwischte einen ganz schlechten Tag. Viele individuelle Fehler mit dem Ball, kein Torschuss, kein gewonnener Zweikampf sowie ein gehöriger Anteil am Ausgleich der Schotten. Kurzum – er war der schlechteste Leipziger.
Auch Schlager mit einer durchwachsenen Leistung. 50% Zweikampfquote, relativ viele Ballgewinne (z.B. vor dem 1:0) und Ballverluste sowie eine unterdurchschnittliche Passquote. Bei aller Dynamik wirkte das noch nicht ganz ausgewogen. Raum hinkte Simakan etwas hinterher, immerhin brachte er mehrere Flanken an den Mann und hatte die meisten Keypässe auf dem Feld. Musste am Ende mit Krämpfen vom Platz.

Simakan in Hochstimmung.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Silva: Zurecht Man of the Match. Hatte neun Torschüsse und zwei Tore, wobei besonders die Ballbehandlung beim 3:1 herausragte und er lieferte die Vorlage zum 1:0. Schneller zu Fuß, als man es gemeinhin bisher von ihm sah und am Ende glücklich über seinen verdienten Titel. Auch wenn er eines seiner Tore dem eigenen vorhergehenden Sichtabseits verdankte, denn ohne die Aberkennung von Szoboszlais Treffer wohl auch kein Fehler von Hart, nachdem Szobo dann Silva bediente.
Nkunku: Pech bei seinem ersten Treffer, der denkbar knapp wegen Abseits kassiert wurde, aber ließ sich das Prädikat Dosenöffner dennoch nicht nehmen. Der Abschluss zwischen Gegenspieler, Keeper und Torpfosten wie maßgeschneidert. Ebenso kam seine Eröffnung zum 3:1 daher, als sein Ball mustergültig per one touch von Simakan zu Silva gebracht wurde. Nkunku eben…
Simakan: Wenn man ein RV-Problem im Kader hat, muss man eben kreativ werden. Simakan als aktuelle Lösung passt sehr gut zur Viererkette und versteht sich bestens mit Nkunku. Hier und da noch etwas unrund aber defensiv bockstark (80% Zweikampfquote) und offensiv mit immer mehr guten Einfällen. Die Vorlage zum 3:1 zum Zunge schnalzen.

Der Spieler der Woche in der Champions League.
Luft nach oben
Werner: So gut wie Silva war, so schlecht war Timo. Es war so gar nicht das Spiel des Rückkehrers, der keinen Torschuss abgab und keinen Zweikampf gewann. Ein magerer Keypass stand am Ende zu Buche. Da wundert es wenig, dass er gefrustet den Platz verließ, was Rose ebenfalls etwas erzürnte. Am leichten Ballverlust vor dem Ausgleich hatte er auch einen gehörigen Anteil.
Das Mittelfeldzentrum: Kampl erstaunlicherweise mit den besten Werten (Pass- und Zweikampfquote). Haidara und Schlager können das eigentlich besser. Leipzig kam aber zugute, dass Celtic weit weniger physisch stark und pressend daherkam, als man erwartet hatte.
Kategorie: Durchgestartet?
🥇 Leipzig's two-goal hero André Silva voted Player of the Week 👏#UCLPOTW | @PlayStationEU pic.twitter.com/2PfeWxzONW
— UEFA Champions League (@ChampionsLeague) October 6, 2022
Ist Silvas Knoten geplatzt?.
Tweet des Spiels
Mir gefällt der Mo #Simakan auf rechts immer besser. Insbesondere nach vorn bringt er sich immer wieder und besser. Was ein geiles Tor. Was eine geile Vorlage. Und Silva 🤷🏼♂️😅😘👍 #RBLCEL
— Justgroovy (@justgroovy20th) October 5, 2022
Erst Publikumsliebling und nun gleichsam Hoffnungsträger auf der Schwachstellenposition der letzten Jahre.
Champagner statt Bier – die Fans
Bierselige Stimmung schon vor dem Spiel. Die Schotten deckten sich ordentlich mit Alkoholika ein, so dass einige Regale in der Innenstand echten Leerstand aufwiesen. Im Stadion war die Stimmung – vielleicht auch deswegen – dann nicht ganz so laut und ausgelassen (maximal nach dem Ausgleich), wie man es bspw. vom Spiel in Glasgow kannte. Aber diesen Tribut an den Alkohol zahlten zuletzt auch die Rangers-Fans als sie hier in Leipzig gastierten. Die Anhänger des einzig wahren Rasenballsports mit schöner Choreo, auch wenn der Reim eher geschüttelt denn gerührt daherkam. „Stadt der Messe und der Helden“ > „Rasenball in allen Welten“. Die Stimmung ob des eher auf Spektakel ausgelegten Fußballs jedenfalls bestens und später auch durch den Spielstand befeuert. Am Ende trafen sich beide Fanlager in der Innenstadt wieder und ließen den Abend feuchtfröhlich ausklingen. Das die Schotten keine Berührungsängste mit den in Deutschland schon fast als Paria behandelten Leipzigern haben, war ja schon bekannt. So geht Fußball….
Stadt der Messe und der Helden 💪👋💥#RBLCEL pic.twitter.com/7cPU71sJ1A
— RB-Fans.de (@rb_fans) October 5, 2022
Die Choreo zum ersten CL-Sieg seit City.
Pfeife des Spiels
Espen Eskås verteilt eigentlich gerne Karten (beim letzten EL Spiel von Celtic bspw. 6), bei seinem ersten Einsatz hielt er sich jedoch vornehm zurück, wobei dies eher Celtic entgegenkam, denn die Schotten leisteten sich einige grenzwertige Foulspiele, die der Norweger durchaus mit Gelb hätte sanktionieren können. Bei den Abseitsentscheidungen war es knapp, aber richtig. Auch Silvas Sichtlinienabseits musste bei der Flugkurve des Balls gepfiffen werden.
Making friends after the match #RBLCEL #Celtic in #Leipzig at midnight #Skypub @rb_fans pic.twitter.com/mWmSsfitY2
— Grenzgänger (@MoskvaExpat) October 5, 2022
Fußball kann so einfach sein, wenn er von ideologischen Zwängen befreit ist.
Aufgefallen
1) Der Ausfall von Gulácsi könnte sich noch zur Achillesferse entwickeln. Der Kreuzbandriss dürfte das Saisonaus für den Ungarn bedeuten. Blaswich konnte zwar zuletzt überzeugen, dennoch darf dann nichts mehr passieren, sonst hieße es für RBL: Jugend forscht. Lange Zeit hatten die Rasenballer einen erfahrenen Keeper und eine gute Nummer 2. Nun ist es erstmals nicht so und schon der Ausfall. Man könnte meinen ein Baustein in der nicht ganz ausgewogenen Kaderstruktur in dieser Saison.
2) Immerhin hielt Blaswich, was zu halten war. Kurz nach der Einwechslung war er gegen Furuhashi sehenswert zur Stelle. Von dem verunsicherten Keeper aus dem Liverpool-Spiel ist nichts mehr zu sehen. Nun wird er gebraucht. Laut Guido Schäfer schaut sich Leipzig aber schon nach Verstärkungen auf der Torhüter-Position um. Eine Möglichkeit könnte sein Vandevoordt vorzeitig von Genk loszueisen. Der potenzielle Nachfolger von Pete könnte schon früher gebraucht werden als erwartet.
RB sondiert just den Markt der auf Jobsuche befindlichen Torhüter. Es besteht schneller Handlungsbedarf, der Ausfall von Peter Gulacsi hat den Kader an sensibler Stelle ausgedünnt https://t.co/OcgOth2LrD
— Guido Schäfer (@schfer_g) October 6, 2022
Leipzig sondert schon den Markt.
3) Gemessen am Rückspiel gegen die Rangers trat Celtic relativ zahnlos auf. Das war so nicht unbedingt zu erwarten, zumal sie im Old Firm vor gut einem Monat gegen die Rangers mit 4:0 gewonnen hatten. Weder physisch noch offensiv war das wirklich überzeugend. Auch letzteres überraschend, weil sie gegen Donezk noch das deutlich aktivere Team waren. Insgesamt eine Verfassung, die für das Rückspiel Mut machen sollte.
4) Offensiv konnte Leipzig den Quasi-Komplettausfall Werners gut verkraften, weil Nkunku gut und Silva überragend agierte. Das zeigt, dass der Ansatz die Fünferkette zugunsten eines weiteren Offensivspielers (Szoboszlai war ja auch noch an Bord) grundsätzlich trägt. Denn auch wenn einer einen schlechten Tag erwischt, sind noch genügend andere Kicker da, um das zu kompensieren. Außerdem bringt Simakan immer bessere Leistungen als Rechtsverteidiger, eine Position, auf die er wie Mukiele vor ihm gut passt.
Rose nach dem zweiten Sieg in Serie.
Gulácsis Ausfall ist eine bittere Pille, die Leipzig jetzt schlucken muss. Gute Besserung an dieser Stelle! Spielerisch war es ein weiterer Schritt nach vorne, offensiv agierte RBL ähnlich variabel wie gegen Bochum aber auch Celtic gab einige Räume preis. Defensiv hatten aber auch die Rasenballer ein paar Probleme und spielten die Bälle mit etwas zu viel Risiko in der eigenen Hälfte. Das Gegentor entsprang einer solchen Situation.
In der Champions League ist Leipzig nun also wieder im Geschäft. Mit einem Sieg von Real in der nächsten Woche und wenn RBL in Glasgow seine Hausaufgaben macht, dann könnte schon in Kürze der ersehnte zweite Platz winken.
Der zweite Sieg in den englischen Wochen, lässt hoffen auf mehr. War die Klasse von Bochum noch zweifelhaft, so darf Celtic schon eher als angemessener Gegner gelten. Gegen Mainz darf jetzt gerne der erste Auswärtssieg in der Liga seit April her, davon wird Leipzig nämlich noch einige brauchen. Wenn man erneut so engagiert auftritt, könnte es klappen…
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – UEFA – FotMob
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C, 13. Blaswich) – Simakan, Orbán, Gvardiol, Raum (81. Halstenberg) – Schlager, Kampl (71. Haidara) – Szoboszlai (81. Poulsen), Nkunku – Silva, Werner (71. Forsberg)
Celtic Glasgow: Hart – Juranović, Welsh, Jenz, Taylor – McGregor (C, 37. Abildgaard), O’Riley (75. Haksabanovic), Hatate (82. McCarthy) – Maeda (75. Forrest), Furuhashi (82. Giakoumakis), Jota
Schiedsrichter: Espen Andreas Eskås (Norwegen)
Tore: 1:0 Nkunku (27.), 1:1 Jota (48.), 2:1 Silva (64.), 3:1 Silva (77.)
Torschüsse: 16 / 12
Schüsse aufs Tor: 6 / 5
expected Goals: 2,3 / 0,9
Passquote: 86% / 85%
Zweikampfquote: 54% / 46%
Ballbesitz: 59% / 41%
Laufleistung: 125,2 km / 122,2 km
Fouls: 6 / 9
Ecken: 3 / 5
Abseits: 7 / 0
Gelbe Karten: Kampl (1) / O’Riley
Zuschauer: 45.228
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion