Mit 4:0 souverän ins Achtelfinale!
Inhalt
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Ob nun als Endgame mit Avengers-Anstrich und Revanche für die Hinspielpleite (die uns immerhin eine Rose erblühen ließ) oder ganz im Lokalkolorit mit den Prinzen summend – verlieren war verboten. Neun Spiele hatten die Rasenballer bereits ohne Niederlage hinter sich gebracht, nun sollte es zweistellig werden, denn mit mindestens einem Punkt war das Achtelfinale gesichert.
Rose setzte selbstredend auf die Stammelf, um den vierten CL-Sieg in Serie einzufahren (übrigens die längste Leipziger Siegesserie in der Königsklasse wäre). Blaswich war wieder fit, Kampl ersetzte den angeschlagenen Haidara, Gvardiol und Werner erhielten den Vorzug vor Diallo und Forsberg. Nah dran am aktuellen Optimum.
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Dreisatz des Spiels
Nur einmal musste Blaswich eingreifen und in Sachen xG hatte Leipzig deutlich die Nase vorn – der Sieg am Ende vielleicht ein Tor zu hoch aber absolut verdient, denn Topchancen und echte Konter hatten nur die Rasenballer. Die frühe Führung und Werners Ausfall (wichtiger Protagonist der besten Chancen in der Anfangsphase) führten zu einem leichten Schlendrian vor der Pause aber Rose fand die richtigen Worte und die Leipziger kamen konzentriert und effizient aus der Kabine. Olmos Tor (wenn auch als Eigentor eingeordnet) war die Sahnehaube auf einer souveränen Leistung, die sich dadurch auszeichnete, dass keiner abfiel (bei Sofascore alle Leipziger besser als der beste Ukrainer, sieht man so auch nicht alle Tage). Die Situation am Einlass und Werners Ausfall trübten hingegen etwas die Stimmung.

Party mit dem mitgereisten Fans, die davor unter den Einlasskontrollen zu leiden hatten.
Neu im Bullenstall
Werner erst mit doppelten Abschluss- (langes Eck aber beide vom Torhüter kassiert weil zu unpräzise und zu flach) dann mit Verletzungspech. Wie wichtig seine Anwesenheit für das Leipziger Spiel war, zeigte sich daran, dass bis zum 2:0 offensiv viel Stückwerk blieb (nur zwei Torschüsse danach bis zur Halbzeit). Raum solide mit guten Pass- und Zweikampfwerten, nicht zuletzt auch, weil das Spiel der Gastgeber eher linkslastig (oder Mudryk-lastig) war und so Simakan mehr forderte. Schlager gewohnt als Kilometerfresser unterwegs und Hans Dampf in allen Gassen. Diallo kam als das Spiel bereits entschieden war.

Nkunku: nicht nur heiße Luft!
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Nkunku: Schoss das 1:0 nachdem Werner noch scheiterte, setzte davor aber den Goalgetter bei der ersten Chance gut ein. Bereitete das 2:0 sehenswert per Steckpass vor und spielte die mit Abstand meisten Keypässe (4). Schöner Jubel für den Sohnemann, der als Luftballonliebhaber geoutet wurde, wobei bei Nkunku wahrlich nichts an heiße Luft erinnert. Schon jetzt wieder mit 16 wettbewerbsübergreifenden Scorern.
Szoboszlai: Weiter in Topform. Diesmal mit dem Tor statt seiner schon fast üblichen Vorlage (10 hat er bereits auf dem Konto). Offensiv mit guten Zweikampfwerten und wenigen Ballverlusten. Entwächst dem Talentestatus und wird immer mehr zur tragenden Säule der Mannschaft. Was da im Verbund mit einem gesunden Olmo möglich wäre…
Simakan: Stellte im Abwehrverbund Schlüsselspieler Mudryk kalt, der sich jetzt einreihen darf in die Liste der von Simakan vernaschten Angreifer. Nah dran an der perfekten Lösung auf die Frage wer als Rechtverteidiger in einer Viererkette eine Idealbesetzung wäre. Das hätte man mal vor der Saison so vorhersagen sollen…

Zagreber Bromance.
Luft nach oben
Das war eine mannschaftlich geschlossen gute Leistung, genau so muss das als Team auf dem Platz aussehen, so dass es diesmal keine negativ herauszuheben gibt. Auffällig allenthalben der Unterschied in der Abschlussqualität von Olmo (Tor) und wenig später von Halstenberg (meilenweit daneben), man meint hier die unterschiedliche Qualität der fußballerischen Grundausbildung in beiden Ländern erahnen zu können.
Kategorie: Symbolbild
#DONRBL #Rose #Tedesco #RBLeipzig pic.twitter.com/JS4UNpSJEz
— Rumpelstilzchen (@Rumpelino) November 2, 2022
Die letzte Tedesco Staffel war eher gewöhnungsbedürftig aber nach dem Rose-Reboot läufts ganz flüssig.
Tweet des Spiels
The @c_nk97 influence 🎈@micahrichards and @carra23 wanted in on the fun 😂 pic.twitter.com/Ylm8ZHT65j
— CBS Sports Golazo ⚽️ (@CBSSportsGolazo) November 2, 2022
Wo in Deutschland die Spaßbefreitheit an der Tagesordnung ist, geht es anderswo auch ganz anders....
Champagner statt Bier – die Fans
Umgedrehte Banner im Stadion, da weiß auch der Zuschauer im entfernten Leipzig, dass hier nicht alles koscher war. Die Einlasskontrollen in Warschau übergriffig im wahrsten Wortsinne. Einige Fans wurden vor dem Spiel festgesetzt andere maximalinvasiv durchsucht, so dass auf Twitter schon der bittere Scherz die Runde machte, dass man sonst erst beim zweiten Date so weit gehen würde. Das ging letztlich so weit drüber, dass auch RBL eine Beschwerde einlegte. Die Konsequenz war erstmal ein Stimmungsboykott, der sich im Laufe des Spiels aber etwas lockerte.
LEIPZIG ON FIRE 🔥🕺#DONRBL #UCL pic.twitter.com/KMGzjZBur3
— RB Leipzig (@RBLeipzig) November 2, 2022
Leipzig on fire.
Pfeife des Spiels
Dritter Einsatz für Michael Oliver mit Leipziger Beteiligung. Die ersten beiden Male blieb es in Leipzig jeweils bei einem 1:1 (gegen Monaco und Bergamo). In Warschau war der Engländer gefordert, weil Donezk hin und wieder ruppig zu Werke ging und Verletzungen der Leipziger in Kauf nahm (was sich bei Werner früh rächte, auch wenn dieses Foul noch fast normal wirkte). Hätte vielleicht noch ein paar mehr Karten verteilen können, hatte aber abseits davon einen ruhigen Abend und lag bei den Abseitsentscheidungen und VAR Checks richtig.
Im Stadion in Warschau kam es heute zu unverhältnismäßigen Einlasskontrollen unserer Fans vor dem Gästeblock.
— RB Leipzig (@RBLeipzig) November 2, 2022
Wir verurteilten diese Form der Kontrollen und haben bereits bei der UEFA eine Beschwerde über das aus unserer Sicht zu harte Einlassprozedere eingelegt.
Unschöne Szenen beim Einlass, RBL reagiert.
Aufgefallen
1) Ein Unterschied wie Tag und Nacht zum Hinspiel. Wobei das stimmt so hauptsächlich für die Ergebnisse. Ließ sich RBL daheim auskontern und agierte Donezk hocheffizient (4 Schüsse aufs Tor, drei Großchancen, vier Tore), so war es im Rückspiel in Sachen Effizienz umgedreht (7 Schüsse aufs Tor, zwei Großchancen, vier Tore RBL). Mit weniger Pässen aber höherer Passsicherheit und damit weniger Ballverlusten und mehr Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor siegte Leipzig dort, wo es im Hinspiel noch versagte.
2) Auch wenn Leipzig derzeit sehr effizient daherkommt und so etwas meist kein Dauerzustand ist (es sei denn man heißt Union oder Frankfurt), so kommt die Offensive ins Rollen. Die schnarchigen ersten Halbzeiten gehören der Vergangenheit an, die Last der Offensive verteilt sich auf viele Schultern, Simakan ist auf Rechts das, was die Fans sich von Raum auf Links erwartet hatten, Szoboszlai ist Mr. Vorlage, Werner und Silva treffen regelmäßig und mit Olmo kommt ein weiterer Schlüsselspieler rechtzeitig zum Endspurt zurück. Auch Forsberg konnte unter Rose wieder Akzente setzen. Gelingt es defensiv noch die unachtsamen Phasen weiter einzudampfen (wie in Halbzeit 1 gegen den FCA oder in Halbzeit 2 gegen Hertha), muss einem vor den kommenden Aufgaben nicht angst und bange werden.

Mal wieder der Dosenöffner.
3) Nkunku bleibt weiter der Unterschiedsspieler aber momentan scheint RBL auch mal einen schlechten Tag des Franzosen kompensieren zu können, das war in letzten halben Jahr oft nicht der Fall. Das sind gute Nachrichten, denn Eberl wird sich bei seinem Amtsantritt früh mit der Frage befassen müssen, wie man den sehr wahrscheinlichen Abgang des Franzosen kompensieren will. Welche Spielertypen sind hier gefragt? Soll es ein gestandener (und damit teurer) Ersatz werden, oder setzt RBL auf Jugend forscht? Die aktuell breite Offensive eröffnet hier mehr Möglichkeiten und zeigt, dass diese zukünftige Baustelle zumindest teilweise auch intern geschlossen werden könnte.
4) Dass keiner wirklich abfällt ist in der Form eher selten und zeigt, dass hier langsam wieder ein Team zusammenwächst, wie es zur besten Zeit war. Das soll nicht heißen, dass es mannschaftsintern nicht mehr gestimmt hat aber auf dem Platz hat das zeitweise im Sommer nicht mehr zusammengepasst, war RBL nicht mehr bzw. sogar weniger als die Summe aller Teile. Gegen Donezk schienen sich alle der Bedeutung bewusst und das ist hoffentlich auch in den kommenden Bundesligaspielen so.
Mir war vorher so Bange beim Anblick der 6 englischen Wochen vor der Fußball-WM.
— RBoligei (@BoligeiR) November 2, 2022
Und nun reibt man sich die Augen, was das Team um Marco Rose auf dem Platz zaubert.
✅ 8 Siege
⏺️ 2 Remis
29:9 Tore 🥅 >10 Spiele
Daumen drücken, dass es noch für die 3 restlichen Partien reicht! https://t.co/96QwNl8HvK pic.twitter.com/qH22jCqzD0
Herbstendspurt: jetzt gilt Durchziehen bis zum Ende.
5) Vier Siege in der Champions League in Folge. Das ist ein neuer Rekord für RBL. Noch nie hat Leipzig international mehr Siege in Folge errungen, weder in der Europa League noch in der Champions League und dies in einer angespannten Situation und immerhin auch gegen den aktuellen Titelverteidiger.
6) 29:9 Tore in den letzten zehn Spielen nach davor 5:13 Toren in der Übergangsphase von Tedesco zu Rose. Definiere Trendwende. Bei dem kleinen Kader, den immer noch bestehenden Verletzungssorgen und dem sehr eng getakteten Spielplan ist diese Umkehrung der Vorzeichen wahrlich kein Selbstläufer gewesen. Da können auch mal halbe Ausrutscher wie gegen FCA und Hertha oder ergebnisorientierte Siege wie gegen Leverkusen „verziehen“ werden, denn der Trend stimmt. Dass Rose diesen Oktober hinlegt hätte, nachdem das Team am Ende unter Tedesco quasi klinisch tot schien und RBL in Gladbach ordentlich Baden ging, wohl kaum einer gedacht. Da darf gern Respekt gezollt werden.
Draw probabilities for the UEFA Champions League 22/23 round of 16.
— eminga (@emi_nga) November 2, 2022
Interactive version here: https://t.co/LrnncZR05W #UCL #UCLdraw pic.twitter.com/PhIywDsbjy
Die Auslosungschancen.
7) Einige dicke Fische im Pott bei der Auslosung am Montag. Am ehesten sind wohl die portugiesischen Gruppensieger zu schlagen, wobei auch die nicht ohne Grund an ihren Gruppenspitzen stehen. Am wahrscheinlichsten ist Neapel, die in Italien derzeit sehr gut unterwegs sind. Chelsea und Tottenham (haben wir ja gute Erfahrungen) wären den Italienern wohl ebenso vorzuziehen wie dem ewigen Topfavoriten City.
8) Viel Zeit den Erfolg zu feiern hat RBL nicht. Das Stakkato geht weiter und Hoffenheim wartet schon. Der Ausfall von Kabak und die mögliche Verletzung von Vogt spielen RBL etwas in die Karten. Zudem zeigte die TSHG nach gutem Start einige Offensivschwächen – in den letzten neun Spielen gab es nur gegen Mainz und Schalke mehr als ein Tor. Auch Angel ist wie Raum weit davon entfernt ein Unterschiedsspieler zu sein, dürfte aber ordentlich motiviert sein. In den letzten neun direkten Duellen gab es nur einen Sieg der TSG und drei Leipziger Auswärtserfolge. Gegen einen vierten hätte ich nichts einzuwenden… Übrigens: Anfang November (erste 6 Tage) hat RBL 13 von 16 Spielen gewonnen (nur eine Niederlage in Porto), auch diese gute Bilanz darf also gerne weiter ausgebaut werden.
10 Spiele, 8 Siege (inkl. 4 CL Siege) = 1 Achtelfinale.
Die längste Siegesserie unserer Rasenballer in der Champions League und das insgesamt zehnte Spiel ohne Niederlage in Folge lassen die RB Fans jubeln. Der Einsatz war hoch, denn es ging um das CL Achtelfinale aber die Rose-Elf zeigte erwachsenen und effizienten Fußball und schlug Donezk mit den eigenen Waffen (Konter & Effizienz).
Die vier unterschiedlichen Torschützen und ein Blick auf die vereinsinterne Scorerliste (bereits vier Kicker mit 12+ wettbewerbsübergreifenden Scorern) zeigen, dass die Zeiten der Torarmut überwunden scheinen. Auch defensiv lassen sich die 0 Großchancen und jeweils 1 Schuss aufs Tor von Donezk und Leverkusen sehen. Aber auch Augsburg ist nicht weit, insofern gilt es wachsam zu bleiben.
Trotz zwei Pleiten zu Beginn noch souverän ins Achtelfinale einzuziehen, muss man erstmal schaffen – Chapeau. Nun geht der Blick auf den Bundesligaendspurt vor der WM. Mit Hoffenheim, Freiburg und Bremen gibt es hier keine Laufkundschaft und in der Liga wartet RBL ja noch auf den ersten Auswärtssieg seit April … wird Zeit!
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – UEFA – FotMob
Statistik
Schachtar Donezk: Trubin – Konoplia (59. Taylor), Bondar, Matviienko, Mykhaylychenko – Stepanenko (C) – Petryak, Bondarenko (81. Kryskiv), Sudakov (59. Djurasek), Mudryk (74. Totovytsky) – Traoré (59. Sikan)
RB Leipzig: Blaswich – Simakan (59. Henrichs), Orbán (C), Gvardiol, Raum (59. Halstenberg) – Schlager (73. Diallo), Kampl – Szoboszlai (59. Olmo), Nkunku, Werner (19. Forsberg) – Silva
Schiedsrichter: Michael Oliver (England)
Tore: 0:1 Nkunku (10.), 0:2 Silva (50.), 0:3 Szoboszlai (62.), 0:4 Bondar (68.) ET
Torschüsse: 5 / 12
Schüsse aufs Tor: 1 / 7
expected Goals: 0,4 / 2,4
Passquote: 87% / 89%
Zweikampfquote: 39% / 61%
Ballbesitz: 49% / 51%
Laufleistung: 109,5 km / 108,0 km
Fouls: 15 / 10
Ecken: 2 / 3
Abseits: 3 / 4
Gelbe Karten: Mykhaylychenko, Sikan, Taylor / –
Zuschauer: 31.800 (ca. 600 Leipziger)
Rumpelstilzchen
Niemand ist gezwungen Kommentare abzugeben aber auch niemand sie zu lesen. Und es tut mir leid aber wenn man nur positives zu den Testspielen schreiben darf, dann würden hier gar keine Kommentare stehen und der Thread wäre "tot", weil da aktuell einfach nichts positives zu sehen ist. Edit: 2 Torschüsse in 120min sprechen schon eine deutliche Sprache.