Die Ruhe vor dem Sturm
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Sieht man von den Abgangsgerüchten im Sommer ab, ist es bisher diesen Winter recht ruhig um den einzig wahren Rasenballsport. Mintzlaff verordnete vor seinem Abgang in den Aufsichtsrat eine Abgangs- und Zugangssperre – nur Leihen sollen getätigt werden und daran scheint sich Eberl auch halten zu wollen. Die einzige Kaderveränderung, die momentan im Gespräch ist, ist eine Leihe von Novoa, um dem Angreifer Spielpraxis zu ermöglichen.
Mintzlaffs Gebot und der Sommerumbruch
Realistisch betrachtet sollte die Kaderdecke für die Rückrunde ausreichend sein, unter dem Vorbehalt der zügigen Genesung von Werner (macht gute Fortschritte), Nkunku (noch unklar, ob es für das Bayernspiel reicht) und Raum (genaue Diagnose ausstehend). In der Champions League wäre ein Überstehen des Achtelfinales gegen Manchester City eine gehörige Überraschung und die paar Pokalspiele, selbst wenn es erneut bis ins Finale gehen würde, wären zu vernachlässigen. Dazu zeigte sich das Team unter Rose mannschaftlich und spielerisch gefestigt und mit Olmo, Klostermann, Laimer und Poulsen bieten sich weitere Optionen, die in der Hinrunde über weite Strecken nicht zur Verfügung standen.
In Sachen Transfers wandert der Blick jetzt schon gen Sommer, in dem RBL wohl ein größerer Umbruch ins Haus steht. Nkunkus Wechsel zu Chelsea und Laimers Abgang zu den Bayern sind so gut wie sicher und ob Eberl mit Olmo verlängern kann, steht ebenso in den Sternen wie die Antwort auf die Frage, ob Leipzig und Gvardiol bei den kursierenden Angeboten in dreistelliger Millionenhöhe für den Kroaten standhaft bleiben können. Im schlimmsten Fall würden die Rasenballer vier Stammspieler abgeben, was wohl der größte Umbruch seit dem Bundesligaaufstieg wäre. Im Sommer 21/22 gingen mit Upa, Konaté und Sabi sowie dem Trainerteam vier Stützen, was dem Leipziger Schiff eine ordentliche Schlagseite einbrachte.

Zu gut für die Bundesliga: Nkunku.
Die Offensive und deren Motor Nkunku
Um einen erneuten Schiffbruch bzw. eine längere Fahrt in unruhigen Gewässern zu verhindern, muss sich Leipzig rüsten und besonders Antworten auf die drohenden Abgänge im offensiven Mittelfeld finden. Gerade Nkunku, der wohl beste Angreifer der Bundesliga in den letzten 1,5 Jahren, wird kaum adäquat zu ersetzen sein und war in seiner Leistungsdichte die Leipziger Lebensversicherung. Ein Šeško – sowieso eher ein Zielspieler, der in seinem Alter zudem noch Leistungsschwankungen unterworfen ist, wird diese Lücke nicht füllen können. Im Kampf um die aufstrebenden Offensivtalente spielen derzeit immer mehr Vereine mit auch die großen Klubs tendieren dazu früher zuzugreifen und die englischen Klubs aus der zweiten Reihe verfügen über große finanzielle Mittel. Insofern viel Konkurrenz bei Eberls „Gesellenstück“ in Diensten der Rasenballer, bei dem es darum geht einen neuen Motor für die Offensive zu finden. Finanziell darf RBL hier nicht kleinlich sein und muss es auch nicht, da die Abgänge ggf. einige wirtschaftliche Freiräume ermöglichen werden. Aber diese Position hinter den Spitzen ist nicht die einzige, in die investiert werden sollte. Viele Gerüchte gibt es in dieser Kategorie jedoch bisher nicht. Einzig Lindström von der SGE wurde lose mit RBL in Verbindung gebracht, würde aber einiges kosten und hatte in seinen 1,5 Jahren Frankfurt auch ein paar schwächere Phasen. Etwas offensiver wäre Thuram aus Gladbach, der im Sommer ablösefrei wäre, zu ihm gibt es aber abseits der Aussage von Eberl, auch bei seinem alten Verein nach Neuzugängen zu suchen, kein echtes Gerücht.

Laimer mit seinen zukünftigen Teamkameraden?
Laimer und die defensive Schaltzentrale
Im Zentrum muss der Abgang Laimers verarbeitet werden. Grundsätzlich ist es Rose gelungen, diesen Mannschaftsteil zu stabilisieren. Unter Tedesco war das zentrale Mittelfeld noch das Sorgenkind, aber eines, was durch die Nichtberücksichtigung Schlagers quasi hausgemacht war. Der Österreicher avancierte unter Rose zum Dreh- und Angelpunkt im Zentrum und brachte echte Demme-Vibes aufs Feld. Eine Mischung aus Agilität, Biss und Aufbauspiel aus der Tiefe, die man in der Form seit dem Abgang des Letztgenannten nach Neapel hier vermisst hat. Auch wenn Laimers Verletzung letztlich gut abgefangen werden konnte, so muss sich RBL für den finalen Abgang wappnen, denn Kampl wird nicht jünger und Haidara könnte es demnächst auch nach England ziehen. Krauß könnte hier ein Baustein sein, wenn Schalke nicht die Klasse hält, aber spielerisch hat die Leipziger Leihgabe noch einige Luft nach oben. Mögliche Antworten auf diesen Abgang könnten vertraute Gesichter aus der Bundesliga sein: Koné (einer der interessantesten Kicker bei Eberls Ex-Verein), Zakaria (bei Juve und Chelsea eher im Hintertreffen) oder Kamada (ablösefrei aber eher offensiv) wären denkbare Ziele. Gerüchte gibt es auch um den 20-jährigen Jashari vom FC Luzern, der aber eher eine Investition für die Zukunft wäre. Eine spannende Idee könnte im Verbund mit dem Gladbacher Thuram sein Bruder Khéphren aus Nizza sein, der aber auch ein kleines Sümmchen kosten würde. Schlechte Chancen dürfte Stand jetzt Moriba haben, der aktuell auch in Valencia einen schweren Stand hat.

Defensive Überflieger.
Abwehr und Tor
Anders als in der Offensive, wo die Lücke durch Nkunkus Abgang recht groß sein dürfte und wo Leipzig sich gerne auch mal den einen oder anderen Fehlgriff leistete (Sörloth, Hwang usw.), dürfte Gvardiols Abgang leichter zu kompensieren sein. Mit Diallo hat RBL bereits einen soliden Linksfuß für die Viererkette. Dazu hat das Leipziger Scouting hier immer wieder gute Talente erkannt und mit Šutalo aus Zagreb gab es hier auch schon sehr konkrete Gerüchte für einen Neuzugang im Sommer. Trotzdem bleiben auch in der Defensive einige Punkte zu klären: Kann Raum endlich an seine Leistungen bei der TSG anknüpfen, wird sich Simakan dauerhaft mit der Rolle als Rechtsverteidiger – die er sehr gut ausfüllt – anfreunden können, wie lange kann Orbán noch auf Topniveau kicken, wird Angel zurückkommen und kann Eberl den Preis – immerhin wohl 20 Mio – für den schon 27-jährigen Diallo drücken?
Bliebe das Tor, wo Gulácsis Verletzung und Blaswichs Leistungen einen offenen Konkurrenzkampf versprechen. Im Hintergrund lauert zudem Vandevoordt, der in Genk sehr gute Leistungen abliefert und ggf. auch ein Jahr früher (geplant ist derzeit 2024) nach Leipzig kommen könnte. Der Stammplatz des Ungarn wackelt jedenfalls etwas.

Was wird aus den Haudegen?
Die Stützen hinter den Stars
Neben den Stammspielern wird RBL sich auch in der zweiten Reihe langsam verändern müssen. Wichtige Stützen, die teilweise schon vor dem Bundesligaaufstieg bei RBL kickten, kommen langsam in die Jahre und sollten sukzessive ersetzt werden. Stillstand ist hier Rückschritt. Die Liste der Kandidaten ist lang und prominent. Forsberg kann immer noch geniale Momente aufs Feld zaubern, aber ihre Häufigkeit sinkt. Poulsen ist immer mehr ins Hintertreffen geraten und wird hinter Šeško, Werner und Silva einen sehr schweren Stand haben. Kampl fehlt es an Drive, um konstant Topleistungen abzuliefern. Klostermann hat bereits drei schwere Verletzungen hinter sich und Halstenberg ist oft ein Unsicherheitsfaktor. Das soll nicht bedeuten, dass RBL alle ersetzen muss oder sollte, aber hier muss es eine schrittweise Transition zu jüngeren Kickern geben, die teilweise aber auch nicht so gut sein dürfen, dass sie gleich wieder gehen. Denn dieses stabile Gerüst war auch ein Leipziger Trumpf und mitausschlaggebend für die stabil guten Platzierungen. Teil dieses zukünftigen Gerüsts könnten Spieler wie Haidara, Schlager oder auch Henrichs sein.
Fazit
Der Sommer dürfte eine der spannendsten Transferperioden aller Zeiten bei unseren Leipzigern werden. Der aktuell noch stille Winter ist da eher die Ruhe vor dem Sturm. Es drohen die Abgänge von mehr Leistungsträgern als jemals zuvor und zeitgleich die höchsten Transfererlöse der Vereinsgeschichte. Viele Risiken aber auch viele Chancen für Eberl zu zeigen, warum man ihn geholt hat. Trotz der letzten zwei holprigen Hinrunden hat RBL seit dem Bundesligaaufstieg nah am Optimum operiert und die quasi stabile Teilnahme an der Champions League sowie der rasante Aufstieg in die Top-4 der Bundesliga war kein Selbstläufer. Im Jahr 1 nach Mateschitz und nach Mintzlaffs Aufstieg in den Aufsichtsrat läutet Eberl im Sommer wirklich die Ära nach Rangnick ein.
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion