Ein halbes Dutzend – Torgala auf Schalke
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Zwei Spiele waren nach der langen WM-Pause noch zu bewerkstelligen, um den Hinrundenabschluss zu komplettieren. Eines konnte RBL mit einer Leistungssteigerung in Halbzeit Zwei gegen den Tabellenersten Bayern München am letzten Freitag mit einem gerechten Unentschieden zufriedenstellend lösen. Das Zweite stand nun gegen den aktuellen Tabellenletzten an mit dem Ziel es erfolgreich zu absolvieren. Man mag darüber philosophieren, ob die Winterpause zur rechten Zeit kam oder hätte doch noch warten können. In Bezug zum dünnen Kader, der Verletztenmisere und ob der guten Form gibt es natürlich Pro und Contra.
Die letzten drei Auftritte unserer Roten Bullen in der Schalker Veltins-Arena waren zuvor tadellos. Mit drei Zu-Null-Siegen (1:0, 5:0, 3:0) zeigte Leipzig den Knappen ihre Grenzen auf, was dann auch ein Jahr später mit dem Bundesligaabstieg bestätigt wurde. Auch in diesem Jahr stehen die Knappen nach dem Wiederaufstieg als Tabellenletzter erneut mit dem Rücken zur Wand und RB Leipzig als Champions League-Vertreter und erneuter Aspirant sollte den gewissen Unterschied auch auf den Platz zeigen können.

Mussten leider verletzungsbedingt pausieren: Mohamed Simakan & Abdou Diallo.
Was dem Tabellenletzten oft übrig bleibt, ist den qualitativen Nachteil mit mannschaftlicher Geschlossenheit, mit Kampf und Mentalität entgegenzutreten. Ebenso auf Fehler der Leipziger, auf Standardsituationen und Umschaltmomente zu setzen.
Auf Leipziger Seite entschied sich Trainer Marco Rose für zwei Wechsel in der Startelf. Timo Werner ersetzte Emil Forsberg im Offensivbereich. Somit versuchte er etwas mehr Schnelligkeit in den Angriffsbemühungen zu integrieren. Überraschenderweise erhielt Benjamin Henrichs einen Startelfplatz und somit den Vorrang vor Lukas Klostermann, der auf der Reservebank weiterhin Vorlieb nehmen muss. Mohamed Simakan plagen muskuläre Probleme und Abdou Diallo eine Kniereizung.
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— #teamrasenball (@Rasenballnews) January 24, 2023
Dreisatz des Spiels: Zeige deine Qualitäten, offenbare den Tabellenunterschied und sei effizient im Torabschluss. Und so startete RB Leipzig in die erste Halbzeit!
Erste Umschaltsituation für unsere Roten Bullen, erste Torchance in der 7. Minute und gleich die Führung für RB Leipzig. Effizient genutzt und das in Person von Andre Silva. Es war ein Einstand nach Maß in diese Partie. Vorausgegangen war ein Angriffsversuch der Schalker, welcher am eigenen Strafraum abgefangen und schnell Richtung Timo Werner weitergeleitet wurde. Schön auch der Schussversuch von Dominik Szoboszlai aus der Ferne, dessen Schuss in der 10. Minute der Schalke Torhüter nur nach vorn abzuwehren vermochte. Es zeigte wohin die Reise unbedingt gehen sollte!

Trocken abgezogen aus 17 Meter ins Toreck zur frühzeitigen 1:0 Führung.
Nach 15 Minuten dann schon der nächste schnelle Angriff unserer Roten Bullen mit einer überlegten Seitenverlagerung auf Benjamin Henrichs, der sich nicht die Gelegenheit nehmen ließ, mit einem strammen Rechtsschuss in die lange Ecke des Torhüters seinen ersten Saisontreffer zu erzielen. Bis dahin ein klasse Auftritt unseres Teams, überlegen gestaltet und sehr konzentriert im Torabschluss. Es sind genau die Qualitäten, die vonnöten sind, um rechtzeitig das Spiel auf die richtige Bahn zu lenken.
In der 19. Spielminute hatte Silva sogar die Chance, schon frühzeitig auf 3:0 zu erhöhen, dessen Schuss aus kurzer Distanz Schwolow parieren konnte. Und Olmo stand ebenso nur geringfügig im Abseits, als er eine Kopfballverlängerung über die gegnerische Torlinie drückte. Bis dato stand ein xG von 0,6 auf der Habenseite - bei Schalke 0,0 und kein einziger Torschuss.

Nach kluger Spielverlagerung erzielt Benjamin Henrichs unbedrängt das 2:0.
Ab der 25. Spielminute ließen es dann unsere Messestädter etwas ruhiger angehen. Schalke 04 war gefordert und mühte sich um mehr Ballbesitz, aber weiterhin ohne nennenswerte Aktionen oder Torabschlüsse. Was auf Leipziger Seite nur in Halbzeit Eins fehlte, war das frühzeitige 3:0, um für eine vorzeitige Entscheidung zu sorgen. Das wiederum gelang dann doch noch kurz vor Pausenpfiff. Vorausgehend war ein sehr gutes Offensivpressing unserer Leipziger in der gegnerischen Hälfte, mit anschließenden Ballgewinn, bis hin zum Torabschluss und dem Abstauber durch André Silva.
Insgesamt eine Vorführung der Schalker in ihrer eigenen Arena, die spätestens nach dem 0:3 komplett verstummte. Die Dominanz mündete in der Nachspielzeit mit dem 4:0 durch Timo Werner, der eine klasse Vorarbeit durch Dani Olmo (bereits die dritte Torvorlage von ihm) im gegnerischen Fünfmeterraum vollendete. Mit Pfiffen der eigenen Fans ging es dann für die Knappen in die Pause und Schalke 04 machte seinen Namen aller Ehre (0:4).

Das Team funktioniert – eine starke Vorstellung in der ersten Spielhälfte.
Auch nach der Pause ging das Offensivfeuerwerk der Leipziger vorerst weiter. Henrichs vollzog nur knapp nach einen lang getretenen Eckball und zuvor scheiterte Olmo am Torhüter aus kurzer Distanz. Danach agierte RBL etwas zu forsch und nicht abgestimmt genug in einigen Aktionen, die dann Schalke in der 56. Spielminute zum 1:4 nutzen konnte. Halstenberg und Gvardiol waren sich uneins im Leipziger Abwehrzentrum vor dem eigenen Strafraum und überließen Kozuki den Ball, der ihn anschließend unbedrängt vor Blaswich einschieben konnte. Es war das erste Lebenszeichen des Gastgebers, der bis dahin gar nicht anwesend war und es sollte der einzige Wermutstropfen an diesem Tag bleiben.
Um dem anschließenden hektischen Treiben auf dem Platz vorzeitig ein Ende zu setzen, hätte Laimer zweimal in einer Offensivaktion sorgen können. Aber sowohl sein Pass nach einer Umschaltsituation und sowohl sein Nachschuss waren zu unplatziert (66. Spielminute). Auch Silva scheiterte noch einmal vielsprechend aus halblinker Position in der 78. Minute. Besser machte es dann zum Glück Dani Olmo mit einem klasse Lupfer aus der Ferne über den Schalker Keeper und krönte damit seine bärenstarke Leistung an diesem Tag. Ein Kunstschuss, der es zum Tor des Monats verdient hat. Dass noch der eingewechselte Kampl einen sehenswerten Steilpass auf Poulsen zirkelte, der anschließend kaltschnäuzig zum 1:6 platziert einschoss, offenbarte dann doch den klaren Leistungsunterschied zum Tabellenletzten (89. Spielminute).
Die Schalke-Fans verlassen in Massen das Stadion vor dem Abpfiff. Das müssen diese Traditionsfans sein, die ihre Mannschaft bediengunglos bis zum Schluss unterstützen... #S04RBL #RBLeipzig #S04 pic.twitter.com/eCttdqoTJu
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) January 24, 2023
El Mago 🤳
— RB Leipzig (@RBLeipzig) January 24, 2023
1️⃣ Zauber-Tor 🧙♂️
3️⃣ Assists 🔥#S04RBL #ManOfTheMatch pic.twitter.com/7ELOwRkITZ
Man of the Match: Dani Olmo mit einer bärenstarken Leistung.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Dani Olmo: 3 Assists und ein
Tor, es war das Spiel des Dani Olmo - außerdem eine 75%ige Zweikampfquote. Das
ist genau der Dani Olmo, den wir uns so sehr wünschen und der vorangeht. Mit
dieser Leistung ließ er endlich auch Taten seinen Worten folgen, indem er mehr
Tuchfühlung zu den Bayern öffentlich forderte.
Benjamin Henrichs: 3 Torschüsse als Außenverteidiger, ein Tor, 78 Ballkontakte und fast 11 km gelaufene Kilometer. Er offenbarte sich als Dreh- und Angelpunkt als aufgerückter Außenverteidiger und überraschte alle Beteiligten mit diesem starken Auftritt. Schön, dass man auf ihn zählen und im Kader ohne Leistungsabfall rotieren kann.
André Silva: 2 Tore von 5 Torschüssen und 11 Kilometer als Laufleistung. Auch Silva war nicht nur stets bemüht, sondern zeigte endlich Abschlussstärke und brachte somit unsere Roten Bullen auf Siegkurs.
Luft nach oben
Konrad Laimer: Hatte zwar eine sehr hohe Passquote, wirkte aber offensiv sehr eingeschränkt und nutzte in den wenigen Aktionen die Möglichkeiten nicht. Noch kann er nicht an seine alte Leistungsfähigkeit anknüpfen, wie auch der feststehende Wechsel zu den Bayern ihn etwas an Leichtigkeit zu fehlen scheint.

Bleibt noch etwas unter seinen Möglichkeiten – K. Laimer.
Champagner statt Bier – die Fans
Insgesamt 900 km Fahrtstrecke mit Hin- und Rückfahrt, rund 8,5 Stunden Fahrtzeit mit PKW oder rund 14 Stunden mit dem Fanbus… 10:45 Uhr Abfahrt mit dem Bus und erst mehrere Stunden nach Mitternacht wieder zuhause. Man müsste demnach ein bis zwei Urlaubstage oder viele Überstunden nehmen, um beim Bundesligaspiel in Gelsenkirchen dabei sein zu können. Dass das an einem normalen Werk- und Schultag ist und es nicht mehr als 600 RB-Fans in der Ferne der Republik gibt, macht es nicht gerade einfacher auf einer höheren Auswärtsquote zu gelangen.
Auswärtsfans schon komplett anwesend. Die Stadt scheint ja echt für den Verein zu brennen, nicht wahr Herr Eberl? #S04RBL #S04 pic.twitter.com/aHMzScXlSR
— Sebastian (@gartenzerg) January 24, 2023
Anhänger der Traditionsvereine wie immer mit ihrer Informationskultur.
Aber anders herum wäre es auch nicht anders, wenn nicht vor Ort es einige Anhänger diverser Traditionsvereine gäbe, die schließlich die Fanblöcke etwas füllen würden.
So geschehen machten sich trotzdem einige RB-Anhänger auf
ins Ruhrgebiet, die es irgendwie einrichten konnten. Und spätestens nach dem 0.3 waren auch sie zu hören, wie sie unser Team anfeuerten. In der 2. Halbzeit versuchten Schalker Fans das Banner der Schwabenballisten zu klauen, was ihnen aber nicht gelang.

Werktag und Spieltag zugleich: Für Auswärtsfans kaum zu meistern.
Aufgefallen
1) Seit 15 Spielen ist RBL nun ungeschlagen. Seit Amtsantritt von Marco Rose holten unsere Mannen einen Punkteschnitt von 2,25 in der Bundesliga und schoss 2,6 Tore pro Spiel bei 1,17 Gegentreffer/Spiel. Das Verhältnis zwischen Spielfreude und abgesicherten Angriffsbemühungen (1,0 xGA) ist eine der Erfolgsformeln, die Marco Rose seinem Team einprägen konnte.
2) 118 gelaufene Kilometer und 277 Sprints, und das trotz mehr Ballbesitz. Es sind Leipzigs Höchstwerte, die zu dieser Saison zählen und man sah es unseren Spielern an, wie sie um jeden Ball kämpften und mannschaftlich am eigenen Spielgeschehen teilnehmen wollten. Mit immer wieder schnellen und raumgreifenden Sprints erarbeitete sich Leipzig viele Offensivmöglichkeiten.
3) Taktisch hatte Roses Team aus der guten zweiten Hälfte gegen die Bayern die Lehren gezogen und gleich zu Beginn offensiver gespielt. Mannschaftlich stand RBL als Team höher und ging frühzeitig ins Offensivpressing über. Folglich waren Ballgewinne die „Dosenöffner“ und brachten unsere Offensivspieler in Strafraumnähe. Es war das richtige taktische Mittel gegen einen limitierten Gegner.
4) Schön, dass auch die „Ergänzungsspieler“, die aktuell nicht zur Stammelf gehören, sich reibungslos im Team einfügten und ebenso zum Erfolg beitrugen. Gut zu wissen, dass Rose somit auf einen breiten Kader zurückgreifen kann, der dann auch mal das Fehlen von Nkunku, Simakan und Diallo kompensiert.

Trainer Marco Rose konnte zufrieden in Halbzeit Eins drein schauen.
5) Ohne die eigene Leistung zu schmälern bot Gegner Schalke vor allem in Halbzeit Eins eine desolate Vorstellung vor eigenem Publikum. Nach 17 Spieltagen und nur 9 magere Pünktchen steht S04 mehr denn je mit dem Rücken zu Wand. Es war sicherlich kein Gradmesser, gegen den Tabellenletzten zu gewinnen und somit muss man die Kirche im Dorf lassen ob des hohen Sieges und der dargebotenen Spielfreude.
6) Effizienz – eigentlich ein Unwort in den Leipziger Ohren. Diesmal nutzte RBL kaltschnäuzig die sich bietenden Chancen und brachte sich somit frühzeitig in Vorteil. Fast alle Offensivspieler gelangen ein Tor und das sollte Auftrieb sowie Zuversicht geben, in Anbetracht der folgenden (schwierigeren) Spiele sowie englischen Wochen.
Auswärtssieg! 🥳🥳 1:6#RBLeipzig pic.twitter.com/AkKZSETkAq
— Glenni75 (@Glenni751) January 24, 2023
RB Leipzig hat auch in diesem Pflichtspiel „geliefert“ und rückt wieder vor auf einen Champions League Platz. Offiziell haben die Rasenballer es also doch noch geschafft nach dem schwierigen Saisonstart nach dem 17. Spieltag unter den ersten Vieren zu stehen – wäre hätte das gedacht? Chapeau!
Und hatte man zuvor jegliche Bedenken eventuell gegen den Underdog zu leichtfertig aufzutreten, ließ RBL schnell Taten folgen und drehte die Partie frühzeitig auf seine Seite. Oft fand Schalke keine Mittel, um gegen das überlegene Leipziger Team bestehen zu können. Die Wucht wie Leipzig auftrat, war aber durchaus erfrischend anzuschauen und eine Aufbesserung des Torverhältnisses ist ein guter Nebeneffekt.
Schon kommenden Freitag erwartet uns das nächste Spiel und mit dem VfB Stuttgart ein unbequemer Gegner, der ebenso in Abstiegsnöten steckt. Die Aufgabe dürfte durchaus schwieriger sein als einem lieb ist, das zeigte schließlich auch das Hinspielergebnis (1:1). Der VfB verkauft sich rein ergebnistechnisch unter Wert, hat aber viel mehr Qualitäten zu bieten wie es der momentane Tabellenplatz widerspiegelt. Treten wir wiederum mit mannschaftlicher Geschlossenheit und Effizienz in den Torabschlüssen auf, sollte die Erfolgsserie weiter Bestand haben. Es kann gern endlos so weitergehen – zumal es nur noch vier Punkte zu den Bayern und zu Platz Eins sind.

Am Ende durfte fast Jeder ran: Timo Werner beim Jubeln.
Bildquellen: Kicker – RBL – Bundesliga.com/de – AFP/Fassbender
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat
Statistik
FC Schalke 04: Schwolow – Brunner, Yoshida, Matriciani – Uronen (46. Aydin), Krauß (45.+3 Drexler),
Latza (C), Kozuki (80. Terodde), Larsson (46. Ivan), Bülter – Frey (80. Mohr)
RB Leipzig: Blaswich – Halstenberg (85. Raum), Gvardiol, Orbán (C), Henrichs – Laimer (77. Haidara),
Schlager (85. Kampl) – Olmo, Szoboszlai (71. Forsberg) – Silva, Werner (77. Poulsen)
Bank: Nyland – Haidara, Poulsen, Forsberg, Klostermann, Raum, Ba, Kampl
Schiedsrichter: Benjamin Cortus (Röthenach)
Tore: 0:1 Silva (5.), 0:2 Henrichs (14.), 0:3 Silva (43.), 0:4 Werner (45.), 1:4 Kozuki (56.), 1:5 Olmo (82.), 1:6 Poulsen (89.)
Torschüsse: 9 / 21
Schüsse aufs Tor: 1 / 14
expected Goals: 0,5 / 4,2
Passquote: 80% / 84%
Zweikampfquote: 46% / 54%
Ballbesitz: 43% / 57%
Laufleistung: 116,0 km / 118,3 km
Sprints: 270 / 277
Fouls: 16 / 13
Ecken: 1 / 6
Abseits: 3 / 5
Gelbe Karten: Frey / Kampl (5)
Zuschauer: 56.841
RBoligei
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion