Leipzig lässt dem BVB beim Halbfinaleinzug fast keine Chance
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Optimisten gegen Pessimisten vor dem Spiel. Zu Letzteren würde ich mich qua Vorbericht zuordnen lassen. Der Auftritt gegen Mainz der Tiefpunkt der Saison, noch vor dem Cityspiel, das auch schon wirklich hart war. Aber dort konnte man sich noch mit Pep&Haaland rausreden. Beim BVB etwas im Pech und gegen Bochum das Spiel zeitweise verschlafen und zu spät aufgewacht … und dann kam Mainz. Bei diesem Spiel stimmte nichts und so war es schwer optimistisch gegen das punktetechnisch beste Rückrundenteam anzutreten. Aber auch diese Statistik war wie im Vorbericht erwähnt mit Vorsicht zu genießen.
Doch der Fußball hat seine eigenen Gesetze. Da wird der Stab über dir gebrochen, nur um im nächsten Kick einen Stabhochsprungrekord damit aufzustellen. Für den Anlauf stellte Rose auf ein 3-4-2-1 um, nicht zuletzt, um formtechnisch das Maximum aus dem Team zu holen, denn der Doppelsturm Silva&Werner hatte versagt, offensiv war mehr Kreativität von Nöten (Olmo&Szobo) und defensiv brauchte es mehr Stabilität (Simakan als freies Radikal).
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Dreisatz des Spiels
Ein Spiel, was dem BVB mal so richtig um die Ohren geflogen ist – zu keinem Zeitpunkt wurde der RBL-Spielaufbau genügend gestresst und offensiv leisteten sich die Borussen viele Fehler. Einen gewissen Anteil daran hatte sicherlich die Leipziger Einstellung, mit einer läuferisch einwandfreien Leistung und vielen geführten und gewonnenen Zweikämpfen. Offensiv belohnte Werner etwas verspätet die starke Anfangsphase, in der RBL die Borussia einschnürte – am Ende musste Blaswich in der Nachspielzeit retten und Orbán vollendete den Konter aufs leere Tor zum 2:0 – Ekstase!

Von Deppen zu Helden –sie können es noch!
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Eigentlich unfair hier jemanden herauszugreifen. Denn es war eine mannschaftlich geschlossen tolle Leistung. Bei der jeder für den anderen da war, dennoch ragten einige etwas heraus.
Olmo: Durch Verletzungen oft zurückgeworfen, war das eines seiner besten Saisonspiele und das, ohne einen Scorer zu erzielen, aber er hatte einige auf dem Fuß. An den Abschlüssen muss er zwar weiterhin feilen, aber im Spielaufbau macht ihm im Team keiner etwas vor. Auch harmonierte er gut mit Szoboszlai, der zuletzt auch deswegen etwas unterging, weil ihm solche Mitspieler zu oft fehlen, die blitzschnelle Ideen mit hoher Präzision umsetzen. Mit einem fitten Olmo hätte RBL nach der Meisterschaft greifen können, so bleibt zu hoffen, dass er verlängert und auch mal eine Spielzeit komplett durchspielt.
Haidara: Extrem griffig im Zentrum und auch offensiv mit Akzenten. Stand den Borussen permanent auf den Füßen und stresste sie zusammen mit Laimer. Muss wie Olmo solche Leistungen mal über einen gewissen Zeitraum halten.
Simakan: Zurück aus dem Formtief bzw. von seinem Bankplatz. Werner sprach es nach dem Spiel an, dass ihm Simakans Durchbrüche, die er in der Hinrunde häufiger hatte, etwas gefehlt haben. Wie er an Hummels vorbeispaziert ist, war großes Kino, so wie der folgende Pass auf Werner, der nur den Fuß hinhalten musste.

Dortmund locker übersprungen.
Luft nach oben
Silva: Der Einzige, der mir nicht gefallen hat. Ihm kannst du momentan die Pille zum Elfer auf das leere Tor hinlegen und er würde nicht treffen. Kam aber gar nicht zum Abschluss, weil er entweder vorher den Ball oder das Laufduell (wie gegen Can) verlor. Hat wirklich die Seuche – hat bspw. mehr xG ausgelassen als Onisiwo von Mainz bisher hatte und mit der doppelten Anzahl nicht mal die Hälfte der Tore erzielt – episch.
Wo das Herz schlägt
#RBL-Trainer #Rose zu seinem Sprint nach dem 2:0: "Ich hab zu unserem Athletiktrainer gesagt, wenn da Hürden gewesen wären, wäre ich auch über die Hürden drüber. Aber in der Kabine hab ich jetzt auch 15 Minuten gebraucht, um wieder zu Atem zu kommen." #RBLBVB pic.twitter.com/bzzL0UeqZQ
— Dirk Hofmeister (@DirkHofmeister) April 5, 2023
Roses Lauf über das Feld zusammen mit dem Team einer der großen, emotionalen Momente der Leipziger Pokalgeschichte.
Tweet des Spiels
No goalkeeper. Four on two. Leipzig weren't going to mess this up 😤#DFBPokal #RBLBVB pic.twitter.com/FVRuceIIIE
— The DFB-Pokal (@DFBPokal_EN) April 5, 2023
Ab jetzt in Dauerschleife.
Champagner statt Bier – die Fans
Nach den Querelen der letzten Wochen war die Niederlage gegen Mainz die Initialzündung wieder näher zusammenzurücken. Die Ansprache nach dem Spiel schien Fans und Mannschaft aufs Neue zusammengeschweißt zu haben.
Der Spielverlauf mit der frühen Druckphase und dem Treffer von Werner tat dann sein Übriges, das Stadion war on fire und blieb dies bedingt durch die knappe Führung auch bis zum Spielende, wo nach dem 2:0 dann alle Dämme brachen.
Unschön die Borussen in den Heimbereichen, wo es zu einigen ungestümen Wortwechseln kam. Noch unschöner, die Beleidigungen, die nach dem Sieg im Internet auf Henrichs und andere hereinprasselten. Das Vokabular einiger Fußballfans bestenfalls unter der Gürtellinie und schlimmstenfalls mit rassistischen Motiven durchsetzt. Weder im Leben noch im Sport angebracht.
H E J A, R B L 🔴⚪️
— RB Leipzig (@RBLeipzig) April 5, 2023
Unfassbar stolz heute Abend.#RBLBVB #DFBPokal pic.twitter.com/ouFQ3VQ9ts
Wieder zusammengerückt.
Pfeife des Spiels
Brych ließ Schlimmes befürchten. So etwas wie die Leipziger Pokalnemesis. Wenn es nicht gegen den FCB ging, dann war Brych (kommt ja aus München) an allen Leipziger Pokalniederlagen seit dem Aufstieg beteiligt – Dresden, Frankfurt und Dortmund. Fragt man die Bienen-Fans, so werden die ordentlich auf Brych schimpfen, weil er das eine oder andere Foulspiel nicht als solches bewertet hat. Dass Malen, der am Ende auf 180 im Quadrat war überhaupt noch zu Ende spielen durfte, stieß den Leipziger sauer auf. Für so eine Rangelei wie in der 95. Bekommt man normalerwiese ne Gelbe. Überhaupt erstaunlich viele Dortmunder, die ohne Pfiff ihre Schmerzen durch beherztes Aufspringen und Lamentieren wegwüten konnten. Insofern erklärlich, dass Brych nicht auf jeden Faller hereinfallen wollte. Insgesamt keine spielentscheidenden Fehler.
Finde jemanden, der dich so beschützt, wie Dani Olmo Dominik Szoboszlai beschützt. #RBLeipzig #DFBPokal #RBLBVB pic.twitter.com/gKGfJNOqQV
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) April 6, 2023
Malen brauchte dringend eine Abkühlung.
Aufgefallen
1) Leipzig wie Mainz und der BVB wie Leipzig, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Einzig die ausbaufähige Chancenverwertung war unverkennbar RBL. Auch Rose schlug in diese Kerbe, als er nach dem Spiel Revue passieren ließ, was Leipzig an diesem Abend auszeichnete. Eben, dass die richtige Antwort auf dem Feld gegeben wurde, mit einer Einstellung, die über die volle Spieldauer ausgezeichnet war. Nun gilt es den Schlendrian aus dem Mainz-Kick oder auch aus der ersten Halbzeit des Bochum-Spiels nicht wieder einziehen zu lassen. Das Team wirkte wie an der Ehre gepackt – gut so!
2) In meinem Vorbericht hatte ich ordentlich abgeledert. Nicht zu Unrecht, denn der Auftritt gegen Mainz war indiskutabel. Dass das Team auch anderes kann, zeigte es gegen den BVB und irgendwo liegt zwischen diesen beiden Spielen auch ein Störgefühl begraben. Warum nicht häufiger so? Zum einen natürlich, weil die Borussen Leipzig den Freiraum zur Entfaltung ließen. Unsere Leipziger muss man als Gegner unablässig stressen, um die Fehler zu provozieren, das tat der BVB nicht und ermöglichte so über weite Strecken einen ruhigen Spielaufbau aus der Defensive heraus. Auf der anderen Seite standen die Rasenballer den Bienen ständig auf den Füßen.
Übrigens hatten wir 05-Torschüsse mehr als der #BVB heute in unserem #DFBPokal Erstrunden-Spiel gegen @RBLeipzig im August 🥸
— FC Teutonia 05 (@Teutonia05) April 5, 2023
Unter anderem die beiden unten im Bild von Pascal Steinwender 🙃#RBLBVB #T05RBL pic.twitter.com/CIf8cHhut2
Wer den Schaden hat...
3) Ein weiterer Baustein des Erfolgs sicherlich Roses taktische Anpassung. Gefühlt das erste Mal in der Saison, dass die Dreierkette so richtig gepasst hat. Zu Beginn haderten alle mit Tedescos Interpretation derselben und später Griff Rose nur selten auf sie zurück. Dieses Mal war sie aber absolut angebracht. Zum einen hatte sich der Zweiersturm mit Silva und Werner weitestgehend abgenutzt, zum anderen mussten Olmo und Szoboszlai spielen, was sie am besten zentrumslastiger machen und zum dritten war es nötig die Defensive zu stabilisieren, gerade, wenn die Außen offensiver agieren sollen. Vorteilhaft auch die Aufstellung, die wohl das Optimum aus den verfügbaren Kräften enthielt.
4) Nicht nah am Optimum ist derzeit Silva, der wie schon oben angesprochen im absoluten Formtief ist. Auch wenn Werner einige Chancen durch seine ausbaufähige Ballbehandlung zunichte macht, so trifft der Rückkehrer wenigstens ab und an und kann seine Geschwindigkeitsvorteile ausspielen. Bei Silva musste man sich nach seiner Einwechslung bei jeder Aktion die Haare raufen. Bezeichnenderweise nahm Willi am Ende Kampls pass auf – direkt vor Silvas Nase – um zum 2:0 zu vollenden. Der Portugiese muss sich aus dem Loch irgendwie rauskämpfen. Es braucht ein Brustlöserspiel.
Das dürfte die verdienteste 0:2-Niederlage seit Beginn der Datenaufzeichnung sein. Erschreckend desolater Auftritt, mirt dem der #BVB die riesengroße Chance auf einen Titel ohne wirkliche Gegenwehr herschenkt. #RBLBVB
— Sebastian Weßling (@fluestertweets) April 5, 2023
11:1 Schüsse aufs Tor – der BVB war gut bedient.
5) Mit dem Sieg entgingen Team und Rose knapp dem alleinigen Rekord, denn vier Pflichtspielniederlagen in Folge gab es bei RBL noch nie. Drei Spiele ohne eigenes Tor jedoch auch nicht. Andere Teams werden jetzt sagen – Luxusprobleme und Jammern auf hohem Niveau und das stimmt auch, wenn das schon die größte Ergebniskrise der Vereinsgeschichte war. Aber die Ansprüche sind hoch und so ist die Fallhöhe. Nicht so hoch wie in München, aber schon nicht mehr so weit entfernt. Das entspricht letztlich auch den kadertechnischen und finanziellen Möglichkeiten, die eine CL-Quali zur Pflicht machen.
6) Positiv die Bilanz gegen den BVB seit der Finalniederlage. Vier Siege in fünf Spielen. Dazu steht RBL zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren im Halbfinale. Kein Team schaffte das in diesem Zeitraum häufiger. Deswegen muss der Blick nun auch auf den Titel gerichtet werden. Vielleicht gibt das dem Team auch für den Endspurt in der Liga neuen Mut, der noch einige schwere Spiele bietet (in Leverkusen, München und Freiburg).
#RBLBVB: Was sich Marco Rose rein taktisch vorgenommen hat, geht komplett auf. #RBLeipzig kommt immer wieder in die Halbräume, kreiert nach Ballgewinnen Tiefe, lenkt den #BVB in Ballverlustzonen und überlagert häufig die rechte Seite - siehe 1:0. Taktisch herausragende 45 min. pic.twitter.com/seZQ0euY3T
— Philipp Hinze (@philipphinze24) April 5, 2023
"Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert."
Siege gegen die Borussia sind immer noch etwas honigsüßer. Da mutiert man als Fan zu Winnie Puuh und möchte gleich noch mal Nachschlag. Bis auf Abzüge in der B-Note, was die altbekannte schwache Chancenverwertung anbelangt, war es der komplette Gegenentwurf zum Spiel gegen Mainz. Leipzig mit dem Mainz-Set, der BVB als Team mit der fehlenden Einstellung. Der Sieg hochverdient, vielleicht einer der verdientesten gegen die Borussia überhaupt.
Im Pokal sind mit Freiburg und Frankfurt noch zwei starke Gegner, so dass Leipzig jetzt nicht der haushohe Titelfavorit ist, wie es vielleicht die Bayern üblicherweise sind. Idealerweise gibt es jetzt nochmal ein Heimspiel gegen Stuttgart, aber man muss nehmen was kommt. Ein Finale gegen Freiburg – vielleicht schießen wir ja mal ein Tor nach Handspiel – hätte schon was. Idealerweise fängt RBL die Breisgauer bis dahin auch in der Liga ab.
Morgen Abend geht es schon weiter – quasi als Vorgeschmack auf ein mögliches DFB-Pokalfinale – ab nach Berlin ins Olympiastadion, wo Leipzig gegen Hertha noch nie Punkte gelassen und immer gewonnen hat. Die Fans dürfen die kurze Auswärtsfahrt am Osterwochenende sicher in diesem Sinne angehen, das Team sollte sich jedoch darauf besinnen, was gegen den BVB alles richtig gemacht wurde und genau dort anknüpfen!

Die rechte und die linke Faust der Bullen.
Kicker – Sofacore – RBL – DFB – FotMob
Statistik
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs, Simakan (78. Klostermann), Orbán (C), Gvardiol, Raum (87. Halstenberg) – Szoboszlai, Laimer, Haidara (87. Kampl), Olmo (70. Forsberg) – Werner (78. Silva)
Ersatzbank: Nyland – Ba, Clark
Borussia Dortmund: Kobel – Wolf (46. Moukoko), Süle, Hummels (85. Modeste), Ryerson – Özcan, Can, Guerreiro – Brandt (63. Bellingham), Reus (C, 76. Bynoe-Gittens) – Malen
Ersatzbank: Meyer – Reyna, Dahoud, Rothe, Coulibaly
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Tore: 1:0 Werner (22.), 2:0 Orbán (90.+8)
Torschüsse: 20 / 3
Schüsse aufs Tor: 11 / 1
Großchancen: 5 / 0
Passquote: 78% / 84%
Zweikampfquote: 62% / 38%
Ballbesitz: 46% / 54%
Fouls: 9 / 7
Ecken: 9 / 1
Abseits: 2 / 0
Gelbe Karten: Raum (2), Szoboszlai (1) / Ryerson (1), Bellingham (1), Malen (1), Hummels (1)
Zuschauer: 47.069
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion