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3:2-Zittersieg bei Werner-Jubiläumstreffer
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3:2-Zittersieg bei Werner-Jubiläumstreffer

3:2-Zittersieg bei Werner-Jubiläumstreffer

Rückstand, eine entfesselte Offensive und eine lasche Endphase, die nach dem verdienten Ausgburger Anschlusstreffer zur Zitterpartie wurde. Auch gegen den FCA spielten die Rasenballer die Partie nicht mit dem nötigen Ernst runter, weshalb Rose nach dem Match nicht mit Kritik sparte.

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Klare Vorzeichen vor dem Spiel. Leipzig braucht dringen Punkte im engen Kampf um die Champions League Plätze, Augsburg gegen den Abstieg. Statistisch spielt Leipzig in vielen Belangen (abseits der Chancenverwertung) ganz oben mit, während der FCA vom Tabellenende grüßt (Gelbe, Ballbesitz, Passquote, xG, Torschüsse).

Dazu kam beim FCA eine hohe Ausfallquote. Die beiden besten Torschützen Berisha und Demirovic (beide mit RB-Vergangenheit) fehlten ebenso wie Stammkeeper Gikiewicz. Dazu drohten gleich vier Gelbsperren. Bei den Rasenballern lichtete sich dagegen das Lazarett. Nkunku nahm auf der Bank Platz, in der Startelf setzte Rose weiter auf die Dreierkette. Klostermann und Olmo ersetzten im Vergleich zum Berlin-Spiel die angeschlagenen Forsberg und Simakan.

 

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Dreisatz des Spiels

Für den neutralen Zuschauer sicherlich nicht das schlechteste Spiel, aber eher aufgrund der Spannung und des Verlaufs als wegen des ansehnlichen Fußballs. Es gab Phasen in denen machte Leipzig viel richtig – und war dabei sogar mal im Abschlussglück – und dann gab es viel Stückwerk mit schlampigen Fehlpässen im Aufbauspiel und dann waren da noch die letzten 20-30 Minuten, in denen wieder viel zu viel Hühnerhaufentaktik geboten wurde. Rose wechselte (zu) spät und weder Laimer noch Nkunku hatten gestern die nötige Präzision.

 

Werner machte drei Scorer!

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Werner: Scorer 20-22 in diese Saison für RBL, womit er mit Nkunku gleichzieht. Bundesligatreffer Nummer 100 – und dazu ein sehr schöner. Das war immens wichtig fürs Selbstvertrauen nach drei torlosen Bundesligaspielen in Folge. Dazu gelang es ihm beim 1:1 endlich auch mal seine Geschwindigkeit auszuspielen (sogar mit dem Ball) und allgemein ist er wichtig, wenn RBL in der vordersten Linie gegen den Ball arbeitet. Drei Torschussvorlagen gab es obendrauf. Abzüge in der B-Note gibt es wie gewohnt für die Abseitsstellungen (3). Alles in allem aber eine runde Leistung.

Kampl: Kampl in der Startelf, das hat mir diese Saison schon das eine oder andere graue Haar beschwert, um so erfreulicher und im höchsten Maße unerwartet, was er gegen den FCA aufs Feld brachte. Sehr offensiv, weil die Dreierkette und Haidara ihm den Rücken freihielt konnte er zwei Scorer für sich verbuchen (Ausgleich und Vorarbeit 3:1). Das sind so viele Scorer wie er 2020/21+2021/22 für RBL in der Bundesliga erzielen konnte bzw. seit Nürnberg 2018 erst das zweite Mal überhaupt zweifach für RBL. Abseits davon extrem giftig (auch wenn er viele Duelle ungestüm verlor) und lauffreudig, ich glaube da hat jemand schon eine Dose für ein potenzielles Pokalfinale kaltgestellt…

Olmo: Mit dem Ball eine Wucht und oft nur unfair zu stoppen (5 Foulspiele an ihm, da hätte Fritz mehr durchgreifen müssen). Führte 20 Duelle und 7 von 7 Dribblings gelangen ihm. Wichtiger als die Fähigkeit mit dem Ball ist seine ausgezeichnete Weiterverarbeitung zu präzisen Pässen, da können sich einige Leipziger eine dicke Scheibe abschneiden. Denn entweder gilt da offensiv Geißkannenprinzip oder es wird der risikoarme Rückpass gezogen. Besser werden muss Olmo im Spiel gegen den Ball, das ließ er mit zunehmender Spieldauer immer mehr schleifen.

 

Leipzigfans, wenn sie lesen, dass Nkunku zurück ist.

 

Luft nach oben

Klostermann: Sprang für Simakan ein und man konnte gut erkennen, weshalb der Franzose in der Dreierkette die Nase vorn hat und Henrichs Klostermann auf Außen den Rang abgelaufen hat. Defensiv ist das alles noch ganz solide, aber im Spielaufbau sieht man von Klostermann nichts. Auf 90 Minuten gerechnet die mit Abstand schwächste Quote was progressive Pässe oder Torschusseinleitungen anbelangt.

Silva: An einem der am Boden liegt soll man ja nicht noch draufhauen aber Silva, Silva, Silva… Reinkommen und das Laufduell verlieren, das habe ich jetzt echt schon oft genug gesehen. Da muss es doch auch mal eine andere Lösung geben…

Raum: Während Augustus Varus angemotzt hat ob seiner verlorenen Legionen, will man bei Raum immer mal Fragen, was denn aus den Topflanken geworden ist. Diesmal stehen zwei magere Flanken ins Nichts und keine Torschussvorlage im „Raum“. Traut sich viel zu wenig ins Eins gegen Eins und nach Simakan in der Hinrunde ist nun Henrichs besser. Halstenberg ist offensiv, aber auch nicht ansehnlicher. Sollte es bei einer Dreierkette bleiben, dann müsste man über eine Rückkehr von Angel nachdenken, der sich wenigsten Mal traut, etwas mit dem Spielgerät zu machen.


Tweet des Spiels

Es hätte am Ende noch schlimmer kommen können, leider lief es am Sonntag nicht ähnlich. Freiburg siegte.

 

Champagner statt Bier – die Fans

No Show Rate so hoch wie Nichtwähler bei einer Stadtratswahl. Dennoch 46.000 Zuschauer zu verkünden – klar verkaufte Karten, dennoch irgendwo lächerlich – hatte schon was von Satire. Von Augsburg war wie gewohnt auch keiner mitgekommen – bei Traditionsfans ist Boykott Synonym für keine Lust (gut leere Plätze Glashaus auch in der RBA). Nur werden 11Freunde und Co. dank anderer Feindbilder nicht auf die Idee kommen, den mageren FCA Auswärtsmob bzw. Möbchen zu thematisieren, da arbeitet man sich lieber zum x-ten Male an TSG oder RBL.

Die Stimmung in Anbetracht der Lücken (über eine Mindestnutzung der Dauerkarte sollte RBL mal dringend nachdenken) solide. Das Publikum reagierte auf die Schwächephase eher als die Mannen auf dem Feld, die am Ende defensiv keine Ruhe und offensiv keine Entscheidung herbeiführen konnten. Banner gab es auch noch ein paar. Unter anderem gegen Leipziger Trash-D-Promi Melanie Müller, deren Begleitung mit Thor Steinar Klamotten in Berlin des Blockes verwiesen wurde und gegen die Ermittlungen wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen laufen.

 

Plakate gegen Melanie Müller und ihre Connections.

 

Pfeife des Spiels

Unter Fritz Leitung hatte Leipzig bisher nur ein Spiel verloren (denkbar knapp 1:0 in München) und war zuhause und im Pokal unbesiegt. Gute Vorzeichen also für das Spiel gegen Augsburg, die aber ihrerseits auch gut die Hälfte aller Spieler unter Fritz gewonnen hatten. Zuletzt daheim gegen den Bayer und Bayern.

Fritz während des Spiels mit keiner klar erkennbaren Linie. Taktische Fouls, die Konter unterbunden, wurden mit Ermahnungen abgetan. In der hektischen Schlussphase verlor er dann gänzlich den Faden. Foul gegen Olmo, nachdem er gehalten wurde, Abstoß statt Ecke obwohl ein Augsburger am Ball war, Gelbe wegen Meckerns und Zeitspiel passten nicht in die Linie der restlichen Bewertungen. Insgesamt ein schwacher Auftritt des Schiedsrichters, dessen Entscheidungen zunehmend weniger nachvollziehbar waren.

 

Die Party nach Abpfiff ließen sich Fans und Spieler nicht nehmen.

 

Aufgefallen

1)      Während es bei den FCA-Ecken & Freistößen am Spielende im Leipziger Strafraum teils lichterloh brannte, eignen sie die Leipziger Standards zum Entfachen eines Offensivfeuerwerkes in etwa so gut wie durchgeweichte Streichhölzer. Das mag zum einen daran liegen, dass RBL eine eher kleine Mannschaft hat, zum anderen fehlen da auch Präzision und Automatismen. Selbst am Saisonende bleibt das also eine Schwachstelle im Leipziger Taktikrepertoire.

2)      Werner mit den üblichen Schwächen (Abseits, Ballbehandlung) aber auch mit einigen guten Aktionen. Doppelpass mit Szoboszai, präzise Einleitung des Ausgleichs mit guter Ballführung in hoher Geschwindigkeit und natürlich das 3:1, bei dem er durchaus Sonntagsschussglück hat. Insgesamt in Aufsteigender Form, mit seinem 100. Bulitreffer und dem 22. Scorer wettbewerbsübergreifend in diese Spielzeit gleichauf mit Nkunku. Da wird es für Silva schwer vorbeizukommen, der sich daher schon nach potenziellen neuen Arbeitgebern umsehen soll. Bei RBL dagegen wird wild nach neuen Stürmern gescoutet, aber im Prinzip sind fast alle einen Tick zu teuer. Aktueller Favorit der Presse Balogun für 30+ Millionen.

 

Leipziger Rekordtorschütze Werner, mit 111 Toren wettbewerbsübergreifend erhöht er seine Bestmarke weiter.

 

3)      Während Olmo im Aufbauspiel ansehnliche Pässe verteilte und auch Eins gegen Eins Duelle nicht scheute, galt das nicht für das Gros der restlichen Spieler. Pässe wurden nicht in den Lauf oder gar in den Rücken gespielt. Konter schlampig beendet, Rückpass statt des direkten Duells gesucht usw. Hier hat RBL ein Problem mit der Spielkontrolle. Das 1:0 für den FCA ein direkter Fehler von Henrichs, Angriffe versandeten, weil die Pässe zu ungenau waren oder die Mitnahmen zu schlecht, dadurch dann weniger Druck auf den FCA-Kasten. Letztlich blieb Augsburg daher im Spiel und konnte am Ende nochmal aufdrehen.

4)      Ab der 60. Minute wurde RBL dann immer passiver und der FCA rückte weiter auf. Das sorgte für noch mehr Fehler im Aufbauspiel, auch weil Leipzig viel in der letzten Kette passte und dort nun verstärkt gepresst wurde. Da fehlt den Spielern dann manchmal die Qualität die Situationen gewinnbringend zu lösen und nicht den Ball in der Vorwärtsbewegung abzugeben. Das Tor des FCA dann folgerichtig und bis zur Chance von Nkunku in der 87. War Augsburg in Sachen xG quasi gleichauf. So fahrlässig darf eine 3:1 Führung nicht hergeschenkt werden.

 

Wenn du die letzten 30 Minuten sehen musst.

 

5)      Nkunku zurück aber ohne den Killerinstinkt. Der kann noch kommen, da muss man ihm sicherlich noch Zeit geben, aber früher hätte er das Ding mit dem Lupfer entschieden und nicht über den Kasten gesetzt. Allgemein etwas zu unbeweglich, gerade im Spiel gegen den Ball. Wenn Szobo da nach 80 Minuten mehr anrennt als Silva und Nkunku zusammen, dann passt das eher wenig.

6)      Ein Spiel, was durch die Effizienz (ja, das gibt es also wirklich noch bei RBL) in der ersten Halbzeit entschieden wurde. Hier aus 0,5 xG drei Tore zu machen hatte schon fast was von Union, Sonntagsschuss inklusive. Am Ende die guten Konter liegen zu lassen, war dann schon viel eher Leipzig-like.

 

Zwei Schüsse aufs Tor, zwei Gegentore.

 

6)      Das Aufbauspiel aus der Abwehr heraus sehr unrund. Raum nur im Verbund mit Olmo wirklich produktiv, aber allein kaum mit progressiven Pässen. Henrichs da deutlich besser. Gvardiol und Orbán gewohnt souverän und auch mit guten Einleitungen. Klostermann hingegen scheute den vorwärts gerichteten Ball. Allgemein teilweise auch schwer die erste Reihe mit Kurzpässen zu überspielen, weil RBL zu offensiv stand und so die Passwegen zugestellt bzw. nicht vorhanden waren.

7)      Rose war in der PK dann schon angefressen (Dinge immer wieder ansprechen). Weil die Rasenballer das Spiel ab der 60. Larifari angingen, den Sack nicht zumachen und stattdessen am Ende zu schwimmen begannen. Richtig so, den Finger in die Wunde zu legen.

 

Tanze Samba mit mir.

 

8)      Die kommenden Spiele jetzt deutlich schwerer. Leverkusen – die beste Mannschaft der letzten 6 Spiele, Hoffenheim, in den letzten 6 Spielen mehr Punkte als RBL. Die Freiburger im Doppelpack, die die Bayern aus dem Pokal gekegelt haben und gegen die es in Freiburg bei den letzten fünf Spielen nur einen Sieg gab. Es geht in die Crunchtime und aktuell ist Leipzig noch nicht knusprig genug…

 

Rose auf der PK eher ungehalten bezüglich der Endphase des Spiels.

 

Die richtige Trendwende ist das immer noch nicht. Das Spiel gegen den BVB hatte da eine ganz andere Verve. Der Kick gegen Augsburg nur zeitweise gut und insgesamt viel zu schlampig im Aufbau (wenn es nicht gerade über Olmo ging). Hinten raus muss das Spiel dann souveräner abgeschlossen werden. Da kann man beim BVB sehen, wohin das sonst führt.

Schön zu sehen, dass Nkunku zurück ist, auch wenn er zwei gute Chancen liegen ließ. Schön auch die ansteigende Form von Olmo, Kampls Bissigkeit und Werners Torerfolge. So ein wenig macht das Mut für den Endspurt, aber in Sachen Passgenauigkeit, Stringenz und Abgeklärtheit muss Leipzig noch ein paar Meter machen. Leverkusen, Freiburg und Union schlafen nicht!

Gegen Leverkusen geht es nun auch im nächsten Spiel. Die nächsten Auswärtsspiele allesamt schwer. Bayer, Freiburg und Bayern – wo es ggf. um die Meisterschaft geht. Es war ein wichtiger Sieg für die Champions League Quali aber RBL kann noch deutlich mehr als das Gebotene.

 

Die Frauen haben den Aufstieg klargemacht, jetzt geht es gerade gegen Freiburg um den Einzug ins Pokalfinale.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstat

 

Statistik
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs, Klostermann, Orbán (C), Gvardiol, Raum (85. Halstenberg) – Szoboszlai (85. Diallo), Kampl (78. Laimer), Haidara, Olmo (73. Nkunku) – Werner (85. Silva)
Bank: Nyland – Nkunku, Silva, Halstenberg, Ba, Laimer, Diallo
FC Augsburg: Koubek – Gumny (38. Jensen), Bauer, Gouweleeuw (C), Uduokhai (78. Veiga), Pedersen – Maier (61. Vargas), Engels (46. Baumgartlinger), Rexhbeçaj, Iago – Beljo (61. Cardona)
Bank: Klein – Veiga, Baumgartlinger, Vargas, Caligiuri, Jensen, Mbuku, Colina, Cardona
Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)
Tore: 0:1 Maier (5.), 1:1 Kampl (10.), 2:1 Werner (32.), 3:1 Werner (35.), 3:2 Vargas (82.).
Torschüsse: 12 / 12
Schüsse aufs Tor: 6 / 2
expected Goals: 1,14 / 0,86
Passquote: 85% / 81%
Zweikampfquote: 54% / 46%
Ballbesitz: 59% / 41%
Laufleistung: 121 km / 124,3 km
Sprints: 280 / 272
Fouls: 8 / 11
Ecken: 3 / 5
Abseits: 5 / 3
Gelbe Karten: Raum (5), Silva (3) / Uduokhai (1), Iago (4), Bauer (7), Gouweleeuw (10)
gemeldete Zuschauer: 46.058

Rumpelstilzchen