Ein Sieg, der drängende Fragen unbeantwortet lässt
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Die Pleite in Leverkusen war ein ordentlicher Tiefschlag, auch wenn sie nicht ganz unerwartet kam. Zu mau waren die Auftritte gegen Hertha und Augsburg. Daher hätten sich die – erneut nicht gerade zahlreich erschienenen Fans – wohl ein Ausrufezeichen gegen die TSG gewünscht. Dazu müsste RBL aber über den Schatten der Chancenverwertung springen, der derzeit über dem Team schwebt wie das Damoklesschwert einer möglicherweise verpassten Champions League-Qualifikation.
Problematisch obendrein, dass Rose mit Haidara und Szoboszlai auf zwei Antreiber verzichten musste (Gelb- bzw. Ampelkartensperre) und einige Kicker sich mit Wehwehchen plagten. Die Aufstellung gegen die TSG hatte daher was vom letzten Aufgebot der noch spielfitten Kicker. Vorne sollten es Forsberg (für den angeschlagenen Olmo), Nkunku und Werner richten. Laimer rotierte für Haidara rein und defensiv biss Gvardiol auf die Zähne, Simakan ersetzte den ebenfalls lädierten Henrichs.
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Dreisatz des Spiels
Der Sieg ist in der Tasche, was rückblickend auf den Spielverlauf neben dem ersten Tor Nkunkus nach seiner Verletzung schon das Positivste ist, was heute zu schreiben ist. Während die erste Halbzeit geprägt vom fahrlässigen Auslassen von Chancen bzw. deren Vorlagen geprägt war und RBL sich bei der völlig neben sich stehenden TSG-Defensive bedanken durfte, dass diese mehrmals unaufgeforderte den Ball in die Leipziger Füße spielte, schleppte sich der zweite Durchgang mit einer Trägheit fast biblischen Ausmaßes dahin. Die Rasenballer wirkten platt, die Zuspiele ungenau und irgendwie erinnerte das alles auffallend an den Tedesco-Fußball der Endphase der letzten sowie der Startphase der aktuellen Spielzeit.

Wie viel Luft hat RBL wirklich noch?
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Nkunku: Reicht noch nicht für ein komplettes Spiel und auch er versemmelte gleich zu Beginn eine Großchance, indem er nicht auf den Winkel abzielte, sondern einfach durchzog. Machte es dann beim nächsten Mal besser und versenkte die Kugel zum letztlich entscheidenden 1:0 platziert in den Maschen. Abseits davon aber oft zu weit weg vom Geschehen und nur an wenigen Angriffen entscheidend beteiligt, die liefen im ersten Durchgang eher über Werner und Simakan.
Kampl: Solide und am Ende besser als der umtriebigere, aber zu fehlerbehaftete Laimer. Kampl sieht man an, dass er noch das Maximum aus der Saison rausholen will. Legte die Großchance von Nkunku auf, gewann den größten Teil seiner Zweikämpfe und spielte nach den Defensivkräften die meisten Pässe.
Simakan: Sorgte für Belebung auf der rechten Seite, über welche das Gros der Leipziger Angriffe rollte. Solide Zweikampfquote über 50%. Musste später angeschlagen ausgewechselt werden, nachdem er bei einem Standard einen Schlag auf die Rippe bekam.

Silva leider erneut glücklos.
Luft nach oben
Silva: Hat hier schon seinen Platz abonniert. Eine gute Chance, die er aber an die Latte knallt – Pech. Sonst zu viele Fehlentscheidungen, verpasste Abspiele und besonders zu wenig Druck im Spiel gegen den Ball. Ich glaube Silvas Knoten wird hier nicht mehr platzen und wenn er es täte, würde der Knall wohl noch einige Kilometer entfernt zu hören sein, so gewaltig und undurchtrennbar – quasi gordisch – erscheint das gerade.
Laimer: Wichtig, dass Laimer als letzter verbliebener ZM einsatzbereit war, aber das wirkte alles zu kopflos. Zweikampfquote nur knapp über einem Drittel und weniger angekommene Pässe als Werner.
Raum: Kaum ein Angriff über seine Seite, weder offensiv noch defensiv. Was für seine Verteidigungsfähigkeiten spricht aber gegen seine „Offensivkünste“. Nur 22 erfolgreiche Pässe und keine angekommene Flanke. Auf einem Bein kann man ja bekanntlich nicht gut stehen. Die Leipziger Offensive kommt aber derzeit sehr einbeinig daher.
Tweet des Spiels
Um es mit Zorniger zu sagen: wenn wir so in Freiburg spielen, dann fressen die uns auf. Zweimal und ohne zu kauen. #rbltsg
— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) April 29, 2023
Fressen oder gefressen werden...
Champagner statt Bier – die Fans
Nicht nur die Spieler auf dem Rasen liefern derzeit überschaubare Leistungen ab, auch bei den Fans gibt es heftige Leistungslücken. Dies äußert sich durch eine hohe Anzahl freibleibender Plätze – die no-show-rate. Viele Karten werden dabei gar nicht erst in die Ticketbörse gestellt, ein großer Teil dürften dabei Dauerkarten sein, die kaum oder nie benutzt werden. Hier muss der Verein irgendwann auch reagieren, auch wenn das letztlich zu niedrigeren kommunizierten Zahlen führen könnte. Aber es kann doch auch nicht das Ziel sein, jedes Mal 40.000+ verkaufte (was ja nicht falsch ist) Karten aka Zuschauer zu melden und dann im weiten Rund gut 10.000 freie Plätze zu sehen.
Abseits dieses persistenten Problems machte der Fanblock einen hörbar guten Eindruck auch wenn man wohl „Ein Schuss, ein Tor für Leipzig“ an die heutigen Bedingungen anpassen könnte: „20 Schüsse, ein Tor für Leipzig“. Einen Notarzteinsatz gab es auch, als ein Fan in Sektor B das Bewusstsein verlor. Der Support wurde diesmal aber nur kurz unterbrochen, der Jugendliche konnte nach einer Behandlung später von seinen Eltern abgeholt werden.
Ihr seid der Hammer… @RBLeipzig ❤️❤️❤️❤️ Dankeschön. Für so viel Gänsehaut und Tränen in den Augen. ❤️🤍 pic.twitter.com/bnefVRDQua
— Krümels Uwe (@kruemelsuwe) April 29, 2023
Tolle Szene für einen tollen Fan!
Pfeife des Spiels
Nach zuletzt sechs Spielen unter Stielers Leitung in denen es nur einen knappen Leipziger Sieg gab (gegen die Hertha), mal wieder ein Sieg – der neunte im 22. Spiel. Stieler brachte eine komplett runde Leistung aufs Feld. Die Entscheidungen passten, keine kritischen Szenen, gute Ausstrahlung.
10 bis 15 Minuten Notarzteinsatz im Fanblock und der Support wird nicht eingestellt.
— Getränkekombinat_Leipzig (@getRkomBLe09) April 29, 2023
Ich kann mich noch an das Pokalspiel gegen Hoffenheim erinnern als der Support eingestellt wurde.
Das ist heute enttäuschend gewesen.#RBLTSG
Uneinigkeiten ob der Einstellung des Supports.
Aufgefallen
1) Viele Ausfälle und angeschlagener Spieler, das darf jetzt keiner Ausrede für die besonders im zweiten Durchgang recht überschaubare Leistung sein, aber wenn Olmo (angeschlagen) und Nkunku (erster Startelfeinsatz des Jahres) nicht über 90 Minuten gehen können und mit Haidara und Szobo zwei wichtige Antreiber gesperrt fehlen sowie einige Kicker – allen voran Silva – nicht ihre Leistung abrufen können, dann bleibt offensiv vom Team auch nicht mehr so viel übrig. Der gescholtene Werner mit 4 Keypässen und der meisten progressiven Metern mit dem Ball fast schon noch am ehesten der Motor der Angriffsbemühungen. Nüchtern betrachtet war unter diesen Voraussetzungen vielleicht auch nicht so viel mehr drin.
2) Diesen kadertechnischen Problemen zum Trotz muss bei einem Team wie RB Leipzig dennoch offensiv mehr rumkommen, als das, was gegen die TSG zu sehen war. Werner mit zu vielen Problemen in der Ballverarbeitung, Nkunku abseits des Tores kaum zu sehen, Forsberg mit zunehmender Spieldauer unsichtbarer, Laimer zu fehleranfällig und der Vierfachwechsel sorgte ebenfalls nicht für eine Verbesserung. Torschüsse wurden wohl ebenfalls nicht trainiert. Nur zwei der 15 Leipziger Abschlüsse gingen auf den Kasten von Baumann.
Chancen selber nutzen🙏🙏SPIELTAG ⚽️ ⚽️⚽️
— Chris Tine (@tineschilde) April 29, 2023
NUR DER RBL ♥️ ⚪️ 🔴 #RBLTSG pic.twitter.com/7Xfv9y2P2j
Da helfen nicht mal mehr die einfachsten Schaubilder.
3) In der Lethargie der zweiten Halbzeit spiegelte das Team Erfahrungen, die schon letzte Saison am Ende zu beobachten waren. Ein schwacher Durchgang, in dem die TSG gefährlicher war und Leipzig keinen Schuss aufs Tor zustande brachte (Hoffenheim allerdings auch nicht, aber die Ansätze waren dort besser). Bei der knappen Führung wäre mehr Zug wünschenswert gewesen, um nicht bis zum Ende zittern zu müssen. So stand das Spiel bis zum Ende auf Messers Schneide.
Die Leistung der 1. HZ konnte leider nicht bestätigt werden.
— Niklas (@gNiklas43) April 29, 2023
RB fiel stattdessen leider wieder in eine passive Haltung zurück und kann den Sieg gegen eine schwache TSG zum Glück über die Zeit bringen.
Mein MotM: Simakan. #RBLTSG #RBLeipzig https://t.co/cEZa2C51yP
Die Mannschaft der zwei Gesichter.
4) Positiv kann mitgenommen werden, dass Leipzig nur einen Schuss aufs Tor zuließ (die TSG mit dem niedrigsten xG des Spieltags). Abseits von Bebous Kopfball in der 79. Bleibt jedoch besonders die Szene in der 38. In Erinnerung, als Bebou aus kurzer Distanz den Ball über den Kasten setzte, nachdem Blaswich gegen Baumgartner pariert hatte. Da beide Schüsse aber nicht in die einschlägigen Statistiken Einzug fanden, ist anzunehmen, dass die Situation abgepfiffen wurde. Eine abwehrstarke Leistung wird es auch gegen Freiburg brauchen, die besonders aus Standards Gefahr entwickeln können, dabei sind die Breisgauer das beste Team der Liga.

Roses Kritik war gar nicht blumig.
5) Man kann jetzt über das enge Spiel jammern, ein Blick auf die Ergebnisse des bisherigen Spieltags zeigt aber, dass es überall eng zuging. Leverkusen und Union trennten sich torlos, Dortmund haderte in Bochum mit dem Schiedsrichter war aber auch abschlussschwach, Freiburg gewinnt nach schwacher erster Halbzeit durch einen Standard in Köln usw. Ohne Elfer hatte nur der BVB über 2xG an diesem Spieltag.
6) Bemerkenswert wie Rose an der Seitenlinie mitgegangen ist, da gab es schon Spiele, in denen er eher den Lobanowski gemimt hat. So muss das, denn wenn die Kicker schwächeln, sollte man es ihnen auch unmissverständlich sagen. So in etwa auch die Silvas Sonderkritik, als er nach seiner Einwechslung, ob der eher überschaubaren Übersicht und des Gegenpressings von Rose angemotzt wurde.

Kampl geht aktuell voran.
7) Nun also doppelt gegen Freiburg. Leipzig wird kein Trainingslager in Süddeutschland abhalten, sondern nach dem Pokalspiel sofort wieder zurückfliegen. Die beiden Spiele werden wohl über die Saison entscheiden. Pokalfinale und Platz 3/4 am Ende des Tanzes in den Mai oder Raus ohne Applaus und ein zementierter fünfter Platz. Für das Maximum braucht es maximale Einsatzbereitschaft und jeweils eine über 90 Minuten konzentrierte Leistung. Dass so etwas möglich ist, war gegen den BVB zu beobachten. Wenn das Team immer so aufgetreten wäre und die Abschlüsse nicht so eine niedrige Qualität gehabt hätten, dann hätten die Rasenballer um die Meisterschaft spielen können. So bleibt es ein Konjunktiv, den es jetzt endlich mal in die reale Welt zu überführen gilt.
8) Insgesamt wird es ein extremes Endprogramm. Ausrutscher können sich die Rasenballer keine mehr erlauben. In Freiburg muss man zweimal gewinnen, um die Möglichkeit auf Pokal und Champions League aufrechtzuerhalten. Gegen Bremen darf RBL nicht patzen, die Bayern werden in der aktuellen tabellarischen Situation brutal schwer und bei Schalke könnte der letzte Spieltag am Ende ggf. über den Klassenerhalt entscheiden. Jedes Spiel ist also ein Endspiel und da reden wir noch nicht mal über das mögliche echte Endspiel in gut einem Monat in Berlin.
Die PK nach dem knappen Sieg.
Ein Spiel welches die wichtigen Fragen unbeantwortet ließ. Abschlussschwäche wie gegen Hertha und Bayer, zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten wie gegen Augsburg und ein schwacher Gegner, der Leipzig im ersten Durchgang förmlich einlud. Wenn aber schon gegen die Kellerkinder der Liga gezittert werden muss, wie soll es dann gegen Freiburg aussehen, die eine sehr starke Runde spielen?
Nur zweimal haben die Rasenballer in dieser Saison in der Liga gegen ein Team gewonnen, was vor ihnen steht. Gegen den BVB bei Roses Antritt und gegen Freiburg kurz vor der Weltmeisterschaft. Vor vier Jahren siegte Leipzig schon einmal gegen Freiburg am 31. Spieltag und zog davor gegen den HSV ins Pokalfinale ein. Bitte nachmachen!

Im Endpurt zusammenstehen.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
RB Leipzig: Blaswich – Klostermann, Simakan (81. Henrichs), Orbán (C), Gvardiol (60. Diallo), Raum (60. Halstenberg) – Forsberg (60. Olmo), Laimer, Kampl, Nkunku (60. Silva) – Werner
Bank: Nyland – Clark, Ba, Poulsen
TSG 1899 Hoffenheim: Baumann (C) – Kadeřábek (69. Skov), Kabak, Brooks, Akpoguma, Angeliño (46. Nsoki) – Kramarić, Geiger (61. Rudy), Baumgartner (61. Prömel) – Bebou (81. Dolberg), Dabbur
Bank: Philipp – Bičakčić, Becker, Tohumcu
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Hamburg)
Tore: 1:0 Nkunku (28.)
Torschüsse: 15 / 5
Schüsse aufs Tor: 2 / 1
expected Goals: 1,71 / 0,22
Passquote: 84% / 79%
Zweikampfquote: 52% / 48%
Ballbesitz: 58% / 42%
Laufleistung: 119,9 km / 121,0 km
Sprints: 252 / 266
Fouls: 9 / 14
Ecken: 7 / 1
Abseits: 3 / 1
Gelbe Karten: – / Rudy (3), Akpoguma (10)
gemeldete Zuschauer: 45.294
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion