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Erlösung in den Schlusssekunden – Leipzig trotzt dem VAR
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Erlösung in den Schlusssekunden – Leipzig trotzt dem VAR

Erlösung in den Schlusssekunden – Leipzig trotzt dem VAR

Rettung in letzter Minute oder im RB-Sprech: Hung(a)ry 4 more! Gegen Bremen hadert Leipzig einmal mehr mit dem VAR, gerät spät in Rückstand und siegt erst in den Schlusssekunden. Orbán und Szoboszlai erzielten beim 2:1 die Tore, Nkunku bereitete beide sehenswert vor. Ein hochemotionaler Erfolg, der die Tür zur Champions League jetzt ganz weit aufstößt.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Crunchtime in der Liga und im Pokal. Jedes Spiel zählt nun und durch die doppelten Siege in Freiburg haben sich die Rasenballer in eine gute Ausgangsposition gebracht. Zwei Heimsiege in der Liga und die Champions League ist gesichert. Den Anfang macht Werder Bremen, das in den letzten neun Spielen nur gegen Hertha gewinnen konnte und neben den Berlinern das formschwächste Team der Liga ist.

Rose konnte wegen einiger leichter Blessuren nicht ganz aus dem Vollen schöpfen. Gulácsi war noch außen vor, bei Schlager reichte es noch nicht für die Startelf, aber immerhin für die Bank, Olmo hingegen musste mit Muskelproblemen passen. Für den Spanier rückte Forsberg ins Team, sonst gab es im Vergleich zum Ligasieg in Freiburg keine Änderungen. Auch die etatmäßigen Linksverteidiger Raum und Halstenberg blieben für Henrichs erneut auf der Bank.

 

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Dreisatz des Spiels

Was für ein Herzkasperspiel – da wurden Erinnerungen wach an Last-Minute-Erfolge bzw. Comebacks gegen Dortmund, Darmstadt oder Halberstadt. Schnarchige Phasen mit langen Bällen, heiße Phasen mit einem traumwandlerischen Nkunku, eine umstrittene VAR-Entscheidung und ein Tor in quasi letzter Minute – das Spiel hatte alles. Insgesamt ein verdienter Leipziger Sieg, der aber sehr lange auf sich warten ließ, was beinahe in die Hose gegangen wäre.

 

Torschütze und Vorlagengeber zwei der besten Kicker auf dem Feld.

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Orbán: Willi stellte mit dem Tor zum Ausgleich seinen persönlichen Bundesligatorrekord auf. Der heimliche Kapitän bleibt ein echter Stabilitätsanker und einer der gefährlichsten Abwehrspieler im Kader. Die meisten gespielten Pässe und eine Zweikampfquote von gut 70% runden das gestrige Bild ab. Orbán ist zurecht als Innenverteidiger gesetzt. Beim Einwurf vor dem Gegentor im Verbund mit Henrichs aber nicht aufmerksam genug.

Szoboszlai: Nimmermüder Antreiber, der nach Werner (!) und Simakan die meisten Kilometer abriss und in der vordersten Pressinglinie unglaublich wichtig war. Belohnte sich am Ende mit dem Siegtreffer, der aber zu weiten Teilen auf Nkunku ging. Über die ganze Saison gesehen vielleicht der stabilste Offensivspieler im Kader. Schade, dass auch er sich mit einem möglichen Abgang zu beschäftigen scheint.

Nkunku: … macht Nkunku Dinge. Die letzten 20 Minuten drehte er auf und war von der Bremer Defensive kaum zu stoppen. Auch wenn ihm ein eigener Treffer durch VAR (66.) und Pavlenka (76.) knapp verwehrt blieb, so legte er beide Leipziger Tore präzise und sehenswert auf. In der ersten Halbzeit agierte der Franzose noch etwas lethargisch, aber was er am Ende zeigte, kann kein anderer im Team so wie er. Die Mammutaufgabe hier einen geeigneten Nachfolger zu finden hat Eberl noch nicht gelöst.

 

Rose zeigt es an: mental stimmts im Team.

 

Luft nach oben

Henrichs: Die linke Leipziger Abwehrseite war heute die Achillesferse. Henrichs stand hier nicht immer richtig, um die Gegenzüge und Flanken zu unterbinden. Mit Halstenberg kamen in der Schlussphase dann deutlich mehr Angriffe über Links, was aber auch an einem entfesselten Nkunku lag.


Tweet des Spiels

Für mehr Fehlentscheidungen braucht es keinen Keller.

 

Champagner statt Bier – die Fans

Für solche Spiele geht man ins Stadion. Großartig wie alle nach dem Rückstand Betrieb machten und Fans und Mannschaft als Einheit alles raushauten. Das Bewusstsein vom VAR verarscht worden zu sein und dass gegen Bremen noch etwas möglich ist, trieb alle an und schweißte zusammen. Der Ausbruch auf den Rängen nach dem Siegtreffer erinnerte an die großen Leipziger Stadionmomente und dürfte einige heiser nach Hause geschickt haben.

Die No-Show-Rate gegen Bremen deutlich niedriger, aber immer noch sichtbar und dass obwohl es kaum noch Tickets in der Börse gab. Wenn man als Fan schon nicht mal mehr zu den entscheidenden Spielen um die Champions League Qualifikation kommt, wann dann?

 

Wo andere sich selbst feiern oder maximal martialisch daherkommen, setzen die Leipziger Fans andere Zeichen!

 

Pfeife des Spiels

Achtes Spiel unter der Leitung von Florian Badstübner. Noch nie hatte Leipzig mit ihm an der Pfeife verloren bzw. alle Heimspiele gewonnen und 2021 auch schon mit 4:1 in Bremen gesiegt. Gute Vorzeichen also für das Spiel gegen die Werderaner.

Im Spiel fehlte Badstübner etwas die Linie. Er schwankte zwischen kleinlich und laissez faire, was bei beiden Teams für Unmut sorgte. Das 1:0 nach der Ansicht der Bilder zurückzunehmen war ein schlechter Witz. Wenn die Regeln dann immer so ausgelegt werden würden, OK, aber dann gäbe es wohl keine Tore mehr. Bezeichnend für seinen Wankelmut ließ er dann den Armeinsatz von Nkunku gegen Stark vor dem 2:1 durchgehen. Insgesamt muss aber konstatiert werden, dass einige Bremer sich vornehmlich durch Beschwerden und Fallsucht hervortaten. Gerade Bittencourt hatte scheinbar Lust, sich über Leipziger Grünflachen zu rollen.

 

Genesungswünsche gehen raus an Bittencourt.

 

Aufgefallen

1)      Wenn ein leichter Schubser einige Stationen vor dem Tor und noch in der eigenen Hälfte genügt, um den VAR auf den Plan zu rufen, warum erleben wir dann nicht jedes Spiel deutlich mehr Eingriffe? Weil diese Regeln absolut beliebig eingesetzt werden und die Zweikampfbewertung keiner klaren Linie folgen. Das ist beim Schiedsrichter auf dem Feld schon schlimm genug, wenn es dann auch noch der Offizielle am Bildschirm ähnliche Entscheidungsschwankungen an den Tag legt, potenziert sich das nur noch. Aktuell wirken Entscheidungen und Eingriffshöhe zu beliebig, um für das zu sorgen, für das sie eigentlich angepriesen wurden: mehr Gerechtigkeit.

2)      Erneut zu viele Pausen im Leipziger Offensivspiel. So entfesselt das Team nach dem Rückstand agierte, so problematisch waren Phasen wie die ersten 20 Minuten (2 Torschüsse), 30-50 bzw. 60-75 Minute (jeweils 0 Torschüsse – den aberkannten Treffer mal außen vor). Sicherlich kann nicht immer ein Feuerwerk abgebrannt werden, aber etwas mehr als in 45 Minuten Nettospielzeit zwei Torschüsse hinzulegen, darf es dann schon sein. Gerade wenn bekannt ist, dass ein Sieg nötig ist.

 

Badstübner und dem VAR fehlte es an Linie.

 

3)      Grund für die offensiven Schaffenspausen sicherlich auch die Bremer Defensive. Viel fürs Spiel machten die Hansestädter nicht, aber verteidigen konnten sie. Das Team von Ole Werner stand kompakt und verschob geschickt im Block, so dass sich für die Rasenballer kaum Passwege eröffneten. Ein Olmo in Form hätte hier vielleicht eher die Schnittstellen gefunden und ein Nkunku der Schlussphase hätte wohl auch eher Löcher gerissen als einer der ersten 70 Minuten. Diese Schaffenspausen im Leipziger Spiel sind ein wiederkehrendes Markenzeichen der Rückrunde. Nur in wenigen Spielen – vornehmlich im Pokal – sorgte das Team für konstanteren Druck auf die Gegner.

 

Was Nkunku am Ende aufs Feld brachte war Weltklasse.

 

4)      Zeitweise war es daher auch ein Spiel auf Konter, in dem sich erst durch einen Fehler des Gegners im Aufbauspiel Chancen ergaben. Bei Bremen, weil das ihr einziger Ansatz war, bei Leipzig, weil aus dem Spiel heraus kaum gute Situationen erzeugt werden konnten – meist weil der letzte oder gar vorletzte Pass nicht saß. Ein Nebenprodukt war, dass gerade in den Anfangsphasen der beiden Hälften vornehmlich Weitschüsse abgegeben wurden, da kaum Wege in den Strafraum der Bremer führten.

 

Kaum zu stoppen, schade, dass er nun bei Chelsea ohne internationalen Wettbewerb versauern wird.

 

5)      Auffällig, wie sehr Raum und vor allem Silva aktuell in den Hintergrund treten. Im Prinzip ein Spiel, bei dem es weniger Räume gab und in dem auch Leipzig auf Flanken setzte (Raum) bzw. es der Mannschaft schwerfiel, Bremen durch einen gepflegte Ballstafette auseinanderzunehmen (Silva). Trotzdem spielen beide Spieler derzeit kaum eine Rolle. Dass Silva sich daher mit Abwanderungsgedanken trägt, verwundert nicht. Auch wenn Werner nicht gerade im Formhoch ist, hat der Portugiese keine Chance an ihm vorbeizukommen. Was auch daran liegt, dass Werner deutlich mannschaftsdienlicher agiert (meiste Kilometer). Im Spiel gegen und ohne den Ball liegen nämlich Silvas Schwächen. Im Sturm wird es also im Sommer Veränderungen geben.

6)      Mit dem verdienten, aber auch glücklichen Sieg fehlt RBL aus den letzten zwei Spielen nur noch ein Sieg, um sich zum siebenten Mal in Folge für den internationalen Wettbewerb (davon sechs Mal Champions League) und zum vierten Mal in Folge für die Königsklasse zu qualifizieren. Es wäre enorm wichtig, um das Team zusammenzuhalten, denn einige werden ihren Verbleib auch an die Champions League-Teilnahme gekoppelt haben, gerade Olmo, Gvardiol und Szoboszlai sind hier Kandidaten. Durch die Abgänge Laimers und Nkunkus wird der Transfersommer schon schwer genug.

 


Der Spielbericht des ZDF.

 

7)      Für Freiburg sieht es nun stark nach der Europa League aus. Auch gegen Union gab es eine Niederlage – union-typisch natürlich mit den üblichen Zutaten, also jeder Schuss aufs Tor war drin und weniger xG als der Gegner. Da Freiburg das schwerere Restprogramm hat, sind Union und Leipzig klar in der Pole. Für die Berliner könnte es durch das Leipziger Spiel in München sogar am Ende zu Platz 3 reichen.

 


Rose ist stolz auf die Antwort seines Teams nach dem Rückstand und hadert mit dem VAR.

 

Ein nervenaufreibender Kick, den Leipzig im Prinzip hochverdient gewonnen hat. Wer weiß, wie es ohne den VAR-Eingriff abgelaufen wäre, aber so wurde es natürlich nochmal extrem emotional. Mentalität hat die Mannschaft jedenfalls, um nach solchen Rückschlägen zurückzukommen.

Die Erfolge gegen Freiburg waren wichtig, aber sie wären nutzlos, wenn die Rasenballer nicht auch gegen Bremen und Schalke liefern. Der Last-Minute-Sieg gegen Bremen stößt das Tor zur Champions League ganz weit auf. Freiburg hat noch ein schweres Restprogramm und muss selbst gewinnen, RBL reicht im Zweifel ein Sieg am letzten Spieltag gegen Schalke.

Davor geht es aber nach München, wo Leipzig das Zünglein an der Waage zur Meisterschaft werden kann. Eine Waage auf die RBL sich ohne diverse Ausrutscher in der Rückrunde und den schwachen Saisonstart wohl auch hätte legen können. Bayern muss jedenfalls siegen, um sich den BVB vom Hals zu halten. Wobei man sich als RBL-Fan schon fragt, was da schlimmer ist. Die drölfzigste Meisterschaft des FCB oder zum Steigbügelhalter der Borussen zu verkommen. Sollte Leipzig in München siegen – was zugegeben nicht gerade wahrscheinlich ist – und der BVB am Ende deswegen die Meisterschale in den Händen halten, würde ich das dringende Bedürfnis empfinden mich sehr gründlich waschen zu müssen.

 

Wie viel Luft hat RBL wirklich noch?

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Statistik
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs (71. Halstenberg), Orbán (C, Simakan, Klostermann (71. Gvardiol) – Haidara (71. Kampl), Laimer (81. Schlager) – Szobozlai, Nkunku, Forsberg (76. Poulsen) – Werner
Bank: Nyland – Silva, Raum, Diallo
SV Werder Bremen: Pavlenka – Veljković, Stark, Friedl (C) – Weiser, Gruev (76. Schmidt), Jung – Bittencourt (77. Dinkçi), Schmid (86. Mbom), Ducksch (76. Philipp), Stage
Bank: Zetterer – Buchanan, Groß, Chiarodia
Schiedsrichter: Florian Badstübner (Hamburg)
Tore: 0:1 Bittencourt (70.), 1:1 Orbán (87.), 2:1 Szoboszlai (90. + 6.)
Torschüsse: 20 / 6
Schüsse aufs Tor: 7 / 2
expected Goals: 2,25 / 1,13
Passquote: 85% / 72%
Zweikampfquote: 64% / 36%
Ballbesitz: 62% / 28%
Laufleistung: 115,5 km / 113,5 km
Sprints: 242 / 193
Fouls: 12 / 20
Ecken: 3 / 1
Abseits: 5 / 1
Gelbe Karten: Henrichs (8), Szoboszlai (3) / Stark (9), Jung (2), Friedl (8), Bittencourt (8), Gruev (3)
gemeldete Zuschauer: 47.069


Rumpelstilzchen