Farblos in der Farbenstadt
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Nach dem Jubel über den Supercupsieg ist vor dem Brot & Butter Geschäft: der Bundesliga. Mit dem ersten Titel der noch jungen Saison meldete sich Leipzig eindruckvoll zurück und das trotz eines immensen Umbruchs. Mit Leverkusen, das sich gut verstärkt hatte und in der letzten Rückrunde lange Zeit zu den besten Teams zählte, ging es zum Auftakt zu einem ganz schönen Brocken.
Rose setzte auf die never change a winning team-Formel und nahm keine Änderungen zur Startelf gegen München vor. Šeško fiel kurzfristig verletzt aus, auch deshalb Werner weiter gesetzt. Seiwald blieb vor Kampl und auch Lukeba vorerst auf der Bank.
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Dreisatz des Spiels
So leichtgewichtig wie in der ersten Halbzeit darfst du in Leverkusen nicht auftreten! Die Gastgeber waren in allen Mannschaftsteilen griffiger und giftiger und ließen Leipzig besonders im Zentrum keinen Platz, womit sie geschickt Fehler provozierten und nutzten. Raum glänzte zwar als Vorbereiter, aber defensiv war seine Seite viel zu luftig. Frimpong, Wirtz, Boniface und Hofmann führten RBL nicht nur einmal wie am Nasenring durch die Manege. Die Offensive Leipzigs war viel zu abgeschnitten, so dass die Tore für die Rasenballer jeweils aus Standards resultierten. Rose hat noch einiges an Arbeit vor sich, um Leipzig schnell wieder in die Spur zu bekommen. Nächste Woche kommt der Tabellenführer und danach geht es zu Union, der personifizierten Giftigkeit.

Gute Stimmung vor dem Spiel, aber das sollte sich schnell ändern.
Neu im Bullenstall
Openda mit dem Treffer zum 2:3 und einigen guten Ansätzen. Leider aber auch mit „der“ vergebenen Großchance des Spiels, die er aus kurzer Distanz erst über den Ball schlägt und den Nachschuss an den Pfosten setzt. Gott bewahre welche Kommentare bei der Aktion über Werner zu lesen gewesen wären. Ehrlicherweise gab es daneben zwar gute Ansätze, aber auch kaum Abschlüsse, so dass hier noch Luft nach oben ist.
Seiwald und Schlager in der Abstimmung und im Spiel gegen den Ball noch mit gehörigem Verbesserungspotenzial. Das Zentrum wohl der Knackpunkt im ersten Durchgang, weswegen Leverkusen das bestimmende Team war. Kampl machte es später besser, sogar als alleinige Sechs am Ende, wobei ehrlicherweise dann Wirtz und Xhaka nicht mehr auf dem Feld waren.
Simons wenig auffällig nur mit ein paar guten Szenen, er hatte körperlich seine Probleme mit den physisch starken Bayer-Spielern. Auch Carvalho nicht viel besser. Aktuell nicht auf der Schöpfungshöhe von Nkunku oder Szoboszlai, da muss noch deutlich mehr kommen. Letztlich sollte das Bayer-Spiel hier als Lehre für die Härte der Bundesliga gelten. Da müssen die beiden nun hin.
Lukeba kam und musste gleich ein Gegentor hinnehmen, da fehlte kurz die Abstimmung mit Raum und keiner war in der Lage Frimpong zu stoppen oder den Pass zu unterbinden. Wird sicherlich besser werden. Ob das nun wie dann im Spiel in eine Dreierkette münden muss, wird abzuwarten sein.

Das Trainerduell ging an Xabi.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Blaswich: Immer wieder auf dem Posten, trotz der drei Gegentore. Konnte jeweils da sehr wenig machen. Überrumpelte Abwehr und sehr kurze Distanz beim 1:0, sehr guter Kopfball beim 2:0 und Geniestreich von Wirtz beim 3:1. Holte beim Stand von 2:1 eine Monsterparade gegen Wirtz raus.
Raum: Hier aber vor allem die offensive Seite. Starke Flanken und an beiden Toren beteiligt. Leider defensiv eher in der anderen Kategorie einzuordnen – aber man soll ja die positiven Seiten sehen… Hier muss Rose überlegen, wo er hinwill. In einer Viererkette kann Raum – wie gegen Bayer – zum Schwachpunkt werden. In einer Fünferkette muss er eine andere Offensivkraft opfern.
Simakan: Starke Zweikampfquote und zudem die meisten Duelle auf Leipziger Seite sowie eine Torvorbereitung. Dazu die meisten Passmeter in Richtung gegnerisches Tor. Während Orbán auf der ungewohnten linken Seite haderte, konnte Simakan auf rechts mehr glänzen. Wird spannend, wie sich das nun mit Lukeba sortiert.

Auch die starken EInwechsler konnten die Niederlage am Ende nicht verhindern.
Luft nach oben
Seiwald: Wie schon oben erwähnt passt das nicht so gut. Im Zentrum war das Missmatch des Spiels, wobei Seiwald hier auch nur ein Puzzleteil war. Kein gute Abstimmung mit Schlager, kaum Pässe nach vorn, wenig griffig. Aber auch Schlager war insgesamt nur ein My besser.
Simons: Nkunku war das Leipziger Alpha und Omega. Er hat Simons große Fußstapfen hinterlassen, die der junge Niederländer gegen Leverkusen nicht zu füllen vermochte. Hier und da ein paar Ansätze reichten nicht. Konnte zudem wie Werner, der ebenso tief agierte, nicht das Zentrum stabilisieren.
Werner: Leider der schlechteste Leipziger und weit weg von der Gamma-Strahlen-Form der frühen Jahre. Wenn man gestern „falsche Entscheidungen“ im Lexikon nachgeschlagen hätte, wäre dort ein Bild von Timo zu finden gewesen.
Tweet des Spiels
Am Ende wurdest du heute von Leverkusen aufgefressen.
— GordonShumway™ (@bumbumbastisch) August 19, 2023
Die Niederlage ist kein Beinbruch, sofern die Lernkurve vorhanden ist.
Wichtig ist auch, dass die Mannschaft die Physis für sich entdeckt. #B04RBL
Normale Bundesligahärte, das ist für einige scheinbar noch Neuland...
Champagner statt Bier – die Fans
Auch wenn Samstag 15:30 Uhr sicherlich ideale Bedingungen waren, so dürfte das Ferienende bzw. das Einschulungswochenende und das Highfield-Festival auch wieder einige in Leipzig gehalten haben. Die Aktion mit Sommerkleidung in die Farbenstadt zu reisen zog einen Teil der Fans an, der Spaß daran hatte. Gegen Stuttgart sollen alle in Rot kommen.
Abseits davon starker Support von Leverkusen, die damit auch die Leipziger übertönten. Ruhig wurde es im zweiten Durchgang als ein Fan in den Innenraum stürzte und sich eine Platzwunde zuzog. Erst am Spielende, als klar war, dass es nichts Schlimmeres war, wurde der Support beiderseits wieder aufgenommen.
Die Werkself war der zu erwartende schwere Gegner, der vor allem in den ersten 60 Minuten klar besser war.
— RBoligei (@BoligeiR) August 19, 2023
Einige Defizite wurden bei uns aufgezeigt, während zwei Standard-Tore uns im Spiel hielten.
Kopf hoch Spieler und Fans.. Wir gewinnen und verlieren gemeinsam! 🙏#B04RBL pic.twitter.com/tqDmgfrT7D
Nächste Woche gemeinsam den Tabellenführer wuppen, das muss das Ziel sein!
Pfeife des Spiels
Sagen wir es mal so, es gibt definitiv bessere Auswärtsbilanzen von Leipzig bei Beteiligungen von Schiedsrichtern als unter Brych. In elf Spielen gab es nur vier Siege (Bochum, Augsburg * 2 und Leverkusen 2016). Da geht definitiv mehr. Brychs Laissez Faire kam Leverkusens physischerem Ansatz jedenfalls mehr entgegen als Leipzig, aber insgesamt war da nichts schlimmes dabei, da muss sich RBL schon an die eigene Nase fassen.

Werner leitete mit dem Ballverlust das 1:0 für Leverkusen ein.
Aufgefallen
1) Physisch ist Leipzig ohne Szoboszlai und Laimer aktuell noch eine Stufe hemdsärmeliger aufgestellt als letzte Saison und auch da war man im Zentrum schon das eine oder andere Mal unterlegen. Leverkusen hatte hingegen mit Xhaka genau an dieser Schwachstelle nachgelegt und hatte mit Wirtz und Hofmann auch zwei sehr griffige offensive Mittelfeldspieler, die dem Leipziger Zentrum das Leben sehr schwer machten. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob RBL an dieser Stelle nicht auch mal einen höher gewachsenen und giftigen Spieler braucht, wie es Can, Goretzka oder auch Xhaka bei den anderen Bundesligatopklubs sind. Nichtsdestoweniger hätten auch Seiwald und Schlager vom Zusammenspiel und der Griffigkeit (Zusammen lediglich 6 von 14 Zweikämpfen gewonnen, Xhaka und Palacios hingegen 14 von 22 – das sind Welten) besser auftreten können, wenn nicht müssen.
2) Zum dritten Mal in Folge kann Leipzig den Bundesligaauftakt nicht gewinnen. Was die drei Jahre andauernde Serie von Hasenhüttl und Rangnick einstellt. Nur Nagelsmann konnte bisher mit RBL am ersten Spieltag in der höchsten Spielklasse siegen. Das ist für ein Team, welches regelmäßig Champions League spielt dann doch zu dürftig und hängt den Rest der Saison dann wie ein Klotz am Bein. Leverkusen sicherlich kein einfacher Gegner, aber auch nicht unschlagbar. Die fast schon indiskutable erste Halbzeit in der RBL wenig zustande brachte war am Ende nicht mehr aufzuholen, auch wenn Openda denkbar knapp am Ausgleich scheiterte.
Wir haben quasi mit einem Mann weniger gespielt 🙄 #TimoWerner
— RBoligei (@BoligeiR) August 20, 2023
56% Passquote
0% gewonnene Zweikämpfe
0% gewonnene Dribblings
0 Flanken
0 Torvorlagen
0 Tore
Hinzu die technischen Mängel bei der Ballverarbeitung.
Keine Ahnung was mit ihm passiert ist. Er war mal komplett anders pic.twitter.com/MMvVVuUpLd
Timo Werners Formkrise verschärft sich weiter.
3) Nach zwei Siegen in München und dem Supercupgewinn schlugen einige Medien schon die Meisterschaftspauke. Deren Fell dürfte jetzt erstmal geplatzt sein und die Mannschaft ist nach der ersten Niederlage im ersten Bundesligaspiel hart auf den Boden der Tatsachen aufgeschlagen. Nun gilt es für Rose die seinen zusammenzutrommeln und die Probleme aus dem Spiel anzugehen. Die sind mannigfaltig: Werners Formkrise, zu leger daherkommendes Zentrum, schlechte Defensivabstimmung und zu offene Außenbahnen sowie zu wenig Offensivdruck bzw. Vertikalität aus dem Spiel heraus.
4) Poulsen war am Ende vielleicht der beste Einwechselspieler. Auch Kampl machte seine Sache ordentlich. Der Däne leitete die Chance von Openda ein und hatte selbst in der 85. eine aussichtsreiche Kopfballchance. Auch defensiv immer wieder eingebunden und bis in den eigenen Strafraum wichtig. In dieser Hinsicht wie schon im Pokalfinale besser als Werner. Kampl steuerte am Ende alleine das defensive Mittelfeld, wobei ihm die Arbeit aber auch dadurch erleichtert wurde, dass die besten Leverkusener schon ausgewechselt waren. Poulsen und Henrichs mit insgesamt 4 von sechs Abschlüssen aufs gegnerische Tor – die anderen beiden waren Openda und Olmos Kopfballtreffer. Zum einen zeigt dies, wie wichtig auch der erfahrenen Kicker sind, zum anderen untermauert es leider die spielerische Armut des Leipziger Spiels über weite Strecken.
Nach der 2. HZ ein durchaus glücklicher, aber auch nicht unverdienter Sieg für Bayer.
— Niklas (@gNiklas43) August 19, 2023
Defensiv müssen definitiv noch Schritte gegangen werden.
Offensiv sollte auch noch mehr aus dem Spiel gehen.
MotM: Blaswich.
Werner & Seiwald noch mit Potenzial nach oben.#B04RBL #RBLeipzig https://t.co/CKACddV7pF
An einigen Stellen gab es Luft nach oben...
5) Auf dem Transfermarkt will Leipzig angeblich nochmal zuschlagen. Wie es aktuell aussieht, wäre Theate von Rennes das Ziel. Für den Belgier haben die Franzosen vor einem Jahr 19 Mio gelöhnt und erwarten sicherlich eine saftige Rendite. Spielerisch wäre das eher die Variante Halstenberg, also ein defensiver Linksverteidiger mit Hang zum Innenverteidiger. Das würde auf eine Viererkette sicherlich passen. Raum müsste dann entweder nach vorn oder es wird auf eine Dreierkette umgestellt.
6) Insgesamt geht der Sieg für Leverkusen in Ordnung. xG technisch waren beide Teams zwar gleichauf, aber die beiden besten Chancen des Spiels hatten die Gastgeber. Das Tor von Frimpong zum 1:0 und eigentlich auch der Schuss von Wirtz kurz nach der Pause sind klare Angelegenheiten. Olmos Kopfball war etwas glücklich und Openda und Tah bewegen sich im PSxG (wie wahrscheinlich kann der Keeper den Schuss parieren, nachdem er abgegeben wurde) auf gleicher Höhe. Bleibt Opendas Pfostentreffer, aber letztlich irgendwo über weite Strecken zu wenig von RBL.

Olmo mit dem Tor zum zwischenzeitlichen 2:1.
Ein Fehlstart ist es noch nicht, aber ein echter Dämpfer, der hoffentlich zur rechten Zeit kommt. Bis zur ersten Länderspielpause geht es noch gegen Stuttgart (Tabellenführer) und zu Union (siehe aktuelle Bundesligabilanz). Rose hat nun einige Hausaufgaben zum Schul- bzw. Bundesligastart. Vertikalität zurückbringen, Defensive stabilisieren, Härte und Abstimmung im Zentrum herbeiführen usw. Das wird sportlich anspruchsvoll. Wenn die nächsten zwei Spiele ebenfalls nicht gewonnen werden, dann wären wir voll im Fehlstartmodus, aber soweit ist es noch nicht.

Henrichs' Fernschüsse hatten es in sich.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
Bayer 04 Leverkusen: Hradecky – Tapsoba, Tah, Koussounou – Frimpong (78. Arthur), Palacios, Xhaka, Grimaldo – Hofmann (89. Amiri), Wirtz (75. Andrich) – Boniface (89. Hlozek)
Bank: Kovar – Fosu-Mensah, Münz, Mbamba, Puerta
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs, Simakan, Orban (C), Raum – Schlager (84. Fabio Carvalho), Seiwald (62. Lukeba) – Xavi (62. Kampl), Dani Olmo – Werner (62. Poulsen), Openda (75. Forsberg)
Bank: Zingerle – Klostermann, Baumgartner, Novoa
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Tore: 1:0 Frimpong (24.), 2:0 Tah (35.), 2:1 Olmo (39.), 3:1 Wirtz (64.), 3:2 Openda (71.)
Torschüsse: 11 / 14
Schüsse aufs Tor: 7 / 6
expected Goals: 1,73 / 1,60
Passquote: 82% / 86%
Zweikampfquote: 48% / 52%
Ballbesitz: 44% / 56%
Laufleistung: 114,44 km / 112,91 km
Sprints: 268 / 214
Fouls: 13 / 10
Ecken: 4 / 5
Abseits: 2 / 0
Gelbe Karten: Boniface (1) / Seiwald (1), Lukeba (1)
Zuschauer: 29.464 (ca. 1000 Leipziger)
Rumpelstilzchen
Das dachte ich mir letztens auch, als ich den Preis vom neuen Trikot gesehen habe - 150 € und dann noch für ein paar Euro den Namen von so einer Eintagsfliege drauf. Im Leben nicht.